Edward Saids „Orientalism“ und die St. Louis Purchase. In wie weit kann Musik eine Rolle bei der Konstruktion des Orients spielen?


Essay, 2014
21 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Edward Said und sein Werk „Orientalism“

Die Louisiana Purchase in St. Louis 1904

Spielt Musik eine Rolle bei der Konstruktion des Orients?

Edward Said schrieb 1978 sein Werk „Orientalism“, das in 26 Sprachen übersetzt wurde. In diesem kritisiert er die Bestrebungen des Westens den Osten, den Orient, bildlich darzustellen ohne jemals diesen besucht zu haben und die Hierarchisierung mit der Selbstsicht des Westen als höherwertig und der Aussage, dass der Orient minderwertig wäre. In meiner Hausarbeit möchte ich zunächst Edward Said und seine Kritik und Ideen vorstellen, dann kurz auf meine Fallstudie der St. Louis Purchase 1904 zu sprechen kommen und schließlich mit der Betrachtung enden, welche Rolle die Musik im Orientalismus spielt.

Edward Said und sein Werk „Orientalism“

Edward Wadie Said wurde am 1. November 1935 in Jerusalem geboren als Kind palästinensischer Christen. Seine Kindheit verbrachte er in Jerusalem und in Ägypten. Er erhielt eine europäisch geprägte Ausbildung, unter anderem, weil sich Jerusalem zu dieser Zeit unter britischer Herrschaft befand und Ägypten noch sehr unter britischem Einfluss stand. Dadurch hatte er eine ambivalente Sichtweise, da er durch seine Herkunft und seine Bildung sowohl eine westliche als auch eine „orientalische“ Meinung vertreten kann und so beide Positionen nachvollziehen kann. Da sein Vater im ersten Weltkrieg Mitglied der U.S. Army war, besaß Said die amerikanische Staatsbürgerschaft, dank der er in den USA Literaturwissenschaft studieren konnte. Nach seinem Studium lehrte er als Professor für vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University in New York und in Harvard und Yale. Er starb am 25. September 2003 in New York.[1]

Als sein bekanntestes Werk kann man sicherlich den 1978 veröffentlichten „Orientalism“ sehen. Dieses ist als Teil einer vom ihm gedachten Triologie entstanden, die in Verbindung zueinander stehen. Zu dieser gehört neben „Orientalism“ noch „Covering Islam“ und „The Question of Palestine“. Seit der Veröffentlichung wurde der „Orientalism“ in 26 Sprachen übersetzt, was den Bekanntheitskreis noch erweiterte.[2] In einem Interview sagte Said, dass es zwei Gründe zum Schreiben des „Orientalism“ gegeben hätte: einmal den Arabisch-Israelitischen Krieg 1973, bei dem eine Menge Bilder der einzelnen Mächte durch die Presse gingen, mit denen Edward Said alles andere als einverstanden war. Er bezeichnet dies als einen Impuls zum Schreiben. Zum anderen seine persönliche Vergangenheit einerseits als Araber und die Darstellung der Araber in den Medien und in der Kunst andererseits.[3]

Zweifelsohne haben die auf die Veröffentlichung folgenden Diskussionen und Rezensionen zu einer Steigerung der Bekanntheit auch im Ausland beigetragen.

