Präsenzveranstaltungen im Lehrgebiet einer Fernuniversität. Ein Schulungsentwurf für Mitarbeiter


Hausarbeit, 2015

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Exkurs

3 Hierarchische Kompetenzanalyse

4 Bildung von Aufgabenklassen

5 Entwicklung von Lernaufgaben

6 Prozedurale und unterstützende Information

7 Part-task Practice

8 Didaktische Szenarien

9 Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Aufgabenklassen

Tabelle 2 Lernaufgabe 1

Tabelle 3 Lernaufgabe 2

Tabelle 4 Lernaufgabe 3

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Fertigungshierarchie

1.Einleitung

1.1 Zielsetzung: Bei einem Fernstudium verläuft das Lehren und Lernen hauptsächlich über die angebotenen Studienbriefe sowie über die virtuelle Betreuung. Studierende erhalten die Lehrtexte auf postalischem, oder auf dem virtuellen Weg als Online-Vorlesung, eine Betreuung erfolgt über Moodle (Modular Object- Oriented Dynamic Learning Environment). Als besonderes Angebot werden den Studierenden Präsenzveranstaltungen offeriert, die sowohl eine Vertiefung der Lehrinhalte ermöglichen sowie zum Austausch und Vernetzen mit anderen Studierenden und dem Lehrpersonal dienen. Präsenzveranstaltungen werden von hauptamtlich Lehrenden und von Mentoren/innen angeboten und sind überwiegend standardisiert. Die Kombination aus Wissensvermittlung in schriftlicher Form sowie über Online- Vorlesungen und Präsenzveranstaltungen wird als Blended Learning bezeichnet (Reinmann-Rothmeier, Vohle, Adler, & Faust, 2003, S. 28-29).

Die Nachfrage nach Präsenzveranstaltungen wird größer, da eine Tendenz der Zunahme an Fernstudien besteht und dies eine erhöhte Nachfrage an gut geschulten Lehrkräften erforderlich macht (Sommerfeld, H., Höllermann, 2014, S. 28). Diese Hausarbeit hat einen Schulungsentwurf zum Ziel, der es Mitarbeitern am Lehrgebiet der FernUniversität ermöglichen soll eine Präsenzveranstaltung durchzuführen. Entworfen wurde er nach dem 4CID- Modell von van Merriënboer.

1.2 4CID-Modell: Das Modell beschreibt vier Komponenten, die in Wechselwirkung zueinander stehen.

1. Lernaufgaben: Sollen ganzheitlich, authentisch, konkret aber auch variabel gestaltet sein. Die Lernaufgaben sollen es dem Lernenden möglich machen mentale Modelle zu entwickeln, um nicht wiederkehrende Fertigkeiten ausführen zu können und wiederkehrende Fähigkeiten zu automatisieren.
2. Unterstützende Informationen: Diese werden benötigt um nicht wieder- kehrende Aufgaben zu lösen. Sie stehen dem Lernenden ständig zu Verfügung.
3. Just-in-time Informationen: Werden bei der konkreten Bewältigung vom Lernenden abgerufen und beziehen sich auf wiederkehrende Tätigkeiten.
4. Part-task Practice: Sind Übungen von wiederkehrenden Tätigkeiten, die schnell auf hohem Niveau automatisiert werden sollen (Bastiaens, Deimann, Schrader, & Orth, 2014, S. 92-93).

Zu den Stärken des 4CID Modells gehört die Transferfunktion, daher wurde es für diesen Entwurf ausgewählt (van Merrienboer, Kirschner, & Kester, 2003, S.5-13). Unter Transfer ist die Fertigkeit zu verstehen, gelerntes Wissen zur Lösung komplexer Problemstellungen in der Praxis einzuüben. Die Zielgruppe, die in diesem Fall aus Mitarbeitern des Lehrgebiets besteht, soll dadurch in die Lage gebracht werden, die auf sie zukommenden Aufgaben mit den neu erworbenen Kompetenzen zu meistern. Das neu erworbene Wissen ist laut van Merriënboer somit auf unterschiedliche Probleme im Alltag anzuwenden. Laut Studien liegt der Vorteil der 4CID Modelle gegenüber herkömmlichen Lehrprogrammen eindeutig in der Überlegenheit der Transferleistung (van Merriënboer, Clark, & de Croock, 2002 S.39ff).

