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Der Handlungsbegriff von Hannah Arendt im Kontext ihrer Totalitarismustheorie

Title: Der Handlungsbegriff von Hannah Arendt im Kontext ihrer Totalitarismustheorie

Bachelor Thesis , 2015 , 40 Pages , Grade: 2,1

Autor:in: Peter Manzei (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Diese Arbeit beschäftigt sich mit den von Arendt formulierten menschlichen Grundtätigkeiten - das Arbeiten, das Herstellen, das Handeln. Im ersten Teil meiner Untersuchung werden diese drei Tätigkeiten rekonstruiert, um daraufhin zu zeigen, dass ein totalitäres System Mechanismen besitzt, die die Potenz zur Ausführung der Tätigkeiten zunichte macht. Ich stütze mich bei dieser Untersuchung primär auf Arendts Werk 'Vita Activa oder vom tätigen Leben', sowie auf das Werk 'Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft'.

Das Ziel der Untersuchung ist zu zeigen, dass im Sinne Arendts der Totalitarismus den Menschen nicht mehr als Mensch definieren will, da er die zwingenden Charakteristika des Menschen (die menschlichen Grundtätigkeiten Arbeiten, Herstellen, Handeln), vernichtet.

„Wie immer es damit bestellt ist, was ich vorschlage, ist etwas sehr Einfaches, es geht mir um nichts mehr, als dem nachzugehen, was wir eigentlich tun, wenn wir tätig sind.” (Arendt 1987, S. 12). Diesem Anspruch geht Arendt in ihrem 1958 in den USA erschienenen Buch, „The Human Condition”, nach. Ihrer Meinung nach gibt es drei menschliche Grundtätigkeiten, das Arbeiten, das Herstellen und das Handeln.

Eine Untersuchung von Arendts Handlungsbegriff erfordert ebenso eine Untersuchung ihrer Auffassung zur Tätigkeit Arbeit und zur Tätigkeit Herstellen. Arendts drei menschliche Grundtätigkeiten existieren in Harmonie miteinander und können im Idealfall nicht ohneeinander leben. Aus diesem Grund wird meine Arbeit nicht nur Arendts Auffassung zum Handeln rekonstruieren, sondern ebenso die Tätigkeit Arbeit und die Tätigkeit Herstellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rekonstruktion der Vita Activa

2.1 Arbeit

2.1.1 Grundbedingung

2.1.2 Zweck

2.1.3 Tätigkeitsbereich

2.2 Herstellen

2.2.1 Grundbedingung

2.2.2 Zweck

2.2.3 Tätigkeitsbereich

2.3 Handeln

2.3.1 Grundbedingung

2.3.2 Zweck

2.3.3 Tätigkeitsbereich

2.4 Zwischenfazit

3 Tätigkeitsbeschränkende Mechanismen des Totalitarismus

3.1 Konstruktion des objektiven Feindes

3.2 Das Führerprinzip

3.3 Das totalitäre Recht der Ideologie

3.4 Das Konzentrationslager

3.4.1 Arbeit

3.4.2 Handeln

4 Endfazit

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, Hannah Arendts Handlungsbegriff sowie ihre Auffassung von Arbeiten und Herstellen zu rekonstruieren, um nachzuweisen, dass totalitäre Systeme spezifische Mechanismen einsetzen, um die menschliche Potenz zur Ausführung dieser Grundtätigkeiten systematisch zu vernichten.

  • Rekonstruktion der menschlichen Grundtätigkeiten (Vita Activa) nach Arendt
  • Analyse der Transformation von Handeln, Arbeiten und Herstellen durch den Totalitarismus
  • Untersuchung totalitärer Mechanismen wie das Führerprinzip und die Konstruktion objektiver Feinde
  • Darstellung des Konzentrationslagers als zentrale Institution zur Zerstörung menschlicher Individualität

Auszug aus dem Buch

3.4.1 Arbeit

Die Tätigkeit Arbeit im Konzentrationslager unterteilt Sofsky in zwei Formen – auf der einen Seite die „Riesenaufgaben” und auf der anderen Seite die „Sisyphosaufgaben”. Die „Riesenaufgabe” hat aus Sicht des totalitären Systems zwei Zwecke – zum Einen den Zweck für das System und zum Anderen den Tod des Arbeiters. Der Zweck der „Sisyphosaufgabe” ist der Tod des Arbeiters. Die verlorene Arbeitskraft bei den Riesenaufgaben wird vom totalitären System durch eine neue Arbeitskraft ersetzt. Der Ersatz eines toten Arbeiters ist bei Sisyphosaufgaben nicht nötig. Das Lager will durch das Arbeiten deutlich machen, dass jeder Mensch austauschbar ist. Indes ist diese Austauschbarkeit für das System zwingend erforderlich, da das totalitäre System im Konzentrationslager aktiv auf das Sterben hinarbeitet (Vgl. Sofsky 2008, S. 220f). Die gesamte Strategie zielt auf die Zerstörung des Menschen ab. Aufgrund dessen raubt man dem Menschen seine Arbeits- und seine Lebenskraft. Der Tagesablauf der Häftlinge spiegelt dies wieder und anhand dessen wird deutlich, dass im Lager jedem Menschen das Schicksal des Todes vorbestimmt ist.

