Die vorliegende Bachelorarbeit beantwortet die Frage, wie der Übergang von der fossilen Automobilität zu Elektromobilität verläuft.
In Deutschland zählen Umweltentwicklungen wie die steigenden CO2-Emissionen, die Klimaerwärmung und die Knappheit endlicher Ressourcen zu den viel debattier-ten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Der Klimawandel, die Endlichkeit fossiler Ressourcen und der Aspekt der Nachhaltigkeit sind zunehmend Teil der öffentlichen Auseinandersetzungen und erreichen damit hohe Priorität auf der politischen Agenda. Neben den aktuellen Wandlungen zur nachhaltigeren Energieversorgung in Deutschland kommt der Elektromobilität eine besonders wichtige Rolle zu.
Die Arbeit gliedert sich in insgesamt fünf Kapitel. Zu Beginn werden die für das Verständnis der Thematik relevanten techniksoziologischen Grundlagen erläutert. In Kapitel 2 wird dargestellt, was fossile Automobilität und Elektromobilität bedeutet und wie die Situation in Deutschland – sowohl historisch als auch aktuell – ist beziehungsweise war. Anschließend wird der Begriff „Innovation“ beleuchtet und sowohl die Automobilität als auch die Elektromobilität werden in den Innovationskontext eingeordnet.
Im dritten Kapitel wird die Mehrebenen-Perspektive von FRANK W. GEELS dargestellt, da sie den theoretischen Bezugsrahmen für diese Arbeit liefert. Um ein erstes Verständnis über die Mehrebenen-Perspektive zu bekommen, wird sie zunächst in ihren Forschungsbereich eingeordnet. In den darauffolgenden Abschnitten werden dann zunächst die elementaren Grundlagen der Mehrebenen-Perspektive erläutert bevor anschließend die drei kennzeichnenden Ebenen erklärt werden. Bei den Ebenen handelt es sich um die Nische, das sozio-technische Regime und die sozio-technische Landschaft. Sie bilden das funktionale Gerüst der Mehrebenen-Perspektive. Des Weiteren werden die Wechselbeziehungen zwischen diesen drei Ebenen sowie ihre Mechanismen aufgezeigt. Im vierten Kapitel erfolgt dann die Anwendung der Mehrebenen-Perspektive auf den Gegenstand dieser Arbeit. Dies erfolgt durch die Verortung der Elektromobilität, der Automobilität und des gemeinsamen Kontextes auf den jeweiligen Ebenen. Die Wechselwirkungen, die den Übergang von der fossilen Automobilität zur Elektromobilität beeinflussen, sollen anschließend die Antwort auf die eingangs gestellte Frage geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ausgangssituation
1.2. Zielsetzung
1.3. Aufbau der Arbeit
1.4. Techniksoziologische Grundlagen
2. Die Automobilität und die Elektromobilität in Deutschland
2.1. Die fossile Automobilität in Deutschland
2.2. Die Elektromobilität und ihre Entwicklung in Deutschland
2.3. Die Automobilität und Elektromobilität im Innovationskontext
3. Theoretischer Bezug
3.1. Die Mehrebenen-Perspektive im Kontext der Transitionforschung
3.2. Die Grundlagen der Mehrebenen-Perspektive
3.3. Die Ebenen der Mehrebenen-Perspektive
3.3.1. Die Nische
3.3.2. Das sozio-technische Regime
3.3.3. Die sozio-technische Landschaft
3.3.4. Die Wechselwirkungen der drei Ebenen
4. Anwendung der Mehrebenen-Perspektive
4.1. Die Elektromobilität in der Nische
4.2. Das fossile Automobilitätsregime
4.3. Die sozio-technische Landschaft in Deutschland
4.4. Wechselwirkungen beim Übergang zur Elektromobilität
5. Fazit
5.1. Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse
5.2. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Übergang von der fossil geprägten Automobilität zur Elektromobilität in Deutschland, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, wie dieser Wandlungsprozess mittels des Konzepts der Mehrebenen-Perspektive nach Frank W. Geels erklärt werden kann.
- Techniksoziologische Grundlagen von sozio-technischen Systemen.
- Analyse des fossilen Automobilitätsregimes und der Elektromobilität als Innovation.
- Detaillierte Erläuterung der Mehrebenen-Perspektive (Nische, Regime, Landschaft).
- Anwendung des Mehrebenen-Modells auf den realen Transformationsprozess in Deutschland.
- Diskussion der Wechselwirkungen und Treiber für einen erfolgreichen Übergang.