1.3 Szenario: Dem Schulungsentwurf liegt die Annahme zugrunde, dass sich zukünftig mehr Studierende an einer FernUniversität einschreiben werden. Weiter wird angenommen, dass jeder Studierende an mindestens zwei Präsenz- veranstaltungen teilnehmen muss, um den Bachelor Abschluss erreichen zu können. Die Teilnahme soll für die Studierenden verbindlich sein. Somit muss das Lehrgebiet sicher stellen, dass jeder Studierende die Möglichkeit besitzt an mindestens einer Präsenzveranstaltung teilnehmen zu können. Die Mitarbeiter des Lehrgebiets sind die Zielgruppe, die bisher keine bis relativ wenige Erfahrungen in der Durchführung von Präsenz- veranstaltungen haben. Allerdings sind die Mitarbeiter geschult im Präsentieren von Online Seminaren sowie von kleineren Vorträgen. Die Schulung findet an der FernUniversität als eintägiges Seminar statt. Die zu schulende Gruppe wird auf 20 begrenzt. Verantwortlich für die Schulung ist ein Mitarbeiter/Experte des Lehrgebiets.

1.4 Ü berblick: Zunächst wird in der vorliegenden Arbeit auf die allgemeine Didaktik und das Instruktionsdesign eingegangen. Und im Folgenden warum die allgemeine Didaktik sich in Deutschland stärker durchsetzen konnte. Im zweiten Teil wird dann der Schulungsentwurf: „Als Mitarbeiter des Lehr- gebiets eine Präsenzveranstaltung durchführen“ entwickelt. Anschließend wird anhand einer Lernaufgabe die Eignung für die Umsetzung in unterschiedlichen didaktischen Rahmen überprüft. Zum Schluss wird die Verortung des ADDIEModells dargestellt und ein Fazit gezogen bezüglich der Stärken und Schwächen des Modells sowie des Schulungsentwurfs.

2. Theoretischer Exkurs

2.1 Pfadabhängigkeit: In Deutschland sind didaktische Modelle vorherrschend. In Nordamerika hingegen entwickelte sich das Instructional Design zur Zeit des zweiten Weltkrieges als dominantes Modell (Bastiaens, et al., 2014, S.32). Dieses ist erklärbar mit dem Konzept der Pfadabhängigkeit. Darunter werden Wirkungen verstanden, die aus der verursachenden Kraft von in der Vergangenheit getroffene Entscheidungen auf gegenwärtige und zukünftige Entschlüsse resultieren (Klebl, M., 2014, S. 13). Geprägt wurde dieser Begriff von dem Wirtschaftshistoriker Paul A. David und dem Wirtschaftsmathematiker W. Brian Arthur. Nachdem ein bestimmter Pfad eingeschlagen wurde, ergibt sich daraus dann meist ein ökonomischer Nutzen und das führt dann zu einem Festhalten an dem eingeschlagenen Pfad. Diese Prozesse werden dann als stabil eingestuft, sodass nur in Ausnahmefällen Pfadwechsel entstehen und es zu einem sogenannten Lock-in kommt (Werle, 2007 S. 119-131). Überträgt man dies nun auf die allgemeine Didaktik, die ihre Entstehungszeit in der beginnenden Aufklärung hat (1657), wird deutlich, dass die Konzeption des Lernens in Deutschland seit zwei Jahrhunderten auf didaktische Modelle hin ausgerichtet ist (Bastiaens et al., 2014, S. 31). Somit erscheint eine Um- bzw.- Neuorientierung zum ID Modell hin unrentabel und unwirtschaftlich.

2.2 Unterschied zwischen Didaktik und Instruktionsdesign: Die unter- schiedlichen Zeitpunkte der Entstehung der beiden Modelle stellen ein Differenzierungsmerkmal dar. Ein anderer Unterscheidungspunkt liegt in den jeweiligen Anwendungsbereichen und ihrem dadurch bedingten Vorgehen. Allgemeine didaktische Modelle richten ihre Aufmerksamkeit auf schulischen Unterricht. Didaktik bezeichnet im Allgemeinen die Wissenschaft vom Lehren und Lernen. Der Anwendungsbereich der ID Modelle ist wesentlich weiter gefasst und liegt in der außerschulischen Weiterbildung.

Robert M. Gagné, der als Ideengeber des ID Modells gilt, wollte eine Ablösung von der Idee der “richtigen Lehrmethode“ durch eine Konzeption, die versucht für unterschiedliche Kategorien von Lernaufgaben und unterschiedliche Lernvoraussetzungen die jeweils bestgeeignete Lernumgebung zu finden (Niegemann, 2008, S. 18).

