Sprachvariation und Plurizentrik. Zur Geschichte und Sprachpolitik des Deutschen und Französischen


Hausarbeit, 2016
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist Sprache?

3 Die Geschichte der deutschen Sprache

4 Die Entstehungsgeschichte des Hochdeutschen
4.1 Das Althochdeutsche
4.2 Das Mittelhochdeutsche
4.3 Frühneuhochdeutsch
4.4 Neuhochdeutsch
4.5 Das heutige Deutsch

5 Sprachliche Variation im Deutschen

6 Die Geschichte der französischen Sprache
6.1 Die Romanisierung Galliens
6.2 Das Altfranzösische
6.3 Das Mittelfranzösische
6.4 Die französische Sprache vom 16. bis 18. Jahrhundert
6.5 Von der französischen Revolution bis zum heutigen Französisch

7 Die französische Sprache geographisch
7.1 Das Französische in Europa
7.2 Das Französische außerhalb Europas

8 Die Variation im Französischen

9 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Thema dieser Arbeit ist die Standardisierung der Sprachen und Plurizentrik. Die zentrale Fragestellung lautet „Warum wird heutzutage die französische Sprache innerhalb der Frankophonie mehr vereinheitlicht als das Deutsche in den DACH Ländern“. Die Aufgabe war nun diese Fragestellung zu beantworten. Diesbezüglich habe ich sowohl den geschichtlichen als auch den geographischen Hintergrund miteinbezogen und diesem den Großteil der Arbeit, ja fast die ganze Arbeit, gewidmet. Zuvor habe ich Sprache definiert. Essentiell zur Beantwortung der zentralen Frage sind das fünfte und das achte Kapitel. In diesen Kapiteln geht es um Variationen des Deutschen und Französischen. Variationen sind Unterschiede von der Standardsprache, sprich Dialekte. Sprachen, die dialektal beeinflusst sind bzw. die es noch in anderen Dialekten gibt, nennt man plurizentrische Sprachen.

Zur Beantwortung der zentralen Sprache habe ich Bücher als Quellen verwendet. Das Buch „Plurizentrik“ von Kellermeier-Rehbein hat mir im Bereich der Sprachlichen Variation des Deutschen weitergeholfen. Die Quelle „Grundkurs Sprachwissenschaft“ von Volmert habe ich in den Kapiteln 2,3 und 4 verwendet. Des Weiteren habe ich das Werk „Einführung in die französische Sprachwissenschaft“ von Geckeler und Dietrich verwendet. Die Kapitel der Geschichte der Französischen Sprache und die Variation im Französischen habe ich damit aufs Papier gebracht. Mit Hilfe des Buches „Frankophonie“ von Erfurt habe ich die geographischen Zusammenhänge der französischen Sprache niederschreiben können. Die Quelle „Germanistische Linguistik“ von Stenschke und Busch habe ich nur einmal verwendet, nämlich in Kapitel 2 als ich die Sprache definiert habe. Wie gewünscht habe ich die deutsche Zitierweise mit Fußnoten angewendet. Das Ziel dieser Arbeit war die Beantwortung der Frage. Ich hoffe das ist mir gelungen. Das Fazit rundet diese Arbeit ab.

2 Was ist Sprache?

Seit Beginn der Menschheit haben sich Menschen gefragt, was Sprache eigentlich ist. Immer dann, wenn die Menschen ihre Laute mit denen von Tieren verglichen oder wenn sie den Erwerb der Erwachsenensprache bei Kleinkindern beobachteten, stellten sich solche und ähnliche Fragen.[1] Schon immer war es das Ziel Wörter für irgendwelche „Dinge der Welt“ weiterzugeben, um sich leichter zu verständigen.

