Prädikatsbildung im Deutschen und Bosnisch-Kroatisch-Serbischen


Diplomarbeit, 2007

88 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1. Zum Ziel der Arbeit:
1.2. Zum Korpus
1.3. Abkürzungen und Symbole:

2. ZUR THEORETISCHEN GRUNDLAGE
2.1. Prädikatsbildung im Deutschen
2.2. Zusammensetzung mehrteiliger Prädikate
2.3. NICHTVERBALE TEILE DES PRÄDIKATS
2.4. Auslassung des Prädikats
2.5. Stammbaumdarstellung der zusammengesetzten Prädikate
2.6. Prädikatsbildung im Bosnisch-Kroatisch-Serbischen
2.6.1. Verbales Prädikat
2.6.2. Nominales Prädikat
2.6.3. Erweiterung des Prädikats
2.6.4. Auslassung des Prädikats

3. KONTRASTIVER VERGLEICH DER BELEGE
3.1. Infinitiv I Aktiv und seine BKS-Entsprechungen
3.3. Infinitiv I Vorgangspassiv und seine BKS-Entsprechungen
3.4. Infinitiv II Vorgangspassiv und seine BKS-Entsprechungen
3.5. Infinitiv I Zustandspassiv und seine BKS-Entsprechungen
3.6. Infinitiv II Zustandspassiv und seine BKS-Entsprechungen
3.7. All zu freie und inadäquate Übersetzungen

4. SCHLUSSFOLGERUNG

5. SAŽETAK

6. LITERATURVERZEICHNIS

7. TABELLENVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

1.1. Zum Ziel der Arbeit:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Prädikatsbildung im Deutschen und im Bosnisch-Kroatisch-Serbischen und dann mit den Infinitiven im Deutschen und ihren BKS-Entsprechungen, die das Prädikat bilden. Dabei fungiert Deutsch als Ausgangsund Bosnisch-Kroatisch-Serbisch als Zielsprache.

Das Ziel dieser Arbeit ist, aufgrund der deutschen Grammatiken von Petrović und Zilić aufzuzeigen, wie das Prädikat im Deutschen gebildet wird. Dann soll auch aufgezeigt werden, wie das Prädikat im Bosnisch-Kroatisch-Serbischen gebildet wird. Danach werden alle möglichen Infinitive aus einem Werk und zwar aus „Buddenbrooks“ von Thomas Mann, die das Prädikat bilden, angegeben und diese dann mit der BKS-Übersetzung verglichen.

Aufgrund der kontrastiven Analyse, die an deutschen Belegen und ihren BKS-Entsprechungen durchgeführt wird, soll ermittelt werden, wie viele Infinitive, die das Prädikat bilden, überhaupt in so einem Werk vorkommen, welche sind ihre BKS-Entsprechungen und wie häufig die einzelnen Infinitive vorkommen.

1.2. Zum Korpus

Dieser Diplomarbeit liegt der Grammatiken von Petrović (1995) und Zilić (2002) im Deutschen und Jahić / Halilović / Palić (2000) im Bosnisch-Kroatisch-Serbischen zu Grunde.

Dieser Diplomarbeit liegt auch ein Korpus aus5845Belegen zu Grunde, die dem Roman: „Buddenbrooks“ von Thomas Mannentnommen wurden.

In dem theoretischen Teil wurden die Beispiele auch aus dem oben genannten Roman übernommen, außer bei einigen Konstruktionen, bei denen keine Beispiele oder nur wenige Beispiele zu finden waren, wurden diese Beispiele aus den oben genannten Grammatiken übernommen. Bei den Belegen, die ich selber übersetzt habe, habe ich meinen Namen gesetzt (E.ALKAZ). Die Belege werden in verschiedene Gruppen eingeteilt, je nachdem in welcher Form der Infinitiv steht, der das Prädikat bildet. Es ist noch anzumerken, dass in der Diplomarbeit die neue Rechtschreibung benutzt wurde, obwohl der Ausgangstext nach den Regeln der alten Rechtschreibung geschrieben ist.

Tabelle 1.: Zusammenstellung des Korpus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.3. Abkürzungen und Symbole:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungen in den Satzdiagrammen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. ZUR THEORETISCHEN GRUNDLAGE

2.1. Prädikatsbildung im Deutschen

Jeder Satz enthält ein Verb, das seine Struktur bestimmt, indem es als Regens Satzglieder in entsprechender Ausdrucksform an sich bindet. Dieses Verb wird Vollverb oder Satzverb genannt. Es kommt als eingliedriger oder mehrgliedriger Verbalkomplex vor und übt die Funktion des Prädikats aus.