Einige klassische Wissenschaftler verteidigten die Wissenschaft der Orientalistik. Ein Vorwurf war, dass Saids Meinung keinesfalls der Meinung der Allgemeinheit entsprechen würde. Er stieß so auf heftigen Widerstand. Es wird angezweifelt ob es reicht Sympathie für ein Land zu empfinden um es sachlich erkennen zu können oder ob es eher negativ für eine objektive Beschreibung ist, das Land und die Kultur zu mögen. Einer seiner Kritikpunkte, dass es sich bei dem Orient, wie er im Orientalismus beschrieben wird, um ein statisches Gebilde handeln würde, wird als Kritik an Saids orientalistischem Diskurs genannt, dass sich dieser seit 1798 nie geändert habe und seit dem gleich „negativ“ agiert. Veränderungen sollen nicht von ihm einbezogen werden. Auch schreibe er den Orientwissenschaftlern einen zu großen Einfluss zu, der Diskurs wäre eher durch die nicht beruflich involvierten Menschen vorangetrieben worden als durch die beruflichen Orietalismuswissenschaftler. Es könnten darüber hinaus seine als typisch westlich bezeichneten Verhaltensweisen sehr ähnlich auch in den orientalischen Ländern gesehen werden, was seinen Vergleich entkräften würde. Ferner wird sein Bild vom Westen als sehr naiv und vereinfacht gesehen und scharf kritisiert, dass er das Sprechen vom „Wesen des Orients“ strikt ablehnt, sich weigert davon auszugehen, dass es so etwas geben kann und es als ein Ausdruck des Orientalismus sieht, selbst aber selbstverständlich von einem „Wesen des Westen“ ausgeht. Er ginge auch davon aus, dass der Orient wehrlos sei und Hilfe brauchen würde, unterschlägt aber die Bemühungen um Eigenständigkeit der Einheimischen. Auch sei der Orient nicht das einzige Ziel von europäischen Fremdheitsgefühlen, da es darüber hinaus auch innereuropäische Diskurse gäbe.[4]

Kritik erhielt Said auch von Wissenschaftlern anderer Fachrichtungen. Das Hauptargument gegen Said ist, dass er alle Europäer verallgemeinert und jeden der sich zum Orient geäußert hat, automatisch zum Rassisten und Ethnozentristen erklärt. Er blendet die aus, die sich anders verhalten haben. Desweiteren wird ihm vorgeworfen die Begrenzung von Ost und West, durch sein Buch erst recht festzuschreiben, anstatt sie, wie erwünscht, aufzulösen. Er stellt die Trennung nicht in Frage, sondern lässt sie in seiner Kritik so bestehen. Auch wird an ihm kritisiert, dass er selbst viel kritisiert, aber selbst mit Kritik nicht umgehen kann.[5] Teils kam auch Kritik von Ländern aus dem Nahen Osten, die Said vorwarfen den Westen schlimmer dazustellen, als er tatsächlich ist.

Es gab aber auch viele Menschen, die mit Saids Meinung durchaus einverstanden waren, es kann also nicht von einer Widerlegung von Said gesprochen werden.[6] So kam es das eine Reihe von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich gegen ihre Fachrichtungen auflehnten und für eine Überprüfung von alt hergebrachten Meinungen und Lehrinhalten plädierte. Es entwickelte sich auch eine Strömung, die Edward Saids Buch gegenüber genau so offen eingestellt war wie die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die so genannten postcolonial studies. Diese sind inzwischen an einigen Universitäten im „Westen“ vertreten und sehen Edward Saids „Orientalism“ als ihre Gründungsschrift. Sie waren der Meinung, dass die „westlichen Dominanzansprüche gegenüber dem Rest der Welt am besten in Gestalt von Texten des kolonialen Zeitalters analysiert und entlarvt werden können“[7] Sie studierten koloniale Diskurse und Repräsentationen und trugen erheblich dazu bei, dass bei Debatten über den Imperialismus nicht mehr nur Karl Marx zu Rate gezogen wurde, sondern fortan Michel Foucault. Es wurden erstmals Verbindungen zwischen gender und der westlichen Vorherrschaft gezogen.[8]

Auch aus dem Nahen Osten erhielt Edward Said positive Resonanz. Der irakische Philosoph und Literaturwissenschaftler Muhammad al-Daami verallgemeinerte Saids Kritik, in dem er die Konstruktion des Orients nicht mehr nur noch mit dem Kolonialismus in Verbindung brachte, sondern in Verbindung mit der Herausbildung des Islams brachte. Auch die Regierungen beschäftigten sich mit Saids Thesen und nutzten sie teils um Kritik an ihrem Staat als orientalistisch abzutun. Ferner wurde Saids Ansatz auch auf andere Disziplinen übertragen, wie die Indologie, Sinologie und die Japanologie. In Deutschland wurde eher wenig über Edward Said diskutiert. Wenn dann in kleinerem Kreis. Es kam nie zu großen Debatten.[9]

