Die vorliegende Hausarbeit liefert eine Analyse des Selbstzeugnisses der Margarethe Elisabeth Milow. Besonders interessant ist, dass es sich hier um ein Stück Alltagsgeschichte handelt. Bereits die einleitenden Worte legen die Intention ihres Textes dar: Sie möchte ihre eigenen Lebenserfahrungen festhalten und mit ihrer Familie teilen, denn an diese ist ihr Text adressiert. Diese Intention charakterisiert den Text somit als Selbstzeugnis, man kann sogar weiter gehen und sagen, als Autobiographie. Die inhaltliche Trennung zwischen Selbstzeugnis und Autobiographie wird im ersten Teil des Hauptteiles dieser Arbeit näher betrachtet.
Wenn Margarethe Milow von einem Geschichtsbuch schreibt, dann meint sie nicht jenes, das in der Schule oder aber im Studium zur Hand genommen wird, sondern vielmehr ein Geschichtenbuch, das ihr Leben detailliert wiedergibt. Jedoch sehen wir eben dieses Buch heute aus einer ganz anderen Sicht, als es die ursprüngliche Intention der Milow gewesen war: Wir lesen es als eines der wenigen Zeugnisse bürgerlicher Hausfrauen, von deren Leben wir bis dato nur aus Nebenerwähnungen berühmter Männer erfahren haben. Daher widmet sich ein Kapitel dieser Arbeit der Frauen- und
Geschlechtergeschichte.
Die Untersuchung des Textes soll verschiedene Aspekte berücksichtigen: Es muss geklärt werden, inwiefern sich die Lebenserinnerungen ins Genre Selbstzeugnis einordnen lassen und welche forschungsrelevanten Probleme dabei auftauchen. Werden die Themen der Geschlechterordnungen sowie des Glücksbegriffes greifbar?
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung
1.1 Manuskript
1.2 Der dritte Teil des Manuskriptes
1.3 Schreibmotivation
2. Das Selbstzeugnis als Methode
2.1 Handlungsspielräume der bürgerlichen Frau im 18. Jahrhundert
2.2 Einfluss der Aufklärung
3. Margarethe Elisabeth Milow als Frau im Hamburg des 18. Jahrhunderts
4. „häusliches Glück – das größte Glück dieses Lebens“
5. Die Ehe der Milows und Geschlechterordnungen
5.1 Die von Männern gemachte Geschichte
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Selbstzeugnis von Margarethe Elisabeth Milow vor dem Hintergrund frühneuzeitlicher Geschlechterordnungen und Glückskonzeptionen, um die Lebensrealität und Handlungsspielräume bürgerlicher Frauen im 18. Jahrhundert zu beleuchten und kritisch einzuordnen.
- Analyse der Autobiographie von Margarethe Elisabeth Milow als historisches Selbstzeugnis
- Untersuchung der Definition und gesellschaftlichen Bedeutung von "häuslicher Glückseligkeit"
- Bewertung der Handlungsspielräume und Lebensbedingungen bürgerlicher Frauen im 18. Jahrhundert
- Reflektion über die männerdominierte Geschichtsschreibung und die Relevanz weiblicher Quellennachlässe
Auszug aus dem Buch
3. Margarethe Elisabeth Milow als Frau im Hamburg des 18. Jahrhunderts
Margarethe Elisabeth Milow schrieb den ersten Teil ihrer Autobiographie im Jahr 1778 nieder, also mit 30 Jahren. Daraus lässt sich schließen, dass ihre Erinnerungen an die Kinder- und Jugendzeit noch nicht verblasst waren, weshalb ihre Ausführungen sehr lebendig sind. Demnach kann die Darstellung Milows stellvertretend für die Handlungsspielräume junger Mädchen der ersten Generation des Hamburger Bürgertums angesehen werden. Im Folgenden steht die Glücksanalyse der Margarethe Milow im Fokus. Diese betrachtet den Lebensweg Margarethe Milows in einigen Stationen. Diese Analyse wird bei der Bedeutung Margarethe Elisabeth Milows Glücksbegriff hilfreich.
Margarethe Milow wuchs zusammen mit einem älteren Bruder und mehreren jüngeren Geschwistern in einer Kaufmannsfamilie auf. Sie wurde von ihren Eltern in einem Erziehungsstil erzogen, der für das damalige gehobene Bürgertum typisch war. In ihren Ausführungen zieht sie bereits Parallelen zu ihrer Mutter und reflektiert somit ihren Bildungsgrad:
„Meine Mutter hatte nach der damaligen Gewohnheit in Hamburg die Töchter zu erziehen, Ordnung und Fleiß in häuslichen Geschäften und Handarbeit gelernt, etwas Schreiben, etwas Katechismus, Erkenntnis in der Religion, aber kaum konnte sie Hochdeutsch sprechen.[...]