Der Form nach kann das Prädikat einteilig oder mehrteilig sein.

Einteiliges/eingliedriges Prädikat

Von einem einteiligen oder eingliedrigen Prädikat spricht man, wenn in der Funktion des Prädikats nur das Verbum finitum vorkommt, d.h. derjenige verbale Teil, der durch die Kategorien Person, Numerus, Tempus, Modus und Aspekt bestimmt ist, gelegentlich auch konjugierte Verbform genannt. Beispiele:

Diederich Schwarzkopfreichteihm keineswegs die Hand.

Der Konsulschüttelteernsthaft den Kopf.

Ähnlich wie im Landschaftszimmerbranntehier hinter einem Messinggitter der Ofen.

Die Konsulineröffneteden Hauptteil der Unterhaltung.

Herr Grünlichlobtedie vornehme Anlage des Hauses.

Wirplaudertengar nicht.

Frau Schwarzkopfsaßmit ihrem Sohn allein am Kaffeetisch.

Der junge Schwarzkopflegteseine Pfeife auf die Brüstung der Veranda.

Erküsstesie auf die Lippen und die Augen.

Ein feuchter Duft von Erde und Blumenlagin dem kleinen Laden.

Konsul Buddenbrookbesuchtemit Tony in Travemünde die alten Schwarzkopfs.

Mehrteiliges/mehrgliedriges Prädikat

Es handelt sich meistens um zwei-oder dreiteilige, selten um vierteilige Prädikate. Beispiele:

Die Damenwarendem Disput nicht langegefolgt.

Die Meißener Teller mit Goldrandwurden gewechselt.

Wannistdas Haus nochgebaut worden?

Der Konsulhatheute auf ihre Langschläferingewartet.

Seine anschließenden Beinkleiderwarenan den Außenseiten mit schwarzen Streifenversehen.

Die kleine Antoniehattenur schmollend die immer ein bisschen hervorstehende Oberlippe noch weiter über die unteregeschoben.

Mehrmalshattedie Glocke durchs ganze Hausgegellt.

Mamsell Jungmann und das Folgmädchenhattendie weiße Flügeltür zum Speisesaalgeöffnet.

Mehr als dreigliedrige Formen werden meist bei modaler Bedeutung des Prädikats gebraucht (Annahme, Vermutung). Beispiele:

Esmusstenoch gestern Abendgebraucht worden sein.

Erfühltein seinem Stolz als Geschäftsmann sich bitter gekränkt und verwand schweigend die Schmach, so plump übers Ohrgehauen worden zu sein.

2.2. Zusammensetzung mehrteiliger Prädikate

Das Prädikat kann aus folgenden Elementen zusammengesetzt sein:

1. Auxialverbkomplex / Hilfsverb (haben, sein, werden)+Vollverb im Partizip II oder reiner Infinitiv.Beispiele:

Kinder, sowashabtihr sicher noch gar nichtgesehen.

Hanno Buddenbrookhatteden kleinen Grafen vor Beginn der Schulzeit drei Malgesehen.

Eswarjede Spur von Besorgnis und Unruhe aus dem Gesicht Madame Buddenbrooksverschwunden.

Die Meißener Teller von Goldrandwurden gewechselt.

Oh Vater, mit Gottes Hilfewirdalles gutgehen.

Der Konsulhatteein Heft mit gepresstem Umschlag und Goldschnittherausgenommen.

Erhattedie Pocken so starkgehabt, dass alle Leute ihm das Leben absprachen, aber erwar gerettet worden.

Antonie Buddenbrookwarganz allein mit einem Gymnasiasten, einem Freund ihrer Brüder, vorm Torspazieren gegangen.

WirwerdenKrebseessen, Herr Permaneder!

2. Modalverbkomplex / Modalverb (dürfen, können, mögen, müssen, sollen,

wollen) + Vollverb im Infinitiv.Beispiele:

Es vergingen einem geradezu die Gedanken dabei und mankonntenichteinhalten, wenn man auch wollte.

Kannmir denn niemadsagen, was los ist?

Warumsollteman in diesem Alter über dergleichen Dinge nicht seinen eigenen wunderlichen Vorstellungenhaben dürfen!

Unsere Tonysollsich ein Beispiel darannehmen.

Soller nicht gleich Dichterwerden, Hoffstede?

ManmussMarcellus Stengelkennen!

Wassolldarinstehen?

Ich bin persönlich interessiert und deshalbmüssteichsagen: Vater bezahle!

Ichwillnichts davonwissen.

Er ging wie unter einem Druck einher und ich glaube, mankanndiesen Druckbegreifen.

