Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über mögliche Unterschiede im Risikoverhalten von Frauen und Männern bei der Geldanlage. Dazu werden Erkenntnisse vorhandener Studien aufgearbeitet, sowie die Ergebnisse einer eigenen Studie, bei der 200 anonymisierte Kundendaten einer Vermögensverwaltung analysiert wurden, dargelegt und interpretiert. Resultat dieser Auswertungen ist, dass Männer meist über ein höheres Einkommen und Depotvolumen verfügen, stärker in risikoreichere Anlageformen, wie z.B. Aktien, investieren und mehr Transaktionen durchführen, als Frauen. Allerdings verringern sich diese Unterschiede mit zunehmendem Einkommen und Vermögen. Dann werden sowohl Männer, als auch Frauen risikofreudiger.
Als Ursache dieser Unterschiede wird die Overconfidence von Männern, der Umgang mit Risiken, der Einfluss der Kultur und Gesellschaft und das Gefühl von Kompetenz bewertet. Dabei zeigt sich, dass vor allem die Kultur und Erziehung für das Entstehen von geschlechtsspezifischen Risikoverhalten bei der Geldanlage verantwortlich sind. Die Erkenntnisse dieser Arbeit sind sowohl für Wissenschaftler, Finanzdienstleister, als auch Privatanleger von Interesse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Homo Oeconomicus und Behavioral Finance
2.1 Behavioral Finance
2.2 Overconfidence
3. Risiko und Ungewissheit
4. Ursachen und Analyse unterschiedlichen Anlageverhaltens
4.1 Ursachen unterschiedlichen Anlageverhaltens
4.2 Analyse unterschiedlichen Anlageverhaltens
5. Eigene Anlagenrecherche
5.1 Daten und Vorgehensweise
5.2 Ergebnisse
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das geschlechtsspezifische Risikoverhalten bei der Geldanlage und analysiert, inwieweit Unterschiede zwischen Frauen und Männern in diesem Bereich existieren und durch welche Faktoren sie begründet werden. Dabei wird insbesondere der Einfluss von Selbstüberschätzung, kulturellen Strukturen sowie sozioökonomischen Faktoren wie Einkommen und Vermögen beleuchtet.
- Grundlagen des Homo Oeconomicus und der Behavioral Finance
- Die Rolle der Overconfidence bei Anlageentscheidungen
- Empirische Analyse des Anlageverhaltens von Frauen und Männern
- Einflussfaktoren von Kultur, Erziehung und Wissen auf das Risikoprofil
- Vergleich von Renditeerwartungen und tatsächlicher Performance
Auszug aus dem Buch
2.2 Overconfidence
Von Overconfidence (deutsch: Selbstüberschätzung) spricht man, wenn die Sicherheit einer Person über die Richtigkeit einer Antwort höher ist, als die wahre, relative Häufigkeit des Zutreffens dieser Antwort. Sie ist ein wichtiger psychologischer Faktor, der viele Entscheidungen beeinflusst (Vgl. Jungermann, Pfister & Fischer (2005), S. 189f). So kam die Studie von Fischhoff et al. zu dem Ergebnis, dass Menschen allgemein die Exaktheit ihres Wissens überschätzen (Vgl. Fischhoff, Slovic & Lichtenstein (1977), S. 561). Doch ist die Entstehung von Selbstüberschätzung, wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Ein Erklärungsansatz ist, dass man, nachdem man eine Entscheidung getroffen hat, überlegt, wie sicher die eigene Antwort war. Dabei durchsucht man das eigene Wissen meist nur nach Informationen, welche die eigene Auswahl untermauern. Anderen Informationen, die gegen die eigene Sichtweise sprechen, wird dabei weniger Beachtung geschenkt. Diese einseitige Beurteilung führt dazu, ungerechtfertigtes, übermäßiges Vertrauen in die eigene Antwort zu legen (Vgl. Jungermann, Pfister & Fischer (2005), S. 189f). Es kommt vor allem dann zur Selbstüberschätzung, wenn Vorgänge bewertet werden, bei denen die Vorhersagbarkeit gering ist und man kein schnelles und klares Feedback auf die eigenen Beurteilungsmaßstäbe erhält (Vgl. Fischhoff, Slovic & Lichtenstein (1977), S. 558ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Geldanlage ein und begründet die Relevanz der Untersuchung für Wissenschaft und Wirtschaft.
2. Homo Oeconomicus und Behavioral Finance: Es werden die theoretischen Modelle zur Entscheidungsfindung, einschließlich der Kritik am klassischen Homo Oeconomicus und der Bedeutung der Behavioral Finance, dargestellt.
3. Risiko und Ungewissheit: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Risiko und Gefahr sowie die psychologischen Grundlagen, nach denen Individuen unter Ungewissheit handeln.
4. Ursachen und Analyse unterschiedlichen Anlageverhaltens: Hier werden zentrale Einflussfaktoren wie Kultur, Kompetenz und Selbstüberschätzung theoretisch hergeleitet und anhand empirischer Belege analysiert.
5. Eigene Anlagenrecherche: Dieser Teil beschreibt die methodische Vorgehensweise und die Ergebnisse einer eigenen Datenauswertung aus 200 Kundendepots einer Vermögensverwaltung.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Interpretation der Ergebnisse und einem Ausblick auf zukünftige Forschungsfragen ab.
Schlüsselwörter
Geldanlage, Risikoverhalten, Geschlechtsspezifische Unterschiede, Behavioral Finance, Overconfidence, Selbstüberschätzung, Vermögensverwaltung, Anlageverhalten, Anlagestrategie, Rendite, Finanzmarkt, Soziale Strukturen, Investmentfonds, Aktien, Transaktionskosten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und warum sich das Risikoverhalten von Frauen und Männern bei der Geldanlage unterscheidet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die psychologische Fundierung durch Behavioral Finance, der Einfluss von Overconfidence sowie der Effekt sozioökonomischer Faktoren auf die Portfolioentscheidung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, die Ursachen für geschlechtsspezifische Unterschiede im Anlageverhalten zu identifizieren und empirisch zu belegen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin kombiniert eine Literaturanalyse bestehender Studien mit einer eigenen empirischen Untersuchung von 200 anonymisierten Kundendaten einer Vermögensverwaltung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Ursachen wie Kultur und Selbstüberschätzung sowie praktische Auswirkungen auf Depotstruktur, Handelsfrequenz und erzielte Rendite.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Risikoverhalten, Overconfidence, geschlechtsspezifische Geldanlage und die Gegenüberstellung von rationalen Marktmodellen zur verhaltenswissenschaftlichen Realität.
Wie unterscheiden sich die Anlageziele von Frauen und Männern?
Die Studie zeigt, dass der langfristige Wertzuwachs für beide Geschlechter das wichtigste Ziel ist, wobei Männer jedoch häufiger zu aktiven Strategien und spekulativeren Werten tendieren.
Welche Rolle spielt die Selbstüberschätzung für die Performance?
Die höhere Selbstüberschätzung von Männern führt oft zu einer höheren Handelsfrequenz, was durch Transaktionskosten die Rendite im Vergleich zu Frauen stärker mindern kann.
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- Markus Schultes (Author), 2016, Geschlechtsspezifisches Risikoverhalten bei der Geldanlage, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324202