Qualitätsmanagement in der Weiterbildung. Qualitätssicherung und -entwicklung in Schulen des Gesundheitswesens


Bachelorarbeit, 2016

56 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Teil
2.1 Klärung von Qualitätsbegriffen
2.1.1 Qualitätsbegriff
2.1.2 Qualitätsmanagement
2.1.3 Qualitätsmanagementsysteme/-modelle
2.2 Qualität der Pflege
2.3 Qualität im Allgemeinen und pflegerischen Berufsbildungsbereich
2.4 Allgemeine Qualitätsmanagementmodelle/ Zertifizierungsverfahren und ihre Übertragbarkeit im pflegerischen Berufsbildungsbereich
2.4.1 TQM-Total Quality Management
2.4.2 EFQM Excellence Modell - European Foundation for Quality Management
2.4.3 DIN EN ISO 9000 ff - Deutsches Institut für Normung, Europäische Norm, International Organisation for Standardisation, Normreihe Qualitätsmanagement 9000 fortlaufend
2.4.4 KTQ® - Kooperation für Transparenz und Qualität
2.5 Qualitätsmanagement Modelle/ Zertifizierungsverfahren im Bildungsbereich der Gesundheits- und Krankenpflege
2.5.1 Q2E - Qualität durch Evaluation und Entwicklung
2.5.2 UQM - Unterrichtsbezogenes Qualitätsmanagement
2.5.3 DIN ISO 29990 - Deutsches Institut für Normung International Organisation of Standardisation Lerndienstleistungen für die Aus- und Weiterbildung- Grundlegende Anforderungen an Dienstleister
2.5.4 AQIG - Ausbildungsqualität im Gesundheitswesen
2.5.4.1 Phase 1: Projekt AQiG
2.5.4.2 Phase 2: Folgeprojekt AQiG Reloaded
2.5.5 AZAV Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung

3. Empirischer Teil
3.1 Forschungstand und Forschungsfrage
3.2 Daten und Methoden Auswahl der Untersuchungsform
3.3 Auswertung
3.4 Zusammenfassung und Diskussion
3.5 Reflexion des Forschungsprozesses

4. Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung wird vom Sozialgesetzbuch SGB V seitens der Gesetzgebung an die Krankenhäuser gefordert. Diese kommen dieser Forderung nach, indem sie verschiedene Qualitätsmanagementmodelle implementiert haben.

Auch in der Weiterbildungslandschaft ist Qualitätsmanagement (QM) ein fester Bestandteil. In den 90er Jahren zwar kontrovers wegen Inkompatibilität der industriell geprägten Strukturen diskutiert, dennoch mittlerweile eingesetzt (vgl. Rolff, 2014, S. 3).

In den Berufsausbildungen ist Qualitätsmanagement eine wichtige Bezugsgröße um Prozesse zu verändern und zu verbessern, aber dennoch wird diese Thematik seit Jahren diskutiert.

Die vorliegende Bachelorarbeit widmet sich der Fragestellung: Inwieweit in Schulen der Gesundheitsfachberufe und speziell in Gesundheits- und Krankenpflegeschulen Qualitätsmanagement eingesetzt wird? Vielerorts sind diese Schulen einem Krankenhaus angegliedert und unterliegen somit dem Qualitätsmanagementmodell welches von der Gesamtorganisation Krankenhaus eingesetzt wird. Aber werden Modelle wie KTQ, DIN EN ISO9000 oder EFQM den pädagogischen Intentionen gerecht? Schulen für Gesundheitsfachberufe nehmen aufgrund ihres besonderen Status eine Sonderrolle im deutschen Schulsystem ein. Schulrechtliche Regelungen wie im öffentlichen Schul- und Bildungsbereich treffen auf diese Schulen nicht zu. Denn Gesundheits- und Krankenpflegeschulen sind bisher nicht im öffentlichen Bildungswesen integriert worden und unterliegen nicht dem Berufsbildungsgesetz und somit auch nicht den schulrechtlichen Regelungen. (vgl. Keuchel et al. 2003, S. 439/ Bögemann-Grossheim, 2002, S.21). Das Niedersächsische Kultusministerium fordert von allen berufsbildenden Schulen, Qualitätsmanagementsysteme einzuführen. Diese Forderung findet keine Anwendung für die Gesundheits- und Krankenpflegeschulen (vgl. Michels, 2004, S10-11, Schierbaum, 2014, S. 10). Auch Stöcker (vgl. 2000, S.64) merkt ebenfalls kritisch an, dass die Qualität der Pflegeausbildung in der Qualitätsbewegung bisher vernachlässigt wurde. Sie hinterfragte inwieweit Pflegeschulen einer Evaluation im Rahmen von Qualitätsmanagement standhalten würden. Jede Schule sollte Ihrer Ansicht nach, von einem hohen Qualitätsstandard getragen und geprägt werden. Hierbei müsse der pädagogische Auftrag im Qualitätsmanagement sein, die personale, soziale und fachliche Bildung als eine aufeinander bezogene Aufgabe zu betrachten. Im Laufe der Jahre wurden unterschiedliche Modelle des Qualitätsmanagements für den Bildungsbereich entwickelt. Daher befasst sich diese Bachelorarbeit mit der oben genannten Thematik.

