Spätestens seit dem Erscheinen von Max Webers These über die Protestantische Arbeitsethik ist der Zusammenhang von Religion und Einkommen Gegenstand der Soziologie.
Nichtsdestotrotz fokussieren sich die meisten Forscher auf dem Gebiet der sozialen Ungleichheit auf die Faktoren Klasse, Ethnie, Geschlecht und Bildung, während das Interesse an den Effekten religiöser Aspekte auf die Einkommensstruktur in den Hintergrund getreten ist. Oftmals wird argumentiert, dass mit einer zunehmenden Sekularisierung und einer Individualisierung der Religiösität, Religion an seiner Wirkkraft eingebüßt habe. Ob dem so ist soll in dieser Arbeit geprüft werden.
Ebenso soll geprüft werden, ob Max Webers These von der protestantischen Ethik sich noch heute empirische Nachweisen lässt, ob also der protestantische Glaube einen positiven Einfluss auf das Einkommen einer Person hat. Hierzu
werden die beiden größten Kirchengemeinschaften verglichen. Auf der einen Seite werden die Mitglieder der evangelischen Kirche betrachtet, auf der anderen Seite die Mitglieder der
römisch-katholischen Kirche. Außerdem wird die Religiösität mit in die Analyse aufgenommen, um beobachten zu können, inwiefern die Religiösität einer Person, dessen
Einkommen beeinflusst.
Als Datensatz wird der Allbus 2012 genützt. Bei diesem handelt es sich um eine allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, welche in der Regel alle 2 zwei Jahre
durchgeführt wird. Es werden 2800 bis 3500 Personen über ihre Einstellungen, Verhaltensweisen und demographischen Merkmale in persönlichen Interviews befragt. 2012
(wie 1982, 1992 und 2002 zuvor) waren Religion und Weltanschauung Schwerpunkt der Befragung. 3467 Personen nahmen in jenem Jahr an der Befragung teil. Seit 2009 werden die Daten nach ihrer Aufbereitung vom Institut GESIS (LeibnizInstitut für Sozialwissenschaften) auf ihrer Website für alle interessierten Personen kostenlos zur Verfügung gestellt. In dieser Hausarbeit wird die ALLBUS Vollversion 2012 verwendet. Die Berechnung der Daten wird mit einer multiplen Regression mit „Stata/SE“ Version 13.1 durchgeführt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie
3 Forschungsstand
4 Empirische Forschung
4.1 Aufbereitung des Datensatzes.
4.1.1 Abhängige Variable
4.1.2 Unabhängigen Variablen
4.1.3 Deskription der verwendeten Variablen
4.2 Durchführung der Regressionen
4.2.1 Einfluss der Konfession auf den Stundenlohn
4.2.2 Einfluss der Religiösität auf den Stundenlohn
4.2.3 Gesamtmodell
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen religiösen Aspekten – spezifisch der Konfessionszugehörigkeit und der individuellen Religiösität – und dem Einkommen in Deutschland. Dabei wird geprüft, ob sich die klassische These der protestantischen Arbeitsethik nach Max Weber empirisch auf Basis aktueller Daten nachweisen lässt oder ob andere Faktoren wie regionale Herkunft und Bildungsniveau eine stärkere Rolle spielen.
- Empirische Überprüfung der protestantischen Arbeitsethik
- Einfluss der Konfession (katholisch vs. evangelisch) auf das Einkommen
- Analyse der Wirkung individueller Religiösität auf ökonomischen Erfolg
- Regionale Unterschiede und deren Einfluss auf die Einkommensstruktur
- Methodische Anwendung multipler Regressionen auf ALLBUS-Datensätze
Auszug aus dem Buch
2. Theorie
In den Werken "Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" (1905/2009) und "Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen" (1921/1988) liefert Max Weber eine soziokulturelle Erklärung für die, in den damaligen europäischen Gesellschaften, vorherrschenden Einkommensunterschiede zwischen Protestanten und Katholiken. Weber erforschte in diesen Werken den Zusammenhang zwischen Religion und wirtschaftlichem Fortschritt. Im besonderen, warum sich der moderne Kapitalismus in Europa entwickelt hat und warum in diesem Wirtschaftssystem Protestanten tendenziell erfolgreicher waren als Katholiken.