Dass die Sprache ein Verständigungsmittel ist, welches nur innerhalb einzelner Stämme bzw. Ethnien funktioniert, wurde den Menschen erst bewusst, als sie auf andere Stämme trafen. Genau dann funktionierte die Kommunikation gar nicht und der andere Stamm wurde als barbaroi=Stammler eingeschätzt.[2]

In der Menschheitsgeschichte und in der Lebensgeschichte des Einzelnen fängt das Philosophieren über Sprache dann an, wenn man mit der Verständigung nicht weiter kommt. Wird im Alltag ein Begriff oder die richtige Aussprache nicht gefunden, fangen die Menschen an, metasprachliche Mittel zu verwenden, um das Kommunikationsproblem zu lösen.[3] Das funktioniert durch Untersuchung des sprachlichen Instruments. Man nennt das sprechen über Sprache „Metasprache“. Diese beschäftigt sich mit der Objektsprache, die die Sprache ist, mit der man die Dinge selbst beschreibt.[4]

Die Vorläufer der Sprachwissenschaft sind die Philosophie, die Rhetorik und die Theologie. Philosophische Fragen über die Sprache und die Sprachwissenschaft stellten sich bereits in der Antike. Das Interesse an der Rhetorik begann im 5. Jh. v. Chr. in Griechenland und später im Römischen Reich.[5] Dabei lag der Schwerpunkt darin, die Rede wirkungsvoll auszuschmücken und auszugestalten. Schließlich folgte die Theologie mit der Auslegung der Bibel als der „Sprache göttlicher Offenbarung“.[6] Seit der ersten Hälfte des 19. Jh. begann die eigentliche Sprachwissenschaft. Anfangs ging es dabei nur um die Sprachgeschichte, die Sprachverwandtschaften und die Sprachursprünge. Heutzutage ist die Sprachwissenschaft in eine Fülle von Einzeldisziplinen aufgespalten.[7] Sie ist eine Wissenschaft, die sehr komplex und vielschichtig ist.

3 Die Geschichte der deutschen Sprache

Den Ursprung hat die deutsche Sprache in der Indoeuropäischen Sprachfamilie. Die Indoeuropäische Sprachfamilie ist mit 140 Sprachen und etwa 2 Mrd. Sprechern die weitverbreitetste.[8] Es ist nicht eindeutig geklärt, wo die Indoeuropäische Sprache ihren Ursprung hat. Die Wissenschaft nimmt an, dass sie im Iran oder im Süden Russlands bzw. der Ukraine oder im nördlichen Balkan angesiedelt ist.[9]

Die Familie der germanischen Sprachen ist ein eigener Zweig der Indoeuropäischen Sprache. Sie lässt sich auf das Gemein- oder Urgermanische zurückführen. Das Siedlungsgebiet lässt sich auch hier nicht genau nachweisen. Vieles spricht für die Küsten Südskandinaviens, Dänemark und die norddeutsche Küste zwischen Weser und Oder.[10] Die Entstehung des Urgermanischen aus dem Indoeuropäischen haben wir vermutlich einer Wanderung von Stammesverbänden zu verdanken, die um das Ende des 3 Jahrtausends v. Chr. stattgefunden haben muss. Es ist nicht eindeutig belegt, wie das Urgermanische entstanden ist. Man vermutet allerdings, dass es bedingt durch die Stammeswanderung und der damit verbundenen Vermischung beider Sprachen entstanden ist. Bis 400 v. Chr. war dieser Prozess abgeschlossen.

Die wichtigsten sprachlichen Neuerungen waren:[11]

- Lautverschiebung
- Der Akzentwandel
- Die damit verbundene Vereinfachung des Indoeuropäischen Endungssystems und die hierdurch beginnende Entwicklung vom synthetischen zum analytischen Sprachbau.
- Die Systematisierung des Ablauts bei starken Verben
- Die Herausbildung der schwachen Verben und der schwachen Adjektivflexion.

Zu Beginn der Wanderungsbewegungen lassen sich fünf große germanische Stammesgruppen identifizieren: Die Nordgermanen, die Ostgermanen, die Herminonen, die Istväonen, die Ingväonen.[12] Alle fünf Stammesgruppen haben weite Teile Europas mit ihrer Sprache beeinflusst.

4 Die Entstehungsgeschichte des Hochdeutschen

4.1 Das Althochdeutsche

Die nächste Entwicklungsstufe für das Neuhochdeutsche ist die Ausgliederung des Althochdeutschen aus der Gruppe der elb- und rheingermanischen Dialekte. Die Veränderung zum Althochdeutschen begann vermutlich im 6. Jh. Eine Entwicklung lässt sich bei den Vokalen feststellen. Folgte ein i oder j auf einen Vokal dann wurde dieser Vokal umgelautet.[13]