Die Fragestellung ist im eigenen beruflichen Kontext entstanden. In der besuchten Berufsfachschule für Operationstechnische Assistenten soll ein Qualitätsmanagementmodell implementiert werden. Im Vorfeld ist zu sagen, dass OTASchulen die zum größten Teil nach der Deutschen Krankenhausgesellschaft anerkannt sind, den strukturellen und curricularen Gegebenheiten, der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen ähnlich sind und somit ebenfalls als Schulen der besonderen Art, jedoch ohne staatliche Anerkennung geführt werden. Somit nahm der Autor dieses zum Anlass Gesundheits- und Krankenpflegeschulen auf die Umsetzung von Qualitätsmanagement zu untersuchen, um eventuell etablierte Modelle für die Entwicklung eines eigenen Qualitätsmanagementmodells zu nutzen.

Die Bachelorarbeit teilt sich in vier Teile. Der erste Teil widmet sich einer Einleitung in das Thema. Der zweite Teil umfasst die theoretischen Hintergründe. Beginnend mit allgemeinen Begriffsklärungen über Qualität sowie Qualitätsmanagement. Darüber hinaus soll darin geklärt werden, was Qualitätsmanagement im Krankenhaus bedeutet, und welche Modelle am häufigsten zum Einsatz kommen, gleichzeitig wird jedes Modell/ System auf seine Tauglichkeit im pflegeberuflichen Kontext bewertet. Im Anschluss wird erörtert, welchen Stellenwert Qualitätsmanagement in der beruflichen Bildung hat. Die allgemeinbildenden Schulen werden hierbei nicht berücksichtigt. Abschließend soll offen gelegt werden welche Qualitätsmanagementmodelle in der Berufsbildung der Gesundheits- und Krankenpflege zum Einsatz kommen können. Der dritte Teil dieser Bachelorarbeit ist der empirische Teil. Hier werden Forschungsdesign, Methodik und die Ergebnisse präsentiert. Die Zusammenfassung und Diskussion soll den empirischen Teil abschließen. Im vierten und letzten Teil soll ein Fazit zu den gewonnen Erkenntnissen gezogen und daraus ein Ausblick gegeben werden.

2. Theoretischer Teil

Im folgenden Kapitel werden theoretische Grundlagen zur Thematik dargestellt. Sie sollen dazu dienen einen umfassenden Einblick zum Thema Qualitätsmanagement im Allgemeinen und im speziellen Kontext zu geben.

2.1 Klärung von Qualitätsbegriffen

Um ein umfassendes Verständnis für Qualitätsmanagement zu erhalten, werden nun einige Begrifflichkeiten geklärt.

2.1.1 Qualitätsbegriff

Der Begriff Qualität ist wertneutral und leitet sich aus dem lateinischen Wortstamm qualis = wie beschaffen ab (vgl. Brüggemann/ Bremer, 2012, S. 3).

Die internationale Norm DIN EN ISO 9000: 2005, definiert den Qualitätsbegriff wie folgt: „Vermögen einer Gesamtheit inhärenter Merkmale eines Produktes, Systems oder Prozesses zur Erfüllung von Forderungen von Kunden und anderen interessierten Parteien. Inhärent bedeutet einer Einheit innewohnend“ (DIN EN ISO 9000:2005). Da die „Gesamtheit der inhärenten Merkmale einer Einheit sowie der zu diesen Merkmalen gehörenden Merkmalswerte“ nach DIN 55350-11 als Beschaffenheit definiert ist, kann Qualität auch wie folgt definiert werden. Qualität ist die „realisierte Beschaffenheit einer Einheit bezüglich der Qualitätsforderung“(DGQ11-04).

