„Auf Aufsehen erregende Weise ist das Thema ‚Migration und ihre Folgen für Bildung und Erziehung‘ am Beginn des 21. Jahrhunderts durch den sog. PISA-Schock in die öffentliche Diskussion in Deutschland gelangt.“ (Gogolin 2003, S. 101) Spätestens mit dieser Studie hat das Thema Migration seine alte Aktualität zurück erlangt. Erneut steht die Frage der Integration im Mittelpunkt. „Ich möchte keine zweisprachigen Ortsschilder haben.“ Das war 2002 die Überschrift eines Interviews mit dem deutschen Innenminister Otto Schily. Im Vergleich zu den Inhalten des Interviews erscheint die Überschrift noch harmlos. Schily vertritt die Meinung, die Minderheiten sollten sich anpassen und Deutsch lernen, denn die beste Integration sei Assimilation (vgl. List 2003, S. 33). Diese Einstellung divergiert sehr von den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und Diskussionen.
Dieser Arbeit liegt keine eindeutige Fragestellung zugrunde; sie hat vielmehr Überblickscharakter und verfolgt das Ziel, Grundlagen der pädagogischen Diskussion rund um das Thema „Integration von Kindern mit Migrationshintergrund in der Schule“ offenzulegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zur Aktualität des Themas
1.2 Historische Hintergründe der Migration in Deutschland
2. Allgemeine Begriffsklärungen
2.1 Der Kulturbegriff im interkulturellen Kontext
2.2 Reizwort: Kulturelle Differenz
2.3 Multikulturalität - Interkulturalität
2.4 Der Integrationsbegriff
3. Aspekte der aktuellen pädagogischen Diskussion
3.1 Interkulturelles Lernen
3.1.1 Teilaspekte des interkulturellen Lernens
3.1.2 Von der Ausländerpädagogik zur interkulturellen Pädagogik
3.1.3 Generelle Ansätze der interkulturellen Erziehung
3.1.3.1 Handlungsfelder und Phasen der interkulturellen Erziehung
3.1.3.2 Universalistische versus kulturrelativistische Ansätze
3.1.3.3 Pädagogik der Begegnung versus Konfliktpädagogik
3.1.4 Ansätze des interkulturellen Lernens
3.1.4.1 Die Ansätze von Sternecker, Otten und Essinger
3.1.4.2 Der Ansatz von Reviere
3.2 Sprache und Kommunikation
3.2.1 Der Spracherwerbsprozess von Deutsch als Zweitsprache
3.2.2 Förderung von Sprache in der Schule
3.2.2.1 Deutschkurse
3.2.2.2 Muttersprachlicher Unterricht
3.2.2.3 Konzepte bilingualer Erziehung
3.2.2.4 Mehrsprachigkeit im Unterricht
3.2.3 Herausforderungen an Schulen
3.3 Institutionelle Diskriminierung in der Schule
3.3.1 Gründe für institutionelle Diskriminierung an Schulen
3.3.2 Schule als Organisation
3.3.3 Entscheidungsstellen in der schulischen Laufbahn
3.3.4 Interventionschancen
3.3.4.1 Aktuelle Entwicklungen zum Abbau von institutioneller Diskriminierung in England und in der Schweiz
3.3.4.2 Konsequenzen für das Bildungssystem Deutschland
3.4 Blickpunkt Lehrer
3.4.1 Lehrer im Umgang mit kultureller Differenz: Empirische Untersuchungen
3.4.1.1 Der Umgang mit Konflikten
3.4.1.2 Das Beispiel Kopftuch
3.4.2 Interkulturelle Kompetenz
3.4.3 Lehrerausbildung und -fortbildung
3.5 Bildungspolitik
3.5.1 Curricula
3.5.1.1 Eine eigene Analyse: Der Rahmenplan Grundschule Hessen
3.5.1.2 Untersuchungen von Lehrplänen
3.5.1.3 Curricula der Europa-Schulen
3.5.1.4 Fächer für Multikulturalität, Sexualkunde und islamische Religion?
3.5.1.5 Anforderungen an die Curricula in Deutschland
3.5.2 Internationale schulpolitische Reaktionen auf Multikulturalität
3.5.2.1 Das Beispiel Australien
3.5.2.2 Das Beispiel Kanada
3.5.2.3 Perspektiven für die Bildungspolitik in Deutschland
4. Resümee
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese wissenschaftliche Hausarbeit verfolgt das Ziel, Grundlagen der pädagogischen Diskussion rund um das Thema „Integration von Kindern mit Migrationshintergrund in der Schule“ offenzulegen. Ohne eine eindeutige Fragestellung zu verfolgen, liefert die Arbeit einen Überblick über aktuelle Herausforderungen, Lösungsansätze und bildungspolitische Entwicklungen in einer multikulturell geprägten Schullandschaft.