Aber ich glaube, dass Dietrich Ratenkampsichnotwendig und unvermeidlich mit Geelmackverbinden musste, damit das Schicksal erfüllt wurde.

Nun, ich denke: Duwillsteinmal zu den Buddenbrookshineinsehen.

Und Jean liegt mit der Kopfrose undkannmir nichthelfen.

Solltedie Beschäftigung mit diesen Dingen sich mit Ihrer glänzenden Chargevereinbaren?

WollenSie nicht nähertreten?

Wiekannich Ihnendienen?

Herr Permanedermussteauch Antonie nochmals den Grund seines Hierseinserklären.

Aber wassollich nursagen, Ida, wenn er fragt?

Dusollstja auch in München mit ihmleben.

IchwollteIhnen nicht nur Gute Nachtsagen, Papa, sondern..., aber Siedürfennicht bösewerden.

Tom und Tony, dort unten, die keinen Fischessen mochten...

Nun adieu, liebe Mama, ichkannnicht mehrschreiben.

Ich bleibe noch drei oder vier Wochen hier und dannkannich euch mündlich von Münchenerzählen.

Auch die Verben brauchenundlassen kommen als Modalverben vor. Beispiele:

Tonybrauchtimmer viel Geld, wenn sie ins Einkaufszentrum geht.(= Vollverb: benötigen)

Trinabrauchtfast nichtszu tun.(Modalverb)

Dubrauchstheute Abend nichtzuBuddenbrooksgehen.(Modalverb)

Gotthold, dubrauchstnichts mehrzu sagen.(Modalverb)

Daslässt sichwiedergut machen, Gotthold, glaube mir.

Dalässt sichnichtsändern, liebe Madame. (= Dakannman nichtsändern.)

3. Modalitätsverbkomplex / Modalitätsverb + zu + Infinitiv

Modalitätsverben bzw. modifizierende Verben sind Verben, die gelegentlich modifizierend gebraucht werden, immer zu + Infinitiv des Hauptverbs an sich binden und dasselbe Subjekt wie das Hauptverb haben. Zu den Modalitätsverben gehören:belieben, bleiben, drohen, gedenken, geruhen, bereit sein, haben, pflegen, scheinen, sein, stehen, sich trauen, umhinkönnen, sich unterstehen, sich vermessen, vermögen, versprechen, verstehen, wissen.Beispiele:

Er weiß sich zu finden.

Untersteh dich nur das zu tun.

Es steht zu erwarten, dass er uns nicht im Stich lassen wird.

Die Beiden gedenken sich scheiden zu lassen.

Es bleibt abzuwarten, ob sich der Erfolg einstellt.

pflegen

Das ist ein altes, zärtliches Ehepaar, das sich vor Aller Ohren mit bräutlichsten Kosenamenzu benennen pflegte.

Er wandte sich an seine Schwiegertochter, die seinem Geschmackbeizupflichten pflegte.

scheinen

Ich wiederhole, dass es mir Ihrer nicht würdigscheint,sichmit diesen Dingenzu befassen.

Sein Gesichtschiennoch länger und mildergeworden zu sein.

Ja, Johann Buddenbrook musste diese erste gattin, die Tochter eines Bremer Kaufmannes, in rührender Weise geliebt haben und das eine, kurzes Jahr, das er an ihrer Seite hatte verleben dürfen,schiensein schönstesgewesen zu sein.

Johann Buddenbrookschiendieses neue Wesen ehrlich und bitterlichgehasst zu haben.

Allesscheint sich verabredet zu haben.

Seine Lippenschienenschmalergeworden zu sein.

Tonyschienauf diese Antwort gar nichtgeachtet zu haben.

Esschienihnzu befriedigen, ihm geradezuwohlzutun, seinen Bruder endlichin Zorn gebracht zu haben, ihn endlich zu einer energischen Erwiderung, einem Protestvermocht zu haben.

Tonyschienim Verlauf der Mahlzeit ein wenig nachdenklich und unruhiggeworden zu sein.

Zagen und Fragenschienenin ihr ein Endegefunden zu haben.

Lass fahren dahin! sagte er und diesschienseine Lieblingsredensartgeworden zu sein.

Die Eheschiensein Befinden nicht günstigbeeinflusst zu haben.

Frau Schwarzkopf, eine Pastorstochter aus Schlutup,schienungefähr 50 Jahrezu zählen.

Christian dagegenscheintmir ein wenig Tausendsassazu sein.

Das starke wortschienihm geradezu Linderungzu bereiten.

vermögen

Sein rundes Gesicht, dem er beim besten Willen keinen Ausdruck von Bosheitzu geben vermochte, wurde von schneeweiß gepudertem Haar eingerahmt.

