Der Einsatz des Films »300« im Geschichtsunterricht der Oberstufe


Seminararbeit, 2016
31 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Informationen zum Film 300
2.1 Produktionsdaten
2.2 Rezeption

3 Historischer Hintergrund des Films 300
3.1 Die Schlacht bei den Thermopylen
3.2 Zur Rezeptionsgeschichte der Schlacht bei den Thermopylen
3.3 Görings Rede vor der Niederlage bei Stalingrad

4 Der Film 300 im Unterricht
4.1 Lehrplanbezug
4.1.1 Allgemeine Bildungsziele
4.1.2 Allgemeine didaktische Grundsätze
4.1.3 Bildungs- und Lehraufgaben des Faches Geschichte und Sozialkunde/ Politische Bildung:
4.1.4 Lehrstoffbezug
4.2 Die Stundenplanung
4.2.1 Erste Unterrichtseinheit
4.2.2 Zweite Unterrichtseinheit
4.3 Kompetenzen
4.4 Unterrichtsziele
4.5 Erweiterungsmöglichkeiten

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis
6.1 Monographien, Sammelbände und Aufsätze
6.2 Internetquellen

1 Einleitung

Im Seminar Fachdidaktik: Film im Geschichtsunterricht und der Politischen Bildung, das im Wintersemester 2015/16 am Institut für Geschichte der Universität Salzburg unter der Leitung von Prof. Thomas Hellmuth durchgeführt wurde, sollten verschiedene historische Filme analysiert und auf eine eventuelle Einsatzmöglichkeit im Rahmen des Unterrichts in Fach Geschichte und Politische Bildung untersucht werden.

Relativ kurzentschlossen habe ich den Film 300 gewählt, obwohl er mir in ziemlich negativer Erinnerung geblieben war. Die erste Idee war, ihn gemeinsam mit den Schüler­innen und Schülern auf historische Ungenauigkeiten zu untersuchen, die mir beim Kinobesuch besonders aufgestoßen waren. Bei der eingehenden Beschäftigung vor allem auch mit den Filmkritiken und nach nochmaligem Ansehen der Originalfassung habe ich meine Planung aber völlig abgeändert: Ausgehend von der Rezeption der im Film dargestellten Thermopylenschlacht zur Zeit des Nationalsozialismus sollten die faschistischen, rassistischen, homophoben und menschenverachtenden Tendenzen des Films herausgearbeitet werden.

Die vorliegende Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Nach knappen Informationen zum Film selbst in Kapitel 2 folgt eine Darstellung des historischen Verlaufs und der Rezeptionsgeschichte der Schlacht in Kapitel 3. Die eigentliche Unterrichtsplanung für zwei Unterrichtseinheiten in der Sekundarstufe 2 sowie einige Ideen für Ausbaumöglichkeiten finden sich im abschließenden Kapitel 4.

2 Informationen zum Film 300

2.1 Produktionsdaten

Der Film 300 wurde im Jahr 2006 in den USA von Warner Brothers produziert. Regie führte Zack Snyder, der auch gemeinsam mit Kurt Johnstad und Michael B. Gordon das Drehbuch verfasste. Zugrunde lag der Verfilmung die gleichnamige Graphic Novel von Frank Miller und Lynn Varley, an deren Optik sich der Film in seiner visuellen Gestaltung stark anlehnt. Die Weltpremiere erlebte der Film am 9. Dezember 2006, im Wettbewerb der Berlinale im Februar 2007 wurde er ‚außer Konkurrenz‘ gezeigt. In Deutschland erhielt er eine FSK-Freigabe von ‚ab 16‘.[1]

Im Film schildert der Ich-Erzähler Dilios rückblickend den heroischen Abwehrkampf der Spartaner unter ihrem König Leonidas am schmalen Pass bei den Thermopylen gegen das anrückende Millionenheer der Perser unter deren Großkönig Xerxes. Nachdem sie von Ephialtes verraten und von den Persern umgangen werden, sterben fast alle 300 Spartaner (mit Ausnahme von Dilios) den Heldentod (was Comic und Film den Titel liefert.) Ein zweiter, im Comic fehlender Erzählstrang des Films schildert die Bemühungen der Königin Gorgo, in der spartanischen Heimat die Moral gegen die Wühlarbeit des von den Persern bestochenen Theron aufrechtzuerhalten (wobei sie ihn letztlich im Ältestenrat erdolcht). Der Film endet vor der absehbaren Niederlage der Perser bei Plataiai gegen ein vereintes Heer der Griechen unter ihrem Anführer Dilios.