„Diese definitorische Festlegung des Qualitätsbegriffs erscheint vor allem wegen der schwer zu handhabenden Formulierung für die praktische Anwendung nicht immer uneingeschränkt geeignet. Sie erfasst jedoch den Qualitätsbegriff nahezu in seiner ganzen Komplexität und Vielschichtigkeit. Dabei wird nicht nur das Produkt oder die Dienstleistung allein betrachtet, sondern die Gesamtheit von Merkmalen der dem Kunden angebotenen Leistungen und auch deren Zusammenwirken. Aus der Sicht des Kunden, die auch in den Normen immer stärker Berücksichtigung findet, ist Qualität also vor allem durch die von ihm wahrgenommenen Eigenschaften im weitesten Sinne bestimmt“ (Kamiske/ Brauer, 2011, S. 58).

Der Qualitätsbegriff ist laut Bals et al 2011 vielsagend und nichtssagend, durchsichtig und undurchsichtig zugleich (vgl. Bals et al, 2001, S. 83). Sie bezeichnen es deshalb als Plastikwort1.

2.1.2 Qualitätsmanagement

Laut DIN EN ISO 9000 bedeutet Qualitätsmanagement „aufeinander abgestimmte Tätigkeiten zur Leitung und Lenkung einer Organisation bezüglich Qualität“ (DIN EN ISO 9000:2005). Kamiske und Brauer (vgl. 2011, S. 63) Beschreiben Qualitätsmanagement wie folgt: Die Leitung und Lenkung der Qualität beinhaltet die Festlegung der Qualitätspolitik und Qualitätszielen, Qualitätsplanung, Qualitätslenkung, Qualitätssicherung sowie der Qualitätsverbesserung. Hierbei müssen vielschichtige Einflussfaktoren berücksichtigt werden: wie die Aspekte der Wirtschaftlichkeit, die Gesetzgebung, und die Aspekte der Umwelt. Zentralisiert sind die Wünsche und Anforderungen der Kunden.

2.1.3 Qualitätsmanagementsysteme/-modelle

Qualitätsmanagementsysteme/- modelle sind Systeme zur Festlegung der Qualitätspolitik und Qualitätszielen sowie zum Erreichen von den vorher festgelegten Qualitätszielen. Qualitätsmanagementsysteme beziehen sich in ihrer Gesamtheit auf die aufbau- und ablauforganisatorischen Gestaltung sowie die Verknüpfung qualitätsbezogener Aktivitäten untereinander. Sie unterstützen die einheitliche, gezielte Planung, Umsetzung und Steuerung von Maßnahmen des Qualitätsmanagementsystems im gesamten Unternehmen einschließlich seiner Beziehungen zum Umfeld. Es handelt sich um Systeme vernetzter Regelkreisläufe auf allen betrieblichen Ebenen. Hierbei werden Ziele, Strukturen, Verantwortlichkeiten, Verfahren, Prozesse und benötigte Mittel für die Durchführung festgelegt. Diese Systeme/-modelle dienen der Ordnung und gezielter Umsetzung von Qualitätsaufgaben in einem Unternehmen. Der Aufbau und der Umfang des Systems können unterschiedlich ausfallen und hängen oftmals von den jeweiligen Zielsetzungen des Unternehmens ab (vgl. DIN EN ISO 9000:2005).

2.2 Qualität der Pflege

Der Begriff Qualität ist nicht allgemeingültig definiert (vgl. Keuchel et.al, 2003, S. 429). „So besteht eine deutliche Diffusität im Umgang mit Qualitätsbegriffen, und dies nicht nur im Gesundheitswesen“ (Keuchel et. al., 2003, S. 429). Im deutschsprachigen Raum gibt es verschiedene Definitionen des Begriffs Qualität in der Pflege. Diese werden im Folgenden beschrieben:

Lee und Jones (1933 zit. nach Keuchel et. al. 2003, S. 430): „Nutzung aller notwendigen Dienste der modernen wissenschaftlichen Medizin angepasst an die Bedürfnisse aller Menschen“.

Donbedian (1968 zit. nach Keuchel et. al. 2003, S. 430): „Qualität ist der Grad der Übereinstimmung zwischen zuvor formulierten Kriterien und der tatsächlichen Leistung“.