Manvermochtenicht rechtzu erkennen, was es eigentlich sein sollte.

versprechen[1]

Erversprichtein guter Lehrerzu werden.[2]

Erverspricht, ein guter Lehrerzu werden.(Vollverb)[3]

Der Sohnversprachdem Vater, ein guter Schülerzu werden.(Vollverb)

verstehen[4]

IchversteheEnglisch.(Vollverb)

Es ist kaum zu glauben, wie nett Sitazu plaudern versteht.[5](modifizierendes Verb)

haben + zu + Infinitiv

<müssen (Notwendigkeit, Verpflichtung, Pflicht, Auftrag, Zwang, Befehl)

Dahatder Konsul für diesen frommen Streich einen Auftritt mit seinem Vaterzu bestehen.

Wirhabendavon eine Mengezu lernen.

sein + zu + Infinitiv

< können, müssen; Möglichkeit, Zwang, Auftrag

Undwarsie auch keine Schönheitzu nennen, so gab sie doch mit ihrer hellen und besonnenen Stimme ein Gefühl von Klarheit und Vertrauen.

Der alte Herrwarauf Ida Jungmann nicht zum Bestenzu sprechen.

Thilda ist brav, aber wirsindauch nichtzu verachten.

Die Mädchenkammerwarnur durch eine Art freiliegender, gerader Stiege von der Diele auszu erreichen.

4. Partizipialverbkomplexe[6]

Partizipialverbkomplexe bestehen aus einem der folgenden Verben:bekommen, erhalten, kriegen, gehören, kommen, stehenundbringenund dem Partizip Perfekt des Hauptverbs/Vollverbs. Die Konstruktion, die aus den Verbenbekommen / erhalten / kriegenund dem Hauptverb besteht, hat eine passivische Bedeutung. Beispiele:

Ichhabegestern ein Buchgeschenkt bekommen.

Ichbekommeimmer etwas Schönesgeschenkt.

Ichhabedas schon einige Malegesagt bekommen.

Nach mehreren Nachfragenbekamenwir dann ein Antragsformularzugesandt.

Dugehörst geprügelt.(= Du verdienst geprügelt zu werden.)

kommen / stehen / bringen + Partizip Perfekt

Eskommtein Schiffgefahren.

Essteht geschrieben, dass hier nicht geraucht wird.

Wasbringstdu daangeschleppt?

5. A.c.I-Verben (lassen, lernen, lehren, helfen + Infinitiv) und die Matrixverben / Empfindungsverben: sehen, hören, spüren, fühlen, lassen und heißen (=befehlen) + Infinitiv

Beispiele:[7]

Die Mutterlässtdie Tochter das Zimmeraufräumen.

Das Kindlernt laufen.

Erlehrte mich Schachspielen.

Erhatihnreiten gelehrt.

Ichhabeihm das Auto waschen helfen / geholfen.

Ichhörtemeine Wirtin in der Küche Kaffeemahlen.

Zwei Malhabeich ihn jetzt schon dortstehen sehen.

Ichhabeihn niemals Bücherlesen sehen.

ErhörteMaria eine Geschichteerzählen.

Erhattenoch nie eine Frau sosingen hören.

Erfühltein Verhängnisnahen.

Erspürtsein Herzklopfen.

Erheißtmichkommen. (= Er befiehlt, dass ich komme.)

Erhatmichkommen heißen.

2.3. NICHTVERBALE TEILE DES PRÄDIKATS

Das Prädikat kann auch aus dem Verbum finitum und einem nichtverbalen Teil zusammengesetzt sein. Nichtverbale Teile des Prädikats sind:

a.)ein Verbzusatz

Beispiele:

„Immer“ sprach sie wie „Ümmer“aus.

Durch eine Glastür, den Fenstern gegenüber, blickte man in das Halbdunkel einer Säulenhallehinaus.

Die kleine Antonie schoß noch ein Stück über das Zielhinaus.

Tom und Christian kommen die Johannisstraßeherauf.

Das Glockenspiel von St.Marien setzte mit einem Chorale ziemlich taktlosein.

Unterhalb der Wangenknochen deuteten bereits ein paar Linien daraufhin, dass die Gesichtsform nicht immer die jetzige kindliche Fülle behalten werde.

Konsul Buddenbrook nötigte die alte Dame ins Landschaftszimmerzurück.

Der Junge gibt nichtnach.

Madame Buddenbrook blickte mit einem halb verlegenen, halb erinnerungsschweren Lächeln vor sichnieder.