2.2 Rezeption

Beim internationalen Publikum kam der Film positiv an, von den Zusehern der Berlinalevorführung erhielt er sogar ‚Standing Ovations‘. Auf der Seite ‚metacritic‘ liegen die Nutzerwertungen bei 7.1 (von maximal 10)[2], laut ‚Rotten Tomatoes‘ gefiel der Film 89% der Zuseher, die eine Wertung abgegeben haben.[3]

Von der Kritik wurde der Film mit eher gemischten Gefühlen rezipiert, wobei die Rezeption in den USA im Vergleich zu Europa tendenziell positiver war. Gelobt wurden vor allem die visuelle Wucht der Bilder und die Umsetzung der Comic-Tableaus in Filmszenen, die manchen Kritiker über die inhaltlichen Schwächen und die mangelnde Charakterzeichnung hinwegsehen ließen. Den allgemeinen Tenor verdeutlicht wohl die Kritik im ‚Lexikon des Internationalen Films‘:[4]

„Bildgewaltiges, einem Comic nachempfundenes Historiengemetzel, das sich vor allem in der Präsentation von Muskeln, Waffen und Blut gefällt. In seiner visuellen Überwältigungsstrategie sowie seiner weitgehend unreflektierten Haltung gegenüber faschistoidem Gedankengut kann der pathetische Actionfilm leicht als Propagandafilm verstanden werden.“

Die Online-Reviews auf Rotten Tomatoes ergeben nur einen Durchschnittswert von 6.1, und Metacritic aggregiert 35 Zeitungs- und Online-Kritiken und errechnet daraus einen sogenannten ‚Metascore‘ von 51 (von maximal 100).[5]

3 Historischer Hintergrund des Films 300

Der Film 300 geht sehr frei mit den historischen Geschehnissen, die seiner Handlung zugrunde liegen, um. Das alleine kann man ihm aber kaum zum Vorwurf machen, denn der Film will deutlich und für jedermann ersichtlich keine wie auch immer geartete Geschichtsdarstellung sein, sondern (getreu der Comic-Vorlage) eher ein Fantasy-Actionfilm. Das zeigt sich schon in den zahlreichen Monstern und Fantasyfiguren, die auf Seite der Perser auftreten und stellenweise an die ‚Herr der Ringe‘-Verfilmungen erinnern. Trotzdem soll hier ein kurzer historischer Abriss über den Schlachtverlauf und vor allem über die Rezeptionsgeschichte der Schlacht erfolgen, da deren Mythologisierung im Dritten Reich den Ausgangs- und Motivationspunkt der Filmanalyse im Unterricht bilden soll.

3.1 Die Schlacht bei den Thermopylen

Die für den Großteil der Geschehnisse alleinige Quelle, die die Schlacht bei den Thermopylen überliefert, stammt vom griechischen Historiker Herodot, der seine Historien [6] etwa ein halbes Jahrhundert nach dem Ereignis veröffentlichte: Nachdem die Athener und ihre Alliierten ein erstes persische Expeditionsheer bereits 490 v. Chr. bei Marathon zurückgeschlagen hatten, marschierte 480 v. Chr. eine weit größere Streitmacht unter der Führung des Großkönigs Xerxes von Kleinasien aus Richtung Griechenland. Die brüchige Allianz der griechischen Poleis konnte diesem Heer einige Tausend Mann unter der Führung von Leonidas, einem der beiden spartanischen Könige, entgegenstellen. Die Verteidigung der Engstelle bei den ‚heißen Toren‘ war wohl nicht mehr als ein Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Interessen im griechischen Heer, obwohl sich der Ort dafür anbot. (Immer wieder wurde im Laufe der Geschichte versucht, hier eine Invasion Griechenlands zu verhindern – zuletzt im Zweiten Weltkrieg.) Zwei Tage gelang es den Griechen, die Perser aufzuhalten, bis sie schließlich umgangen wurden. Laut Herodot hätten rund 300 Spartaner, 700 Thesbier und 400 Thebaner unter Leonidas den Rückzug der griechischen Streitmacht gedeckt, und nur die Thebaner hätten sich rechtzeitig ergeben und überlebt.[7]

