Die nachfolgende Master Thesis beschäftigt sich mit der derzeitigen Finanzierungssituation und den genutzten Finanzinstrumenten in Deutschland. Hierbei wird ein besonderes Hauptaugenmerk auf ein eher unbekanntes und noch vergleichsweise wenig genutztes Produkt „Finetrading“ gesetzt.
Im nachfolgenden Abschnitt wird zunächst die Problemstellung und Motivation für die Erstellung dieser Arbeit näher erläutert und die aktuellen Probleme im Bereich der Finanzierung beziehungsweise Finanzierungsinstrumente aufgeführt.
Anschließend werden noch der weitere Gang der Untersuchung und die Vorgehensweise während dieser Arbeit vorgestellt.
Zum Beginn dieser Arbeit wird zuerst die Problemstellung, die dieser Arbeit zu Grunde liegt, genauer dargestellt. Die derzeitige Finanzierungssituation in der deutschen Wirtschaft ist sehr unterschiedlich, große kapitalmarktorientierte Unternehmen haben die Möglichkeit sich sehr günstig und einfach am Kapitalmarkt zu finanzieren, hauptsächlich aufgrund der momentanen Niedrigzins- und Geldschwemmepolitik der EZB und FED. Wohingegen die Situation für kleinere Unternehmen, die keinen direkten Zugang zum Kapitalmarkt haben, die Situation etwas differenzierter zu betrachten ist.
Die Nachwirkungen der großen Finanz- und Wirtschaftskrise aus den Jahren 2008 und 2009 sind auch heute für viele Unternehmen noch deutlich zu spüren. Zum einen durch deutlich gestiegene Anforderungen seitens der Banken bezüglich Kreditgewährung, auch ausgelöst durch bevorstehenden neuen Basel III Vorschriften. Andererseits haben viele Unternehmen nach der Finanzkrise und den Erlebnissen währenddessen den Entschluss gefasst sich unabhängiger von den Banken zu finanzieren.
Aktuelle Befragungen und Analysen ergeben, dass nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen derzeit vor allem die eigene Innenfinanzierung, d.h. Thesaurierung von Gewinnen, zur Finanzierung nutzen und ansonsten der klassische Bankkredit weiterhin die erste Wahl bei der Fremdfinanzierung ist. Der klassische Bankkredit bleibt wichtigstes Finanzierungsinstrument, andere Instrumente bleiben entweder unverändert genutzt oder werden sogar weniger genutzt als vor der Finanzkrise.
Insgesamt wird eine noch stärker zunehmende Bedeutung der Innenfinanzierung erwartet, obwohl mittlerweile immer mehr verschiedene Finanzinstrumente zur Verfügung stehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Grundlagen der Finanzwirtschaftlichen Untersuchung
2.1 Entscheidungstheorie
2.2 Nutzwertanalyse
2.3 Kriterien für die Entscheidung bei der Nutzwertanalyse
2.3.1 Finanzierung und Liquidität
2.3.2 Supply Chain Finance
2.3.3 Working Capital Management
2.3.4 Rating
2.4 Darstellung des Finanzierungsmodells für die Supply Chain Kette
2.5 Finanzierungsalternativen anhand des Finanzierungsmodells für die Nutzwertanalyse
2.5.1 Finetrading
2.5.2 Bankkredit
2.5.3 Reverse Factoring
3. Analyse des Finetradings
3.1 Finanzwirtschaftlichen Analyse
3.1.1 Grundlagen der Finanzwirtschaftlichen Analyse
3.1.2 Finanzwirtschaftliche Analyse der Bilanz
3.1.3 Finanzwirtschaftliche Analyse der Gewinn- und Verlustrechnung
3.1.4 Zusammenfassung der Finanzwirtschaftlichen Analyse
3.2 Bewertung der Kriterien anhand der Nutzwertanalyse
3.2.1 Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung
3.2.2 Liquidität und Cash-Flow
3.2.3 Supply Chain Finance
3.2.4 Working Capital Management
3.2.5 Rating
3.2.6 Zusammenfassung der Nutzwertanalyse
4. Fazit und Handlungsempfehlungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vorteilhaftigkeit des Finanzierungsinstruments "Finetrading" für Unternehmen, insbesondere als ergänzendes Instrument zur klassischen Bankenfinanzierung. Die zentrale Forschungsfrage adressiert dabei, unter welchen Bedingungen Finetrading als sinnvolle Erweiterung der Finanzierungsstruktur bei gleichzeitiger Optimierung von Liquidität und Kapitalkosten eingesetzt werden kann.
- Analyse und Bewertung von Finetrading im Vergleich zu Bankkrediten und Reverse Factoring.
- Einsatz der Nutzwertanalyse als entscheidungstheoretisches Instrument zur objektiven Bewertung.
- Untersuchung der Auswirkungen von Finanzierungsinstrumenten auf Bilanzkennzahlen und Rating.
- Modellierung eines Finanzierungskonzepts entlang der Wertschöpfungskette für ein Musterunternehmen.
