Die Josefsnovelle (Gen 37-50). Eine exegetische Betrachtung unter Berücksichtigung didaktischer Aspekte

Entstehung und Aufbau des AT, Erarbeitung der Josefsnovelle, Didaktische Reflexion


Hausarbeit, 2015
20 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung – Eigene Zugänge

2.) Grundwissen zur Entstehung und Aufbau des Alten Testamentes
2.1 Aufbau des Alten Testaments
2.2 Die Tora/ Der Pentateuch
2.3 Entstehungszusammenhang des Pentateuchs
2.4 Zugehörige Texte und Themen

3.) Erarbeitung der Josefsnovelle
3.1 Narrative Beschreibung des Kontextes
3.2 Eigene Textbeobachtungen
3.3 Exegetische Erarbeitung der Bibelstelle
3.4 Theologische Aussagen und Anknüpfungspunkte für den Religionsunterricht

4.) Didaktische Reflexion

5. Literaturverzeichnis

1.) Einleitung – Eigene Zugänge

Mit der Josefsgeschichte wurde für diese Arbeit eine der spannendsten und zugleich literarischen gelungensten Texte des Alten Testaments ausgewählt. Zugegebenermaßen beschränkten sich meine Vorkenntnisse zur Josefsgeschichte vor dem Seminar zur Einleitung in das Alte Testament maximal auf passives Wissen. Die Geschichte wurde mit Sicherheit in der Schule behandelt, doch vermutlich wäre der erste Gedanke bei Josef, der an einen Mann in einem Stall in Bethlehem gewesen.

Durch das Seminar, das angefertigte Referat und schlussendlich durch diese Hausarbeit konnte ich mein - im Nachhinein betrachtet – doch sehr lückenhaftes Wissen zum Alten Testament und dessen Aufbau und Inhalt bedeutend erweitern.

Die Josefsgeschichte an sich wurde beim ersten Lesen meinerseits recht gut verstanden, wobei kurze Verwirrung bei den Namen Jakob und Israel auftauchte, bevor deren abwechselnde Verwendung klar wurde. Grundsätzlich schwierig fällt es bei Texten des Alten Testaments, die genannten Orte genauer einzuordnen und zu lokalisieren. Nach einem langen und intensiven Zugang in das Alte Testament und die Josefsgeschichte, die hier der Literatur folgend, als Geschichte und nicht als Novelle bezeichnet werden soll (obwohl sie derer angehört), soll in dieser Hausarbeit folgendes versucht werden:

Im ersten Teil der Arbeit soll grundsätzliches Wissen über das Alte Testament und dessen Aufbau vermittelt und aufgezeigt werden, ehe konkreter auf die Tora/ den Pentateuch eingegangen wird. Dabei soll neben einer kurzen allgemeinen Einführung Fokus auf die Entstehungsgeschichte und den Inhalt gelegt werden. Im Anschluss daran folgt der zweite Teil der Arbeit, der die Josefsgeschichte näher betrachtet. Dafür sollen zunächst eigene Textbeobachtungen festgehalten werden, bevor ein kurzer exegetischer Teil folgt. Die Betrachtung der wichtigsten theologischen Aspekte der Erzählung bilden die Überleitung zum didaktischen Teil der Arbeit, in dem zunächst allgemeine didaktische Bemerkungen zur Josefsgeschichte getroffen werden, ehe etwas konkretere Umsetzungsmöglichkeiten für den Unterricht skizziert werden sollen.

2.) Grundwissen zur Entstehung und Aufbau des Alten Testamentes

2.1 Aufbau des Alten Testaments

Das Alte Testament ist eine vom frühen Christentum gebündelte Sammlung religiöser Schriften, die aus dem Judentum übernommen wurden. Es ist zugleich Heilige Schrift der Juden, wie auch Teil der heiligen Schriften des Christentums und bildet zusammen mit dem Neuen Testament die christliche Bibel.[1]