Williamson (1978 zit. nach Keuchel et. al. 2003, S. 430): „ Qualität ist der Umfang des erreichten Erfolges, der unter optimalen Verhältnissen und vertretbaren Kosten tatsächlich zu erreichen ist“. „Die Qualität des Gesundheitswesens wird durch effektive Gesundheitseinrichtungen gekennzeichnet, die den Gesundheitsstatus einer Bevölkerung befriedigend verbessern, ohne dafür Ressourcen zu verschwenden“.

Donabedian beschreibt zwei Konzepte, die zur Präzisierung der Qualität beitragen:

- Konzept der vier Ebenen

1. Ebene: Ausführung der Handlung
2. Ebene: Umgebung in der die Handlung stattfindet
3. Ebene: der Beitrag des Patienten bzw. der Angehörigen
4. Ebene: das Angebot (vgl. Donabedian, 1968 zit. nach Keuchel et. al. 2003, S. 430)

In diesem konzeptionellen Ansatz wird sichtbar, dass die Einbeziehung des Patienten ein elementarer Bestandteil ist, um die Qualität zu definieren.

- Kategoriensystem: Struktur-Prozess- Ergebnis

1. Strukturqualität (personelle, finanzielle und materielle Ressourcen)
2. Prozessqualität (Ausführen einer Handlung)
3. Ergebnisqualität (Output von Leistungen) (vgl. Donabedian, 1968 zit. nach Keuchel et. al. 2003, S. 431),

Die drei Kategorien können also zur Beschreibung von Qualität herangezogen werden und stehen in einer kausalen Beziehung (vgl. Keuchel et. al. 2003, S. 431).

Diese Definitionen sind sehr abstrakt gehalten und lassen einen direkten Bezug zur Pflege vermissen. In neueren Beiträgen zum Beispiel von Schönlau, Friesacher und Lay wird der Qualitätsbegriff für die Pflege deutlicher und klarer definiert und bezieht sich tatsächlich auf das Interaktionsgeschehen der Beteiligten im Pflegeprozess.

Die Besonderheit in der Qualität der Pflege liegt in der Ausgestaltung der Interaktionsbeziehung zwischen Pflegeempfänger sowie Pflegenden. Die Gestaltung dieser Beziehung entscheidet über Qualität und Wirksamkeit vorgenommener Maßnahmen (vgl. Schönlau, 2001, S. 208).

In diesem Interaktionsprozess greift das Uno-acto-Prinzip, das bedeutet, Produktion und Konsumtion der Dienstleister fallen zusammen. Konkret bedeutet das, dass ein Patient immer Miterbringer und Empfänger ist. Dadurch ergibt sich, dass die Pflegeleistung für jeden Patienten individuell erstellt und erfüllt werden muss. Die Patienten entscheiden selbstbestimmt, was sie als „gute Qualität“ erlebt haben. Dem Patienten allein das Urteil über Qualität zu überlassen wäre jedoch eine Reduktion des Ganzen. Erst die professionelle Einschätzung von Bedarf, Zielen und Wirksamkeit der Interventionen vervollständigen die Evaluation der Pflegequalität (vgl. Schönlau, 2001, S. 208).

„Qualität erweist sich somit als dynamisch, enthält messbare Eigenschaften als auch subjektive Wertungen und ist als Merkmalbündel mehrdimensional“ (Friesacher, 2009, S. 11). Die Dimensionen der Ergebnisqualität mit Kennzahlen messtechnisch zu erfassen und zu quantifizieren, ist bis heute nicht gelungen. Friesacher empfiehlt die Prozessqualität stärker zu berücksichtigen, um die Erlebnis- und Beziehungsdimension mehr in den Fokus der Qualität zu setzen (vgl. Friesacher, 2009, S. 11).

Lay (2013) ergänzt den Qualitätsbegriff in der Pflege um die ethische Perspektive, die bisher keine Berücksichtigung fand: „Qualität (…) gibt den Grad der Verwirklichung von pflegerischen Zielen an, die sich auf die Förderung bzw. Erhaltung von Selbständigkeit und Wohlbefinden des Klienten beziehen und mit verantwortlichen zwischenmenschlichen Umgang und vertretbaren Einsatz von Mitteln angestrebt werden (Lay, 2013, S. 242).

2.3 Qualität im Allgemeinen und pflegerischen Berufsbildungsbereich

Qualität und Qualitätssicherung sind seit über 30 Jahren Diskussionsthema in der beruflichen Bildung.