Zahlenangaben bei antiken Autoren sind mit Vorsicht zu genießen, und Herodot ist da keine Ausnahme. Sind die von ihm genannten 6.200 griechischen Hopliten noch glaubhaft und nachvollziehbar, beziffert er die Heeresstärke der Perser auf über 4 Millionen, eine für antike Heere völlig irreale Anzahl.[8] Moderne Schätzungen gehen von rund 80.000 Persern aus[9] – für damalige Verhältnisse immer noch ein gewaltiges Heer.

Was Leonidas dazu bewegte, sich und seine Männer an diesem schmalen Pass zu opfern (wenn es überhaupt ein freiwilliges Opfer war), ist umstritten und wird sich wohl nicht mehr abschließend klären lassen.[10] Dadurch blieb aber auch immer schon Raum für eigene Interpretationen.

3.2 Zur Rezeptionsgeschichte der Schlacht bei den Thermopylen

Herodot steckte mit seinem Bericht gleichsam den Rahmen für die spätere Rezeption der Schlacht ab, denn in zwei zentralen Punkten bleibt sein sonst klarer Bericht uneindeutig: War die Stellung bei den Thermopylen von vornherein unhaltbar oder erst durch den Verrat des Umgehungspfades zum Untergang verdammt?

„So präferiert die antike Rezeption die Deutung, die Stellung im Pass sei ein ‚verlorener Posten‘ gewesen und schmückt den Auszug der Spartiaten zu den Thermopylen dahingehend aus. In der Neuzeit erregt dagegen der Verrat besondere Aufmerksamkeit, wenn innenpolitische Verschwörungstheorien Konjunktur haben, wie in Frankreich im Sommer 1792 oder im Deutschland der Weimarer Republik.“ [11]

Und welche Motive bewegten Leonidas, trotzdem die Stellung zu halten? (In diesem Zusammenhang ist vor allem die Übersetzung der griechischen Worte rhēmasi peithómenoi im Epigramm auf der zum Andenken am Ort der Schlacht errichteten Stele von Bedeutung.)[12] Ging es um den spezifisch spartanischen Ehrenkodex, der diese zum Kampf bis zum Tod verpflichtete und den Rückzug verbot (was im Widerspruch zu einigen überlieferten Gegenbeispielen stünde), oder war ein Orakelspruch verantwortlich, der für die Rettung Spartas den Tod eines Königs gefordert hatte? Oder war das Streben nach unsterblichen Ruhm das vorrangige Handlungsmotiv des nicht mehr jungen Königs? Offensichtlich hat schon Herodot fünfzig Jahre nach den Ereignissen verschiedene Berichte vorgefunden, die er in seine Darstellung integrierte.[13] Ausgeblendet (und in der weiteren Rezeption weitgehend ignoriert) wurden die Motive der ebenfalls im Pass ausharrenden Thebaner und Thesbier. Schon bei Herodot findet man aber ein „für die weitere Rezeption zentrales Grundmuster, das gleichermaßen für alle Perserkriegsschlachten gilt, […] der Antagonismus von Griechentum und ‚Barbarentum‘.“ [14]

Im ersten Jahrhundert vor Christus lässt Diodor als einzige Handlungsmotivation aller Verteidiger die ‚allgemeine Freiheit‘ gelten, was diese auf ‚ganz Griechenland‘ ausweitet und die Übertragung auf ganze Nationen durch spätere Rezipienten vorzeichnet. Auch wird im Epigramm mittlerweile rhēmata durch nómoi (= Gesetze) ersetzt, wobei auch hier die Wortbedeutung zwischen ‚Verhaltensgrundsatz‘ und ‚staatlichem Gesetz‘ streut. Bei Cicero wird der Kampf der Spartaner zum exemplarischen Vorbild für republikanische Vaterlandsliebe, und seine Übertragung des Epigramms ins Lateinische lautet ‚sanctis patriae legibus obsequimur‘ (also etwa: ‚den heiligen Gesetzen des Vaterlandes folgend‘), womit die neuzeitliche Interpretation der ‚Gesetze‘ im Sinne einer Verfassung vorgegeben wird.

