Nur wenig ist in Europa über den Westsaharakonflikt bekannt. Nachdem Marokko 1956 von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen wurde, verstärkte sich auch in dem sündlichen Teil des Landes, der Westsahara, der Widerstand gegen die spanische Besatzungsmacht. Auf Druck der Vereinten Nationen, Marokko und Mauretanien erklärte sich Spanien schließlich dazu bereit ein Referendum über den Status der Westsaharah durchzuführen. Seither liegt vieles im Unklaren. Während Marokko das rohstofreiche Gebiet für sich beansprucht, kämft die saharauische Widerstandsbewegung POLISARIO für die Unabhängigkeit der Region. Anstatt auf eine Lösung des Konflikts aktiv einzuwirken, wurden die Vereinten Nationen zunehmend in die Rolle eines Zuschauers gedrängt. Das Volk der Saharauris geriet zunehmend in Vergessenheit, doch werden nach wie vor bluten Kämpfe um das Land geführt. Diese Arbeit analysiert die Argumentationslinien beider Partein und hinterfragt die Rolle der Vereinten Nationen in diesem Konflikt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vom Kolonialtrauma zum Krisenherd
a. Der Rückzug der Kolonialmächte
b. Die Westsaharafrage
c. Der Grüne Marsch und seine Folgen
3. Der totgeschwiegene Konflikt
a. Der Prozess der sich selbst Überlassenen
b. Die ambivalente Haltung der UNO
c. Das vergessene Volk
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den langjährigen Westsaharakonflikt, beleuchtet dessen historische Genese ausgehend vom kolonialen Erbe bis hin zur aktuellen politischen Blockade und analysiert das Scheitern internationaler Vermittlungsbemühungen durch die Vereinten Nationen.
- Historische Entwicklung der Region unter spanischer und französischer Kolonialherrschaft
- Die Rolle des "Grünen Marsches" und die Auswirkungen auf den Gebietsanspruch Marokkos
- Die politische und völkerrechtliche Ambivalenz der UN-Resolutionen
- Die humanitäre Situation in den Flüchtlingslagern und der Widerstand des sahrauischen Volkes
- Einfluss ökonomischer Interessen auf die internationale Wahrnehmung und politische Entscheidungen
Auszug aus dem Buch
2.c) Der Grüne Marsch und seine Folgen:
In dem Aufruf vom 16. Oktober heißt es: „Geliebtes Volk, Du wirst alten marokkanischen Boden, der Dir seit jeher gehört, wieder in Besitz nehmen. Wir werden alle unbewaffnet sein, weil wir keinen Krieg mit Spanien wollen. [...] Ich werde der erste Freiwillige sein.“
Um sich der drohenden internationalen Kritik zu entziehen, suchte Hassan II. nach einer völkerrechtlichen Legitimation, die er mit den Worten „marokkanischen Boden, der dir seit jeher gehört“ zu finden hoffte. Dies hatte Erfolg! Denn anstatt Marokko eines Bruchs des Völkerrechts anzuklagen, wurde das Projekt auf internationaler Ebene mit einer ins Mitleid gehenden Skepsis aufgenommen (Perrault 1991).
Am Abend des 5. Novembers 1975, einen Tag vor Beginn des „Grünen Marsches“ wandte sich Hassan II. erneut an sein Volk. Die Worte „Morgen wirst du mit Gottes Willen die Grenze überschreiten [...]“ bringen ihm den letzten fehlenden Zuspruch des marokkanischen Volkes. Denn mit diesen Worten legitimierte er die Besitzansprüche Marokkos auf die Westsahara mit dem obersten Gebot, welches die Marokkaner kennen, mit Allah. Und so folgten dem Aufruf des Königs 350.000 marokkanische Bürger, die als freiwillige, unbewaffnete Pilger singend und betend in die ehemalige Kolonie einzogen. Hassan II. hatte es mit Hilfe seines Volkes geschafft, dem Urteil des Internationalen Gerichtshofs trotzend, die Westsahara friedlich zu besetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die völkerrechtliche Problematik des Westsaharakonflikts ein und verdeutlicht die Diskrepanz zwischen der langjährigen Konfliktdauer und dem fehlenden internationalen Lösungsfortschritt.
2. Vom Kolonialtrauma zum Krisenherd: Dieses Kapitel zeichnet den Rückzug der europäischen Kolonialmächte, den daraus resultierenden marokkanischen Gebietsanspruch sowie die Zuspitzung durch den "Grünen Marsch" nach.
3. Der totgeschwiegene Konflikt: Hier werden die massiven politischen Unterdrückungsmaßnahmen Marokkos gegen Aktivisten, die widersprüchliche Rolle der UNO bei den Referendumsbemühungen und die prekäre Lebenssituation der geflüchteten Sahrauis detailliert beschrieben.
4. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die internationale Gemeinschaft und insbesondere die UNO aus ökonomischen Gründen an einer Beibehaltung des Status quo interessiert sind, was den Konflikt weiterhin ungelöst lässt.
Schlüsselwörter
Westsahara, Frente POLISARIO, Marokko, Entkolonialisierung, Selbstbestimmungsrecht, UNO, Grüner Marsch, Flüchtlingslager, Völkerrecht, Hassan II., Sahrauis, Ressourcen, Geopolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit analysiert den historischen und politischen Kontext des Westsaharakonflikts, der seit Jahrzehnten als ungelöster Streit zwischen Marokko und der Frente POLISARIO um die Unabhängigkeit des Territoriums andauert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören das koloniale Erbe, die Rolle der Vereinten Nationen, der marokkanische Anspruch auf das Gebiet und die humanitären Folgen für die sahrauische Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Tiefe und Ambivalenz des Konflikts aufzuzeigen und zu erklären, warum trotz des anerkannten Selbstbestimmungsrechts bis heute keine dauerhafte friedliche Lösung erzielt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, die offizielle UN-Resolutionen, historische Berichte und politische Analysen zur Region auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der historischen Entwicklungen, den Prozess der politischen Unterdrückung sowie die kritische Auseinandersetzung mit den Vermittlungsbemühungen der internationalen Staatengemeinschaft.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wesentliche Begriffe sind Selbstbestimmung, Entkolonialisierung, Völkerrechtsbruch, geopolitische Interessen und die diplomatische Rolle der Vereinten Nationen.
Welche Rolle spielte der "Grüne Marsch" bei der Besetzung des Landes?
Der "Grüne Marsch" diente Hassan II. als strategisches Instrument, um mit 350.000 unbewaffneten Pilgern die Westsahara faktisch unter marokkanische Kontrolle zu bringen und dabei das Urteil des Internationalen Gerichtshofs zu umgehen.
Warum wird das sahrauische Volk als "vergessenes Volk" bezeichnet?
Die Bezeichnung resultiert aus der marginalen Beachtung durch die Weltöffentlichkeit und dem Ausbleiben politischer Taten, da ökonomische Interessen einflussreicher Mächte oft über dem Selbstbestimmungsrecht der Sahrauis stehen.
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- Jan Hutterer (Author), 2004, Der Westsaharakonflikt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33896