Auszug aus dem Buch
2.5.1 Finetrading
Finetrading oder teilweise auch eher bekannt als Supply-Chain Finanzierung ist eine bankenunabhängige Finanzdienstleistung, welche der Finanzierung von betrieblichem Umlaufvermögen dient. Finetrading ist hierbei eine Dienstleistung, die Unternehmen, die Waren oder Rohstoffe für ihre Produktion oder Leistungserbringung benötigen, ein professionelles Outsourcing des Einkaufs und die Harmonisierung von Zahlungszielen ermöglicht. Finanziert werden vornehmlich Vermögensgegenstände, die nur kurzfristig bilanziell aktiviert werden (Umlaufvermögen), also Waren, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe oder fertige/unfertige Erzeugnisse. Dabei ist Finetrading ein Phantasiewort, zusammengesetzt aus den englischen Worten „Finance“ und „Trade“.95
Die Funktionsweise des Finetradings ist, dass der Kunde, der Finanzierungsnehmer, in einer Dreiecksbeziehung zwischen Lieferant-Kunde-Finanzinstitut steht, wobei das Finanzinstitut (Finetrader) die Forderungen des Lieferanten regresslos ankauft und sie dann an den Kunden weiterfakturiert. Nachdem der Kunde den Wareneingang durch den Lieferanten dem Finetrader bestätigt hat, wird die Rechnung des Lieferanten sofort durch den Finetrader ohne Sicherheitsabschlag wie beim Factoring beglichen. Der Kunde wiederum erhält vom Finetrader ein verlängertes Zahlungsziel, welches in der Regel zwischen 90 und 120 Tagen liegt, die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Kunde durch den Finetrader kreditversichert werden kann ansonsten kann das Instrument Finetrading nicht vom Kunden genutzt werden. Für die Nutzung von Finetrading erhebt der Finetrader individuelle Gebühren, Stundungsgebühren, welche insbesondere von der Bonität und der Dauer der Nutzung abhängig sind. Zumeist setzen sie sich aus dem verhandelten Skonto und taggenauen Stundungsgebühren für das verlängerte Zahlungsziel zusammen.96 Das nachstehende Schaubild zeigt einmal kurz die Dreiecksbeziehung zwischen Kunde, Lieferant und Finetrader (WCF):
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die aktuelle Finanzierungssituation deutscher Unternehmen und führt in das Forschungsfeld sowie die Motivation zur Untersuchung von Finetrading ein.
2. Grundlagen der Finanzwirtschaftlichen Untersuchung: Es werden entscheidungstheoretische Konzepte wie die Nutzwertanalyse definiert und die zu untersuchenden Finanzierungsinstrumente sowie das Finanzierungsmodell des Musterunternehmens vorgestellt.
3. Analyse des Finetradings: In diesem Hauptteil wird eine finanzwirtschaftliche Simulation durchgeführt und die Vorteilhaftigkeit der Instrumente anhand der definierten Kriterien in einer Nutzwertanalyse bewertet.
4. Fazit und Handlungsempfehlungen: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt Empfehlungen zur praktischen Implementierung sowie zur Nutzung von Finetrading für Unternehmen ab.
Schlüsselwörter
Finetrading, Finanzwirtschaft, Nutzwertanalyse, Supply Chain Finance, Working Capital, Liquidität, Bankkredit, Reverse Factoring, Rating, Unternehmensfinanzierung, Investition, Bonität, Bilanzanalyse, Finanzkennzahlen, Betriebswirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master Thesis im Kern?
Die Arbeit analysiert die Vorteilhaftigkeit von Finetrading als alternatives Finanzierungsinstrument für Unternehmen, besonders vor dem Hintergrund der Einschränkungen bei traditionellen Bankkrediten.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Finanzwirtschaftliche Analyse, das Working Capital Management, die Supply Chain Finance sowie die Anwendung der Nutzwertanalyse zur Entscheidungsfindung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand eines Musterunternehmens aus der Industriemontage zu prüfen, ob Finetrading die Liquiditätssituation und das Rating durch eine Optimierung der Zahlungsströme verbessern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Nutzwertanalyse, um verschiedene Handlungsalternativen (Bankkredit, Finetrading, Reverse Factoring) objektiv anhand quantitativer und qualitativer Kriterien zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beinhaltet die finanzwirtschaftliche Modellierung der Auswirkungen von Finetrading auf Bilanz und G&V sowie eine detaillierte Bewertung dieser Effekte in der Nutzwertanalyse.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Finetrading, Nutzwertanalyse, Supply Chain Finance, Working Capital, Liquidität und Unternehmensfinanzierung charakterisieren.
Warum wird Finetrading als Handelsgeschäft und nicht als Bankgeschäft eingestuft?
Aufgrund der rechtlichen Struktur (Ankauf von Forderungen/Handelsgeschäft gemäß HGB) unterliegt Finetrading nicht der direkten Regulierung der BaFin, im Gegensatz zum Bankgeschäft.
Wie unterscheidet sich Finetrading vom Reverse Factoring für das Musterunternehmen?
Finetrading bietet eine höhere Flexibilität bei der Auswahl von Lieferanten und einen einfacheren Vertragsprozess, während Reverse Factoring eher bei großen Volumina und für etablierte Lieferantenbeziehungen mit Banken genutzt wird.
- Citar trabajo
- Jan Schmalen (Autor), 2016, Finanzwirtschaftliche Analyse des Finetradings, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338771