Nachdem die Thermopylenschlacht im Mittelalter und in der frühen Neuzeit kaum Beachtung findet, rückt sie im 18. und 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit den Revolutionen der Zeit, als das Verhältnis zwischen Individuum und Staat, zwischen Freiheit und Gesetzesgehorsam, zwischen politischer Teilhabe und allgemeiner Wehrpflicht in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzungen tritt.[15] So galt die Schlacht am Beginn der Französischen Revolution als Musterbeispiel für den Kriegstod von freien Bürgern, die als Soldaten den Staat verteidigen, wobei sich Leonidas innerhalb weniger Jahre vom konstitutionellen Monarchen zum bloßen Feldherrn wandelt. Bedeutsam wird vor allem auch das Epigramm für den ‚politischen Totenkult‘, der den fürs Vaterland gefallenen Soldaten ewiges Andenken verspricht. Gerade in Deutschland beginnt unter Berufsmilitärs aber schon die Rezeption des Leonidas als ‚vorbildlichen Befehlsempfänger‘, der keineswegs an bestehenden Sozialordnungen rütteln wollte. Während des griechischen Unabhängigkeitskrieges gegen das Osmanische Reich (1821–1829) tritt wieder verstärkt die Wahrnehmung als Ost-West-Konflikt bzw. als Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei in den Vordergrund.

Um 1900 verdrängt Schillers Version des Epigramms zunehmend alle anderen deutschen Versionen, da es die Aufmerksamkeitsverschiebung weg vom freien Staatsbürgertum hin zu einer Maxime der militärischen Pflichterfüllung erleichterte, eine Interpretation, die besonders während und nach dem Ersten Weltkrieg Verbreitung fand. Der zunehmende Nationalismus und das Umsichgreifen verschiedener Rasseideologien führten dann während der NS-Zeit zum Höhepunkt der deutschen Spartarezeption, die die griechische Polis als ‚nordischen Rassestaat‘ mit vorbildlichem Erziehungssystem sah und die Thermopylenschlacht als Exempel bedingungsloser militärischer Opferbereitschaft.[16]

3.3 Görings Rede vor der Niederlage bei Stalingrad

Am 30. Jänner 1943, zum zehnten Jahrestag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, angesichts der nicht mehr abwendbaren Vernichtung der in Stalingrad eingekesselten 6. Armee, hielt Hermann Göring vor ausgesuchten Wehrmachtsangehörigen eine Rede, die live nicht nur auf allen deutschen Rundfunksendern übertragen wurde, sondern auch an der Front gehört werden konnte.[17] Die Rede wurde vom Propagandaministerium überarbeitet und ‚verfeinert‘ und dann an die Printmedien weitergeleitet. Am 2. Februar 1943, als die letzten deutschen Truppenteile im Kessel kapitulierten, erschien im Völkischen Beobachter eine gekürzte Fassung.[18] In Görings Ansprache wird die deutsche Bevölkerung erstmals von offizieller Seite auf die bevorstehende Niederlage bei Stalingrad vorbereitet – ein Musterbeispiel einer Propagandarede, die für sich allein genommen schon mehrere Unterrichtseinheiten füllen könnte.[19] Die Verpflichtung dem ‚Opfer der Wehrmacht‘ gegenüber dient dann wenig später in Goebbels berüchtigter Sportpalastrede als Motivation für die Ausrufung des ‚totalen Kriegs‘.