Von der Zeit, da ich mich erinnern kann, ging ich in die Schule, um Lesen zu lernen. [...]“
Hier ist bereits zu erkennen, dass Margarethe im Gegensatz zu ihrer Mutter Hochdeutsch gelernt hat. Diese Fähigkeit ermöglicht ihr, das eigene Leben niederzuschreiben. Beispielsweise beschreibt Margarethe Milow, dass sie und ihre Geschwister kaum das Elternhaus verließen. Das ist wohl darauf zurück zu führen, dass die Eltern Sorge um die moralische (Miss-)Bildung ihrer Kinder außerhalb des eigenen Hauses hatten, wie Trepp ausführlich erläutert. Aus dieser Angst heraus ließen die Eltern ihre Kinder ständig beaufsichtigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung: Die Einleitung legt die Absicht der Autorin dar, ihre Lebensgeschichte als Selbstzeugnis für die eigene Familie festzuhalten und begründet die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung.
2. Das Selbstzeugnis als Methode: Dieses Kapitel diskutiert die theoretische Einordnung von Selbstzeugnissen und die methodischen Herausforderungen bei der Analyse subjektiver Lebensberichte von Frauen.
3. Margarethe Elisabeth Milow als Frau im Hamburg des 18. Jahrhunderts: Hier wird der Lebensweg und die Erziehung der Autorin im Hamburger Bürgertum dargestellt, wobei besonders auf ihre Bildung und die elterlichen Erziehungspraktiken eingegangen wird.
4. „häusliches Glück – das größte Glück dieses Lebens“: Dieser Abschnitt definiert das frühneuzeitliche Ideal der häuslichen Glückseligkeit und seine Bedeutung für die soziale Struktur des 18. Jahrhunderts.
5. Die Ehe der Milows und Geschlechterordnungen: Die Analyse der Ehe von Margarethe und Johann Nikolaus Milow verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen arrangierten Ehen und dem persönlichen Streben nach Liebe und Selbstbestimmung.
6. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der Bedeutung von Milows Selbstzeugnis für die Alltags- und Geschlechtergeschichte sowie der Notwendigkeit einer breiteren Erforschung solcher Quellen.
Schlüsselwörter
Selbstzeugnis, Autobiographie, Margarethe Elisabeth Milow, Frühe Neuzeit, Häusliche Glückseligkeit, Geschlechtergeschichte, Bürgertum, Aufklärung, Ehe, Alltagskultur, Frauenrolle, Familiengeschichte, Hamburg, Historische Frauenforschung, Geschlechterordnungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Bewertung des Selbstzeugnisses von Margarethe Elisabeth Milow, um Einsichten in das Leben, die Eheführung und die Glücksvorstellungen einer Frau des 18. Jahrhunderts zu gewinnen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Frauen- und Geschlechtergeschichte, der Definition von häuslicher Glückseligkeit im 18. Jahrhundert sowie der methodischen Erforschung autobiographischer Quellen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch die Analyse der Milowschen Quelle die Handlungsspielräume und Geschlechterrollen im Hamburger Bürgertum zu verstehen und zu prüfen, inwieweit das Selbstzeugnis von gängigen historischen Forschungsmustern abweicht.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin kombiniert eine quellenkritische Analyse des Selbstzeugnisses mit einem interdisziplinären Ansatz, der Erkenntnisse aus der Familiensoziologie und der Geschlechtergeschichte einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Einordnung von Selbstzeugnissen, die Darstellung der Lebensumstände der Autorin, die Analyse des Glücksbegriffs und die Untersuchung der ehelichen Strukturen in Bezug auf gesellschaftliche Machtverhältnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Selbstzeugnis, Häusliche Glückseligkeit, Geschlechtergeschichte, Frühe Neuzeit und Bürgerliches Leben im 18. Jahrhundert charakterisieren.
Welche besondere Bedeutung kommt dem dritten Teil des Manuskripts zu?
Der dritte Teil ist besonders wertvoll, da er bisher wenig erforschte Details zum alltäglichen Hausfrauenleben, zu Krankheitsbildern der Zeit und zur Rolle Gottes als Therapeut im Leben der Autorin liefert.
Wie bewertet die Arbeit die Ehe von Margarethe Elisabeth Milow?
Die Arbeit zeigt auf, dass die Ehe zwar arrangiert begann und zunächst von dem Wunsch nach einer Liebesheirat mit einem anderen Mann überschattet war, sich jedoch im Laufe der Zeit zu einer tief empfundenen Partnerschaft entwickelte.
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- Lisa Otto (Author), 2016, Glück und Geschlecht in der Frühen Neuzeit. Analyse und Bewertung des Selbstzeugnisses der Margarethe Elisabeth Milow, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338532