Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer wurde in den letzten Jahren auch in der europäischen Union immer intensiver diskutiert. Diese Bachelorarbeit wertet die bestehende wissenschaftliche Literatur zu den ökonomischen Auswirkungen der Einführung einer Finanztransaktionssteuer aus, diskutiert im Anschluss den konkreten Vorschlag der EU-Kommission aus den Jahren 2011 und 2013 und evaluiert diesen abschließend mit der zuvor erarbeiteten Evidenz.
Zu Beginn wird die allgemeine volkswirtschaftliche Intention und Interpretation von Steuern aus finanzwissenschaftlicher Sicht erläutert, um eine Verständnisbasis für die Ausführungen der späteren Kapitel zu schaffen.
Zum Schluss wird der konkrete Vorschlag der EU-Kommission aus den Jahren 2011 und 2013 zur Einführung einer FTS in der Europäischen Union beschrieben und mithilfe der Schlussfolgerungen der Analyse des Vorkapitels evaluiert.
Inhaltsverzeichnis
1 FINANZMARKTSTEUERN – EINE SEIT JAHRZEHNTEN BESTEHENDE ÜBERLEGUNG UNTER ÖKONOMEN
2 GRUNDBEGRIFFE IN DER FINANZWISSENSCHAFTLICHEN STEUERLEHRE
2.1 STEUERZWECK
2.2 OPTIMALE STEUERHÖHE UND WOHLFAHRTSVERLUST
2.3 STEUERINZIDENZ
3 FINANZTRANSAKTIONSSTEUERN – ERFAHRUNGEN DER VERGANGENHEIT UND GEGENWART
3.1 ARTEN VON FINANZTRANSAKTIONSSTEUERN
3.2 NEGATIVES BEISPIEL DER VERGANGENHEIT: DIE BÖRSENUMSATZSTEUER IN SCHWEDEN
3.3 POSITIVES BEISPIEL DER VERGANGENHEIT: DIE „STAMP DUTY“ IN GROSSBRITANNIEN
3.4 EINFÜHRUNG EINER FTS IN DER GEGENWART: ERSTE EVIDENZ AUS ITALIEN UND FRANKREICH
4 INTENTIONEN UND ARGUMENTE VON BEFÜRWORTERN UND GEGNERN
4.1 FINANZMARKTEFFIZIENZ – SIND DIE FINANZMÄRKTE EFFIZIENT ODER VERURSACHEN SIE EXTERNE EFFEKTE, DIE DURCH EINE PIGOU-STEUER INTERNALISIERT WERDEN SOLLTEN?
4.2 GERINGE TRANSAKTIONSKOSTEN – SEGEN ODER FLUCH FÜR DIE EFFIZIENZ DER KAPITALMÄRKTE?
4.3 HOHES HANDELSVOLUMEN UND GROSSE MARKTLIQUIDITÄT – AUSDRUCK EINES STARK GESTIEGENEN KAPITALBEDARFS DER UNTERNEHMEN ODER ZEICHEN FÜR EINE ABKOPPLUNG DER FINANZMÄRKTE VON DER REALWIRTSCHAFT ?
4.4 SPEKULATION – NOTWENDIGES INSTRUMENT ZUR BESTIMMUNG DES GLEICHGEWICHTSPREISES ODER DESTABILISIERENDES ELEMENT DURCH HOHE PREISVOLATILITÄT ?