Ich führe Sie die Straßehinaufin ihr Haus.

Nun aber kam der Makler Grätjens von seinem Stuhlempor.

Und dann fuhr er in seinem langsamen, pedantischen Amtstonefort.

Rechts führte die Treppe in den zweiten Stockhinauf.

Die Herren schritten die breite Treppehinunter.

Durch eine hohe Glastür trat man über einige ganz flache, befahrbare Stufen in den Hofhinaus.

Dann ging erumherund schloss die Löcher der beiden Billards.

b.)Reflexivpronomen echter reflexiver Verben

Beispiele:

sich erkundigen: Er erkundigte sich nach Tonys Acker und Vieh.

sich wenden: Madame Buddenbrook wandte sich an ihre Schwiegertochter.

sich belustigen: Aber Vater, sie belustigen sich wieder einmal über das Heiligste.

sich eignen: Ida Jungmann eignete sich mit ihrer Loyalität und ihren preußischen Rangbegriffen im Grunde aufs Beste für ihre Stellung in diesem Haus.

sich befreunden: Tony befreundete sich mit einer Schulkameradin.

sich bemühen: Tony wird sich bemühen, eine kluge und tüchtige Frau zu werden.

sich bedienen: Herr Buddenbrook bediente sich seiner goldenen Tabaksdose.

sich kaprizieren: Gotthold kapriziert sich auf diese Entschädigungssumme für den Anteil am Haus.

sich erinnern: Ich erinnere mich unserer Begegnung in der Alfstraße, Madame.

sich hüten: Die Leute saßen in ihren Häusern und hüteten sich.

sich erheben: Die Konsulin erhob sich ganz unauffällig.

sich befinden: Aber auch an der linken Seite des Vorplatzes befand sich noch eine Reihe von Räumen.

sich werfen: Herr Köppen warf sich erschöpft auf einen der steifen Stühle.

c.)Funktionsverbgefüge und idiomatische Verbindungen

Funktionsverbgefüge

Das Funktionsverbgefüge besteht aus einem semantisch fast völlig entleerten Verb und einer Präpositionaloder Nominalphrase. Das Verb übt fast nur grammatische Funktionen aus; es markiert Tempus, Person, Aktionsart usw., während das Verbalsubstantiv der Sinnträger der Fügung ist. Beispiele:

in Schutz nehmen Erwähnung tun Rücksprache nehmen Rücksicht nehmen in Anspruch nehmen in Ordnung halten Ende nehmen Aufbruch herrschen außer Acht lassen zu Ende führen zu Stande bringen Eindruck machen Der Konsul musste diese Idain Schutz nehmen.

Er hatte Gottholds bis zum Schluss nichtErwähnung getan.

Mit wem von Ihnen kann ichRücksprachenehmen, frage ich höflich, meine Herren?

Sie solltenRücksicht nehmen, unterbrach ich ihn.

Ich bin zu sehrin Anspruch genommenworden von allem, was es hier zu sehen gibt.

Man muss sozusagen sein Gewissenin Ordnung halten.

Als er aber einEnde genommenhatte, da widmete er mit seiner etwas kreischenden Stimme ein Glas der Firma Johann Buddenbrook.

Drinnen im Esssaalherrschte Aufbruch.

Es handelt sich um die einfachste Gerechtigkeit, die du in empörender Weiseaußer Acht gelassenhast.

In schweigsamer Missstimmung war die Mahlzeitzu Ende geführt.

Die neue Generationbrachtedie Compliments schlechterdings nicht mehrzu Stande.

Er erlaubte sich, sitzen zu bleiben dabei, weil das einen noch coulanterenEindruck machte.

Idiomatische Verbindungen

Idiomatische Verbindungen unterscheiden sich von Funktionsverbgefügen dadurch, dass ihre Bedeutung nicht die Summe der Bedeutungen ihrer Konstituenten darstellt. Dazu gehören Verbindungen wie die folgenden:

jemanden an die Luft setzen(=jemanden hinauswerfen) das Nachsehen haben(=nicht das bekommen oder erreichen, was man will) jemanden zu Boden reden(=jemanden mit seinen Worten erniedrigen) Schranken setzen(=gesetzte Bestimmungen, Grenzen übertreten) In den Dialekt verfallen(=ohne es zu wollen und ohne es zu bemerken in einen bestimmten Zustand kommen oder etwas Anderes tun, als geplant war) Wer hat Christian an die Luft gesetzt? Der Staat hat das Nachsehen.

Im Aufsichtsrat der Büchener Eisenbahn hat mich Konsul Hagenstörm gestern ganz einfach zu Boden geredet.

