Was unterscheidet illegale Schmierereien an Hauswänden von ästhetisch in Szene gesetzten politischen Statements? Sachbeschädigung auf der einen, demokratische Beteiligung auf der anderen Seite? Undeutliches Gekritzel oder vielschichtig interpretierbares Kunstwerk? Diese Fragen zeigen, wie sehr es auf die Perspektive ankommt. Diese Masterarbeit betrachtet Graffiti aus der fachdidaktischen Perspektive politischer Bildung.
Dabei soll zum einen die Annahme überprüft werden, dass es sich bei Graffiti um Medien politischer Bildung handelt. Zum anderen sollen die Chancen und Grenzen für deren Einsatz im Rahmen politischer Bildung herausgestellt werden. Es kann die These formuliert werden, dass Graffiti nicht nur theoretisch verwendet werden können, sondern aufgrund vielseitiger Chancen ihren Weg in die Praxis finden müssen. Denn Graffiti verfügen nicht nur als Medien, sondern auch als Lerngegenstand politischer Bildung über großes Potenzial.
Aus dem Inhalt:
- Herkunft, Definition und Formen von Graffiti;
- Graffiti als visuelle Medien;
- Medien politischer Bildung;
- Didaktische Prinzipien;
- Grafitti als Unterrichtsgegenstand;
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zielstellung der Arbeit
1.2 Relevanz des Themas
1.3 Begründung der Forschungsmethode
1.4 Aufbau der Arbeit
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Herkunft, Definition und Formen von Graffiti
2.2 Medien der politischen Bildung
2.3 Graffiti als visuelle Medien politischer Bildung
Teil I: Chancen und Grenzen für den Einsatz von Graffiti aus fachdidaktischer Sicht
3. Didaktische Prinzipien
3.1 Problemorientierung
3.2 Kontroversität
3.3 Adressatenorientierung
3.4 Exemplarisches Lernen
3.5 Handlungsorientierung
3.6 Wissenschaftsorientierung
3.7 Zusammenfassung
4. Kompetenzmodell der GPJE
4.1 Politische Urteilsfähigkeit
4.2 Politische Handlungsfähigkeit
4.3 Methodische Fähigkeiten
4.4 Konzeptuelles Deutungswissen
5. Graffiti als Unterrichtsgegenstand
6. Fächerübergreifender Unterricht
7. Zusammenfassung Teil I
Teil II: Handreiche zur praktischen Umsetzung
8. Graffiti als Medien: Unterrichtseinstiege
9. Fallanalyse: Gesetzesänderungen und Eigentumsrecht
10. Forschendes Erkunden
11. Zusammenfassung Teil II
12. Fazit und Ausblick
Abstract
Verwendete Quellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Graffiti als Medium und Unterrichtsgegenstand im Kontext politischer Bildung, um deren pädagogisches Potenzial sowie die Chancen und Grenzen für den schulischen Einsatz aufzuzeigen. Dabei wird analysiert, wie diese Kunstform zur Kompetenzförderung von Jugendlichen beitragen kann.
- Fachdidaktische Einordnung von Graffiti als visuelle Medien.
- Anwendung didaktischer Prinzipien der politischen Bildung.
- Kompetenzentwicklung (Urteils- und Handlungsfähigkeit) durch Graffiti-Analysen.
- Praktische Handreichungen für den Einsatz in Unterrichtsreihen.
- Fächerübergreifende Ansätze und Fallbeispiele aus dem Schulalltag.
Auszug aus dem Buch
2.1 Herkunft, Definition und Formen von Graffiti
Die Entstehung des Wortes Graffiti lässt sich vermutlich am besten mit einer besonderen Technik der Malerei erklären. Beim so genannten Sgraffito werden nach dem Auftragen verschieden farbiger Farb- oder Putzschichten vorzugsweise auf Wände (aber auch auf Vasen o. ä.), Linien und Flächen aus der obersten, noch feuchten Schicht herausgekratzt, wodurch das spezifische Muster entsteht (Abbildung 1).
Der genaue Zeitpunkt der Entstehung des Wortes lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit benennen, die Sgraffitotechnik ist in Deutschland immerhin seit dem 14. Jahrhundert bekannt (vgl. Suter 1992, S. 19). Dass jedoch die Idee der Wandmalerei bzw. des Einritzens von Bildern und Wörtern deutlich älter ist, belegen die steinzeitlichen Funde von Abbildungen an Höhlenwänden, welche zum Teil auf ein Alter von 40.000 Jahren geschätzt werden. Es wird davon ausgegangen, dass die Gestaltungen der Höhlenwände durch die Kratzspuren von Bären inspiriert wurde. Wie Beat Suter kritisch bemerkt, kann dies jedoch nicht die einzige Erklärung sein, da Höhlenmalereien ebenfalls in Australien gefunden wurden, wo es nie Bären gegeben hat (vgl. Suter 1992, S. 9; S. 167). Obwohl es sich in jedem Fall um visuelle Elemente an mehr oder weniger öffentlichen Objekten handelt, ist die Entfernung zum heutigen Verständnis von Graffiti noch relativ groß.
