In dieser Hausarbeit soll es um die Analyse einiger Begriffe gehen, die für die Untersuchung von Korruption benutzt werden. Zum einen soll der Begriff der „Moralökonomie“ wie er von Olivier de Sardan benutzt wird, näher betrachtet und auf seine Eignung hin geprüft werden (Thema 1). Zum anderen soll der ganze Komplex, der sich mit der Sprache (in) der Korruption befaßt, vorgestellt und beurteilt werden (Thema 2). Diese zwei Themen werden getrennt voneinander behandelt werden und erhalten des besseren Verständnisses wegen jeweils ihre eigene Einleitung und ihr eigenes Fazit. Gemeinsam ist jedoch beiden Themen, daß sie die benutzten Begriffe auf ihre Eignung für das jeweilige Thema untersuchen und eventuell auch Verbesserungsvorschläge machen. THEMA 1) Für eine „Moralökonomie“ der Korruption?
Inhaltsverzeichnis
0. Allgemeine Einleitung
Thema 1) Für eine „Moralökonomie“ der Korruption?
1. Einleitung
2. Die „Moralökonomie“ nach Thompson und Scott
3. Die „Moralökonomie“ nach de Sardan
4. Die „Economy of Affection“ nach Hyden
5. Fazit: „Moralökonomie“ oder „Economy of Affection“?
Thema 2) Die Sprache der Korruption
6. Einleitung
7. Rhetorik der Korruption
8. Semiologie der Korruption
8.1. Semantik der Korruption
8.2. Diskurs über Korruption
9. Fazit: Rhetorik, Semiologie, Semantik oder Diskurs der Korruption?
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert wissenschaftliche Begriffsdefinitionen, die zur Erforschung von Korruption herangezogen werden, um deren Eignung und Anwendbarkeit zu prüfen. Dabei wird untersucht, wie sich theoretische Konzepte wie „Moralökonomie“ oder „Economy of Affection“ auf korruptive Praktiken anwenden lassen und wie sprachwissenschaftliche Analysebegriffe zur Erforschung des Phänomens beitragen.
- Analyse und Kritik des Begriffs „Moralökonomie“ im Kontext der Korruptionsforschung.
- Vergleich der „Moralökonomie“ nach Thompson, Scott und de Sardan mit der „Economy of Affection“ nach Hyden.
- Untersuchung der sprachlichen Dimension von Korruption durch Rhetorik, Semiologie, Semantik und Diskursanalyse.
- Bewertung der Eignung verschiedener Begriffsmodelle für die soziologische Korruptionsforschung.
Auszug aus dem Buch
2. Die „Moralökonomie“ nach Thompson und Scott
Scott, der sein Buch über die Moralökonomie von Bauern fünf Jahre nach Thompson herausbrachte (Scott, 1976; Thompson, 1971), scheint seine Theorie unabhängig von diesem entwickelt zu haben. Jedenfalls findet sich in seinem Buch kein Hinweis auf Thompson. Dennoch weisen die Theorien der beiden so große Ähnlichkeiten auf, daß man sie als eine Theorie mit dem Oberbegriff „Moralökonomie“ zusammenfassen kann.
Der Ausgangspunkt der beiden sind Bauernrebellionen und die Widerlegung der These, daß diese „nur“ auf Hunger zurückzuführen seien und instinktiv und unkontrolliert abliefen. Dazu sei es nötig, die Dinge aus der Perspektive der Bauern selbst zu sehen, denn diese empfänden Ausbeutung offensichtlich nicht in der selben Weise, wie ein Beobachter von außen dies beurteilen würde. Aus der emischen Sichtweise erkenne man, so Thompson und Scott, daß Ausbeutung eben nicht gleich Ausbeutung ist. Abgaben an Landherren, den Staat o.ä. werden unter unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet und „what was an admissible tax or rent in a good year was inadmissible in a bad year“ (Scott, 1976: 11). Dem zugrunde liegt die Annahme eines „Rechts auf Subsistenz“ (Scott, 1976: 6f.). Die Rebellionen der Bauern richten sich also nicht generell gegen Abgaben oder hohe Preise für Lebensmittel, sondern gegen den Verstoß gegen ihren „Moralkodex“, wonach jeder ein Recht auf den „minimal culturally defined subsistence level“ (Scott, 1976: 10) hat.
Kapitelzusammenfassungen
0. Allgemeine Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Untersuchung ab, die sich mit der Eignung theoretischer Begriffe und sprachwissenschaftlicher Konzepte für die Korruptionsforschung befasst.