4.5 HOCHFREQUENZHANDEL – EFFIZIENZGEWINNE DURCH TECHNISCHEN FORTSCHRITT ODER SOZIAL SCHÄDLICHES „COMPUTERSPIEL“ ?
5 EINE ALLGEMEINE FINANZTRANSAKTIONSSTEUER IN DER EMPIRISCHEN DETAILANALYSE
5.1 AUSWIRKUNGEN AUF DIE PREISVOLATILITÄT
5.2 AUSWIRKUNGEN AUF DAS HANDELSVOLUMEN
5.3 AUSWIRKUNGEN AUF DIE MARKTLIQUIDITÄT
5.4 AUSWIRKUNGEN AUF WERTPAPIERPREISE UND REFINANZIERUNGSBEDINGUNGEN VON UNTERNEHMEN
5.5 HYPOTHETISCHE BERECHNUNGEN ZU MÖGLICHEN STEUEREINNAHMEN
6 DER KONKRETE VORSCHLAG DER EU-KOMMISSION ZUR EINFÜHRUNG EINER FINANZTRANSAKTIONSSTEUER – EINE KRITISCHE ANALYSE
6.1 HINTERGRUND
6.2 ZIELE UND AUSGESTALTUNG
6.3 EVALUIERUNG
6.3.1 Fiskalzweck
6.3.2 Distributionszweck
6.3.3 Lenkungszweck
7 FAZIT: IST DIE ZEIT REIF FÜR EINE UMFASSENDE BESTEUERUNG DES FINANZSEKTORS?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert die ökonomische Sinnhaftigkeit einer allgemeinen Finanztransaktionssteuer. Dabei wird untersucht, ob eine solche Steuer geeignet ist, Marktversagen zu beheben, spekulative Exzesse wie den Hochfrequenzhandel einzudämmen und soziale Wohlfahrt zu fördern, ohne dabei die Realwirtschaft durch übermäßige Transaktionskosten oder negative Auswirkungen auf die Kapitalversorgung zu gefährden.
- Historische und aktuelle Erfahrungen mit Finanztransaktionssteuern (z.B. Schweden, Großbritannien, Frankreich, Italien).
- Finanzwissenschaftliche theoretische Grundlagen der Besteuerung (Steuerinzidenz, Wohlfahrtsverlust).
- Empirische Analyse der Auswirkungen auf Handelsvolumen, Preisvolatilität und Marktliquidität.
- Kritische Evaluation des konkreten Vorschlags der EU-Kommission zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer.
- Diskussion von Alternativen und die Frage nach internationaler Koordination.
Auszug aus dem Buch
3.2 Negatives Beispiel der Vergangenheit: Die Börsenumsatzsteuer in Schweden
Im Jahr 1984 wurde in Schweden eine Finanztransaktionssteuer auf den Kauf und Verkauf von Aktien eingeführt, die in der Literatur als Beispiel für eine missglückte Einführung einer Finanzsektorbesteuerung aufgeführt wird.
Auf den Kauf und Verkauf von Inlandsaktien und deren Derivaten wurde von Käufern sowie Verkäufern eine Steuer in Höhe von 0,5 % des Umsatzes erhoben, was zu einer Zusatzlast von 1 % je Transaktion führte. Optionspapiere wurden gar mit 2 % besteuert; wenn diese zusätzlich ausgeführt wurden, wurde dies wie eine Transaktion mit der zugrundeliegenden Aktie behandelt, was nochmals einen Aufschlag von 1 %, bezogen auf den Ausführungspreis, nach sich zog. Umlauf (1993) und Campbell und Froot (1994) führen aus, dass die Steuer nicht auf der Überzeugung beruhte, dass die schwedischen Finanzmärkte negative Externalitäten erzeugten, welche durch eine Pigou-Steuer internalisiert werden sollten, sondern die schwedische Arbeiterpartei es als ungerecht empfand, dass Börsenmakler in Schweden ein im Vergleich zur Allgemeinheit hohes Einkommensniveau hatten. Die Finanztransaktionssteuer sollte zu einer gerechteren Einkommensverteilung beitragen und war somit mit dem Umverteilungzweck aus Kapitel 2.1 begründet. Dennoch wird nach Meinung von Habermeier und Kirilenko (2001) deutlich, dass durch die höhere Besteuerung von Aktienoptionen, die als „unnützer“ im Sinne der Hauptaufgabe der Finanzmärkte, der Versorgung der Realwirtschaft mit Kredit, angesehen werden, ein Lenkungseffekt durch die Reduzierung des Handels eben jener Papiere herbeigeführt werden sollte.
Abführen musste die Steuer nicht direkt der Käufer oder Verkäufer, sondern der schwedische Makler; war kein Makler an der Transaktion beteiligt, blieb diese steuerfrei. Eine Vermeidung war also mit einfachsten Mitteln möglich. Die Steuer wirkte also mehr als eine Steuer auf die Maklerdienstleitung als auf die Finanztransaktion an sich. (vgl. Schulmeister, Schratzenstaller und Picek 2008)
Zusammenfassung der Kapitel
1 FINANZMARKTSTEUERN – EINE SEIT JAHRZEHNTEN BESTEHENDE ÜBERLEGUNG UNTER ÖKONOMEN: Einleitung in die historische Debatte und Motivation der Arbeit unter Verweis auf Ökonomen wie Keynes und Tobin.
2 GRUNDBEGRIFFE IN DER FINANZWISSENSCHAFTLICHEN STEUERLEHRE: Erläuterung ökonomischer Grundlagen wie Steuerzweck, Wohlfahrtsverlust und Steuerinzidenz als theoretisches Fundament.
