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Die politische Legitimation der kolonialen Zivilisierungsmission Frankreich und Deutschland 1871-1914. Ein Vergleich

Titre: Die politische Legitimation der kolonialen Zivilisierungsmission Frankreich und Deutschland 1871-1914. Ein Vergleich

Dossier / Travail de Séminaire , 2016 , 27 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Mouna Benkaddour (Auteur)

Histoire de l'Allemagne - 1848, Empire, Impérialisme
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Die historische Forschung zum Kolonialismus hat immer wieder besonders die Rivalitäten zwischen Frankreich und Deutschland betont. Leicht vergessen wird dabei, dass die europäischen Staaten sich nicht nur zunehmend voneinander abgrenzen, sondern dass sie auch im Zuge von Globalisierungsprozessen sich vernetzen und sich sogar bezüglich kolonialer Praktiken und Ideen ähneln. Direkte Vergleiche oder gar eine Verpflechtungsgeschichte zwischen europäischen Kolonialmächten haben bis zum heutigen Standpunkt nur oberflächliche Beachtung gefunden, werden aber dennoch immer mehr in neuen Studien als eine Beziehungsgeschichte neu betrachtet.

Die Vorstellung einer „mission civilisatrice“ oder einer „zivilisatorischen Mission“ kann hierfür ein Beispiel sein. Als Legitimation von imperialer Herrschaft taucht das Konzept von der „Verbreitung höherer Kultur“ in französischer als auch in deutscher Kolonialpropaganda auf. Ideen von der Abschaffung der Sklaverei, die Etablierung eines Schul- und Gesundheitswesens, die Einführung von Menschenrechten oder der Aufbau von Infrastruktur begreifen vieler europäischer Kolonialmächte als die zivilisatorische „Mission“, die in vielerlei Hinsicht als scheinbare Beweggründe der Kolonisation dienten.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Naissance d’une mission

II. Das Bild der „unzivilisierten“ Völker

III. Politische Legitimation – Die Zivilisierungsmission im Spiegel von Parlaments- und Reichstagsdebatten

IV. Internationale Solidarität der Kolonisten im Namen der Mission

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht vergleichend die koloniale „Zivilisierungsmission“ des deutschen Kaiserreichs und der französischen Dritten Republik im Zeitraum von 1871 bis 1914. Ziel ist es zu hinterfragen, inwiefern dieses Konzept als moralische Legitimation für imperiale Herrschaft diente und wie es sowohl in deutschen Reichstagsdebatten als auch in französischen Parlamentsdiskursen instrumentalisiert wurde, um Machtansprüche und ökonomische Interessen zu stützen.

  • Vergleichende Analyse der Zivilisierungsmission in Deutschland und Frankreich
  • Die Rolle kolonialer Rhetorik bei der innenpolitischen Stabilisierung der Nation
  • Ökonomische Motive versus zivilisatorischer Sendungsanspruch
  • Internationale Kooperation und Solidarität der europäischen Kolonialmächte
  • Wahrnehmung und Konstruktion des „Anderen“ in kolonialen Diskursen

Auszug aus dem Buch

III. Politische Legitimation – Die Zivilisierungsmission im Spiegel von Parlaments- und Reichstagsdebatten

Aus dem soeben dargestellten Bild der „unzivilisierten Völker“ lässt sich vermuten, dass die zivilisatorische Mission von Frankreich und Deutschland gleichermaßen geteilt und ähnlich mit Fortschrittsoptimismus und wissenschaftlichen chauvinistischen Theorien legitimiert wird. Daher scheint eine gemeinsame Vorgehensweise in den Kolonien für angebracht. Dennoch sprechen die nationale Agitation dieses Zeitraums und die daraus resultierenden Rivalitäten zwischen den beiden Staaten dagegen. So wird auf unterschiedlicher Weise versucht aus der Zivilisierungsmission ein nationales Sendungsbewusstsein zu schaffen. Reichskanzler Bülow betont demnach die Notwendigkeit des Kolonialismus mit nationalistischen Parolen: „Die Frage ist nicht ob wir kolonisieren wollen oder nicht; sondern wir müssen kolonisieren, ob wir wollen oder nicht. Der Trieb zur Kolonisation, zur Ausbreitung des eigenen Volkstums ist in jedem Volke vorhanden, [...] Darum war auch das deutsche Volk seit seinem Eintritt in die Weltgeschichte, seit 2000 Jahren ein kolonisierendes Volk, und wir werden ein kolonisierendes Volk bleiben, solange wir gesundes Mark in den Knochen haben.“

Etwas anders, aber ebenfalls mit dem nationalen Argument nutzt Jules Ferry die Mission, um an ein Sendungsbewusstsein Frankreichs zu appellieren: „Il faut se placer […] au point de vue d'une race supérieure qui ne conquiert pas pour son plaisir, dans les desseins d'exploiter le plus faible, mais bien de civiliser et de l’élever jusqu'à elle. […] Est-ce que quelqu'un peut nier qu'il y a plus de justice, plus d'ordre matériel et moral, plus d'équité, plus de vertus sociales dans l'Afrique du Nord depuis que la France a fait sa conquête“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Verflechtung der französischen und deutschen Kolonialpolitik und stellt die Forschungsfrage nach der Bedeutung der „Zivilisierungsmission“ als moralisches Legitimationsinstrument.