Bsp.: gotisch: full-jan; Althochdeutsch: ful-jan; Neuhochdeutsch: füllen

Des Weiteren war eine Veränderung, dass bei den Verben und Substantiven der Umlaut morphologisiert wurde, wie z. B. den Plural bestimmter Substantive und den Konjunktiv bei Verben.[14] Bei den Konsonanten werden die stimmlosen Verschlusslaute p, t und k, sofern sie am Ende der Silbe stehen, zu den stimmlosen Reibelauten f, s und x verschoben. Stehen p, t und k am Anfang der Silbe, werden sie zu den Affrikaten pf, ts, und kx verschoben.[15]

Genauso positiv war die Entwicklung des Wortschatzes, der vom Lateinischen und Griechischen beeinflusst wurde. Die 1. Lateinische Welle ist daran zu erkennen, dass die Entlehnungen die zweite Lautverschiebung mitgemacht haben.[16] Im Zuge der Christianisierung brachte eine zweite Welle von lateinischen Lehnwörtern eine gewaltige Erweiterung des Wortschatzes.

4.2 Das Mittelhochdeutsche

Zwischen 1050 und 1150 entwickelte sich das Mittelhochdeutsch. Es war eine Dialektübergreifende Verkehrssprache, die in vielen Gebieten Mitteldeutschlands und Oberdeutschlands verbreitet war. Sie entstammte der epischen und lyrischen Literatur.[17] Die zur damaligen Zeit aufs Papier gebrachten literarischen epischen Erzählungen, Minnelieder und Spruchdichtungen waren mit den französischen vergleichbar. Der neue mitteldeutsche Feudalismus wurde für die nächsten 100 Jahre zum Pfeiler einer aristokratische-literarischen Kultur. Es war eine kurze Blütezeit, die jedoch richtungsweisend für die weitere kulturelle Entwicklung war. Veränderungen, die das Mittelhochdeutsche mit sich brachte, waren u.a. der Ausgleich zwischen den oberdeutschen und mitteldeutschen Dialekten, wobei das Bairische und Alemannische dominierten.[18]

Das Spätmittelhochdeutsche wird auf die Zeit zwischen 1250 und 1450 datiert und ist durch den Niedergang des Rittertums geprägt. Der Verlust der politischen und sozialen Stellung hatte einen Rückgang der höfischen Kultur zur Folge. Parallel dazu etablierte sich das städtische Bürgertum, das für die kulturelle Entwicklung immer mehr an Bedeutung gewann.[19] Die Literatur befasste sich nun auch mit alltäglichen Themen. Nach und nach wurde immer mehr in der Landessprache verfasst. Dabei waren die Patrizier, Kaufleute und die Handwerker die Vorreiter, weil sie die Schrift beherrschten. Um das 12. Jh. entstehen erste städtische Schulen, in denen das Schreiben in Deutsch gelehrt wird.[20]

Von Mitte des 13. bis Ende des 16. Jh. entstand im ganzen Ostseeraum und in Nieder- und Mitteldeutschland eine überregionale Verkehrssprache, die sich bis nach Oberdeutschland ausbreiten konnte. Dabei handelte es sich um einen aus Lübeck entstammenden norddeutschen Dialekt, der sich im Jahre 1143 herausgebildet hatte. Das sogenannte Hansedeutsch war hauptsächlich von wirtschaftlichem Interesse und fand hauptsächlich als Schriftsprache in Verträgen Anwendung. Größtenteils ging es dabei um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Hansestädten, die bis nach England, Skandinavien und sogar Russland reichten. Großen Anteil hat das damalige Hansedeutsch auf das Dänische und Schwedische ausgeübt und macht immer noch einen großen Teil ihres Wortschatzes aus.[21] Die Ostkolonisation führte schließlich dazu, dass sich Siedler um das 1. Jahrtausend in den von Slawen bewohnten Gebieten zwischen Elbe und Saale niederließen. Dadurch entstanden das Ostmitteldeutsche und das Ostniederdeutsche. Das Ostmitteldeutsche sollte noch bedeutend werden, weil es bei der Entwicklung des Neuhochdeutschen eine wichtige Rolle spielte. Vorbild war dabei die Schriftsprache der Markgrafschaft Meißen.[22]

4.3 Frühneuhochdeutsch

Die Zeit zwischen 1450 und 1650 wird als die Phase des Frühneuhochdeutschen bezeichnet. Folgende Faktoren waren an der Ausbreitung neuer Verkehrssprachen beteiligt:[23]

