Edward Said schrieb 1978 sein Werk „Orientalism“, das in 26 Sprachen übersetzt wurde. In diesem kritisiert er die Bestrebungen des Westens den Osten, den Orient, bildlich darzustellen ohne jemals diesen besucht zu haben und die Hierarchisierung mit der Selbstsicht des Westen als höherwertig und der Aussage, dass der Orient minderwertig wäre.
In meiner Arbeit möchte ich zunächst Edward Said und seine Kritik und Ideen vorstellen, dann kurz auf meine Fallstudie der St Louis Purchase 1904 zu sprechen kommen und schließlich mit der Betrachtung enden, welche Rolle die Musik im Orientalismus spielt.
Inhaltsverzeichnis
Edward Said und sein Werk „Orientalism“
Die Louisiana Purchase in St. Louis 1904
Spielt Musik eine Rolle bei der Konstruktion des Orients?
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Edward Saids „Orientalismus“-Kritik zur Konstruktion eines westlich geprägten Orientbildes unter besonderer Berücksichtigung der Weltausstellung von St. Louis 1904 und der Rolle musikalischer Repräsentationen.
- Kritische Analyse von Edward Saids „Orientalism“ als zentrales theoretisches Werk.
- Untersuchung der Weltausstellung St. Louis 1904 als Fallbeispiel für koloniale Fremdheitskonstruktionen.
- Erforschung der Funktion von Musik bei der Ausgestaltung orientalischer Stereotype.
- Diskussion über Machtverhältnisse, Wissen und die Darstellung des „Anderen“ im westlichen Diskurs.
Auszug aus dem Buch
Spielt Musik eine Rolle bei der Konstruktion des Orients?
Die Musik spielt eine sehr große Rolle bei der Konstruktion eines Bildes vom Orient, da durch sie eine große Anzahl von Menschen erreicht werden kann, besonders die, die eine Vorliebe für Musik und Theater haben und der Literatur etwas kritischer gegenüber stehen. So können auch Kinder erreicht werden, die noch nicht lesen können, aber im Theater, um beim Beispiel vom Anfang meiner Hausarbeit zu bleiben, den Osmin in „Die Entführung aus dem Serail“ sehen und an ihm das Bild eines zwar komischen, doch massiv gewaltverherrlichenden Mann sehen und dies zu ihrem Bild des Orient machen. Er ist Aufseher im Serail von Bassa Selim. Ein Beispiel für die Darstellung des Osmins ist am Anfang von „Die Entführung aus dem Serail“ zu finden. Dort ist seinerseits eine deutliche Gewaltneigung erkennbar, die in seiner folgenden Arie ihren Höhepunkt findet:
„Erst geköpft, dann gehangen,
dann gespießt auf heiße Stangen;
dann verbrannt, dann gebunden,
dann getaucht, zuletzt geschunden.“
Sein Zorn und seine Gewaltbereitschaft lassen ihn sehr dominierend wirken und gleichzeitig aber auch unberechenbar, da er sehr cholerisch ist und sehr unbeherrscht und da es den Menschen, die seinen Zorn auf sich ziehen, nicht zwangsläufig bewusst ist, welches Maß seine Wut erreicht hat. Diese Gewaltbereitschaft kann auch als Sadismus gewertet werden, der sich zirkulär durch das Singspiel zieht, da er am Anfang und auch am Ende des Singspiels zu finden ist. Am Ende als Bassa Selim Konzerte, Belmonte, Blonde und Pedrillo begnadigt hat, beharrt Osmin wütend auf seiner Meinung und wiederholt seine Tötungsabsicht.
Zusammenfassung der Kapitel
Edward Said und sein Werk „Orientalism“: Dieses Kapitel führt in die Person Edward Said und sein 1978 veröffentlichtes Hauptwerk ein, wobei der Fokus auf seiner Diskursanalyse und der Kritik an der westlichen Sicht auf den Orient liegt.
Die Louisiana Purchase in St. Louis 1904: Hier wird die Weltausstellung in St. Louis als konkretes Fallbeispiel analysiert, um zu zeigen, wie koloniale Machtansprüche und die Zurschaustellung fremder Kulturen funktionierten.
Spielt Musik eine Rolle bei der Konstruktion des Orients?: Der abschließende Teil untersucht, wie Musik und Theater genutzt wurden, um stereotype Orientbilder zu festigen und wie diese unbewusst die Wahrnehmung des „Fremden“ beeinflussen.
Schlüsselwörter
Orientalismus, Edward Said, St. Louis Purchase, Weltausstellung, Diskursanalyse, Kolonialismus, kulturelle Konstruktion, Musikwissenschaft, Fremdheitsgefühl, Machtverhältnisse, Repräsentation, Identität, Postcolonial Studies.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die theoretische Kritik von Edward Said am „Orientalismus“ und wendet diese Erkenntnisse auf historische Ereignisse sowie musikalische Repräsentationen des Orients im Westen an.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die koloniale Konstruktion des „Orients“ als Gegenentwurf zum Westen, die wissenschaftliche und gesellschaftliche Rezeption von Saids Werk sowie die Rolle von Musik und Ausstellungen bei der Fremdheitsinszenierung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie westliche Diskurse – sei es durch Literatur, Wissenschaft oder Musik – aktiv ein verzerrtes und hierarchisiertes Bild des Orients konstruieren und aufrechterhalten haben.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Es wird eine überindividuelle Diskursanalyse angewandt, die sich an Michel Foucault orientiert, um Machtstrukturen innerhalb der orientalistischen Wissensproduktion aufzudecken.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Said’schen Kritik, die Untersuchung der Weltausstellung 1904 in St. Louis als praktisches Beispiel der Zurschaustellung und eine musikanalytische Betrachtung der Orientdarstellung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Zu den prägenden Begriffen gehören Orientalismus, koloniale Macht, diskursive Konstruktion, Identitätsbildung und kulturelle Repräsentation.
Inwiefern spielt die Weltausstellung von 1904 eine besondere Rolle für das Argument der Autorin?
Die Weltausstellung dient als physischer Ort, an dem die theoretische Kritik Saids – etwa die Zurschaustellung des „Anderen“ zur Unterhaltung der westlichen Bevölkerung – durch zeitgenössische Fotographien und Exponate anschaulich belegt werden kann.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit hinsichtlich der Funktion von Musik im Orientalismus?
Musik wird als ein besonders wirkungsvolles Medium eingestuft, da sie unbewusst Emotionen und Vorurteile beim Zuhörer verankern kann, ohne dass diese einer direkten rationalen Prüfung unterzogen werden.
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- Jennifer Böker (Author), 2014, Edward Saids „Orientalism“ und die St. Louis Purchase. In wie weit kann Musik eine Rolle bei der Konstruktion des Orients spielen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339341