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Die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik von 2001 bis 2012 im Lichte des Zivilmachtkonzepts

Ein Erklärungsversuch

Titre: Die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik von 2001 bis 2012 im Lichte des Zivilmachtkonzepts

Mémoire de Maîtrise , 2013 , 106 Pages , Note: 1,5

Autor:in: Friedrich Seewald (Auteur)

Politique - Sujet: Politique étrangère allemande
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Résumé Extrait Résumé des informations

Mit dieser Arbeit soll die Rhetorik und das Verhalten der für die deutsche Sicherheitspolitik von 2001 bis 2012 relevanten Akteure aufbereitet und die deutsche Sicherheitspolitik erklärt werden. Als Grundlage hierzu dient der rollentheoretische Zivilmachtsansatz von Maull und Kirste. Dabei ist von Interesse, ob und ggf. inwieweit das deutsche Verhalten nach 9/11 noch einer idealtypischen Zivilmacht entspricht. Es wird auch untersucht, welche Kategorien oder Normen die deutsche Sicherheitspolitik seit 2001 bis heute prägen. Weiterhin soll überprüft werden, wo das außenpolitische Selbstverständnis, welches in der politischen Rhetorik der Entscheidungsträger zum Ausdruck kommt, vom Idealtypus abweicht. Damit zusammenhängend wird der Frage nachgegangen, wie sich das tatsächliche Verhalten von der Rhetorik und vom Idealtypus unterscheidet.

Das unilaterale Handeln des nationalsozialistischen Deutschlands hatte die Welt in den verlustreichsten Krieg der Menschheitsgeschichte und einen Völkermord gigantischen Ausmaßes geführt. Diese historischen Erfahrungen führten zur Etablierung einer politischen Kultur in Deutschland, die sich mit
den Begriffen Multilateralismus, Supranationalismus und Antimilitarismus umreißen lässt. Das deutsche außenpolitische Nachkriegsselbstverständnis schlägt sich in den außenpolitischen Grundprinzipien Kein deutscher Sonderweg, einer Kultur der Zurückhaltung, Nie wieder allein, Nie wieder
Auschwitz und Nie wieder Krieg nieder. Diese tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannten Normen und Werte haben die politisch Verantwortlichen nach 1945 enorm beeinflusst. Betrachtet man allerdings die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik nach der Wiedervereinigung, so ergibt sich auf den ersten Blick ein widersprüchliches Bild. Besonders das militärische Out-of-area-Engagement steht scheinbar konträr zum deutschen Zivilmachtsanspruch. Um diesen Widerspruch zu untersuchen und das Rollenkonzept sowie die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik auf den Zivilmachtsanspruch hin zu
überprüfen, müssen Beispiele gefunden werden, in denen der ideale Zivilmachtsanspruch und die reale deutsche Außen- und Sicherheitspolitik gegenübergestellt werden, um Übereinstimmungen oder auch Abweichungen sichtbar machen zu können. Um die Arbeit im vorgeschriebenen Umfang halten zu können, erfolgt hierbei eine Beschränkung auf lediglich zwei exemplarische Fallbeispiele. [...]