1969 legte die Bildungskommission des Deutschen Bildungsrates eine Empfehlung „zur

Verbesserung der Lehrlingsausbildung“ vor. Diese beinhaltete folgende Qualitätskriterien:

- Vollständigkeit der Ausbildung
- Planmäßigkeit der Ausbildung
- Theoretische Fundierung der Ausbildung
- Einsicht in die sozialen Strukturen und Prozesse der Betriebe  Individuelle Förderungsmöglichkeiten
- Relation - Lehrling - Ausbilder/in
- Fachlich-pädagogische Qualifikation der Ausbilder
- Einrichtung und Arbeitsprogramm des Ausbildungsbetriebes

Die Edding-Kommission2 kam 1974 in ihrem Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass es in den Betrieben verschiedener Größen und Branchen erhebliche Qualitätsunterschiede gibt. Mit der Reform des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) von 2005 ist die Qualitätsdebatte wieder aktuell geworden (vgl. ebd. S. 15). Die Qualitätsdiskussion beschränkt sich auf die Entwicklung von Rahmenvorgaben wie beispielsweise die Ausbildungsverordnung in §5 des BBIG oder der Eignung der Ausbildungsstelle §27 BBIG (vgl. Krekel/ Balli, 2006, S. 13-20).

Spöttl (2006, S. 2) merkt an: „Für die berufliche Bildung gibt es bisher (…) keine eindeutige Definition des Qualitätsbegriffes und auch zu den Qualitätsfaktoren oder - indikatoren gibt es keine abschließende Verständigung. Ein genaues Bild für Qualität in der Berufsbildung muss erst noch gezeichnet werden“. Auch Mirbach (2008, S. 60) merkt kritisch an: „Dem Begriff Qualität, wie er in der Bildungs- und Berufspolitik verwandt wird, fehlt es an Trennschärfe“.

Schaut man sich die Qualitätsentwicklungen im öffentlichen Berufsschulsystem an, ist auch hier ein Pluralismus an Modellen oder auch Modellprojekten zu erkennen. Jedes Bundesland kommt den Forderungen des BBIG nach Qualitätsentwicklung an beruflichen Schulen nach, jedoch gibt es auch hier keinen bundeseinheitlichen Konsens für ein einheitliches Modell. Baden - Württemberg setzt beispielsweise das Konzept der „Operativen Eigenständigen Schule“ um. Das Konzept zielt auf die Stärkung der pädagogischen und fachlichen Erstverantwortung der beruflichen Schulen. Der Qualitätsentwicklungsprozess dieses Konzeptes beinhaltet die Bereiche: Leitbildentwicklung, Selbstevaluation, Individualfeedback und systematische Qualitätsentwicklung, Fremdevaluation mit Zielvereinbarungen (vgl. www.schule-bw.de).

Das Saarland setzt in den beruflichen Schulen die DIN EN ISO 9001:2008 um (vgl. www.saarland.de).

Bayern entwickelte das Konzept des Qualitätsmanagement an beruflichen Schulen (QMbS). Dieses besteht aus fünf Bausteinen: zum einen aus dem schulspezifischen Qualitätsverständnis, interne Evaluation, Steuerung der Prozesse, Individualfeedback und zum anderen Externe Evaluationen (vgl. www.qmbs-bayern.de).

Der zunehmende Mangel an Fachkräften auf dem deutschen Arbeitsmarkt macht es notwendig, sich mit anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auf einen gemeinsamen Konsens der Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung zu verständigen. Hierzu legten die Kommission und der Rat im Juni 2009 mit der Empfehlung zum Europäischen Bezugsrahmen für die Qualitätssicherung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung (EQAVET) die Grundlagen. Die Empfehlung beschreibt Kriterien, den Zyklus für einen systematischen Qualitätssicherungsprozess sowie Referenzindikatoren, mit deren Hilfe nationale Maßnahmen zur Qualitätssicherung wie auch Maßnahmen von Anbietern beruflicher Aus- und Weiterbildung geplant, durchgeführt, gemessen und optimiert werden können. In diesem Prozess werden der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR), der Europäische Bezugsrahmen für die Qualitätssicherung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung (EQAVET), das EU-Programm für Lebenslanges Lernen (LLL) und das europäische Netzwerk für Qualitätssicherung in der Berufsbildung (ENQAVET) verbunden. Die Deutsche Referenzstelle für Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung (DEQAVET) entstand im Zuge der Gründung des Netzwerkes ENQAVET, die 2005 unter Beteiligung eines Großteils der Mitgliedstaaten erfolgte. Diese ist seit August 2008 beim BIBB angesiedelt. Seit 2010 ist die EQAVET- Empfehlung, für alle Mitgliedsstaaten verpflichtend. Der Europäische Bezugsrahmen für Qualitätssicherung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung (EQAVET) ist als „Werkzeugkasten“ zu verstehen, aus dem die verschiedenen Anwender die Indikatoren auswählen, die ihnen für die Anforderungen ihres jeweiligen Qualitätssicherungssystems relevant erscheinen. Die Indikatoren sind dabei als Orientierungshilfe gedacht. Sie ersetzen nicht die bestehenden Qualitätssicherungssysteme, sondern ergänzen diese und können von den Anwendern des Bezugsrahmens mit den nationalen Gegebenheiten ausgewählt und angewandt werden (vgl. Bildungsbericht des BMBF 2011, S. 64-65).