Das deutsche Singularwort „Bibel“ bezeichnet eben jene Sammlung verschiedenster Schriften und Bücher, die Fundament und Grundtext der religiösen Überzeugung, des Gottesdienstes und des gelebten Glaubens von Christen und Juden sind. Die 39[2] hebräisch bzw. aramäisch verfassten Bücher werden in der hebräischen Bibel in drei Teile getrennt[3], wobei die jüdische Tradition von nur 24 Büchern spricht[4]. Der erste Teil, Tora (Weisung) oder Pentateuch genannt, enthält die 5 Bücher Mose, der zweite Teil, Nebiim die Propheten von Josua bis 2. König (ohne das Buch Rut) und alle prophetischen Bücher[5], die man zwischen den „vorderen Propheten“ (Josua, Richter, Samuelbücher, Königsbücher) und den „hinteren Propheten“ (Jesaja, Jeremia, Ezechiel, Dodekapropheton) differenziert. Der dritte Teil, Ketubim (Schriften) genannt, ist der in seiner Zusammensetzung komplexeste Teil. Ihm werden, je nach Ausgabe, 11 Bücher in recht unterschiedlicher Reihenfolge zugeordnet. Am Anfang stehen meist die Psalmen, Hiob, Proverbien, gefolgt von den 5 „Festrollen“ (Hoheslied, Rut, Threni, Kohelet, Ester). Am Ende befinden sich in jüngerer jüdischer Tradition zumeist die drei Bücher Daniel, Esra-Nehemia und Chronik (1+2).[6] Der christlicherseits als „Altes Testament“ benannte Teil, wird im Judentum mit dem aus den Anfangsbuchstaben der drei Gruppen zusammengesetzten Kunstwort „TaNaK“ (gesprochen Tanach) bezeichnet.[7]

Die genannte Dreiteilung des Alten Testaments hat jedoch nicht immer Bestand. Je nach Glaubensrichtung oder Bibelausgabe kann auch die Einteilung der griechischen Bibel gelten, die aus vier Teilen besteht: dem Pentateuch, den Geschichtsbüchern, den Büchern der Weisheit und den Propheten. Dabei gilt jedoch festzuhalten, dass sämtliche Bücher des hebräischen Kanons[8] auch im griechischen Kanon enthalten sind, wobei dieser eine Reihe zusätzlicher Bücher enthält, die häufig als „deuterokanonische“ Bücher bezeichnet werden. Zudem sind die Bücher bzw. Büchersammlungen in den Kanones in unterschiedlicher Reihenfolge und Anordnung[9] zu finden, wobei der Hauptunterschied[10] in der Aufspaltung der Nebiim in zwei Sammlungen – den Geschichtsbüchern und Propheten – besteht.[11]

Maßgeblich in der Evangelischen Kirche ist jedoch meist die Gliederung der Lutherbibel. Hierbei werden „Altes und Neues Testament parallel in Geschichtsbücher (1. Mose bis Ester / Matthäus bis Apostelgeschichte), Lehrbücher (Hiob bis Hoheslied / Briefe) und Prophetische Bücher (Jesaja bis Maleachi / Offenbarung) gegliedert.“[12]

Im Alten Testament werden in der Nachfolge des hellenistischen Judentums - anders als im Tanach - die Bücher nach ihren Gattungen geordnet, weshalb sich einzelne Bücher anders einreihen und eine insgesamt vierteilige Struktur entsteht. Die gegenüber dem Tanach zusätzlich eingefügten Bücher, die in den Kirchen der Reformation nicht als kanonisch gelten, werden „Apokryphen“ genannt.[13]

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Altes Testament“ immer wieder problematisiert, vor allem weil damit die Deutung von „überholt“ suggeriert wird. Von den vorgeschlagenen und diskutierten Alternativbezeichnungen, wie „Erstes Testament“[14] oder „Hebräische Bibel“ konnte bisher noch keine breite Akzeptanz erreich werden.[15]

2.2 Die Tora/ Der Pentateuch

In dieser Arbeit sollen weiterhin der erste Teil des Alten Testaments, der Pentateuch und die darin enthaltene Josefsnovelle untersucht werden. Zunächst einige allgemeine Worte zum Pentateuch, ehe auf seine Entstehungsgeschichte und seinen Inhalt eingegangen werden soll.