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Grundlegende Gedanken

1.2 Die erkenntnisleitende Fragestellung

1.3 Der Aufbau und die Methodik der Arbeit

1.4 Anmerkungen zum Forschungsstand

2 Konzeption und Historie des Zivilmachtmodells

2.1 Theoretischer Rahmen: Rollentheorie und Zivilmacht

2.2 Die Rollenkonzeption von Zivilmächten

2.2.1 Die historische Entwicklung des Zivilisierungskonzeptes

2.2.2 Zivilmachtsprinzipien

2.2.3 Wo Licht ist ist auch Schatten - der Zivilmachtsansatz in der Kritik

2.3 Die sicherheitspolitischen Definitionsmerkmale einer Zivilmacht

2.3.1 Die Ziele von Zivilmächten

2.3.2 Gewollte Reduzierung der nationalen Autonomie

2.3.3 Normdurchsetzung im Spannungsfeld der nationalen Eigeninteressen

3 Ein Blick zurück: Die Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland seit 1949 bis zum 11. September 2001

3.1 Deutschlands Einfluss auf die Europäische Union (EU)

3.2 Deutschlands Einfluss auf die North Atlantic Treaty Organization (NATO)

3.3 Deutschlands Einfluss auf die United Nations Organization (UNO)

3.4 Deutschland bis zum 11. September 2001 im Lichte des Zivilmachtskonzepts – eine erste Zwischenbilanz

4 Die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik nach 9/11 in concreto

4.1 9/11 und der plötzliche Beginn des Anti-Terrorkampfes

4.1.1 Die Erwartungen des US-amerikanischen Alter-Parts

4.1.2 Die deutsche Rhetorik anlässlich 9/11

4.1.3 Die öffentliche Meinung in Deutschland nach 9/11

4.1.4 Das deutsche Verhalten in global relevanten Institutionen

4.1.5 Deutschland nach 9/11 im Anti-Terrorkampf im Lichte des Zivilmachtskonzepts – eine weitere Zwischenbilanz

4.2 Fallbeispiel Afghanistan und der Krieg am Hindukusch

4.2.1 Die Erwartungen des US-amerikanischen Alter-Parts

4.2.2 Die deutsche Rhetorik anlässlich des bevorstehenden Afghanistan-Krieges

4.2.3 Die öffentliche Meinung in Deutschland zum Afghanistan-Einsatz

4.2.4 Das deutsche Verhalten in verschiedenen Einsatzphasen

4.2.5 Der deutsche ISAF-Einsatz im Zangengriff internationaler Verplichtungen und nationaler Vorbehalte

4.2.6 Die Bundeswehr zwischen Anspruch und Wirklichkeit

4.2.7 Erkenntnisse aus dem deutschen Afghanistaneinsatz bezüglich des Zivilmachtsanspruchs

4.3 Fallbeispiel Irak und die Achse des Bösen

4.3.1 Die Erwartungen des US-amerikanischen Alter-Parts

4.3.2 Die deutsche Rhetorik zur Frage eines Kriegseinsatzes im Irak

4.3.3 Die öffentliche Meinung in Deutschland zum Irak-Einsatz

4.3.4 Das deutsche Verhalten in verschiedenen Phasen des Irak-Konflikts

4.3.5 Erkenntnisse aus dem deutschen Verhalten im Irak-Konflikt bezüglich des Zivilmachtsanspruchs

5 Fazit – Einsichten und Aussichten

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das deutsche sicherheitspolitische Verhalten von 2001 bis 2012, um zu klären, ob es weiterhin dem theoretischen Modell der Zivilmacht entspricht oder ob eine Transformation oder Abweichung erkennbar ist. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Spannungsfeld zwischen der außenpolitischen Rhetorik, den Erwartungen internationaler Akteure und dem tatsächlichen Handeln Deutschlands, insbesondere im Kontext von Militäreinsätzen.

  • Analyse der deutschen Sicherheitspolitik unter dem Zivilmachtkonzept
  • Untersuchung der Auswirkungen von 9/11 auf die deutsche Rollenkonzeption
  • Fallstudie: Der deutsche Einsatz in Afghanistan
  • Fallstudie: Die deutsche Positionierung zum Irak-Krieg
  • Bewertung der Rolle Deutschlands innerhalb von UNO, NATO und EU

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Die historische Entwicklung des Zivilisierungskonzepts

Zivilmächte streben die Zivilisierung der internationalen Beziehungen an. Der Idealtypus der Zivilmacht entstammt der Zivilisationstheorie von Norbert Elias. Er analysierte die gesellschaftliche Konditionierung vom Mittelalter bis in die Neuzeit, die sich in moralischen Strategien der Bedürfnis- und der Triebkontrolle äußert. Fortschreitende Rationalisierung und gesellschaftliche Verflechtung erzwingen die Affektkontrolle und Kontrolle aller Individuen einer Gesellschaft. Die zunehmende gesellschaftliche Interdependenz erfordert ein „berechenbares, reguliertes und kontrolliertes Verhalten jedes einzelnen.“ Individuelle Gewaltanwendung als Mittel der Konfliktlösung erscheint durch Lernprozesse und Sozialisation zunehmend inakzeptabel. Diese Entwicklung mündet schließlich in einer staatlich monopolisierten Gewaltanwendung und gewaltfreien Konfliktaustragung.

