1 Einleitung
Nietzsche läßt Zarathustra sich vom Lehrer des Übermenschen weiter entwickeln und darüber hinaus zum Verkünder der ewigen Wiederkehr werden. Diesem Wiederkehrgedanken gibt Nietzsche eine zentrale Bedeutung. Er setzt ihn als grundlegende Annahme für ein freieres Leben; wobei er Freiheit als Absolutum ausschließt. Er glaubt eher in Anlehnung zu dem Begriff Wahrscheinlichkeit, statt Wahrheit, an „Freischein-lichkeit“ („ Menschliches Allzumenschliches“ Bd. 2, 1, S. 167), statt Freiheit.
In „Der Wille zur Macht“ gilt ihm der Wiederkehrgedanke als Gedanke der Abrechnung. Er sieht ihn, sobald er eine Realität erfahren würde, als schweren Gedanken für die Menschheit. Historisch bezeichnet er ihn als Mitte, und weltgestaltend als Pendant zum Christentum. Erst durch dessen Realisation hält Nietzsche jedoch eine menschenwürdigere, besser „lebenswürdigere“, Weiterentwicklung der Menschheit für möglich. Obwohl er seine These der ewigen Wiederkehr nicht zureichend wissenschaftlich begründen kann, gibt er sie nicht auf.
Als klassischer Philologe hat er sich mit dem vorsokratischen Verständnis des Leben als zyklische Kreisbewegung befaßt und war schon in dieser Zeit fasziniert von dessen Wirkung auf die damaligen Menschen. Das platonische und christliche Weltbild erscheint ihm dagegen als lebensfeindlich. Die altgriechischen Daseinsauffassungen haben ihn sein ganzes Schaffen hindurch beeinflußt, so daß er schließlich in „Zarathustra“ seine Visionen lebendig werden läßt.
In der Auseinandersetzung mit Nietzsches „Zarathustra“ faszinierte mich die existentielle Bedeutung des Wiederkehrgedankens und die Vorbedingungen, diesen Gedanken letztlich schöpferisch leben zu können. Die Vorstellung, daß alles identisch wiederkehrt, verführt zu der Annahme, daß dann auch nichts neu entstehen kann. Zarathustra betont jedoch das schöpferische Über-Sich-Hinausschaffen. So stellte sich mir die Frage, wie es möglich sein kann, dies miteinander zu vereinbaren.
Zarathustras Entwicklung und weitere Ausführungen in Nietzsches Gesamtwerk ließen mich eine Erklärung finden. Deshalb stellt meine Seminararbeit eine Betrachtung besonders des dritten und vierten Teils von „Also sprach Zarathustra“ dar, die der Frage nach geht, wie und warum Zarathustra zum Verkünder der ewigen Wiederkehr wird.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DIE STIMME DER STILLSTEN STUNDE
3 KONFRONTATION MIT DEM GEIST DER SCHWERE IM GESICHT UND RÄTSEL
4 RESÜMEE IN DER EINSAMKEIT
5 NEUE LEBENSPRINZIPIEN
6 REFORMATION DES GEDANKENS DER EWIGEN WIEDERKEHR
7 ZARATHUSTRAS ERLÖSUNG
8 ZARATHUSTRAS „LETZTE VERSUCHUNG“
9 ZARATHUSTRAS GASTMAHL
10 LETZTE VORBEREITUNGEN ZUM „GROBEN MITTAG“
11 ABSCHLIEBENDE BETRACHTUNG DES THEMAS
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die existenzielle Bedeutung des Wiederkehrgedankens in Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ und analysiert, wie Zarathustra durch die Überwindung des metaphysischen linearen Zeitverständnisses zum Verkünder der ewigen Wiederkehr wird. Dabei wird insbesondere der innere Wandlungsprozess des Protagonisten betrachtet.
- Die Überwindung metaphysisch gesetzter Werte und Daseinsauffassungen
- Die Transformation vom linearen Zeitverständnis zur ewigen Wiederkehr
- Die Rolle des Willens zur Macht als schöpferische Kraft
- Die existenzielle Bedeutung der Selbstüberwindung für den Menschen
- Zarathustras Umgang mit der nihilistischen Herausforderung
Auszug aus dem Buch
Zarathustras „letzte Versuchung“
Nietzsche läßt Zarathustra nach seiner vorläufigen Erlösung einige Jahre in der Einsamkeit verbringen, über die er nichts näheres schreibt. Er setzt den Fortgang der Geschehnisse erst wieder an, indem er Zarathustra erneut eine innere Unzufriedenheit verspüren läßt. Nach längerer Abkehr von den Menschen, allein mit seinem neuen Lebensgefühl, blickt Zarathustra mit Begier nach seinen Werken auf die Welt und ihre Abgründe.
Zarathustra versucht sich nun als unchristlicher Menschenfischer, der Honigköder als Sinnbild seiner Fülle auslegt, um skurrile Menschen zu sich ins Gebirge herauf zu locken.
Dieses Herbeiziehen von Menschen bietet eine Angriffsfläche für den Geist der Schwere. Zarathustra, der sich zum einen nach seinen Werken, seinen „Kindern“, sehnt und zum andern skurrile Gestalten anlocken will, wird ein böses Spiel gespielt.