- Interkulturelles Lernen und Kompetenzentwicklung bei Schülern und Lehrkräften.
- Herausforderungen in den Bereichen Sprache, Kommunikation und Mehrsprachigkeit.
- Analyse von institutioneller Diskriminierung und deren Ursachen im Bildungssystem.
- Untersuchung von Curricula und schulpolitischen Reaktionen im In- und Ausland.
- Die Rolle der Lehrerausbildung und -fortbildung für eine erfolgreiche Integration.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Von der Ausländerpädagogik zur interkulturellen Pädagogik
Am Anfang der Ausländerpädagogik stand die Forderung der Kultusminister im Jahr 1964, die allgemeine Schulpflicht auch auf ausländische Kinder auszuweiten. Somit verzehnfachte sich der Anteil ausländischer Schüler zwischen 1964 und 1970 von 5000 auf 50000 (vgl. Marburger 1991, S. 23). Die Schulen, Lehrkräfte und Ausbildungsstätten waren jedoch nicht darauf eingestellt; bis auf wenige Ausnahmen gab es erst in den achtziger Jahren entsprechende Aus- und Fortbildungsmaßnahmen. Nun gab es rigorose Reformforderungen, alle pädagogischen Fachkräfte auf die Umstände einer multikulturellen Gesellschaft vorzubereiten.
Zusätzlich fehlten lange Lehrmaterialien und pädagogische und didaktische Grundkonzepte. Die Integration unter der Prämisse der Ausländerpädagogik erfolgte durch Segregation und / oder Assimilation. Im Sinne der Segregation wurden reine Ausländerklassen gebildet (die oft den jungen, unerfahrenen Lehrern überlassen wurden); in Bezug auf den Ansatz der Assimilation wurden Vorbereitungsklassen und Förderkurse angeboten. Die Aufgabe solcher Vorbereitungsklassen war das schnelle Erlernen der deutschen Sprache durch die ausländischen Schüler, um diese möglichst rasch in die Regelklasse integrieren zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet die Aktualität des Themas Migration im Bildungssystem und erläutert den Überblickscharakter der vorliegenden Arbeit.
2. Allgemeine Begriffsklärungen: Definiert zentrale Begriffe wie Kultur, kulturelle Differenz, Multikulturalität, Interkulturalität und Integration für den erziehungswissenschaftlichen Kontext.
3. Aspekte der aktuellen pädagogischen Diskussion: Behandelt die verschiedenen Schwerpunkte der interkulturellen Pädagogik, von interkulturellem Lernen über Sprachförderung bis hin zu Fragen der Bildungspolitik und Lehrerbildung.
4. Resümee: Fasst die Kernergebnisse der Untersuchung zusammen und plädiert für eine nachhaltige Etablierung interkultureller Bildung im Bildungssystem.
Schlüsselwörter
Migration, Integration, Interkulturelle Pädagogik, Schule, Ausländerpädagogik, Interkulturelles Lernen, Mehrsprachigkeit, Institutionelle Diskriminierung, Lehrerausbildung, Schulerfolg, Sprachförderung, Multikulturalität, Bildungsbenachteiligung, Migration in Deutschland, Interkulturelle Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen wissenschaftlichen Überblick über die pädagogische Diskussion zur Integration von Kindern mit Migrationshintergrund in deutschen Schulen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen interkulturelles Lernen, die Rolle der Sprache, Probleme institutioneller Diskriminierung, die Professionalität von Lehrkräften sowie bildungspolitische Strategien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Grundlagen der pädagogischen Diskussion offenzulegen und aufzuzeigen, wie Schule als Institution mit der kulturellen Vielfalt umgehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallstudien und empirischen Untersuchungen zur Schulsituation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Diskussionsbereiche, darunter interkulturelle Konzepte, Sprachfördermaßnahmen, Diskriminierungsrisiken in der Schullaufbahn und internationale Vergleiche (Australien, Kanada).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Migration, Integration, Interkulturelle Kompetenz, institutionelle Diskriminierung und Schulerfolg.
Wie unterscheidet sich die Ausländerpädagogik von der interkulturellen Pädagogik?
Während die Ausländerpädagogik eher defizitorientiert war und auf Assimilation setzte, verfolgt die interkulturelle Pädagogik einen mehrperspektivischen Ansatz und zielt auf Anerkennung und Austausch ab.
Welche Rolle spielt die Muttersprache laut dieser Arbeit?
Die Muttersprache ist für die Identitätsbildung und den kognitiven Zweitspracherwerb entscheidend; ihr Erhalt und ihre Förderung werden daher als bildungspolitisch notwendig angesehen.
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- Fee Krausse (Author), 2003, Zur Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Aspekte der aktuellen pädagogischen Diskussion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33254