I. Naissance d’une mission: Dieses Kapitel ordnet den Begriff der Zivilisierung historisch ein und reflektiert dessen enge, paradoxe Verbindung zur französischen Revolutionsideologie und Kolonisation vor 1871.

II. Das Bild der „unzivilisierten“ Völker: Hier werden die stereotypen Konstruktionen fremder Kulturen in der damaligen Öffentlichkeit und Wissenschaft sowie die utilitaristische Abgrenzung zwischen „zivilisierten Europäern“ und „unzivilisierten Fremden“ analysiert.

III. Politische Legitimation – Die Zivilisierungsmission im Spiegel von Parlaments- und Reichstagsdebatten: Das Kapitel untersucht, wie nationale Akteure in Frankreich und Deutschland das Sendungsbewusstsein und koloniale Rhetorik nutzten, um innenpolitische Zustimmung zu erlangen und nationale Größe zu konstruieren.

IV. Internationale Solidarität der Kolonisten im Namen der Mission: Die Untersuchung zeigt auf, dass trotz nationaler Rivalitäten eine transnationale Zusammenarbeit der europäischen Kolonialmächte stattfand, gestützt durch ein gemeinsames europäisches Überlegenheitsgefühl.

V. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Zivilisierungsmission ein wandelbares, europäisches Phänomen war, das vorwiegend dazu diente, ökonomische Interessen zu verschleiern und nationale Krisen durch das Projekt der Kolonisation zu kompensieren.

Schlüsselwörter

Kolonialismus, Zivilisierungsmission, mission civilisatrice, Deutsches Kaiserreich, Dritte Republik, Eurozentrismus, Sendungsbewusstsein, Parlamentarismus, Kolonialpolitik, Kulturhebung, Wirtschaftsinteressen, Rassismus, Transnationale Geschichte, Imperialismus, Sozialimperialismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch das Konzept der zivilisatorischen Mission als Legitimationsgrundlage für den Kolonialismus in Frankreich und Deutschland zwischen 1871 und 1914.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten zählen die Rhetorik der „Kulturhebung“, das Verhältnis von ökonomischen Interessen zu moralischen Begründungen sowie die transnationale Vernetzung der europäischen Kolonialmächte.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Ziel ist es, den Vergleich zwischen dem deutschen und französischen Kolonialdiskurs zu ziehen und aufzuzeigen, dass die „Zivilisierungsmission“ eher ein wandelbares Legitimationsinstrument für nationale Zwecke als ein einheitliches humanistisches Projekt war.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen Untersuchung von Parlaments- und Reichstagsdebatten sowie kolonialer Publizistik der Zeit.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Konstruktion des „Anderen“, der Instrumentalisierung nationaler Identität durch Kolonialpolitik und der Rolle der Zivilisierungsmission als politisches Ventil in Krisenzeiten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen Eurozentrismus, Sendungsbewusstsein, utilitaristische Kulturmission, wirtschaftliche Erschließung und transnationale Solidarität.

Wie unterschied sich die deutsche von der französischen Herangehensweise an die Mission?

Während Frankreich die Mission stark mit dem universellen Erbe der Revolution verknüpfte, betonte Deutschland eher die nationale Aufgabe der „Kulturhebung“, wobei beide Länder das Konzept flexibel für ökonomische Ziele nutzten.

Welche Rolle spielten wirtschaftliche Motive bei der Legitimation der Kolonien?

Wirtschaftliche Interessen standen in der Realität meist über den humanitären Versprechen; die Rhetorik der Zivilisierung wurde gezielt eingesetzt, um diese ökonomischen Absichten zu kaschieren oder als Wohltat für die Eingeborenen umzudeuten.

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Résumé des informations

Titre
Die politische Legitimation der kolonialen Zivilisierungsmission Frankreich und Deutschland 1871-1914. Ein Vergleich
Université
Ruhr-University of Bochum  (Historisches Institut)
Cours
Hauptseminar: Frankreich und Deutschland 1870-1914: eine histoire croisé der Dritten Republik und des Kaiserreichs
Note
1,7
Auteur
Mouna Benkaddour (Auteur)
Année de publication
2016
Pages
27
N° de catalogue
V339388
ISBN (ebook)
9783668295988
ISBN (Livre)
9783668295995
Langue
allemand
mots-clé
Zivilisierung Kolonialisierung Frankreich Deutschland Kulturmission mission civilisatrice
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Mouna Benkaddour (Auteur), 2016, Die politische Legitimation der kolonialen Zivilisierungsmission Frankreich und Deutschland 1871-1914. Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339388
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Extrait de  27  pages
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