Bei der Auseinandersetzung mit der komplexen Thematik der problematischen Übergänge von Schule zum Berufsleben stellte sich mir schon bald die Frage, was denn mit den jungen Menschen ist, die erst gar nicht so weit kommen.
Was passiert, wenn Schüler der Schule den Rücken kehren? Wie kommt es überhaupt so weit?
Leider ist vielen, trotz der Ergebnisse der Pisa-Studie und den traurigen Ereignissen in Erfurt, immer noch nicht klar, dass sich das System Schule verändern muss. Doch wie können wirklich trag- und zukunftsfähige Alternativen entwickelt werden? Welche Chancen ergeben sich aus der Analyse der Motive sogenannter Schulverweigerung sowie durch die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Lösung der sie betreffenden Probleme?
Diesen Fragen folgend stellt sich der Inhalt meiner vorliegenden Arbeit dar. Zunächst versuche ich den Zusammenhängen zwischen der Krise der (Erwerbs-) Arbeitsgesellschaft und der Krise der Schule nachzugehen. Darauf aufbauend beleuchte ich frühe Ausgrenzungsrisiken des Schulsystems und die Folgen. Im zweiten Teil meiner Ausführungen werde ich die Freiburger StrassenSchule e.V. kurz vorstellen, um schließlich die ihr zugrunde liegende Haltung sowie wichtige Prinzipien für die Arbeit herauszuarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Realität der Arbeitsgesellschaft und Legitimationskrise der Schule
III. Frühe und mehrfache Ausgrenzung insbesondere durch Schule
1. Unterschiedliche Facetten sogenannter Schulverweigerung
2. Gründe und Hintergründe
3. Folgen und Spätfolgen
IV. Neue Wege durch Partizipation – Die Freiburger StrassenSchule e.V.
1. Interkulturalität und Transprofessionalität
2. Beziehungsarbeit
3. Dialogisches Lernen
4. Reflektierte Aktion und aktive Reflexion
5. Prozessorientierung, Kontinuität und Nachhaltigkeit
V. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik von Schulverweigerung und schulischer Ausgrenzung vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Arbeitsgesellschaft. Ziel ist es, Möglichkeiten der Partizipation sowie zukunftsfähige Alternativen am Beispiel der "Freiburger StrassenSchule e.V." aufzuzeigen, um betroffenen Jugendlichen neue Orientierung und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
- Krise der Arbeitsgesellschaft und Legitimationsverlust des Schulsystems
- Ursachen, Hintergründe und Folgen von Schulverweigerung
- Konzept und Prinzipien der Freiburger StrassenSchule e.V.
- Bedeutung von Partizipation, Beziehungsarbeit und dialogischem Lernen
- Reflektierte Praxis und prozessorientierte Nachhaltigkeit
Auszug aus dem Buch
3. Dialogisches Lernen
Voraussetzung sowohl für die Beziehungsarbeit als auch alle weiteren Aktivitäten der StrassenSchule sind Erwachsene, die sich zurücknehmen und zuhören können. „Wir sind immer wieder erstaunt darüber, mit welcher Klarheit uns im Lebensfeld Straße aufwachsende Kinder und Jugendliche ihre Wünsche nach Schule ausdrücken: Sie wünschen sich eine Schule, an der sie zu ernst genommenen Beteiligten werden, die von Partizipation geprägt ist und in der Schüler wie Lehrer sich als Lernende verstehen.“
Genau diesen Perspektivwechsel propagierte Paulo Freire, mit der Beschreibung eines neuen, dialogischen Schüler-Lehrer-Verhältnisses. Demnach werden alle am Dialog Beteiligten zu Lernenden und Lehrenden. Der Grundsatz vom dialogischen Lernen, bei dem die begleitenden Erwachsenen auch zu Schülern der jungen Menschen werden, findet sich überall in der Freiburger StrassenSchule.
Untrennbar damit verbunden ist eine Biographie-, Lebenswelt-, Sozialraum- und Gemeinwesenorientierung – die Verwurzelung des neuen Lernens. „Für die auf der Straße lebenden Kinder muß Freire zufolge die Straße ‘Lernstoff’ bleiben und die ‘Problematik’ eines menschlichen Lebens auf der Straße ständig thematisiert werden. Ihre ‘Lebenssituation’ soll (...) nicht ausgeklammert, sondern zum Inhalt allen Lernens werden. Sie sollten diese immer wieder neu reflektieren und selbst neue Lösungen formulieren lernen (...).“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die problematischen Übergänge von der Schule in das Berufsleben und hinterfragt die systemischen Ursachen für Schulverweigerung.
II. Realität der Arbeitsgesellschaft und Legitimationskrise der Schule: Dieses Kapitel thematisiert die Diskrepanz zwischen der Illusion der Vollbeschäftigungsgesellschaft und der realen Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher.
III. Frühe und mehrfache Ausgrenzung insbesondere durch Schule: Hier werden die Facetten, Ursachen und langfristigen Folgen der Schulverweigerung sowie der institutionelle Schulausschluss analysiert.
IV. Neue Wege durch Partizipation – Die Freiburger StrassenSchule e.V.: Das Kapitel stellt das Modell der Freiburger StrassenSchule vor und erläutert deren pädagogische Prinzipien wie Beziehungsarbeit und Dialog.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit zusammen, Jugendliche als Experten in eigener Sache ernst zu nehmen und starre Schulstrukturen durch partizipative Ansätze zu öffnen.
Schlüsselwörter
Schulverweigerung, Ausgrenzung, Partizipation, Freiburger StrassenSchule, Arbeitsgesellschaft, Dialogisches Lernen, Schulalltag, Jugendhilfe, Empowerment, Bildungssystem, Straßensozialarbeit, Schulausschluss, Selbstbestimmung, Schulmüdigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Kindern und Jugendlichen, die das staatliche Schulsystem verlassen haben oder von Ausgrenzung bedroht sind, und untersucht Wege, diese durch alternative Ansätze wieder zu erreichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Krise des Bildungssystems, den Ursachen und Folgen von Schulverweigerung sowie der praktischen Umsetzung von Partizipation im pädagogischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch Ansätze wie die der Freiburger StrassenSchule zukunftsfähige Alternativen geschaffen werden können, die auf Partizipation und ernsthafter Beteiligung der Jugendlichen basieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse theoretischer Konzepte, insbesondere von Paulo Freire, sowie auf Handlungsforschung und die Reflexion der Praxisprojekte der Freiburger StrassenSchule.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zur Schulkrise vor allem die praktischen Prinzipien der StrassenSchule erläutert, darunter Beziehungsarbeit, interkulturelle Ansätze und reflektierte Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schulverweigerung, Partizipation, Empowerment, Bildungsgerechtigkeit und die Bedeutung lebensweltorientierter pädagogischer Angebote definiert.
Was bedeutet "Nicht-Beschulbarkeit" in diesem Kontext?
Der Begriff wird als Bezeichnung der Schulverwaltung kritisch hinterfragt, da er den Ausschluss von Schülern legitimiert, während der Autor einen Fokus auf strukturelle Mängel des Systems legt.
Warum ist das dialogische Lernen für die StrassenSchule so wichtig?
Es dient als Perspektivwechsel, bei dem die traditionelle Hierarchie zwischen Lehrer und Schüler aufgehoben wird, damit beide Seiten voneinander lernen können, was für den Aufbau von Vertrauen unerlässlich ist.
- Quote paper
- Thomas Haug (Author), 2002, Protagonisten einer neuen Schule - Entwicklung zukunftsfähiger Alternativen durch Partizipation sogenannter Schulverweigerer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33771