Billigkeit und Vernunft setzen deinem Belieben Schranken!

Er verfiel vor Verdruss in den Dialekt.

Wilhelm Geelmack hat sicherlich nur den letzten Anstoß zum Ruin gegeben.

Das war etwas Anderes, als unten mit den anderen Leuten im Schiff zu sitzen.

2.4. Auslassung des Prädikats

Das Prädikat kann im Deutschen auch ausgelassen werden. Beispiele für solche Ellipsen:

Kurios! Kurios!

Alles Glück-du? Jean? Und immer courage?

Tausend Dank!

Was nun?

Allerdings, Frau Konsulin.

Die Duchamps, die Familie meiner seligen Mutter.

In der Tat, ein schweres Unglück, eine betrübende Heimsuchung, dieser Brand.

Welch reizender Garten! Und welch farbiger Blumenflor... o, mein Gott!

Ein angenehmer Mann!

Tony! Mein Gott! Was für ein Urteil!

Ein so christlicher junger Mann!

Ein so wohlerzogener und weltläufiger Mann!

Christian.

Ein schöner Name.

Tom, an die Arbeit!

Liebe Tony, wozu dies Echauffement!

Nur gleich heraus damit, bitte, Papa!

Ha!Und die Frau?

Mademoiselle Buddenbrook!

Sie hier?

Wie reizend!

Und seit wann?

Und welch inzückende Toilette!

Und Sie?

Bei Schwarzkopf?

Beim Lotsenkommandeur?

Wie originell!

Ja, Vater. Fräulein Buddenbrook und ich.

Wie beliebt?

Nett!

Ja, ja, mein lieber Herr Permaneder!

Oh, richtig, mein lieber Herr Permaneder!

Besten Dank für die freundliche Einladung, meine Hochverehrten.

Charmant! Unübertrefflich!

Na, ungescherzt, allen Respekt übrigens vor seiner persönlichen Großheit...

Was für eine Natur!

Das Prädikat wird am häufigsten im Kommunikationsprozess ausgelassen. Beispiele:

Na, hier eine Citronensemmel mit Gänsebrust. Was gibst du dafür?
Ja, einen Schilling vielleicht?
Einen Schilling! Nein, lieber etwas Anderes.
Was denn?
Einen Kuss!
Haben Sie jemals einen Adligen gekannt?
Nein! Gott sei Dank!
Ja! Ja! Ich aber. Ein Mädchen allerdings, Armgard von Schilling dort drüben.
Wohl geruht, Herr Konsul?
Danke. Wenzel. Gutes Wetter heute?
Frost und ein bisschen Schneenebel, Herr Konsul.
Schon Zeitungen gesehen?
Die Anzeigen und die Hamburger Nachrichten, ja. Nichts als Orsini-Bomben ...

Schauderhaft.

2.5. Stammbaumdarstellung der zusammengesetzten Prädikate

Die folgenden Diagramme mögen die Abhängigkeitsstruktur des jeweiligen Prädikats durchsichtig machen und gleichzeitig veranschaulichen, wie die einzelnen Elemente verschoben werden, damit eine akzeptable Folge realisiert wird.

(1) Kinder, sowashabtihr sicher noch gar nichtgesehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

gesehen habt

(2)Wannistdas Hausgebaut worden?

Weißt du, wann das Hausgebaut worden ist?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(3)Das Buchmusstenoch gestern Abendgebraucht worden sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(4)In schweigsamer Missstimmungwardie Mahlzeitzu Ende geführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(5)Drinnen, im Saalherrschte Aufbruch.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(6)Gotthold, duwirstesschaffen können, glaube mir.

Weißt du Gotthold, dass du eswirst schaffen können?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.6. Prädikatsbildung im Bosnisch-Kroatisch-Serbischen

Das Prädikat ist das einzige Satzglied, das sich selbst die Stelle im Satz öffnet. Über das Prädikat werden direkt oder indirekt alle anderen Satzglieder in den Satz eingefügt. Das heißt, dass das Prädikat von keinem anderen Satzglied abhängig ist, während alle anderen Satzglieder mittelbar oder unmittelbar vom Prädikat abhängig sind. Das Prädikat ist unmittelbarer Träger der Prädikativität, daher macht es den grammatischen Kern des Satzes: Durch seine grammatische Bedeutung kann man die grammatische Bedeutung der meisten anderen Satzglieder erfahren. Der Träger der grammatischen Bedeutung des Prädikats ist das Verb in der persönlichen Verbform. Deshalb ist die persönliche Verbform das notwendige Konstituens des Prädikats.