Auszug aus dem Buch
3.3.1. DIE NISCHE
Die Nische (im engl. Original „niche“) bezeichnet die erste abstrakte Ebene der Mehrebenen-Perspektive. Sie ist ein Bereich, der vom klassischen Markt im ökonomischen Sinne abgegrenzt ist. Dadurch ist eine Nische nicht vom herkömmlichen Marktgeschehen betroffen und vor Marktausleseprozessen geschützt (vgl. Schot 1998: 194). Sie bietet sich deshalb als Ort oder Entwicklungsraum an, indem technische Neuerungen oder vielmehr radikale Innovationen entstehen können (vgl. Geels 2012: 472). Ein wesentliches Merkmal der Nische sind die kollektiven und individuellen Akteure, Technologien und Routinen, durch die die radikalen Innovationen entstehen (vgl. Schneidewind; Scheck 2012: 48). Die verschiedenen Akteure arbeiten und forschen an Neuerungen, die von den vorhandenen Innovationen abweichen. Sie haben alle das Ziel, Neuerungen zu erschaffen, die im vorhandenen sozio-technischen Regime genutzt werden oder es eventuell sogar ablösen (vgl. Geels 2007: 643).
Am Anfang des Entwicklungsprozesses sind die Innovationen eher instabil und stellen eher sozio-technische Konfigurationen mit einem niedrigen Leistungsniveau dar (vgl. Geels; Schot 2007: 400). Nischen sind in der Regel instabil, da sich Regeln noch nicht fertig ausgebildet haben (vgl. Geels 2004: 913). Einzelne Projekte (z. B. Pilotprojekte) in denen die Neuerungen getestet und angewendet werden können, verhelfen den Nischen zu mehr Stabilität. Sie ermöglichen Lern- und Austauschprozesse über technische Designs, Nutzerpräferenzen, Regelungen, Infrastrukturbedingungen und kulturelle Bedeutungen. Dadurch werden Erwartungen und Vorstellungen innerhalb der Nischen-Akteure ausgetauscht und weitergegeben. Das erweckt die Aufmerksamkeit von Sponsoren und setzt eventuell sogar Ressourcen frei, welche wiederrum richtungsgebend für breitere Entwicklungsaktivitäten sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Ausgangslage der Elektromobilität in Deutschland dar, definiert das Ziel der Arbeit und führt in die techniksoziologischen Grundlagen ein.
2. Die Automobilität und die Elektromobilität in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert den Status quo des fossilen Automobilitätsregimes, definiert den Begriff Elektromobilität und ordnet beide in den Kontext des Innovationsbegriffs ein.
3. Theoretischer Bezug: Hier wird das theoretische Fundament in Form der Mehrebenen-Perspektive nach Frank W. Geels detailliert erörtert, inklusive der Analyse von Nische, Regime und Landschaft.
4. Anwendung der Mehrebenen-Perspektive: Dieses Kapitel überträgt das theoretische Mehrebenen-Konzept auf den konkreten Übergangsprozess von fossilen Antrieben zu elektrischen Mobilitätsformen in Deutschland.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Dynamiken des Übergangs zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Elektromobilität.
Schlüsselwörter
Elektromobilität, Mehrebenen-Perspektive, sozio-technisches System, Transitionforschung, fossile Automobilität, Innovation, Nische, Regime, Landschaft, Nachhaltigkeit, Energiewende, Pfadabhängigkeit, Transformationsprozess, Techniksoziologie, Mobilitätswandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem soziologischen Verständnis des Wandels im Verkehrssektor, konkret dem Übergang von einer fossilen hin zu einer elektrischen Automobilität in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft technische Aspekte der Antriebssysteme mit soziologischen Theorien über sozialen Wandel und Innovationsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Übergangsprozess zur Elektromobilität zu erklären und die Mechanismen sowie Kriterien zu identifizieren, die für das Gelingen eines solchen Systemwechsels maßgeblich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Mehrebenen-Perspektive (Multi-Level Perspective) nach Frank W. Geels als theoretisches Konzept, um sozio-technische Übergänge strukturiert zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Erläuterung des Mehrebenen-Modells und dessen direkte Anwendung auf die aktuelle Marktsituation der Elektromobilität in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Mehrebenen-Perspektive, Nische, Regime, Landschaft, Transition und radikale Innovation.
Warum ist das fossile Automobilitätsregime trotz ökologischer Nachteile so stabil?
Das Regime ist durch tief verwurzelte Pfadabhängigkeiten, Lock-in Effekte, etablierte Infrastrukturen sowie kulturelle Erwartungen (z.B. die "Rennreiselimousine") hochgradig stabilisiert.
Welche Rolle spielt die Politik bei diesem Übergang?
Die Politik fungiert als Akteur der Landschaftsebene, indem sie durch Regulierungen, Klimaschutzziele und Förderprogramme Spannungen erzeugt, die das bestehende Regime destabilisieren und Möglichkeitsräume für Innovationen öffnen.
- Arbeit zitieren
- Maike Weiss (Autor:in), 2014, Wie verläuft der Übergang von der fossilen Automobilität zur Elektromobilität? Das Konzept der Mehrebenen-Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338109