Wie die gesamte Rezeptionsgeschichte der Thermopylenschlacht letztlich in der Göringrede kulminiert, findet sich bei Anuschka Albertz hervorragend zusammengefasst:[20]

„In der Rede dient das antike Exempel nicht nur dazu, das Massensterben zu überhöhen, sondern auch dazu, die endgültige Niederlage überhaupt erstmals öffentlich zuzugeben. Überdies generiert der Vergleich vier weitere Deutungsdimensionen: Erstens wird das Epigramm wie im politischen Totenkult der Weimarer Republik als Formel der militärischen Pflichterfüllung verwendet, womit die Frage nach der Verantwortung des Führers und der Wehrmachtsgeneralität ausgeblendet wird. Dieses exkulpierende Potential des Epigramms wurde auch nach dem Krieg noch von Wehrmachtsoffizieren genutzt. Zweitens transportieren Leonidas und die Spartiaten die Vorstellung von einem aktiven Heldentum, die davon ablenkt, dass die 6. Armee verhungert und erfroren war. Drittens impliziert der Vergleich, dass Deutschland sich an der Wolga gegen eine feindliche Invasion verteidige, was von der NS-Propaganda zur Rettung des Abendlandes vor dem Bolschewismus stilisiert wird. Dieses Deutungsmuster blieb für die Schlacht an den Thermopylen in der Zeit des Kalten Krieges weiterhin attraktiv. Viertens verheißt die Niederlage einen späteren Sieg.“

Die vorliegende Unterrichtsplanung soll zeigen, dass es auch im 21. Jahrhundert noch möglich ist, die Schlacht bei den Thermopylen in Filmform für Propagandazwecke zu missbrauchen (wenn man auch die Macher von 300 möglicherweise in dubio pro reo freivom Vorsatz freisprechen müsste...)

4 Der Film 300 im Unterricht

Der folgenden Stundenplanung liegt die Idee zugrunde, den S/S vor Augen zu führen, wie zumindest zweifelhaftes Gedankengut in einen in ihren Augen möglicherweise ‚coolen‘ Film verpackt werden kann und von verschiedenen Hollywoodproduktionen auch immer wieder verpackt wird. Dazu wird versucht, die im Film 300 wahrnehmbaren faschistoiden, rassistischen und homophoben Tendenzen zu dekonstruieren bzw. von den S/S dekonstruieren zu lassen. Zum Abschluss sollen ausgewählte Filmkritiken und Kommentare der Filmemacher den S/S Stoff für Diskussionen geben.

4.1 Lehrplanbezug

Die FSK-Freigabe ‚ab 16‘ erlaubt einen Einsatz des Films erst in der Sekundarstufe 2 – ob in der siebten oder achten Klasse bleibt dabei egal, da in der Stundenplanung kein Arbeitswissen bei den S/S vorausgesetzt wird. Grundkenntnisse zum NS-Staat, zu seiner Ideologie und seinem Euthanasieprogramm sind zur Motivation hilfreich (s. 4.2.1), aber nicht notwendig – solche Grundkenntnisse sollte man aber in dieser Schulstufe ohnehin voraussetzen können.

4.1.1 Allgemeine Bildungsziele

Schon die allgemeinen Bildungsziele des aktuellen Lehrplans[21] bieten auch außerhalb eines Fachbezugs zum Geschichteunterricht genug Rechtfertigung für die vorliegende Stundenplanung:

„Die Würde jedes Menschen, seine Freiheit und Integrität, die Gleichheit aller Menschen sowie die Solidarität mit den Schwachen und am Rande Stehenden sind wichtige Werte und Erziehungsziele der Schule.“

Die Kritik an den Geschlechter- und vor allem Männlichkeitsbildern, die der Film transportiert, lässt sich ebenfalls rechtfertigen:

„Die Schülerinnen und Schüler sind zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit sich selbst und mit anderen anzuleiten, insbesondere in den Bereichen Geschlecht, Sexualität und Partnerschaft. Sie sollen lernen, Ursachen und Auswirkungen von Rollenbildern, die den Geschlechtern zugeordnet werden, zu erkennen und kritisch zu prüfen.“

[...]


[1] Zweitausendundeins.de Filmlexikon, 300, http://www.zweitausendeins.de/filmlexikon/?sucheNach=titel&wert=528575 (09.02.2016).