1. Einleitung: Dieses Unterkapitel führt in die spezifische Anwendung der „Moralökonomie“ von Thompson und Scott auf afrikanische Korruptionsphänomene durch Olivier de Sardan ein.
2. Die „Moralökonomie“ nach Thompson und Scott: Das Kapitel erläutert das theoretische Fundament der Moralökonomie, basierend auf dem „Recht auf Subsistenz“ und der Perspektive der betroffenen Bauern.
3. Die „Moralökonomie“ nach de Sardan: Hier wird die Adaption des Begriffs durch de Sardan für die Korruptionsforschung analysiert und kritisch hinterfragt.
4. Die „Economy of Affection“ nach Hyden: Das Kapitel stellt Hydens Theorie der „Ökonomie der Zuneigung“ vor, die soziale Beziehungen als zentralen Faktor für ökonomisches Verhalten in den Mittelpunkt stellt.
5. Fazit: „Moralökonomie“ oder „Economy of Affection“?: Es wird das Fazit gezogen, dass Hydens „Economy of Affection“ für die Analyse der Korruption bei de Sardan besser geeignet ist als das ursprüngliche Konzept der „Moralökonomie“.
6. Einleitung: Die Einleitung zum zweiten Teil thematisiert die Vielfalt der Begriffe, die zur sprachlichen Erforschung von Korruption verwendet werden.
7. Rhetorik der Korruption: Dieser Abschnitt untersucht den Begriff der Rhetorik als Instrument der Manipulation und öffentlichen Inszenierung im Kontext politischer Korruption.
8. Semiologie der Korruption: Das Kapitel dient als kurze Hinführung zur semiologischen Untersuchung, bevor die Unteraspekte Semantik und Diskurs vertieft werden.
8.1. Semantik der Korruption: Der Fokus liegt hier auf der Untersuchung von Vokabular und Wortwahl, die dazu dienen, korrupte Handlungen moralisch zu rechtfertigen.
8.2. Diskurs über Korruption: Das Kapitel beleuchtet den Diskurs als machtvolles Instrument zur Konstruktion von Realität und zur Abgrenzung sozialer Felder.
9. Fazit: Rhetorik, Semiologie, Semantik oder Diskurs der Korruption?: Das Fazit stellt fest, dass alle untersuchten Begriffe ihre Berechtigung haben, da sie jeweils unterschiedliche Aspekte des Korruptionsphänomens beleuchten.
Schlüsselwörter
Korruptionsforschung, Moralökonomie, Economy of Affection, Sprache der Korruption, Rhetorik, Semiologie, Semantik, Diskursanalyse, soziale Netzwerke, kulturelle Einbettung, Legitimation, Subsistenzethik, Machtinstrument, soziolinguistische Transformation, Postkolonialismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Konzepte und sprachwissenschaftlichen Begriffe, die in der Korruptionsforschung verwendet werden, um deren wissenschaftliche Eignung zu bewerten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Arbeit gliedert sich in zwei Themenbereiche: erstens die Überprüfung ökonomischer Theorien zur Moral von Akteuren und zweitens die sprachwissenschaftliche Untersuchung der Diskursformen über Korruption.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob klassische theoretische Modelle wie die „Moralökonomie“ auf Korruptionsphänomene übertragbar sind und welche sprachwissenschaftlichen Begriffe für die Analyse des Diskurses am präzisesten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, bei der Definitionen aus Lexika und Fachliteratur mit konkreten Textbeispielen aus der ethnologischen Korruptionsforschung abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im ersten Hauptteil werden die Theorien von Thompson, Scott, de Sardan und Hyden verglichen. Im zweiten Teil erfolgt eine begriffliche Auseinandersetzung mit Rhetorik, Semiologie, Semantik und Diskurs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Korruptionsforschung, Moralökonomie, Economy of Affection, Rhetorik, Semantik und Diskurs.
Warum hält die Autorin Hydens Theorie für besser geeignet als die von Scott und Thompson?
Weil Hydens „Economy of Affection“ synkretische und postkoloniale Kontexte stärker berücksichtigt, was besser mit de Sardans Beobachtungen zur Korruption korrespondiert.
Welche Rolle spielt die „Moral“ bei der Korruptionsanalyse nach de Sardan?
Nach de Sardan dient Moral Akteuren als flexibles Werkzeug zur Rechtfertigung korrupten Handelns, abhängig von sozialen Netzwerken und der jeweiligen Perspektive.
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- Nadia Cohen (Author), 2002, Begriffsuntersuchungen im Bereich der Korruptionsforschung - "Moralökonomie" und "Sprache der Korruption", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33343