Elias macht diesen Prozess zur Grundlage einer analogen Betrachtung der Entwicklung internationaler Beziehungen. Er mutmaßt, dass die Bildung „eines irdischen Gewaltmonopols, eines politischen Zentralinstituts der Erde“, das der Pazifizierung der internationalen Beziehungen dient, eines Tages Realität werden könnte. Die wachsende globale Interdependenz wirkt sich zunehmend auf das Gewaltmonopol des Staates aus. Senghaas sieht daher im Zivilisationsprozess ein Instrument zur „Einhegung von Macht durch Verrechtlichung“ und zur „internationale[n] Etablierung friedlicher und institutionalisierter Konfliktregelung.“ Mit seinem zivilisatorischen Hexagon beschreibt er die wesentlichsten Merkmale nationalstaatlicher Zivilisierung. Er erweitert damit Elias’ Zivilisierungskonzept um die Dimensionen demokratische Partizipation, Gewaltmonopol, Interdependenzen / Affektkontrolle, Konfliktkultur, Rechtstaatlichkeit und soziale Gerechtigkeit.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik unter dem Zivilmachtskonzept ein, formuliert die zentrale Fragestellung und erläutert Methodik sowie Aufbau der Arbeit.

2 Konzeption und Historie des Zivilmachtmodells: Dieses Kapitel erarbeitet den theoretischen Rahmen anhand der Rollentheorie und definiert die sicherheitspolitischen Merkmale einer Zivilmacht, inklusive kritischer Perspektiven.

3 Ein Blick zurück: Die Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland seit 1949 bis zum 11. September 2001: Das Kapitel betrachtet die historische Entwicklung der deutschen Außenpolitik und deren Ausrichtung auf multilaterale Institutionen sowie die erste Zwischenbilanz im Zivilmachtkontext.

4 Die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik nach 9/11 in concreto: Dieses Kernkapitel analysiert das deutsche Verhalten nach den Terroranschlägen von 9/11 anhand der Fallbeispiele Afghanistan und Irak auf seine Zivilmachtskonformität hin.

5 Fazit – Einsichten und Aussichten: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, bewertet die Validität der Hypothesen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der deutschen Sicherheitspolitik.

Schlüsselwörter

Zivilmacht, Sicherheitspolitik, Rollentheorie, Außenpolitik, Bundeswehr, Afghanistan, Irak-Krieg, 9/11, Multilateralismus, NATO, EU, Vereinte Nationen, Konfliktprävention, Sicherheitsarchitektur, Normdurchsetzung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik zwischen 2001 und 2012 weiterhin als Zivilmacht im Sinne des theoretischen Zivilmachtkonzepts von Hanns W. Maull und anderen betrachtet werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung des Zivilmachtbegriffs, der Einfluss des 11. Septembers 2001 auf das deutsche Rollenverständnis und die empirische Überprüfung dieses Rollenkonzepts in den Institutionen EU, NATO und UNO.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, das tatsächliche Verhalten der relevanten Akteure mit der außenpolitischen Rhetorik und dem theoretischen Idealtypus einer Zivilmacht zu vergleichen, um Kontinuitäten und Brüche aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer rollentheoretischen Untersuchung und nutzt empirische Fallbeispiele, um das deutsche Handeln systematisch anhand von Bewertungskategorien zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse bis 2001 sowie zwei detaillierte Fallstudien nach 2001, welche den Militäreinsatz in Afghanistan und die Verweigerung der Teilnahme am Irak-Krieg behandeln.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zivilmacht, Rollentheorie, Multilateralismus, Krisenprävention, Sicherheitspolitik und die Analyse von Normen und Werten in der deutschen Außenpolitik charakterisiert.

Warum spielt das Fallbeispiel Afghanistan eine zentrale Rolle?

Afghanistan wird als eines der nationalen Spezifika beleuchtet, da es die Entgrenzung der deutschen Sicherheitspolitik und die wachsende Bereitschaft zu militärischen Beiträgen dokumentiert.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zum Irak-Konflikt?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Weigerung Deutschlands, am Irak-Krieg teilzunehmen, zwar zivilmachtskonform war, jedoch die transatlantischen Beziehungen belastete und eine Abkehr vom gewohnten multilateralen Stil darstellte.

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Résumé des informations

Titre
Die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik von 2001 bis 2012 im Lichte des Zivilmachtkonzepts
Sous-titre
Ein Erklärungsversuch
Université
University of Hagen  (Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften)
Cours
Internationale Konflikte und Kooperation
Note
1,5
Auteur
Friedrich Seewald (Auteur)
Année de publication
2013
Pages
106
N° de catalogue
V338704
ISBN (ebook)
9783668290112
ISBN (Livre)
9783668290129
Langue
allemand
mots-clé
Politik Magisterarbeit Deutsche Außenpolitik Internationale Konflikte und Kooperation Zivilmachtkonzept
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Friedrich Seewald (Auteur), 2013, Die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik von 2001 bis 2012 im Lichte des Zivilmachtkonzepts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338704
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Extrait de  106  pages
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