[2] Metacritic, 300, http://www.metacritic.com/movie/300 (09.02.2016).

[3] Rotten Tomatoes, 300, http://www.rottentomatoes.com/m/300/ (09.02.2016).

[4] Horst Peter Koll / Hans Messias, Hg., Lexikon des Internationalen Films. Filmjahr 2007, Marburg 2008.

[5] Rotten Tomatoes, 300; Metacritic, 300.

[6] Herodotus / Walter Marg / Bernhard Zimmermann, Historien, vollständige Ausgabe, München 1991 (Bibliothek der Antike: Geschichtsschreibung der Antike).

[7] Nic Fields, Thermopylae 480 BC. Last stand of the 300, Oxford 2007 (Campaign, Bd. 188).

[8] Wie Hans Delbrück schon Ende des 19. Jahrhunderts durch Vergleich mit zeitgenössischen Marschordnungen herausfand, wäre die „Marschkolonne der Perser […] also 420 [preußische] Meilen lang gewesen, und als die Ersten vor Thermopylä ankamen, hätten die Letzten gerade aus Susa jenseits des Tigris ausmarschieren können“, s. Hans Delbrück, Geschichte der Kriegskunst. Das Altertum. Von den Perserkriegen bis Caesar, Sonderauflage, Hamburg 2003, 10.

[9] Fields, Thermopylae, 55.

[10] Anuschka Albertz, Exemplarisches Heldentum. Die Rezeptionsgeschichte der Schlacht an den Thermopylen von der Antike bis zur Gegenwart, München 2009 (Ordnungssysteme, Bd. 17), 34–39.

[11] Ebd., 345.

[12] Die im deutschen Sprachraum bekannteste Übertragung des Epigramms durch Schiller lautet: „Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“ Altgr. rhēma bedeutet aber schlicht ‚Wort‘, die Phrase lautet wörtlich also ‚den Worten jener [der Lakedämonier, also der Spartaner] gehorchend‘ und lässt sich sowohl mit „deren Befehlen gehorchend“ als auch mit „deren Gesetzen gehorchend“ übersetzen.

[13] Ebd., 345–347.

[14] Ebd., 347.

[15] Aus dieser Zeit (1794) stammt auch Schillers Version des Epigramms, s. Fußnote 12.

[16] Ebd., 348–359.

[17] Eine Transkription findet sich bei Peter Krüger, Etzels Halle und Stalingrad. Die Rede Görings vom 30. 1. 1943, in: Joachim Heinzle / Anneliese Waldschmidt, Hg., Die Nibelungen. Ein deutscher Wahn, ein deutscher Alptraum. Studien und Dokumente zur Rezeption des Nibelungenstoffs im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 1991, 151–190, hier 170–187. Leichter zugänglich online bei Klaus Meschede, Göring-Rede: Politische Rede und Propaganda in der NS-Zeit, http://www.lehrer-online.de/rede-und-propaganda.php (11.02.2016).

[18] Thomas Menzel, Stalingrad - Teil 2, https://www.bundesarchiv.de/oeffentlichkeitsarbeit/bilder_dokumente/03385/index-48.html.de (09.02.2016).

[19] Eine fertige Unterrichtsplanung findet sich online bei Meschede, Göring-Rede.

[20] Albertz, Heldentum, 360.

[21] Bundesministerium für Bildung und Frauen, Lehrpläne der AHS-Oberstufe, https://www.bmbf.gv.at/ schulen/unterricht/lp/lp_ahs_oberstufe.html (10.02.2016).

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz des Films »300« im Geschichtsunterricht der Oberstufe
Hochschule
Universität Salzburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Seminar »Fachdidaktik: Film im Geschichtsunterricht und der Politischen Bildung«
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2016
Seiten
31
Katalognummer
V338048
ISBN (eBook)
9783668274488
ISBN (Buch)
9783668274495
Dateigröße
2880 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichtsunterricht, oberstufe, 300, Film, Unterricht, Sparta, Feindbilder, Propaganda, Unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Mag. rer. nat. Martin Thomaschütz (Autor), 2016, Der Einsatz des Films »300« im Geschichtsunterricht der Oberstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338048

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