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Häusliche Gewalt gegen Frauen. Zur Bedeutung von gesellschaftlich verankerten Geschlechterhierarchien und -konzepten

Titre: Häusliche Gewalt gegen Frauen. Zur Bedeutung von gesellschaftlich verankerten Geschlechterhierarchien und -konzepten

Thèse de Bachelor , 2016 , 66 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Alina Jeske (Auteur)

Travail Social
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Tragen gesellschaftlich verankerte Geschlechterhierarchien und Geschlechterkonzepte zur häuslichen Gewalt bei? Diese Frage hat viele Diskussionen ausgelöst und zu wenig Übereinstimmungen geführt. Ausgehend von geschlechtertheoretischen Perspektiven und feministischen Ansätzen der Gewaltforschung werden in dieser Arbeit verschiedene Konzepte und deren Verbindung mit Gewalt vorgestellt und die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung für die Entstehung und Aufrechterhaltung häuslicher Gewalt gegen Frauen diskutiert.

Die neue Frauenbewegung hat Anfang der 70er Jahre dazu beigetragen, dass das Thema Gewalt gegen Frauen nicht mehr als Privatsache, sondern als gesellschaftliches Problem öffentlich wahrgenommen wird. Heute leben wir in einer aufgeklärten Gesellschaft, die laut Grundgesetz jedem Menschen ein Leben auf körperliche Unversehrtheit garantiert.

So sind in den vergangenen Jahren zwar bedeutende Veränderungen erreicht worden, gelöst ist das Problem der Gewalt im Geschlechterverhältnis bislang jedoch nicht. Dies kann daran liegen, dass Hintergründe für Gewalt mittlerweile nicht mehr nur in Persönlichkeitsfaktoren und familialen Konstellationen, sondern genauso in den gesellschaftlichen Strukturen zu suchen sind. Innerhalb dieser gesellschaftlichen Strukturen können Ursachen für Häusliche Gewalt u.a. mit traditionell geprägten Hierarchiedenken in der Gesellschaft und vorgefestigten Konzepten von Männlichkeit und Weiblichkeit zusammenhängen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Festlegung des Gewaltbegriffes

2.1 Häusliche Gewalt in Ehe- und Partnerbeziehungen

2.2 Gewalt im Geschlechterverhältnis

3. Verhältnis von Gewalt und Geschlecht aus einer geschlechtertheoretischen Perspektive

3.1 Gewalt und Geschlecht – ein Strukturzusammenhang

3.1.1 Das Konzept der hegemonialen Männlichkeit

3.1.2 Der männliche Habitus

3.2 Geschlecht als soziale Konstruktion

3.2.1 Die Trennung von sex und gender

3.2.2 Das Konzept des doing gender

3.3 Geschlechtsspezifische Sozialisation

4. Feministische Ansätze der Gewaltforschung: Häusliche Gewalt im gesellschaftlichen Kontext

4.1 Traditionell geschlechtsspezifische Rollenbilder und Geschlechterhierarchien

4.2 Doppelte Vergesellschaftung von Frauen

5. Empirische Untersuchung

5.1 Methodische Vorgehensweise

5.2 Auswertung der Experteninterviews

5.2.1 Interview B1 (Kategorie 1-3)

5.2.2 Interview B2 (Kategorie 1-3)

5.2.3 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle gesellschaftlich verankerter Geschlechterhierarchien und Geschlechterkonzepte bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von häuslicher Gewalt gegen Frauen. Ziel ist es, diese Zusammenhänge theoretisch zu fundieren und durch eine qualitative empirische Untersuchung zu veranschaulichen.

  • Strukturelle Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern
  • Soziale Konstruktion von Geschlecht (Doing Gender)
  • Traditionelle Geschlechterrollenbilder und deren Auswirkungen
  • Empirische Analyse von Experteninterviews zum Thema

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Das Konzept der hegemonialen Männlichkeit

Wird der Fokus auf strukturell verankerte Geschlechterhierarchien gelegt, ist das Konzept der hegemonialen Männlichkeit von Raewyn Connell als Ansatz einer soziologischen Theorie von Männlichkeit zu berücksichtigen. So formuliert er:

„Ohne den Kontrastbegriff ‚Weiblichkeit‘ existiert ‚Männlichkeit‘ nicht. Eine Kultur, die Frauen und Männer nicht als Träger und Trägerinnen polarisierter Charaktereigenschaften betrachtet, […], hat kein Konzept von Männlichkeit im Sinne der modernen westlichen Kultur.“ (Connell 2015, S. 120)

Connells Ansatz ist demnach eine machttheoretische Analyse von Männlichkeit, innerhalb dessen zwischen verschiedenen Männlich- und Weiblichkeiten unterschieden wird. (vgl. Kersten 1997, S. 48) Die Grundannahme, dass das männliche Geschlecht dem Weiblichen gegenüber sozial privilegiert ist, findet sich auch in diesem Ansatz wieder und betont die Dominanz von Männern gegenüber Frauen. Erweitert wird in diesem Konzept der Aspekt einer gleichzeitigen Unterordnung und Ausgrenzung von nebeneinander existierenden Formen von Männlichkeit. (vgl. Meuser 2006, S. 104) Das Konzept setzt somit die Annahme voraus, dass es nicht nur die eine Männlichkeit innerhalb der Gesellschaft gibt, sondern eine Vielzahl, die in hierarchischen Beziehungen zueinander stehen.

