Ökonomischer Imperialismus. Die Rationalität des Ehebruchs


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2015

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Kann ein Ehebruch rational sein?
1.2. Abschließend

2. Der Unterschied zwischen Humans und Econs

3. Die Transaktionskosten

4. Das Lügen

5. Konklusion

6. Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Viele Personen unserer Gesellschaft sind der Meinung, dass das Betrügen des Partners in keinem Fall sinnvoll ist. Tatsächlich entsteht vielen Personen ein Nachteil daraus, oft ein erheblicher, woran allerdings auch zum Teil deren zumeist emotionales statt rationales Handeln beiträgt. Mit Hilfe von ökonomischen Methoden errechnet man, durch geschätzte Nutzenwerte, den Nutzen, den man aus dem Betrug ziehen kann. So ist es möglich, zu entscheiden, ob und inwieweit man Betrügen sollte und wenn, wie das Hintergehen des Partners verbessert werden kann.

1. Einleitung

Um maximale Effizienz zu erreichen, ist es möglich, Gefühle rational zu erklären, verschiedenste Entscheidungsverfahren grafisch darzustellen und mit Hilfe von mathematischen Berechnungen in Alltagssituationen die optimalen Entscheidungen zu treffen. Diese Verwendung ökonomischer Verfahren zur Optimierung verschiedenster Alltagssituationen und-entscheidungen wird ökonomischer Imperialismus genannt. Dies kann und sollte, meiner Meinung nach, vom Menschen verwendet werden, um das eigene Leben, das anderer und Missstände, wie etwa die Umweltverschmutzung, zu verbessern. Es ist dieser Ansicht nach also möglich, die durchschnittliche Lebensqualität in relativ hohem Maß zu verbessern und darüber hinaus kollektive gesellschaftliche und ökologische Probleme zu lösen oder zumindest zu mindern.

Im Folgenden wende ich ökonomische Ansätze auf das Phänomen des Ehebruchs an. Ich gehe hierbei allerdings von der Nutzenmaximierung eines einzelnen aus, weil jede Person für sich das Bestmögliche zu erreichen versucht. Es wird somit nicht der Wohlstand der gesamten Bevölkerung maximiert, sondern der einer einzelnen Person. Diese Person hat keine Skrupel, einem anderen Menschen Schaden zuzufügen, um den eigenen Vorteil auszuschöpfen. Sie zieht auch keinerlei Nutzen daraus, anderen zu helfen oder ihnen Gutes zu tun.

Mit dem Begriff Ehebruch erfasse ich nicht nur den Betrug der/des Partnerin/Partners innerhalb einer Ehe, sondern auch in jeder anderen Partnerschaft. Die Berechnungen in dieser Arbeit gehen nicht auf die gleichgeschlechtliche Ehe ein, sondern beschränken sich auf die Ehe zwischen Mann und Frau.

1.1. Kann ein Ehebruch rational sein?

Unsere Gesellschaft sieht vor, dass man nur einen/eine PartnerIn hat, mit welcher/welchem man monogam lebt. Die Partnerschaft ist ein nicht exakt festgelegter Rahmen, in welchem das Verkehren mit anderen Personen eingeschränkt ist. Das Thema Ehebruch stellt für viele schon von vornherein ein Tabu dar, während andere der festen Überzeugung sind, dass er in keinem Fall sinnvoll ist. In der Tat hat dies vielleicht den Vorteil, dass mehr Ehen und Beziehungen halten und dadurch die Qualität und eventuell auch die Quantität der Kinder steigt. Während es nicht immer gut für eine Gesellschaft sein muss, die Kinderproduktion zu erhöhen, kann man der Ansicht, dass die Qualität sehr wohl wichtig ist, eindeutig recht geben. Da ich aber von der Sichtweise des einzelnen ausgehe, hat dies keine Bedeutung. Auch die Kinder möchte ich im Folgenden außer Acht lassen. Ich gehe von der Annahme aus, dass die Personen keinen Nutzen aus qualitativ hochwertigen Kindern ziehen, weil sie deren Leistungen nicht ihnen zuschreiben. Dies entspricht nicht der Realität, denn tatsächlich kommt es sehr oft vor, dass sich Eltern für die Taten ihrer Kinder selbst rühmen und stolz auf sie sind. Ich lasse dies nur aus Gründen der Vereinfachung außer Acht.

