Bei der vorliegenden Quelle handelt es sich um die Heiratsurkunde der Theophanu. Sie wurde am 14. April 972 bei der Heirat Theophanus mit Otto II. verlesen und diente zugleich der Kaiserkrönung Theophanus.
Der politische Hintergrund spielt eine wichtige Rolle. Byzanz sah sich als legitimer Nachfolger im römischen Reich und wurde somit ein politischer Rivale und zugleich Vorbild für das westliche Kaiserreich. Otto I. ging es bei der Vermählung seines Sohnes Otto II. mit der Nichte des byzantinischen Kaisers Johannes I. Tzimiskes hauptsächlich um die Anerkennung seines abendländischen Kaisertums durch Byzanz und die Klärung der Grenzfrage in Süditalien.
Die Quelle ist ursprünglich in lateinischer Sprache verfasst worden und liegt nun zusätzlich als deutsche Übersetzung von Dieter Matthes vor. Die Urkunde ist komplett erhalten; als Vorlage diente wahrscheinlich die Heiratsurkunde der Adelheid, die 938 bei der Vermählung mit ihrem ersten Gemahl Lothar von Italien verlesen wurde. Nach dessen Tod heiratete Adelheid Otto I. Im Folgenden soll nun die Echtheit der Dotalurkunde geprüft werden, in Bezug auf die Ausschmückungen des Dokumentes, die Vorlage der Adelheidurkunde und den fehlenden Siegelabdruck auf der originalen Urkunde. Kann die Urkunde als ein Original gewertet werden?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Heiratsurkunde der Theophanu
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Echtheit der Heiratsurkunde der Theophanu aus dem Jahr 972. Dabei wird das Dokument einer kritischen Analyse unterzogen, um zu klären, ob es sich trotz fehlendem Siegel und spezifischer Gestaltung um ein Original handelt oder lediglich um eine prunkvolle Abschrift.
- Historischer Kontext der Vermählung von Otto II. und Theophanu
- Vergleichende Untersuchung zur Heiratsurkunde der Adelheid
- Analyse der materiellen Beschaffenheit und Gestaltung (Purpururkunde)
- Diskussion der fachwissenschaftlichen Echtheitsdebatte
- Bedeutung der Urkunde für die byzantinisch-ottonischen Beziehungen
Auszug aus dem Buch
Die Heiratsurkunde der Theophanu
Die Hochzeit zwischen Otto II. und Theophanu fand am 14. April 972 in der Apostelkirche von Rom statt. Die Trauung wurde von Papst Johannes XIII. vollzogen. Wer der Verfasser der Urkunde ist, ist in der Wissenschaft umstritten. Walter Deeters nennt den Kanzler Willigis (969 Berater Ottos II.; 971 Kanzler; enge Verbindung zu Theophanu) und Gerbert von Aurillac (Gelehrter in Rom; beherrschte Latein; enge Verbindung zu Theophanu). Werner Ohnsorge hält dagegen an Liudprand (Bischof; intimster Vertrauter Ottos I.) fest.
Die originale Urkunde ist in goldenen Minuskeln auf purpurnen Grund geschrieben und wird somit als Purpururkunde bezeichnet. Sie ist aus drei Pergamentstücken zusammengesetzt und misst die Maße 144,5 x 39,5 cm. Der Purpurgrund ist mit Medaillonbildern verziert, die in einer Doppelreihe fortlaufen und abwechselnd Tierbilder zeigen. Ein Greif steht über einer Hirschkuh, dann folgt ein Löwe über einem Stier. Den Abschluss bilden eine 2cm hohe goldene Kopfleiste, die sieben Medaillons heiliger Personen zeigt und eine geschlossene Zierleiste am Ende der Urkunde.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Heiratsurkunde der Theophanu ein, erläutert den politisch-historischen Kontext der ottonisch-byzantinischen Beziehungen und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Echtheit des Dokuments.
Die Heiratsurkunde der Theophanu: In diesem Kapitel werden die Entstehungsbedingungen, die materielle Beschaffenheit sowie ein strukturierter Vergleich mit der Adelheidurkunde durchgeführt, um die Argumente der Echtheitsdebatte zu beleuchten.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Indizien trotz fehlender Siegel eine Deutung als Original stützen.
Schlüsselwörter
Theophanu, Otto II., Heiratsurkunde, Mittelalter, Byzanz, Ottonen, Purpururkunde, Diplomatik, Adelheidurkunde, Echtheitsprüfung, 972, Historische Quelle, Kaiserin, Urkundenwesen, Mittelalterliche Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Einordnung und der Echtheitsprüfung der Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu aus dem Jahr 972.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die diplomatische Analyse des Dokuments, der Vergleich mit der Heiratsurkunde der Adelheid sowie die kunsthistorische Betrachtung der sogenannten Purpururkunde.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die überlieferte Urkunde als Original zu bewerten ist oder lediglich als prunkvolle Abschrift aus späterer Zeit betrachtet werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt die historische Quellenkritik und vergleichende Urkundenanalyse, um philologische und materielle Merkmale des Dokuments gegen die Thesen der älteren Forschung abzuwägen.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung, die Gestaltung, die Ähnlichkeiten zu Vorurkunden sowie die strittige Frage des fehlenden Siegels.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Theophanu, Purpururkunde, Ottonen, Byzanz, Diplomatik und Quellenkritik.
Warum spielt die Adelheidurkunde eine so wichtige Rolle?
Sie dient als direkter struktureller Vergleichspunkt, da ihr Wortlaut an vielen Stellen mit der Urkunde der Theophanu übereinstimmt, was Rückschlüsse auf die Vorlagengestaltung zulässt.
Wie wird das fehlende Siegel in der Arbeit bewertet?
Die Autorin argumentiert gestützt auf neuere Forschung, dass das Siegel wahrscheinlich bei der Öffnung der ursprünglich gerollten Urkunde verloren ging, anstatt das Fehlen als Beweis für eine Abschrift zu werten.
Welche Rolle spielte der politische Hintergrund bei der Gestaltung der Urkunde?
Die prunkvolle Gestaltung im byzantinischen Stil diente als Ehrerweisung gegenüber Byzanz und sollte den Anspruch auf Anerkennung des westlichen Kaisertums unterstreichen.
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- Maike Gecks (Author), 2009, Die Heiratsurkunde der Theophanu. Kann die Urkunde als ein Original gewertet werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339003