Weber (1921) versteht Religion als eine systematisierte Ideologie. Diese Ideologie formt den Ethos seiner individuellen Mitglieder und beeinflusst deren Verhalten. Weber argumentiert, dass der Protestantismus den Individualismus fördere, da die Beziehung zu Gott im Protestantismus nicht durch eine Autorität oder die Kirche vermittelt wird, sondern dass die Individuen vielmehr Schöpfer ihres eigenen Glaubens seien. Die "Intellektuelle Autonomie" (Lenski 1963: 350) der Protestanten, die in in Kontrast stehe zur Obrigkeitshörigkeit von Katholiken, mache es wahrscheinlicher, dass diese einen wissenschaftlichen oder technischen Beruf oder ein selbstständiges Unternehmertum zur Profession machen.
Desweiteren bemerkt Weber, dass Protestanten rationales Denken bevorzugen, da die protestantische Lehre ein mystisches Verständnis von Gott zurückweist und davon ausgeht, dass Gottes Wirken durch Logik und Experiment verstanden werden könne. (vgl. Merton 1938/2001). Der Protestantismus lehnt ebenso Traditionailsmus und Fatalismus ab, hat ein progressiveres Weltverständnis und glaubt, dass die Zukunft etwas sei, das rational transformiert werden könne. Dies begünstigt Triebverzicht und die Sublimierung von Verhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die soziologische Debatte um Religion und Einkommen unter Bezugnahme auf Max Webers Thesen und Vorstellung der methodischen Vorgehensweise anhand des ALLBUS-Datensatzes.
2 Theorie: Darlegung der theoretischen Konzepte von Max Weber bezüglich des Zusammenhangs von Protestantismus, Arbeitsethik und wirtschaftlichem Erfolg.
3 Forschungsstand: Überblick über bestehende internationale und nationale Studien zur religiösen Stratifizierung und deren Auswirkung auf ökonomische Parameter.
4 Empirische Forschung: Detaillierte Beschreibung der Datenaufbereitung, der Operationalisierung der Variablen und der Durchführung diverser Regressionsanalysen zur Überprüfung der Hypothesen.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, Diskussion der methodischen Einschränkungen und Ausblick auf die Validität der Befunde.
Schlüsselwörter
Religion, Einkommen, Protestantische Ethik, Konfession, Religiösität, Soziologie, soziale Ungleichheit, ALLBUS, multiple Regression, Bildungsniveau, Deutschland, Arbeitsethik, Arbeitsmarkt, Einkommensstruktur, Stratifizierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der religiösen Ausrichtung einer Person (Konfession und Religiösität) und ihrem Nettoeinkommen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Überprüfung der protestantischen Arbeitsethik nach Max Weber, der Einfluss soziokultureller Faktoren auf ökonomischen Erfolg sowie regionale Einkommensunterschiede.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die empirische Prüfung, ob die Konfessionszugehörigkeit oder das Ausmaß der individuellen religiösen Bindung heute noch einen signifikanten Einfluss auf das Einkommen in Deutschland haben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine multiple lineare Regressionsanalyse auf Basis des ALLBUS-Datensatzes 2012 unter Verwendung der Statistiksoftware Stata durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Aufbereitung des Datensatzes inklusive Variablendefinition und die Durchführung verschiedener Regressionsmodelle zur isolierten und kombinierten Betrachtung von Konfession, Religiösität und regionalen Effekten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Protestantische Arbeitsethik, Religiösität, Einkommensungleichheit, soziale Schichtung und empirische Sozialforschung definiert.
Wie wurde die Variable "Religiösität" operationalisiert?
Da keine anderen metrischen Daten vorlagen, wurde die Selbsteinschätzung der eigenen Religiösität auf einer Skala von 1 bis 10 aus dem ALLBUS-Datensatz als Indikator genutzt.
Welches zentrale Ergebnis liefert das Fazit bezüglich der Weberschen These?
Das Fazit bestätigt, dass der Konfession und Religion im Kontext des Einkommens in Deutschland keine große Bedeutung beizumessen ist, wobei die Ergebnisse jedoch die allgemeine Tendenz internationaler Forschung stützen.
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- Sebastian Steidle (Autor), 2015, Der Einfluss religiöser Aspekte auf das Einkommen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334704