3 FINANZTRANSAKTIONSSTEUERN – ERFAHRUNGEN DER VERGANGENHEIT UND GEGENWART: Analyse historischer und aktueller Fallbeispiele für Finanzmarktsteuern, insbesondere in Schweden, Großbritannien, Frankreich und Italien.
4 INTENTIONEN UND ARGUMENTE VON BEFÜRWORTERN UND GEGNERN: Diskussion der theoretischen Pro- und Contra-Argumente, einschließlich Fragen zur Markteffizienz, Spekulation und der Rolle des Hochfrequenzhandels.
5 EINE ALLGEMEINE FINANZTRANSAKTIONSSTEUER IN DER EMPIRISCHEN DETAILANALYSE: Auswertung empirischer Erkenntnisse zu den Auswirkungen einer solchen Steuer auf Volatilität, Handelsvolumen, Liquidität und Unternehmensfinanzierung.
6 DER KONKRETE VORSCHLAG DER EU-KOMMISSION ZUR EINFÜHRUNG EINER FINANZTRANSAKTIONSSTEUER – EINE KRITISCHE ANALYSE: Detaillierte Darstellung und kritische Evaluierung des EU-Vorhabens anhand finanzwissenschaftlicher Kriterien.
7 FAZIT: IST DIE ZEIT REIF FÜR EINE UMFASSENDE BESTEUERUNG DES FINANZSEKTORS?: Zusammenfassende Einschätzung des Autors, der das Potenzial von Steuern zur Internalisierung negativer Externalitäten betont, aber vor der Stilisierung der FTS als Allheilmittel warnt.
Schlüsselwörter
Finanztransaktionssteuer, Finanzmarkt, Spekulation, Hochfrequenzhandel, Steuerinzidenz, Markteffizienz, Pigou-Steuer, Handelsvolumen, Preisvolatilität, Marktliquidität, EU-Kommission, Kapitalmärkte, Realwirtschaft, Transaktionskosten, Finanzsektor
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Auswirkungen und die Sinnhaftigkeit einer allgemeinen Finanztransaktionssteuer auf Basis finanzwissenschaftlicher Theorie und empirischer Befunde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Begründung von Steuern (Fiskal-, Umverteilungs- und Lenkungszweck), die Analyse von Spekulation und Hochfrequenzhandel sowie die Auswirkungen auf Marktparameter wie Liquidität und Volatilität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob eine Finanztransaktionssteuer ein effektives Instrument ist, um Marktversagen durch exzessive Spekulation zu internalisieren, ohne dabei die für die Realwirtschaft essenzielle Kapitalallokation negativ zu beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine detaillierte Literaturanalyse finanzwissenschaftlicher Studien und empirischer Untersuchungen zu historischen und aktuellen Steuerbeispielen sowie auf eine modelltheoretische Auseinandersetzung mit der Effizienzmarkthypothese.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Untersuchung historischer Fallbeispiele (z.B. Schweden, Großbritannien), die Diskussion der Argumente von Befürwortern und Gegnern sowie eine empirische Detailanalyse der Auswirkungen auf Marktvolatilität, Handelsvolumen und Unternehmensfinanzierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Finanztransaktionssteuer, Spekulation, Hochfrequenzhandel, Markteffizienz, Pigou-Steuer, Marktliquidität und Unternehmensfinanzierung.
Wie bewertet der Autor den aktuellen Vorschlag der EU-Kommission?
Der Autor sieht im EU-Vorschlag durchaus das Potenzial, den Hochfrequenzhandel einzudämmen, warnt jedoch vor den hohen Transaktionskosten, der möglichen Weitergabe der Steuerlast an Endverbraucher und der Gefahr, dass die Steuer zu sehr als „Allheilmittel“ wahrgenommen wird, während Alternativen zu kurz kommen.
Welche Rolle spielt der Hochfrequenzhandel in der Analyse?
Der Hochfrequenzhandel wird als eine Art "schädliche Innovation" identifiziert, die soziale Wohlfahrt reduziert. Der Autor unterstützt das Ziel der EU, diesen durch eine Steuer zurückzudrängen, stellt aber die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und den Auswirkungen auf andere Marktteilnehmer.
- Citar trabajo
- Alexander Daminger (Autor), 2014, Eine ökonomische Analyse der Finanztransaktionssteuer, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335282