Die Menschen im Konzentrationslager befinden sich in einer ausweglosen Situation. Wenn sie nicht arbeiten können, werden sie getötet. Wenn sie jedoch arbeiten können, tötet sie die Belastung der Arbeit. Die einzige Möglichkeit, dem zu entgehen, besteht in einer zielgerichteten Einsparung der Arbeitskraft.

Der Mechanismus Konzentrationslager kehrt die Grundbedingung und den Zweck der Arbeit vollkommen um (Vgl. Sofsky 2008, S. 193ff). Laut Arendt ist der Zweck der Arbeit die Produktion von Konsumgütern, die erstens als Mittel zum Überleben genutzt werden, zweitens zum Überleben des Herren bzw. des Arbeitgebers, drittens zum Überleben der Gesellschaft und viertens zur Ausbeutung. Mittel drei und vier existieren aufgrund des Arbeitsmehrwertes. „Arbeit macht nicht frei. Das Spruchband an den Lagertoren war blanker Hohn. Für ihre Arbeit bekamen die Gefangenen nichts, weder Geld noch Brot. Von Ausbeutung kann keine Rede sein, ein ungleicher Tausch fand nicht statt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage und Erläuterung der Relevanz von Arendts Vita Activa sowie ihrer Totalitarismustheorie.

2 Rekonstruktion der Vita Activa: Systematische Herleitung der menschlichen Grundtätigkeiten Arbeiten, Herstellen und Handeln anhand der Kategorien Grundbedingung, Zweck und Tätigkeitsbereich.

3 Tätigkeitsbeschränkende Mechanismen des Totalitarismus: Untersuchung der Art und Weise, wie totalitäre Systeme die Voraussetzungen für menschliches Handeln zerstören.

4 Endfazit: Zusammenführende Bestätigung, dass der Totalitarismus durch seine Mechanismen das Wesen des Handelns vernichtet und den Menschen zum reinen Objekt der Reaktion degradiert.

Schlüsselwörter

Hannah Arendt, Vita Activa, Totalitarismus, Handeln, Arbeiten, Herstellen, Konzentrationslager, Pluralität, Natalität, Mortalität, Objektiver Feind, Führerprinzip, Macht, Gewalt, Homo faber, Animal laborans.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Handlungsbegriff von Hannah Arendt und dessen systematische Zerstörung innerhalb totalitärer Herrschaftssysteme.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Rekonstruktion der menschlichen Grundtätigkeiten (Arbeiten, Herstellen, Handeln) und der Analyse spezifischer Mechanismen des Totalitarismus.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist der Nachweis, dass der Totalitarismus Instrumente besitzt, die die menschliche Fähigkeit zum Handeln und Neuanfangen systematisch vernichten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Methode umfasst die textbasierte Rekonstruktion philosophischer Begriffe aus Arendts Hauptwerken sowie deren Anwendung auf ihre Totalitarismustheorie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Es werden zunächst die Kategorien der Vita Activa analysiert und anschließend deren Einschränkung durch totalitäre Mechanismen wie die Konstruktion objektiver Feinde und das Führerprinzip detailliert untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Vita Activa, Totalitarismus, Pluralität, Macht, Gewalt und die Unterscheidung zwischen Animal laborans und Homo faber.

Was genau versteht Arendt unter der "Konstruktion des objektiven Feindes"?

Dabei handelt es sich um eine totalitäre Praxis, bei der Menschengruppen nach objektiven Maßstäben – losgelöst von ihrem individuellen Handeln – zu Feinden erklärt werden, um eine ständige Bewegung des Terrors aufrechtzuerhalten.

Welche Bedeutung hat das Konzentrationslager in diesem Kontext?

Das Lager fungiert als zentrale Institution des Totalitarismus, in der die menschliche Individualität und die Fähigkeit zum spontanen Handeln durch totale Beherrschung und Entmenschlichung zerstört werden.

Wie unterscheidet sich "Handeln" von "Arbeiten" bei Arendt?

Handeln ist eine auf Pluralität angewiesene, politische Tätigkeit, die Freiheit und Neuanfang ermöglicht, während Arbeiten primär der biologischen Lebenserhaltung und Konsumproduktion dient.

Was ist mit dem "Muselmann" im Konzentrationslager gemeint?

Der Muselmann bezeichnet den Typus des Menschen, der durch totale physische und psychische Gewalt seiner Handlungsfähigkeit beraubt wurde und nur noch in einem Zustand der bloßen Reaktion existiert.

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Details

Title
Der Handlungsbegriff von Hannah Arendt im Kontext ihrer Totalitarismustheorie
College
University of Leipzig  (Philosophisches Institut)
Grade
2,1
Author
Peter Manzei (Author)
Publication Year
2015
Pages
40
Catalog Number
V334163
ISBN (eBook)
9783668239487
ISBN (Book)
9783668239494
Language
German
Tags
Hannah Arendt Aristoteles Gustave LeBon Karl Marx Platon Karl Popper Thomas von Aquin Nationalsozialismus Handlungstheorie Machttheorie Freiheit Arbeitstheorie Totalitarismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Manzei (Author), 2015, Der Handlungsbegriff von Hannah Arendt im Kontext ihrer Totalitarismustheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334163
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