In dieser Hausarbeit soll der Versuch unternommen werden, die Formen des absoluten Geistes, wie sie Hegel in seinem dritten Band der Enzyklopädie vorstellt, zu analysieren und sie in ein Verhältnis zueinander zu stellen, welches die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser drei Formen untersucht. Es soll in der Hauptsache erklärt und erforscht werden, warum Hegel die Philosophie als die am weitesten entwickelte Form des absoluten Geistes, vor den anderen beiden Formen Kunst und Religionen, auszeichnet.
Geklärt werden muss also, was genau die Philosophie als Praxis der Reflexion auszeichnet und inwiefern sie den anderen Formen des absoluten Geistes überlegen ist. Auch der Begriff des Absoluten muss aufgeklärt werden und der eventuell vorhandene Zusammenhang zur menschlichen Schöpfungskraft und Kreativität muss geklärt werden, damit in einem weiteren Schritt gezeigt werden kann, was diese drei Formen verbindet und was sie in eine notwendige Stufenfolge oder Dialektik zwingt.
Wo aber fängt man so einen viel zu großen Versuch systematisch an, wenn man ihn dennoch in pragmatischer und an den Umfang einer solchen Arbeit angepassten Weise durchführen will? Am besten folgt man wohl in der Methode einfach Hegel selbst nach und beginnt bei der Ausbuchstabierung des je eigenen gegebenen Standpunktes (hier ist dies mein Vorbegriff des absoluten Geistes) an und denkt dann in kritischer und spekulativer Weise über dessen Grenzen hinaus, um zu einem konkreteren und komplexeren Begriff und Verständnis der jeweiligen Sache zu gelangen.
Der Ansatz dieser Arbeit ist dabei, die drei Formen des Absoluten Geistes als sinnstiftende Versuche des Menschen zu erfassen, sich selbst in einem Ganzen (Totalität, Weltbild) zu verorten und zu begreifen. Dabei wird auf die kooperativen Praxisformen des Menschen reflektiert, ohne jedoch zu konkret zu werden, denn es soll eine allgemeine Formenanalyse des absoluten Geistes erfolgen und keine bunte Sammlung empirischer Fakten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der absolute Geist in der Kunst
3. Der absolute Geist in der Religion
4. Der absolute Geist in der Philosophie
5. Verhältnisbestimmung der Formen des absoluten Geistes
6. Zusammenfassung und Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die von G.W.F. Hegel in der Enzyklopädie vorgestellten Formen des absoluten Geistes – Kunst, Religion und Philosophie – zu analysieren, ihre wechselseitigen Verhältnisse zu bestimmen und darzulegen, warum die Philosophie als die am weitesten entwickelte Form des Geistes gilt.
- Hegels Philosophie des absoluten Geistes
- Vergleich der Formen Kunst, Religion und Philosophie
- Bedeutung des menschlichen Selbstbewusstseins und der Freiheit
- Synthese von Geist und Kulturpraxis
- Die Rolle des Wissens im System Hegels
Auszug aus dem Buch
4. Der absolute Geist in der Philosophie
Wenn nun der Geist sich mit sich selbst zusammenschließt, indem der Mensch (als ein geistiges Wesen) sich durch den Glauben und die Gefühlsandacht mit dem absoluten Geist (der Idee vom Absoluten) verbindet, dann erhebt sich der Mensch glaubend und fühlend zu Gott - aber nur aus einer philosophischen Perspektive ist ihm dieses Tun vollends begreiflich, selbsttransparent und als Wissen verfügbar. Wenn dieses Tun aber denkend und selbstbewusst geschieht, dann ist sie Philosophie und der Inhalt der Wahrheit findet seine vollendete Form im systematischen Denken, welches das Einzelne mit dem Allgemeinen zu verbinden im Stande ist. So könnte man den ersten Absatz im § 571 deuten, in dem Hegel eine Warnung vor der Ironie und Eitelkeit anschließt, weil sich hier die Subjektivität einen unverbindlich seienden und inhaltsunbestimmten Geist setzt, welcher sich wie die höchste Spitze der Religion und Philosophie anfühlen mag, der aber hohle Willkür ist. Die Eitelkeit des Denkens muss abgelegt werden, damit es wirklich und objektiv frei wird und auch als freier Geist gegenüber dem Geist (als Geist Gottes) frei bleibt.