Hegemoniale Männlichkeit ist somit ein Modus von Herrschaft, welcher sich auf heterosoziale und homosoziale Beziehungskonstellationen innerhalb des Geschlechterverhältnisses bezieht. Dieser Modus reproduziert sich über ein Machtgefälle und hängt mit der Konstruktion von Geschlecht zusammen. Für diese geschlechtsspezifische Konstellation hat Connell den Ausdruck ‘hegemonic masculinity‘ (vgl. Kersten 1997, S. 48) geprägt, welche die dominante Position des Mannes im Geschlechterverhältnis garantiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der häuslichen Gewalt gegen Frauen und Darlegung der zentralen Fragestellung.

2. Definition und Festlegung des Gewaltbegriffes: Definition der Begriffe „häusliche Gewalt“ und „Geschlechterverhältnis“ zur theoretischen Eingrenzung.

3. Verhältnis von Gewalt und Geschlecht aus einer geschlechtertheoretischen Perspektive: Analyse der Zusammenhänge zwischen Gewalt und Geschlecht mittels struktur- und konstruktionstheoretischer Ansätze.

4. Feministische Ansätze der Gewaltforschung: Häusliche Gewalt im gesellschaftlichen Kontext: Beleuchtung der gesellschaftlichen Faktoren und der doppelten Vergesellschaftung von Frauen als Ursachen für Gewalt.

5. Empirische Untersuchung: Durchführung und Auswertung qualitativer Experteninterviews zur Praxisrelevanz der theoretischen Konzepte.

6. Fazit: Zusammenführende Diskussion der Ergebnisse und Beantwortung der Forschungsfrage.

Schlüsselwörter

Häusliche Gewalt, Geschlechterhierarchien, Geschlechterkonzepte, Hegemoniale Männlichkeit, Männlicher Habitus, Doing Gender, Feministische Gewaltforschung, Soziale Konstruktion, Geschlechtsspezifische Sozialisation, Patriarchat, Machtverhältnisse, Experteninterviews, Soziale Arbeit, Rollenstereotype, Strukturzusammenhang.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss gesellschaftlich tief verankerte Geschlechterhierarchien und Vorstellungen von Geschlechterrollen auf die Entstehung und den Fortbestand von häuslicher Gewalt gegen Frauen haben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit fokussiert sich auf geschlechtertheoretische Perspektiven, feministische Gewaltforschung, das Konzept der hegemonialen Männlichkeit, den männlichen Habitus sowie die soziale Konstruktion von Geschlecht.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu ergründen, ob und wie gesellschaftliche Strukturen und Rollenbilder als Ursachen oder Verstärker für häusliche Gewalt agieren, sowohl theoretisch als auch anhand von Praxisberichten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für die empirische Untersuchung verwendet?

Es wurde eine qualitative Forschungsmethode angewandt, konkret die Durchführung von zwei leitfadengestützten Experteninterviews mit Fachkräften aus der sozialen Praxis.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Gewaltverhältnisse und Geschlecht sowie eine empirische Auswertung, die diese Theorien mit den Erfahrungen aus der sozialpädagogischen Arbeit abgleicht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen „häusliche Gewalt“, „Geschlechterhierarchien“, „hegemoniale Männlichkeit“, „doing gender“ und „soziale Konstruktion“.

Inwiefern unterscheidet sich die Täterperspektive laut den Experten von der des Opfers?

Die Experten heben hervor, dass für Täter vor allem frühkindliche Prägungen – etwa das Verbot von Gefühlen – entscheidend sind, während bei Opfern oft existenzielle Abhängigkeiten und erlernte Hilflosigkeit im Vordergrund stehen.

Welche Rolle spielt die Erziehung für die Aufrechterhaltung von Geschlechterhierarchien?

Die Befragten betonen, dass bereits durch Rollenbilder in der Kindheit (Spielzeug, Kleidung) sowie das Vorbildverhalten der Eltern Hierarchien implementiert werden, die Kinder als „normal“ verinnerlichen und später in ihre eigenen Beziehungen tragen.

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Résumé des informations

Titre
Häusliche Gewalt gegen Frauen. Zur Bedeutung von gesellschaftlich verankerten Geschlechterhierarchien und -konzepten
Université
University of Duisburg-Essen  (Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik)
Note
1,7
Auteur
Alina Jeske (Auteur)
Année de publication
2016
Pages
66
N° de catalogue
V324146
ISBN (ebook)
9783668232488
ISBN (Livre)
9783668232495
Langue
allemand
mots-clé
Häusliche Gewalt Gewalt gegen Frauen Geschlechterhierarchien Geschlechterkonzepte
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Alina Jeske (Auteur), 2016, Häusliche Gewalt gegen Frauen. Zur Bedeutung von gesellschaftlich verankerten Geschlechterhierarchien und -konzepten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324146
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