- Der Übergang vom Pergament zu billigerem Papier
- Die Erfindung des Buchdrucks gegen 1450
- Die Ausweitung des Lese- und Vorlesepublikums durch Literarisierung der oberen Schichten des Bürgertums.
- Im Kanzleiwesen ist man von der lateinischen zur deutschen Sprache übergegangen.
- Der Ausbau der Handelsbeziehungen
- Glaubenskämpfe bedingt durch die Reformation

Der Prozess lief weitgehend unbemerkt. Während die Bildung einer Nationalsprache in England und Frankreich problemlos von Statten ging, dominierten in Deutschland viele konkurrierende Schreibsprachen. Diese vier Varietäten waren am weitverbreitetsten:[24] Das Lübecker Niederdeutsch, das Mittelniederdeutsch, das gemeine Deutsch und das Ostmitteldeutsch.

Das Frühneuhochdeutsche wies gegenüber dem Mittelhochdeutschen folgende Veränderungen auf:[25] Die Diphthongierung, die Monophthongierung, die Qualitätsverschiebungen bei bestimmten Vokalen, der Prozess der Synkopierung und Apokopierung, die Vereinfachung des Formenbestands und die Harmonisierung der Substantive.

Zwischen dem 16. und 17. Jh. breitet sich die kulturelle Bewegung des „ Humanismus “ aus und bringt eine Menge von lateinischen und griechischen Bezeichnungen in den Bereichen Rechtssprache, Medizin, Mathematik und Grammatik.

Die Glaubenskämpfe ab 1520 waren der Beginn der Herausbildung einer deutschen Nationalsprache. Es war Luther, dessen Bibelübersetzung und sein „ Deudsch Katechismus “ jeweils mehr als 100.000-mal gedruckt wurden, der den Grundstein für das Neuhochdeutsch legte.[26] Der Weg zum Neuhochdeutsch war ein langsam voranschreitender Prozess, der Ende des 18. Jh. den gesamten deutschen Sprachraum erfasst hat. Die oberen Schichten der Bevölkerung haben das Neuhochdeutsche recht schnell übernommen, während die ärmere Bevölkerung an den alten Dialekten festhielt.[27]

[...]


[1] Vgl. Volmert, 2005, S. 9

[2] Vgl. Volmert, 2005, S. 10

[3] Dergl.

[4] Dergl.

[5] Vgl. Busch & Stenschke, 2007, S. 7

[6] Vgl. Volmert, 2005, S. 11

[7] Dergl.

[8] Vgl. Volmert, 2005, S. 31

[9] Dergl.

[10] Dergl.

[11] Vgl. Volmert, 2005, S. 32

[12] Vgl. Volmert, 2005, S. 34-35

[13] Vgl. Volmert, 2005, S. 36

[14] Dergl.

[15] Vgl. Volmert, 2005, S. 37

[16] Vgl. Volmert, 2005, S. 38

[17] Vgl. Volmert, 2005, S. 39

[18] Vgl. Volmert, 2005, S. 40

[19] Vgl. Volmert, 2005, S. 41

[20] Dergl.

[21] Vgl. Volmert, 2005, S. 42

[22] Dergl.

[23] Vgl. Volmert, 2005, S. 42-43

[24] Vgl. Volmert, 2005, S. 43

[25] Vgl. Volmert, 2005, S. 44

[26] Vgl. Volmert, 2005, S. 45

[27] Dergl.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Sprachvariation und Plurizentrik. Zur Geschichte und Sprachpolitik des Deutschen und Französischen
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V324257
ISBN (eBook)
9783668234758
ISBN (Buch)
9783668234765
Dateigröße
845 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Plurizentrik, Varietäten, Dialekt, Sprachwissenschaft, Sprache, Linguistik, Deutsche Sprachwissenschaft, Französische Sprachwissenschaft, Frankophonie, germanistische Linguistik, Sprachvarietäten, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Frühneuhochdeutsch, Neuhochdeutsch, Hochdeutsch, Altfranzösisch, Indoeuropäisch, Germanisch, Mittelfranzösisch, Renaissance
Arbeit zitieren
Lukas Otschko (Autor), 2016, Sprachvariation und Plurizentrik. Zur Geschichte und Sprachpolitik des Deutschen und Französischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324257

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