Mit dem Begriff Pentateuch werden die ersten fünf Bücher der Bibel bezeichnet. Im Pentateuch stehen neben erzählenden Schriften auch Texte mit legislativen Charakter („Kodizes“). Das Judentum betrachtet die Tora (Pentateuch) als Zentrum ihrer heiligen Schrift und schenkt seit jeher den Gesetzesbestimmungen besondere Aufmerksamkeit. In der christlichen Tradition hingegen steht der Erzählfaden des Pentateuchs im Mittelpunkt, der von der Schöpfung bis hin zum Tod Mose reicht.[16]

Die Bücher fünf Bücher Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium bilden somit Bücherkomposition, die unterschiedliche Bezeichnungen hat. Das Judentum drückt mit den Bezeichnungen ‚die Tora‘ bzw. ‚die Tora des Mose‘ bzw. ‚Buch der Tora des Mose‘ sowohl die Ganzheit als auch den Inhalt der Bücherkomposition aus, während die aus dem Griechischen kommende Bezeichnung ‚Pentateuch‘ (das fünfteilige Buch) die Zusammensetzung aus fünf Büchern bzw. Buchteilen in den Blick nimmt.[17] In der wissenschaftlichen Literatur werden die „fünf Bücher Mose“ mit lateinischen Bezeichnungen wiedergegeben: „1. Mose (Genesis – Gen – „Ursrung“), 2. Mose (Exodus – Ex – „Auszug“), 3. Mose (Leviticus – Lev- levitisches = priesterliches Gesetzbuch), 4. Mose (Numeri – Num – „Zahlen“, wegen der Volkszählung zu Beginn des Buches) und 5. Mose (Deuteronomium – Dtn –„zweites Gesetz“)“.[18]

Da der Pentateuch wie die meisten alttestamentlichen Texte einen langwierigen Entstehungsprozess aufweist, soll dessen Entstehungszusammenhang nun näher betrachtet werden.

2.3 Entstehungszusammenhang des Pentateuchs

Der Pentateuch an sich stellt ein komplexes und teilweise verwirrend erscheinendes Gebilde dar, was hauptsächlich mit seiner vielstufigen Entstehungsgeschichte zusammenhängt.[19]

Im nun folgenden Teil dieser Arbeit soll eine kurze Einführung in einen möglichen Entstehungszusammenhang gegeben werden. Dazu soll zunächst eine grobe zeitliche Einordnung vorgenommen werden, ehe auf Probleme und Lösungshypothesen zur Entstehungsgeschichte eingegangen wird.

Die Frage, wie der Pentateuch seine heutige Form erhalten hat, ist in der Forschung seit einiger Zeit außerordentlich umstritten, daher scheint auch ein allgemein akzeptiertes Modell gegenwärtig nicht in Sicht. Der Pentateuch ist also eine Sammlung von literarischen Zeugnissen unterschiedlicher Verfasser, die zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Intentionen wirkten und hat wie viele andere Werke einen Wachstumsprozess hinter sich, bis er schlussendlich seine kanonische Endgestalt erreicht hat.[20]

Außerhalb der biblischen Schriften sind heutzutage kaum Informationen verfügbar, die Aufschluss geben könnten, welche Schrift wann, wo und von wem verfasst worden ist. Nur wenige Hinweise liefern einige Eckdaten: In der Tora finden sich keine Auseinandersetzungen mit dem Hellenismus (ab Ende des 4./3. Jh. v. Chr.), was für eine Entstehung der Bücher der Tora in vorhellenistischer Zeit spricht. Auch die Übersetzung des Pentateuchs in das Griechische im 3. Jh. v. Chr. in Alexandrien (Ägypten), zeigt dass der Pentateuch bereits vorgelegen haben muss. Schmitz vermutet den Abschluss der TaNaK und deren allgemeiner Akzeptanz um 100 n. Chr. Ab diesem Zeitpunkt sei die textgestaltende Arbeit beendet gewesen und der Text nur noch abgeschrieben, bzw. seine Aussprache und Intonierung gesichert worden.[21]

Johannsen vermutet für die Entstehung des Pentateuchs die folgende vereinfachte Abfolge von Schritten:

1. „Mündliche Überlieferungen von Liedern, Geschichten und Sippenregeln
2. Zusammenfassung von Einzelüberlieferungen zu „Erzählkränzen“
3. Komposition des Jerusalemer Geschichtswerks (JG) zwischen 720 und 600 v. Chr. als erster Quellenschrift
4. Gesetzessammlungen aus der Zeit Hiskias und Josias (700-600 v. Chr.) die in und nach der Exilszeit zum Deuteronomischen Geschichtswerk (DtrG) erweitert wurden.
5. Komposition priesterlicher Texte zur Priesterschrift (P) zur Zeit des babylonischen Exils
6. Zusammenfassung im Pentateuch“[22]

Eine solche Rekonstruktion des Entstehungsprozesses mit Jahreszahlen ist in jedem Fall eine Hypothese. Barbara Schmitz beginnt ihre Rekonstruktion daher nicht bei den „kaum erreichbaren Anfängen‘“[23], sondern ca. 400 Jahre vor Christus, da zu diesem Zeitpunkt von ersten verlässlichen Datierungen ausgegangen werden könne.[24]

[...]