Um einen Überblick zu geben, welche Qualitätssicherungssysteme in den Berufsschulen eingesetzt werden, entwickelte DEQA-VET eine Übersichtstabelle (Tab. 1). Da auf Landesebene häufig Varianten gängiger Qualitätssicherungssysteme, Q2E, ISO oder EFQM zum Einsatz kommen, werden nur die berücksichtigt, die auf dem EQAVET-Qualitätszyklus basieren (vgl. www.deqa-vet.de).

Die Qualität der Pflegeausbildung ist seit einigen Jahren auch Gegenstand fachöffentlicher Diskussionen. Qualitätsmanagement fordert Gesundheits- und Krankenpflegeschulen zunehmend zur Transparenz und zur Legitimation ihrer Arbeit, andererseits bietet es die Chance tradierte Strukturen in den Schulen aufzulösen, sich weiter zu entwickeln und die Qualität der Pflegeausbildung erheblich zu verbessern (vgl. Keuchel et. al., 2003, S. 428). Weitere Vorteile sind:

- Stärkung der Autonomie der Pflegeschule
- pädagogische Profilbildung der Pflegeschule sowie wettbewerbsorientierte Ausdifferenzierung
- Verbesserung der Kommunikation zwischen Lehrenden und Auszubildenden sowie zwischen Schule und Praxisort
- Herstellung einer soliden Informationsbasis für Planungsentscheidungen
- Analyse und Bewertung der Qualität der pflegerischen Ausbildung
- Rechenschaftsbelegung für Träger und Öffentlichkeit über die Qualität der Ausbildung (vgl. ebd., S. 428).

Am Prozess des Qualitätsmanagements und der Qualitätsentwicklung sind alle Beteiligten des Lehr-Lernprozesses also Lehrende wie Auszubildende gleichermaßen einzubeziehen (vgl. ebd., S. 428). Hier wird deutlich, dass Qualitätsmanagement nicht nur durch einzelne Personen realisiert werden kann und „nur als umfassender Prozess systematischer Schulentwicklung zu begreifen ist“ (Keuchel et. al., S. 428).

Die zuvor beschriebene Sichtweise im Interaktionsprozess über die Qualität in der Pflege ist ebenso auf den pflegerischen Bildungsbereich übertragbar. Denn auch die Qualität der Pflegeausbildung wird durch die Interaktion im Unterricht bestimmt (vgl. Michels 2004, S. 22). Kamiske (zit. n. Schönlau, 2001, S. 114). definierte drei Sichtweisen in Bezug auf Qualität. Die anwenderorientierte Sichtweise bezieht sich demnach darauf, dass „die Konsumenten individuell über die erlebte Qualität (…) entscheiden. Das bedeutet im Bildungsbereich, dass „die Beurteilung der Qualität im Bildungsprozess dem subjektiven Urteil (…) (der) Lernenden zu überlassen ist“.

Die prozessbezogene Sichtweise bietet die Möglichkeit „Spezifikationen des Bildungsprozesses sowie erwünschte Ergebnisanforderungen festzulegen“ (Schönlau, 2001, S. 214).

Die Preis-Nutzen-bezogene Sichtweise muss auch im Bildungsprozess Berücksichtigung finden. Bildungseinrichtungen sind gezwungen eine offensive und nachvollziehbare Preiskalkulation, die alle Leistungsfaktoren erfasst, darzulegen. Schönlau (vgl. 2001, S.214) fordert, die Mehrdimensionalität der Perspektiven für den Dienstleistungsbereich von Pflege und Bildung zu erhalten und weitere Spezifizierungen der jeweiligen Perspektiven zu leisten.