In § 572 drückt Hegel die Einheit und Syntheseleistung der Philosophie besonders knapp und begrifflich rein aus, weshalb er für die Zwecke dieser Arbeit von außerordentlicher Bedeutung ist, sowohl vom Ansatz der Arbeit her, als auch als einer groben Orientierung in diesem sehr anspruchsvollen und vielschichtigen Text. Darum soll er hier auch ausnahmsweise explizit erscheinen:
„Diese Wissenschaft ist insofern die Einheit der Kunst und Religion, als die der Form nach äußerliche Anschauungsweise der ersteren, deren subjektives Produzieren und Zersplittern des substantiellen Inhalts in viele selbstständige Gestalten, in die Totalität der zweiten, deren in der Vorstellung sich entfaltendes Auseinandergehen und Vermitteln des Entfalteten, nicht nur zu einem Ganzen zusammengehalten, sondern auch in die einfache geistige Anschauung vereint und dann zum selbstbewussten Denken erhoben ist. Dies Wissen ist damit der denkend erkannte Begriff der Kunst und Religion, in welchem das in dem Inhalte Verschiedene als notwendig und dies Notwendige als frei erkannt ist.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Analyse ab und definiert das Ziel, die Formen des absoluten Geistes nach Hegel zu untersuchen sowie deren dialektische Stufenfolge zu erörtern.
2. Der absolute Geist in der Kunst: Dieses Kapitel betrachtet die Kunst als erste Form, die das Absolute sinnlich darstellt, wobei Hegel die Kunstwerke als notwendige, aber noch nicht vollständig vom Geist durchdrungene Realisierungen begreift.
3. Der absolute Geist in der Religion: Hier wird die Religion als Modus der Offenbarung untersucht, in dem das Selbstbewusstsein des Menschen über sich als geistiges Lebewesen in ein Wissen von Gott übergeht.
4. Der absolute Geist in der Philosophie: Die Philosophie wird als vollendete Form dargestellt, die Kunst und Religion im systematischen Denken zusammenführt und den Inhalt als notwendige Freiheit begreift.
5. Verhältnisbestimmung der Formen des absoluten Geistes: In diesem Abschnitt wird die wechselseitige Abhängigkeit und die Nähe zwischen Kunst, Religion und Philosophie erarbeitet, wobei letztere die Reflexion über die Praxisformen integriert.
6. Zusammenfassung und Schluss: Das Fazit reflektiert den methodischen Ansatz der Arbeit und betont die Notwendigkeit, das Absolute als menschliches Ideal im Rahmen eines philosophischen Systems zu begreifen.
Schlüsselwörter
Hegel, absoluter Geist, Kunst, Religion, Philosophie, Selbstbewusstsein, Dialektik, Freiheit, Vernunft, System, Kultur, Subjektivität, Ideal, Reflexion, Enzyklopädie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Formenanalyse des absoluten Geistes, wie Hegel sie im dritten Band seiner Enzyklopädie beschreibt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die drei Stufen der Geistesform – Kunst, Religion und Philosophie – sowie deren Verbindung zum menschlichen Selbstbewusstsein.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser drei Formen aufzuzeigen und zu erklären, warum die Philosophie als die höchste, da am weitesten entwickelte Form des Geistes gilt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor verfolgt eine pragmatische, interpretatorische Leseweise, die sich an Hegels eigenem Denkweg orientiert und den Fokus auf eine sinnkritische Analyse der Paragraphen legt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kunst, Religion und Philosophie als aufeinander aufbauende Stufen der Selbstreflexion des Geistes sowie eine abschließende Verhältnisbestimmung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Hegel, absoluter Geist, Selbstbewusstsein, Dialektik, Freiheit und philosophisches System geprägt.
Warum wird die Philosophie als "höchste" Form eingestuft?
Laut Hegel ist die Philosophie die Einheit von Kunst und Religion, da sie das geglaubte oder angeschaute Absolute in eine rein begriffliche, systematische Form erhebt und somit als freies Wissen verfügbar macht.
Welche Rolle spielt der Mensch in dieser Analyse?
Der Mensch wird als schöpferisches Wesen verstanden, das durch seine kulturellen Praxen – Kunst, Religion und Wissenschaft – versucht, seine eigene Freiheit und Identität in einem absoluten Ganzen zu begreifen.
- Citation du texte
- Daniel R. Kupfer (Auteur), 2016, Formenanalyse des absoluten Geistes. Über das Verhältnis von Kunst, Religion und spekulativer Philosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337349