Edward Said kritisiert in seinem Werk die Orient – Bilder, die die westliche Wissenschaft und die Kunst hervorgebracht haben und die geglaubt werden und für reale Bilder des Orients gehalten werden. Er ist der Meinung, dass der Westen ununterbrochen einen Monolog über den Orient führen würde. Ausdrücklich ablehnend steht er der Vorstellung gegenüber, selbst ein Bild des Orients zu zeichnen. Saids zentrales Anliegen ist es zu verdeutlichen, dass das Selbstbild Europas als rationaler und aufgeklärter Kontinent nur dann funktionieren kann, wenn es ein „Anderes“ gibt von dem sich abgegrenzt werden kann und die Position der Europäer gestärkt werden kann. Diese Abgrenzung ist Teil einer Hierarchie. So existiert ein positiver und der im gegenüber stehende negative Pol. Said wird als der Erfinder des Begriffs „Orientalismus“ gesehen und sein Werk als prägend für einige wissenschaftliche Fachrichtungen.[10] Er sieht den Anfang des Orientalismus-Diskurses im 19. Jahrhundert, weshalb er die Zeit davor ausblendet und in seinem Buch nicht erwähnt. Allerdings sieht er am Ende des 18. Jahrhundert einige Merkmale, die auf eine Vorbereitungszeit des Orientalismus schließen lassen. Zum einen begannen Expansionsbestrebungen über die islamischen Länder heraus, die den Horizont für neue Länder und Kulturen erweiterten. Zum anderen wurden eine historische Anthropologie und eine vergleichende Geschichte entwickelt und so vermehrt die neu entdeckten Kulturen mit der eigenen Kultur verglichen. Durch Johann Gottfried Herder und Giambattista Vico entwickelte sich ein Historismus, nach dem jede Kultur ihr eigenes Recht hat und ihren eigenen Zusammenhang. Ende des 18. Jahrhunderts fanden die Uraufführungen von Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ und „Die Zauberflöte“, in denen mit Osmin und Monostatos jeweils ein Orientale dargestellt wird und dessen vermeintliche Fremdheit, Exotik, Macht, aber auch Komik verbildlich wird. Auch die Sexualität und Gewalt spielt bei der Darstellung des Orients eine Rolle, wobei die Sexualität in beiden Werken nur eine geringe Rolle spielt, während die Gewalt als stets präsent angesehen werden kann. Neben dem Entstehen von Ablehnung seitens der Zuschauer und Zuhörer, wird teilweise auch Sympathie für den „Fremden“ erweckt. Allerdings muss hier ausdrücklich betont werden, dass der Mohr schon lange vor Mozart Inhalt von Theaterstücken war, was Said nicht erwähnt. Begonnen hat diese Entwicklung schon im 16. Jahrhundert.[11]

[...]


[1] Geschrieben mit Edward Said – Biography, Hänel (2004) S. 1

[2] Geschrieben mit Schmidinger S. 1

[3] Talreja S. 2

[4] Geschriebn mit Schmidinger S. 1-2

[5] Geschrieben mit ebd.

[6] Vgl. Osterhammel S. 604

[7] Osterhammel S. 597

[8] Geschrieben mit ebd. S. 597f.

[9] Vgl. ebd. S. 598

[10] Geschrieben mit Schmidinger S.1

[11] Geschrieben mit Hoffmann (2006?) S. 1 f.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Edward Saids „Orientalism“ und die St. Louis Purchase. In wie weit kann Musik eine Rolle bei der Konstruktion des Orients spielen?
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Musikwissenschaft)
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V339341
ISBN (eBook)
9783668292819
ISBN (Buch)
9783668292826
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Orientalism, Orientalismus, Edward Said, St. Louis Purchase, Musik im Orientalismus
Arbeit zitieren
Jennifer Böker (Autor), 2014, Edward Saids „Orientalism“ und die St. Louis Purchase. In wie weit kann Musik eine Rolle bei der Konstruktion des Orients spielen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339341

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