Bisher ist „der Stand der Qualitätsentwicklung an den Schulen der (…) (Gesundheits- und Krankenpflege) sowohl hinsichtlich schulinterner und -externer Qualitätssicherung als auch bezüglich der ordnungspolitischen Vorgaben (…) als eher unsystematisch und entwicklungsbedürftig“ (zu bezeichnen) (Unger/ Grunau, 2011, S. 81, E.d.d.V).

Tabelle 1 Übersicht QM-Modelle beruflicher Schulen modifiziert nach www.deqa-vet.de

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4 Allgemeine Qualitätsmanagementmodelle/ Zertifizierungsverfahren und ihre Übertragbarkeit im pflegerischen Berufsbildungsbereich

Um ein besseres Verständnis zur Thematik zu vermitteln, werden im Folgenden einige Allgemeine Qualitätsmanagementmodelle/ Zertifizierungsverfahren aufgeführt. Diese haben ihren Ursprung zum größten Teil in der Industrie und kommen in vielen deutschen Kliniken zum Einsatz. Jedem Modell/ Verfahren schließt sich ein Kommentar von Schönlau und anderen Autoren an. Sie reflektierte in ihren Ausführungen die Umsetzbarkeit in Gesundheits- und Krankenpflegeschulen.

2.4.1 TQM-Total Quality Management

Der Begriff wurde Mitte der 80er Jahre erstmals in fachlichen Diskussionen verwendet. Grundlage dessen ist der im Jahre 1961 entwickelte Total Quality Ansatz (TQC) von Feigenbaum. Ishikawa entwickelte aufbauend auf das TQC das Company-Wide Quality Control-Konzept (CWWC). Dieses Konzept beinhaltete einen stärkeren Einbezug der Mitarbeiter eines Unternehmens und nahm auch die Gesellschaft mit in den Fokus. Das TQM beinhaltet die Elemente des CWQC und geht somit auf die übergeordnete Unternehmensphilosophie, welche auf das Qualitätsziel ausgerichtet ist, und geht ebenfalls auf das Umfeld des Unternehmens ein (vgl. Kamiske/ Brauer, 2010, S. 94-97).

Das im Folgenden vorgestellte EFQM Modell basiert auf den Grundlagen des Total Quality Management Modells.

2.4.2 EFQM Excellence Modell - European Foundation for Quality Management

Dieses Modell wurde 1988 von 14 europäischen Unternehmen gegründet. Das Modell beinhaltet eine Bewertung der Kriterien „Stärken und Schwächen“ der Organisation. Damit soll ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess vorangetrieben werden. Dafür erstellt die jeweilige Einrichtung einen Bericht in dem detailliert niedergeschrieben ist welche vorgegebenen Kriterien erfüllt werden. Dies geschieht durch eine Selbst- und Fremdbewertung. Im Vorfeld muss die Organisation festlegen, welche der vier Stufen der Excellence Ziel sein soll.

1) Verpflichtung zur Excellence

2) Anerkennung der Excellence

[...]


1 Pörksen (1988): Es handelt sich dabei um Wörter, die in fachsprachlichen Zusammenhängen oft eine ganz klare Bedeutung haben, diese in anderen zum Beispiel alltags- oder werbesprachlichen Zusammenhängen aber vermissen lassen.

2 Sachverständigenkommission Kosten und Finanzierung der beruflichen Bildung des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft - heute BMBF - aus dem Jahre 1974. Geleitet wurde die Untersuchung maßgeblich von Prof. Dr. Friedrich Edding, weshalb die Kommission als Edding-Kommission bezeichnet wird (vgl. Timmermann, 2009).

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Qualitätsmanagement in der Weiterbildung. Qualitätssicherung und -entwicklung in Schulen des Gesundheitswesens
Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Note
2,1
Autor
Jahr
2016
Seiten
56
Katalognummer
V336656
ISBN (eBook)
9783668304710
ISBN (Buch)
9783668304727
Dateigröße
1453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
qualitätsmanagement, weiterbildung, qualitätssicherung, schulen, gesundheitswesens
Arbeit zitieren
Benny Neukamm (Autor), 2016, Qualitätsmanagement in der Weiterbildung. Qualitätssicherung und -entwicklung in Schulen des Gesundheitswesens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336656

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