Das Prädikat zeichnet sich durch die lexikalische Bedeutung aus. Die lexikalische Bedeutung des Prädikats kann mit der verbalen und nichtverbalen Einheit bezeichnet werden. In der Abhängigkeit davon können alle Prädikate inverbaleundnichtverbale Prädikateeingeteilt werden. Die nichtverbalen Prädikate werden gewöhnlich dienominalen Prädikategenannt.

Durch ihre Struktur unterscheidet maneinfacheundmehrteiligeverbale Prädikate. Die einfachen verbalen Prädikate bestehen aus einer vollwertigen verbalen Einheit, die Träger sowohl der grammatischen als auch der lexikalischen Bedeutung des Prädikats ist. Die mehrteiligen verbalen Prädikate werden aus zwei verbalen Einheiten gebildetaus einer nichtvollwertigen, die die grammatische und einer vollwertigen, die die lexikalische Bedeutung des Prädikats trägt.

Alle nominalen Prädikate sind mehrteilig. Ihre Vielseitigkeit musterte sich in der Verbindung der verbalen Einheit mit der nichtverbalen. Mit der verbalen Einheit wird hauptsächlich die grammatische und mit der nichtverbalen Einheit die lexikalische Bedeutung des Prädikats ausgedrückt.

2.6.1. Verbales Prädikat

2.6.1.1. Einfaches verbales Prädikat

Jedes Prädikat, das mit einer vollwertigen verbalen Einheit in der einfachen oder mehrteiligen persönlichen Verbform ausgedrückt ist, ist das einfache verbale Prädikat. Beispiele:

Svise pridružišenjegovom smehu, uglavnom iz poštovanja prema glavi porodice.

A konzulkaizvedesvoj naročit pokret šakom od ugla usana ka frizuri nagore.

Ali oče, Viseopetšalitesa najsvetijim!

Na to onaprekrstiruke ipogledau nasmejana lica.

Konzulpomilovaobraz svojoj maloj nećakinji ireče:...

Gospodin Budenbrokse poslužiiz svoje zlatne tabakere.

Stigošei senator doktor Langhals i njegova žena, dugogodišnji kućni prijatelji.

„Otmen svetdolazikasno“,rečekonzul Budenbrok ipoljubisvojoj punici ruku.

I Johan Budenbrokmahnurukom iznad čitave Kregerove rodbine.

Mladi domaćinse uhvatiza levu stranu grudi.

Konvencionalni osmeh naglonestaiz njegovog lica.

I pošto mu pastor živahnoklimnuglavom, konzul Budenbrokpozvastaru damu da se vrati do prozora u dnevnu sobu.

Betsi i japlaćamoprivremeno sasvim poristojnu kiriju za drugi sprat.

Konzulsakripapir u gornji deo kaputa,pružimajci ruku i njih dvoje zajednoprekoračišeprag jasno osvjetljene trpezarije.

Übersetzung:

Allestimmtenin sein Lachenein, hauptsächlich aus Ehrerbietung gegen das Familienoberhaupt.

Die Konsulinvollführteeine ihr eigentümliche Handbewegung vom Mundwinkel zur Frisur hinauf.

Aber Vater, Siebelustigen sichwieder einmal über das Heiligste!

Hieraufkreuztesie die Arme undblicktein die lachenden Gesichter.

Der Konsulstreichelteseiner kleinen Nichte die Wange undsagte: ...

Herr Buddenbrookbediente sichseiner goldenen Tabaksdose.

Auch Senator Doktor Langhals und seine Fraukamen an, langjährige Freunde des Hauses.

„Feine Leutekommenspät“, sagte Konsul Buddenbrook undküssteseiner Schwiegermutter die Hand.

Und Johann Buddenbrookmachteeine weite Armbewegung über die Krögersche Verwandtschaft hin.

Der jüngere Hausherrgriffmit der Hand nach seiner linken Brustseite.

Das gesellschäftliche Lächelnverschwandplötzlich von seinem Gesicht.

Und während der Pastor ihm munterzunickte,nötigteKonsul Buddenbrook die alte Dame ins Landschaftszimmer zurück und zum Fenster.

Bethsy und ichbezahlenvorläufig eine ganz normale Miete für den zweiten Stock.

Der Konsulbargdas Papier in der Brusttasche,botseiner Mutter den Arm und nebeneinanderüberschrittensie die Schwelle zum hellerleuchteten Speisesaal.

2.6.1.2. Mehrteiliges verbales Prädikat

Das mehrteilige verbale Prädikat ist die zweiteilige syntaktische Konstruktion, die mit der Verbindung des Hilfsverbs in der persönlichen Verbform und des Vollverbs in Form desInfinitivsentsteht.