[1] Vgl. Johannsen, Friedrich: Alttestamentliches Arbeitsbuch für Religionspädagogen. Stuttgart ³2005. S. 15.

[2] Heute werden 39 Schriften gezählt. Auch in den Bibelübersetzungen im Bereich der protestantischen Kirchen enthält das AT 39 Schriften, was dem Umfang des hebräischen Kanons entspricht. (http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/altes-testament/ (Zugriff 13.09.2015).

[3] Vgl. Schmitz, Barbara: Geschichte Israels. In Grundwissen Theologie. Hrsg. Klaus von Stosch. Paderborn 2011. S. 63.

[4] Vgl. Schmitt, Hans-Christoph: Arbeitsbuch zum Alten Testament. Göttingen ³2011. S. 157.

[5] Vgl. Johannsen: Alttestamentliches Arbeitsbuch. S. 16.

[6] Vgl. Schmitt: Arbeitsbuch. S. 157.

[7] Vgl. Schmitz: Geschichte Israels. S. 63.

[8] Kanon: „Liste der kirchlich für verbindlich erklärten biblischen Schriften, der Bücher des Alten und des Neuen Testaments“ (Duden online. Zugriff: 11.09.2015)

[9] Weiterführend ein übersichtlicher Kanonvergleich: Johannsen: Alttestamentliches Arbeitsbuch. S. 17f.

[10] Weitere Unterschiede zwischen den Kanones in: Zenger u.a: Einleitung in das Alte Testament. S. 30f.

[11] Vgl. Römer, Thomas / Macchi, Jean-Daniel / Nihan, Christoph (Hrsg.): Einleitung in das Alte Testament. Die Bücher der hebräischen Bibel und die alttestamentlichen Schriften der katholischen, protestantischen und orthodoxen Kirchen. Zürich 2013. S. 4.

[12] http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/altes-testament/ (Zugriff 13.09.2015)

[13] Vgl. Zenger, Erich u.a.: Einleitung in das Alte Testament. Studienbücher Theologie 1,1. Christian Frevel (Hg.). Stuttgart 82012.. S. 30.

[14] Weiterführend hierzu: Zenger: Einleitung in das Alte Testament. S. 15.

[15] Vgl. Johannsen: Alttestamentliches Arbeitsbuch. S.15.

[16] Vgl. Römer: Einleitung in das Alte Testament. S. 117.

[17] Vgl. Zenger: Einleitung in das Alte Testament. S. 69.

[18] Johannsen: Alttestamentliches Arbeitsbuch. S. 17.

[19] Vgl. Gertz, Jan Christian u.a. (Hg.): Grundinformation Altes Testament. Göttingen 42010.. S. 195.

[20] Vgl. Johannsen: Alttestamentliches Arbeitsbuch. S. 16.

[21] Vgl. Schmitz: Geschichte Israels. S. 63.

[22] Johannsen: Alttestamentliches Arbeitsbuch. S. 15f.

[23] Schmitz: Geschichte Israels. S. 64.

[24] Vgl. Schmitz: Geschichte Israels. S. 63f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Josefsnovelle (Gen 37-50). Eine exegetische Betrachtung unter Berücksichtigung didaktischer Aspekte
Untertitel
Entstehung und Aufbau des AT, Erarbeitung der Josefsnovelle, Didaktische Reflexion
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik)
Veranstaltung
Einleitung in das Alte Testament
Note
1,0
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V333846
ISBN (eBook)
9783668234697
ISBN (Buch)
9783668234703
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Josefsgeschichte, Gen 37-50, Religionsunterricht, Religionsdidaktik, Josefsnovelle, Exgese, Didaktische Reflexion, Erzelterngeschichte, AT, Altes Testament, Josef
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Die Josefsnovelle (Gen 37-50). Eine exegetische Betrachtung unter Berücksichtigung didaktischer Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333846

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