Ein bereits in früheren Kapiteln eingeführter Wahrsager kommt zu Zarathustra, um ihn zum Mitleid zu verführen; - ein Mitleid, das sich der Not anderer annimmt und diese zu deren Linderung auf sich lädt. Der Wahrsager erzählt Zarathustra, der höhere Mensch sei in Not und rufe nach Zarathustra in seinen Gebirgswäldern. Auf der Suche nach diesem höheren Menschen begegnet nun Zarathustra seltsamen im Nihilismus verfangene Gestalten: zwei Königen, die ihrer Stellung überdrüssig sind, weil das zu regierende Volk und der Hochadel selbst ihnen zu wider ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Autorin legt die Forschungsfrage dar, wie Zarathustras Entwicklung zum Verkünder der ewigen Wiederkehr vor dem Hintergrund seiner Auseinandersetzung mit Nietzsches Gesamtwerk zu verstehen ist.
2 DIE STIMME DER STILLSTEN STUNDE: Dieses Kapitel analysiert Zarathustras Befreiung von metaphysischen Zeitvorstellungen und seine Wandlung vom Lehrenden zum Befehlenden.
3 KONFRONTATION MIT DEM GEIST DER SCHWERE IM GESICHT UND RÄTSEL: Der Fokus liegt auf Zarathustras innerem Ringen mit nihilistischen Gedanken und der metaphorischen Begegnung mit dem Geist der Schwere.
4 RESÜMEE IN DER EINSAMKEIT: Hier wird Zarathustras Rückzug in die Einsamkeit sowie seine kritische Haltung gegenüber den zeitgenössischen Werten und Lebensweisen der Menschen beleuchtet.
5 NEUE LEBENSPRINZIPIEN: Es werden die neuen Leitgedanken vorgestellt, die Nietzsche durch Zarathustra zur Umgestaltung menschlicher Gesinnung und zur Förderung des Übermenschen formuliert.
6 REFORMATION DES GEDANKENS DER EWIGEN WIEDERKEHR: Das Kapitel behandelt die Transformation des Wiederkehrgedankens von einem fatalistischen Modell hin zu einer bejahenden, schöpferischen Lebenskraft.
7 ZARATHUSTRAS ERLÖSUNG: Zarathustras Erlösung wird als individueller Schaffensakt und als Akt der Selbstüberwindung interpretiert, der die Bindung an metaphysische Schuld aufhebt.
8 ZARATHUSTRAS „LETZTE VERSUCHUNG“: Zarathustras Versuch, „höhere Menschen“ durch Honigköder in sein Gebirge zu locken, wird als Gefahr durch den Geist der Schwere und als Konfrontation mit nihilistischen Gestalten analysiert.
9 ZARATHUSTRAS GASTMAHL: Die Begegnung mit den Gästen in seiner Höhle und die Feier des „großen Mittags“ symbolisieren den Versuch einer Transformation der Gäste zu Genesenden.
10 LETZTE VORBEREITUNGEN ZUM „GROBEN MITTAG“: Das Kapitel reflektiert Zarathustras „Nachtwandler-Lied“ als Lobpreis der ewigen Wiederkehr und die Bereitschaft der Menschheit zur fundamentalen Selbstüberwindung.
11 ABSCHLIEBENDE BETRACHTUNG DES THEMAS: Die Arbeit fasst zusammen, dass die ewige Wiederkehr in Verbindung mit dem Übermenschen und dem Willen zur Macht eine notwendige Perspektive zur Überwindung des Nihilismus darstellt.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Zarathustra, Ewige Wiederkehr, Übermensch, Wille zur Macht, Geist der Schwere, Nihilismus, Selbstüberwindung, Daseinsauffassung, Lebensbejahung, Lebenswille, Metaphysik, Erlösung, Menschenbild, Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit?
Die Arbeit analysiert die philosophische Entwicklung Zarathustras in Nietzsches Werk „Also sprach Zarathustra“, insbesondere seine Transformation zum Verkünder der „ewigen Wiederkehr“.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Überwindung des Nihilismus, das Konzept des Übermenschen, den Willen zur Macht und die radikale Umgestaltung von Lebensprinzipien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den inneren Wandlungsprozess Zarathustras zu klären, der ihn befähigt, die „ewige Wiederkehr“ nicht als fatalistischen Kreislauf, sondern als schöpferische Lebenskraft zu begreifen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin nutzt eine textanalytische Untersuchung des dritten und vierten Teils von „Also sprach Zarathustra“ sowie eine vergleichende Einordnung in Nietzsches übriges Gesamtwerk und sekundärliteraturwissenschaftliche Kontexte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Phasen: von der stillsten Stunde über den Kampf mit dem Geist der Schwere und der Begegnung mit dem „höheren Menschen“ bis hin zur abschließenden Feier des „großen Mittags“.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Zentrale Begriffe sind neben der „ewigen Wiederkehr“ der „Geist der Schwere“, die „Selbstüberwindung“, die „Wollust“, die „Herrschsucht“ sowie das „Erlösung“ genannte Konzept der Befreiung von der Vergangenheit.
Wie definiert Zarathustra das „Eselsfest“ im Kontext der Arbeit?
Das „Eselsfest“ wird als ein Akt gedeutet, in dem die Gäste durch ein Rollenspiel versuchen, ihre eigene Gott- und Wahrheitssuche zur Groteske zu führen, was Zarathustra als Indiz für ihre beginnende Genesung wertet.
Warum lehnt Zarathustra das lineare Zeitverständnis ab?
Die lineare Zeitauffassung wird als nihilistisch und lebensfeindlich abgelehnt, da sie den Menschen flüchtig erscheinen lässt und statische Ziele setzt, während die Vorstellung der „ewigen Wiederkehr“ als Ring das Leben als schöpferische Dynamik bejaht.
- Quote paper
- Elke Rosenberger (Author), 1998, Nietzsches Zarathustra und der Gedanke der ewigen Wiederkehr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3277