Die Vorteile werden den Nachteilen gegenübergestellt. Ich nenne den Vorteil, der der/dem PartnerIn durch den Betrug entsteht, Nutzenverbesserung. Dieser Wert kann natürlich auch negativ sein, also einen Nachteil darstellen. Die Berechnung eines Erwartungswertes ergibt sich allgemein aus der Summe aller Werte jedes möglichen Szenarios multipliziert mit der jeweiligen Eintrittswahrscheinlichkeit. Da aber keine exakten Werte gemessen werden, müssen subjektive Nutzenwerte geschätzt werden. Man nimmt beispielsweise zwei mögliche Varianten an, eine bestmögliche und eine denkbar schlechteste. Je nach eigener Risikobereitschaft teilt man dann die Nutzenwerte zu. Risikoaverse und pessimistische Personen werden dabei eher niedrigere Nutzenwerte für die Alternativen des Ehebruchs vergeben, risikofreudige und optimistische eher größere. Der Erwartungsnutzen berechnet sich allgemein ebenfalls mit der Summe aller Nutzen jedes Szenarios gewichtet nach der Wahrscheinlichkeit des Eintretens.

An einem Beispiel gezeigt: Die beste Möglichkeit, die man sich unter realistischen Gegebenheiten vorstellen kann, ist mit zwei Frauen bzw. Männern neben der Partnerin zu verkehren. Man wird nie erwischt, hat regelmäßig Kontakt zu beiden, insofern man dies selbst wünscht, erhält Sexualität, Liebe, Fürsorge und Güter von beiden bis ins hohe Alter. Ich teile dieser Möglichkeit die beliebige Zahl 15 zu. Die schlechteste Situation, die eintreten kann, ist, bei der ersten Handlung erwischt zu werden, die als Ehebruch deklariert werden wird. Die Beziehung ist vorbei, man trägt die Kosten eines schlechten Gewissens und findet lange keine(n) andere(n) gute(n) PartnerIn. Da man aber in unserer Gesellschaft auch alleine relativ gut zurechtkommt, vergebe ich 5 Punkte. Der Status Quo ist der Einschätzung der angenommenen Person nach, nicht optimal und sie/er hält sich nicht für einen Menschen, der sich im Vergleich zu anderen gerne in einer Beziehung befindet, weil sie/er nicht immer die gleiche Person um sich haben will. Er/Sie investiert also weniger Zeit als andere in eine Beziehung, zieht dadurch auch weniger Nutzen daraus und kann die verbleibende Zeit nicht mit einer/einem anderen PartnerIn verbringen, weil man monogam lebt. Diesen Zustand bewerte ich mit 9 Punkten. Ich verwende für dieses Beispiel eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 50 % für beide Szenarios. Ich erhalte somit für die Möglichkeit des Betrügens 10. Ob die Person nun eher risikoavers, -freudig oder –neutral ist, erkennt man bei so einer Einschätzung an der unterschiedlichen Festlegung der Nutzenwerte.

1.2. Abschließend

Dieser ökonomischen Methode gemäß, komme ich zu dem Schluss, dass ein Ehebruch nicht immer aus einer reinen emotionalen Handlung, meist einer Fehlhandlung, heraus geschieht, sondern sehr wohl rational durchdacht sein kann. Meiner Einschätzung nach, ist der Nutzen aus dem Ehebruch allerdings meist tatsächlich niedriger, oft sogar bei Weitem. Möglicherweise trägt die Handlung im Affekt einen Großteil der Schuld daran. Im nächsten Kapitel erläutere ich deshalb die Unterschiede zwischen Humans und Econs in Bezug auf den Ehebruch (Thaler, Sunstein 2012, 29ff).

2. Der Unterschied zwischen Humans und Econs

Gemäß Thaler und Sunstein gibt es zwei Arten von Menschen: die Humans und die Econs. Letztere handeln immer rational. Demnach würden diese die Entscheidung, ob sie Ehebruch begehen oder nicht, in Anbetracht aller Aspekte und mit ausreichender Information überdenken und davon ausgehend die optimale Entscheidung für sich treffen. Eine Einschränkung kann dabei höchstens die Zeit darstellen, weil man in vielen Situationen schnell handeln muss, wenn beispielsweise die Frau oder der Mann bald wieder verschwindet oder man eine Lüge erfinden muss. Auf dieses Belügen der/des Partnerin/Partners, durch das gewisse Kosten für einen selbst entstehen, gehe ich im Kapital 4 noch näher ein. Humans hingegen verhalten sich nicht immer rational und machen Fehler. Hinzu kommt, dass ihnen beim Treffen der Entscheidung wichtige Informationen, wie zum Beispiel über die beteiligten Personen, fehlen. Die Humans sind die realistische Form des Menschen.