Einen Schritt näher heran gelangt man mit der Betrachtung römischer Katakomben der Antike sowie der Städte Pompeji und Herculaneum, welche bei dem Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. verschüttet und daher bis heute gut erhalten sind. An Hauswänden finden sich hier neben Wahlkampfparolen, Ankündigungen von Theatervorstellungen und Gladiatorenkämpfen, auch Wohnungsangebote sowie Mitteilungen zu verlorenen und gefundenen Gegenständen. Darüber hinaus lassen sich Bilder und Sprüche finden, die zum Teil heutigen Kommentaren an den Wänden öffentlicher Toiletten in nichts nachstehen. So weisen diese Inschriften erstmals Meinungen, Gefühle und Humor auf und zeigen, dass das tägliche Leben Anlass zu kurzen, schlagfertigen Äußerungen gibt (vgl. Suter 1992, S. 9f.). Das beschriebene Handeln zog sich durch die anschließenden Jahrhunderte und befasste sich dabei nicht selten mit den Tabuthemen der Gesellschaft (vgl. Suter 1992, S. 10f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Zielstellung der Arbeit sowie die Relevanz von Graffiti für die politische Bildung und begründet die gewählte Methodik der Literaturarbeit.
2. Theoretischer Rahmen: Erläutert die Herkunft und Definition von Graffiti und klassifiziert sie als visuelle Medien im Kontext politischer Bildung.
3. Didaktische Prinzipien: Untersucht das Potenzial von Graffiti hinsichtlich didaktischer Standards wie Problemorientierung, Kontroversität und Adressatenorientierung.
4. Kompetenzmodell der GPJE: Analysiert, wie die Auseinandersetzung mit Graffiti politische Urteils- und Handlungsfähigkeiten sowie methodische Kompetenzen fördern kann.
5. Graffiti als Unterrichtsgegenstand: Diskutiert die Eignung von Graffiti als expliziter Lerngegenstand anhand der drei Zonen des Politischen.
6. Fächerübergreifender Unterricht: Skizziert Möglichkeiten der fächerübergreifenden Zusammenarbeit zur Analyse von Graffiti-Phänomenen.
7. Zusammenfassung Teil I: Fasst die theoretischen Erkenntnisse zu den Chancen und Grenzen von Graffiti als Medium und Gegenstand zusammen.
8. Graffiti als Medien: Unterrichtseinstiege: Bietet praxisorientierte Ansätze für den Unterrichtseinstieg mittels Bildmaterial.
9. Fallanalyse: Gesetzesänderungen und Eigentumsrecht: Beschreibt eine Methode zur rechtlichen Analyse von Graffiti am Beispiel aktueller Gesetzeslagen.
10. Forschendes Erkunden: Leitet eine vierphasige Erkundungsmethode an, um Graffiti als Partizipationsform real zu untersuchen.
11. Zusammenfassung Teil II: Reflektiert die vorgestellten praktischen Ansätze und deren Herausforderungen für Lehrende.
12. Fazit und Ausblick: Zieht ein Fazit über das Potenzial von Graffiti und benennt weiterführende Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Graffiti, Street Art, Politische Bildung, Fachdidaktik, Medienkompetenz, Politikunterricht, Partizipation, Unterrichtsmethodik, Didaktische Prinzipien, Schülerorientierung, Politische Urteilsfähigkeit, Visuelle Medien, Lehrpläne, Politische Bildung, Bildungsstandards.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern Graffiti als Medien und Lerngegenstände in der politischen Bildung eingesetzt werden können, um das Interesse Jugendlicher am Politischen zu fördern.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Arbeit verknüpft Graffiti mit didaktischen Prinzipien der politischen Bildung, dem Kompetenzmodell der GPJE, Aspekten der Fallanalyse sowie der praktischen Unterrichtsplanung.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Graffiti eine sinnvolle Ergänzung zum Spektrum der Unterrichtsmedien darstellen und welche fachdidaktischen Chancen und Grenzen damit verbunden sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende fachdidaktische Theorien und Konzepte mit der Analyse verschiedener Graffiti-Formen abgleicht.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Grundlagenteil, die Analyse von Chancen und Grenzen unter didaktischen Prinzipien und eine praktische Handreichung für den Unterricht.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Schlagworte sind Graffiti, Politische Bildung, Medienkompetenz, Didaktik, Partizipation und Schulpraxis.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Graffiti-Formen?
Die Arbeit differenziert zwischen American Graffiti, Street Art und Parolen-Graffiti, um deren jeweils unterschiedliche Intentionen und Eignung für den Unterricht zu bewerten.
Welche Rolle spielt die Fallanalyse bei der Unterrichtsumsetzung?
Die Fallanalyse wird als Methode genutzt, um beispielsweise rechtliche Konflikte wie Eigentumsrechte an Graffiti intensiv und strukturiert im Unterricht zu bearbeiten.
- Citation du texte
- Matthias Jahnke (Auteur), 2016, Graffiti als Medien politischer Bildung. Chancen und Grenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336568