2.3 Bezugstheorie des 4CID- Modells: Die ID Modelle beruhen auf unter- schiedlichen Lerntheorien. Die Theorie der kognitiven Belastung, Cognitive Load Theory (CLT), wurde von John Sweller und Paul Chandler entwickelt und beschrieben (Ayres, Kalyuga, & Sweller, 2011). Die Annahme der CLT ist vergleichbar damit, wie im 4CID Modell davon ausgegangen wird, dass während des Lernens geistige Ressourcen im Arbeitsgedächtnis absorbiert werden. Durch Begrenztheit des Arbeitsgedächtnisses kann dies zu einer kognitiven Überlastung führen, wenn das Lernmaterial unzureichend präsentiert wird oder zu umfangreich dargeboten wird. Innerhalb beider Theorien, dem 4CID Modell und der CLT werden drei verschiedene Arten der kognitiven Belastung dargestellt. Dies ist zum einen die intrinsische Belastung. Sie macht sich in der Vielschichtigkeit sowie der Schwierigkeit der Aufgabe deutlich. Die extrinsische Belastung entsteht durch die Darstellungsart des Lernmaterials. Dies ist für die Automatisierung beim Schemaerwerb belastend und belegt Kapazitäten des Arbeitsgedächtnisses. Als dritte Quelle der kognitiven Belastung findet sich der germane CL. Diese ist ebenfalls von der Darbietungsart abhängig und wird für die Automatisierung von Schemata im Langzeitgedächtnis benötigt. Im 4CID wird eine Verringerung externer kognitiver Belastung angestrebt, wohingegen die germane kognitive Belastung maximiert wird. Möglich werden soll dies durch Scaffolding. Dieser Begriff bedeutet ursächlich Gerüst und soll dem Lernenden Unterstützung durch Bereitstellung einer Orientierungsgrundlage geben. Sobald der Lernende seine Kompetenzen erweitert hat wird das „Gerüst“ schrittweise entfernt (Kirschner, Paul A., Kirschner, Femke, & Paas, Fred, 2009, S. 205-207).

3. Hierarchische Kompetenzanalyse

3.1 Hierarchiefunktion: Durch die Analyse der Teilfertigkeiten wird ein Gerüst für die weiteren Entwicklungsschritte entworfen, das beispielhaft an der Entwicklung der Lernaufgaben verdeutlicht werden soll. Eine Kompetenzanalyse ist dabei notwendig, um zu einer Bildung von Aufgaben- klassen zu gelangen. Dafür müssen der Ist-Zustand und der Soll-Zustand definiert werden. Die umfangreiche Fertigkeit „Eine Präsenzveranstaltung durchführen“ wird in mehrere konstituierende Teile zerlegt und in vertikale und horizontale Relationen gesetzt. Anschließend werden Leistungsziele für die Fertigkeiten formuliert, die als wiederkehrend (die Ausübung der Fertigkeit ist immer gleich) oder nicht wiederkehrend (die Ausübung der Fertigkeit ist immer unterschiedlich) klassifiziert werden (Bastiaens, et al., 2014, S. 95).

3.2 Hierarchieerstellung: Für diesen Schulungsentwurf wurde zu Beginn die Zielkompetenz analysiert und in Teilkompetenzen zerlegt (Bastiaens, et al., 2014 S. 95). Die Analyse wurde mit Hilfe des Expertenwissens eines Mitarbeiters im Bildungsbereichs durchgeführt. Des Weiteren wurden die Webseiten der FernUniversität Hagen (2014) zu Rate gezogen, um sich mit der Struktur von Präsenzveranstaltungen vertraut zu machen. Die aus den Teilkompetenzen bestehende Fertigkeiten Hierarchie setzt sich aus konditionalen und temporalen Relationen zusammen. Temporale Relationen werden horizontal eingeordnet und zeigen den zeitlichen Ablauf. Diese Fertigkeiten können dabei sequentiell oder gleichzeitig ausgeübt werden. Somit muss der Mitarbeiter im Bildungsbereich zunächst die Räumlichkeiten organisieren sowie die Präsentationsmedien installieren bevor er die Präsenzveranstaltung durchführen kann. Die konditionalen Relationen sind vertikal angeordnet und werden von unten nach oben gelesen. Die untere Fertigkeit ist somit die Grundlage für die darüberstehende Fertigkeit. Somit müssen zunächst die Lernziele zusammengefasst werden, bevor sie vermittelt werden können. Gleiches gilt für die Kompetenz in Bezug auf „Konzept nachbereiten“. Die Kompetenz „Feedbackmethode auswählen“ ist somit eine Erlernbarkeitsvoraussetzung für die Teilfertigkeit „Teilnehmer Feedback erwerben“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Präsenzveranstaltungen im Lehrgebiet einer Fernuniversität. Ein Schulungsentwurf für Mitarbeiter
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V335337
ISBN (eBook)
9783668254244
ISBN (Buch)
9783668254251
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
präsenzveranstaltungen, lehrgebiet, fernuniversität, schulungsentwurf, mitarbeiter
Arbeit zitieren
Andrea Windau (Autor), 2015, Präsenzveranstaltungen im Lehrgebiet einer Fernuniversität. Ein Schulungsentwurf für Mitarbeiter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335337

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