Da es sich auch in einer Ehe um Humans handelt, werden oft Fehler gemacht. Sie können die Situationen nicht vollkommen erfassen oder durchdenken und keine maximale Effizienz aus der Partnerschaft und eventueller Affären erreichen. Beim Abschätzen der einzelnen Möglichkeiten muss vieles berücksichtigt werden, beispielsweise hat jeder andere Präferenzen (Becker 1993, 226f). Außerdem spielen die Transaktionskosten des ständigen Wechsels zwischen den Personen eine Rolle. Zudem ist zu beachten: „Wenn die „Produktivität“ der Männer unterschiedlich ist, könnte eine polygyne Zuordnung auch bei konstanten Skalenerträgen und gleicher Zahl von Männern und Frauen optimal sein. Der Gesamtoutput über alle Ehen könnte größer sein, wenn jemand als zweite Frau eines fähigen Mannes mehr zum Output beitragen würde, denn als erste Frau eines weniger fähigen Mannes.“ (Becker 1993, 267). Meiner Meinung nach gilt dies nicht nur für die Ehe, sondern auch für Affären. Darauf werde ich allerdings nicht weiter eingehen und mich stattdessen auf die möglichen Unterschiede der Transaktionskosten beschränken.

3. Die Transaktionskosten

Um diesen Sachverhalt zu erläutern, gehe ich zuerst auf Kooperation ein, die ja täglich stattfindet, ob mit Freunden, Familie oder der/dem PartnerIn. Eine Kooperation ist effizient, wenn der erwartete Nutzen daraus minus der Transaktionskosten größer ist als der Nutzen, den man erhält, wenn man sich der Situation alleine stellt oder anders ausgedrückt, die Nutzenverbesserung größer ist als die Transaktionskosten. Ich weise noch einmal darauf hin, dass von mir angenommen wird, dass der Vorteil, den der Kooperationspartner hat, für einen selbst keinen Nutzen darstellt. Das heißt, dass man sich bei der anderen Person nicht einschmeicheln will und keine seelische Wohlstandsverbesserung erlebt, wenn es der anderen Person besser geht. Im Falle einer Kooperation würde der Nutzen ohne Kooperation die Opportunitätskosten darstellen. Dies stelle ich hier in einer Rechnung für eine individuelle Kooperation dar:

(1) X-Y>Z bzw. X-Z>Y

Hierbei steht X für den Nutzen aus einer Kooperation, Y für die Kosten der Transaktion und Z für die Opportunitätskosten bzw. den Nutzen ohne Kooperation. Wenn die Rechnung nicht erfüllt wird, ist die Kooperation nicht effizient. Wie bereits in Kapitel 1 erwähnt, ergeben sich die Nutzen, also X und Z, aus der Summe der Nutzen aller möglichen Szenarios multipliziert mit der jeweiligen Eintrittswahrscheinlichkeit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Cn steht für jedes mögliche Szenario und Dn für die jeweilige Eintrittswahrscheinlichkeit.

Die Transaktionskosten ergeben sich aus der investierten Zeit plus der monetären und nicht-monetären Kosten des Weges:

(3) Y=A+B

A steht für die investierte Zeit und B für die Kosten des Weges. Dadurch, dass diese Werte ebenfalls schwer einzuschätzen sind, werden bei allen diesen Rechenvorgängen subjektive Werte verwendet. Der Grund dafür ist, dass die Situationen kaum objektiv feststellbar sind, Gefühle jeder anders empfindet und eine in der Gesellschaft allgemein gültige, objektive Definition eines bestimmten Gefühls nicht vorliegt. Die Berechnungen sollen somit lediglich die Situation verdeutlichen und einen Ansatz zur rationalen Entscheidung geben. Der Vorteil an einer Partnerschaft ist dabei an dem, meist niedrigen, Wert von Y erkennbar. Die investierte Zeit ist geringer und die Kosten des Weges sind nur nicht-monetär und zumeist nahe bei null, sofern sich mit der/dem PartnerIn ein Haushalt geteilt wird.

Durch Umformen von (1) erhalten wir:

(4) Z-Y-X=E

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Ökonomischer Imperialismus. Die Rationalität des Ehebruchs
Hochschule
Fachhochschule Salzburg  (Betriebswirtschaft)
Veranstaltung
Mikroökonomie
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V337132
ISBN (eBook)
9783656986409
ISBN (Buch)
9783656986416
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ökonomischer Imperialismus, Rationalität, Ehe, Partnerschaft
Arbeit zitieren
Alexander Lang (Autor:in), 2015, Ökonomischer Imperialismus. Die Rationalität des Ehebruchs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337132

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