Die Hilfsverben in Verbindung mit dem mehrteiligen verbalen Prädikat gehören zu den zwei lexikosemantischen Gruppen der Verben –Modalverben und Phasenverben. So können alle mehrteiligen verbalen Prädikate durch das folgende Strukturmuster ausgedrückt werden:

Modalverb/Phasenverb + Vollverb

Die Modalverben drücken verschiedene Nuancen der Modalität aus: Möglichkeit, Wille, Wunsch, Notwendigkeit, Bedürfnis, Absicht. Die häufigsten Verben sind:moći, htjeti, morati, željeti, smjeti, trebati, umjeti, znati, uspjeti, namjeravati, nastojati, pokušati, usuditi se...Übersetzung:können, wollen, müssen, mögen, dürfen, sollen, können, wissen, gelingen, beabsichtigen, vorhaben, streben, versuchen, wagen...

Beispiele:

Konzulmorade uzetiIdu u zaštitu.

Naša Toni bi semogla ugledatina tebe.

Tomas reče: „Morašmepratitinekoliko koraka kroz baštu, prijatelju.“

Tom,moramtireći... Stideo sam se zbog Hagenstrema.

Nemožeš zamislitikakav je to komičan stari gospodin!

Rekao je damoram pitimineralnu vodu jer sam možda nešto malokrvna.

Još jutros se to nijemoglo doznati.

Übersetzung:

Der Konsulmusstediese Ida in Schutznehmen.

Unsere Tonysollsich ein Beispiel darannehmen.

Thomas sagte: „Dumusstmich mal ein paar Schritte durch den Gartenbegleiten, mein Freund!“

„Tom, ichmussdirsagen... Ich habe mich für Hagenström geschämt!“

Dukannstdir nichtvorstellen, was für ein komischer Herr das ist!

Er hat gesagt, dass ich Mineralwassertrinken müsse, denn ich sei vielleicht ein bisschen bleichsüchtig.

Mankonntees heute Morgen noch nichterhahrenhaben.

Die Phasenverben bezeichnen verschiedene Phasen des Prozesses, das mit dem Vollverb gekennzeichnet ist. Die häufigsten Verben sind:početi, stati, nastaviti, produžiti, prestati, prekinuti...Übersetzung:anfangen, beginnen, stehen bleiben, haltmachen, fortsetzen, fortfahren, verlängern, aufhören, abbrechen...

Beispiele:

Strašno smo se smejali,počeonda brblja.

Na dnu stolapoče goreti.

Djeca suprestala pjevati.

Übersetzung:

Wir haben furchtbar gelacht,fingeran,zu plappern.

Am unteren Tischende aberbegannesaufzuflammen.

Die Kinder habenaufgehört zu singen.

Das zusätzliche Vollverb im Zusammenhang mit dem mehrteiligen verbalen Prädikat kann auch die Form des Präsens haben. Dann wird das Prädikat mit dem Modalverb / Phasenverb mit der Konjunktion <da> verbindet und stimmt grammatisch mit dem Subjekt überein. Beispiel:

Gospođa Budenbrokne moževišeda podnesetu ženu.

Übersetzung:

Frau Buddenbrookkann nichtmehr diese Frauertragen.

[...]


[1]Diese Beispiele wurden aus der Grammatik von Zilić übernommen. (Zilić: Syntax der deutschen Gegenwartssprache)

[2]On će po svemu sudeći biti dobar nastavnik.

[3]On obećaje da će biti dobar nastavnik.

[4]Diese Beispiele wurden aus der Grammatik von Zilić übernommen. (Zilić: Syntax der deutschen Gegenwartssprache)

[5]Da ne povjeruješ kako ljupko Sita umije da ćaska.

[6]Diese Beispiele wurden aus der Grammatik von Zilić übernommen. (Zilić: Syntax der deutschen Gegenwartssprache)

[7]Ebd.

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Details

Titel
Prädikatsbildung im Deutschen und Bosnisch-Kroatisch-Serbischen
Hochschule
Univerzitet U Zenic (Universität Zenica)
Autor
Jahr
2007
Seiten
88
Katalognummer
V336504
ISBN (eBook)
9783668308299
ISBN (Buch)
9783668308305
Dateigröße
815 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prädikatsbildung, deutschen, bosnisch-kroatisch-serbischen
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Edin Alkaz (Autor), 2007, Prädikatsbildung im Deutschen und Bosnisch-Kroatisch-Serbischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336504

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Titel: Prädikatsbildung im Deutschen und Bosnisch-Kroatisch-Serbischen



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