Der Fußfall von Chiavenna gehört zu einer der bekanntesten Episoden des deutschen Mittelalters und wurde mannigfaltig rezipiert. Die Berichte divergieren erheblich in ihren Angaben über Ort und Zeitpunkt, sowie Ablauf und wurden in der Forschung deswegen besonders kontrovers diskutiert.
In dieser Hausarbeit sollen die verschiedenen Quellen dargestellt und auf ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten untersucht werden. Dies sind Arnolds von Lübeck „Chronica Slavorum“, Gisleberts von Mons „Chronicon Hanoniense“, Die Chronik Ottos von St. Blasien, Die Weltchronik Burchards von Ursberg, Die Marbacher Annalen, sowie die Annales Stadenses von Albert von Stade.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Quellen
2.1. Arnolds von Lübeck „Chronica Slavorum“
2.2. Gisleberts von Mons „Chronicon Hanoniense“
2.4. Die Weltchronik Burchards von Ursberg
2.5. Die Marbacher Annalen
2.6. Die Annales Stadenses von Albert von Stade
3. Zusammenfassung der Quellen
4. Vergleiche der Quellen
5. Alte Forschung
6. Neue Forschung
7. Die Beurteilung der „Chronica Slavorum“ Arnolds von Lübeck
8. Die alte und neue Forschung im Vergleich
9. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die widersprüchlichen Quellenberichte über den sogenannten „Fußfall von Chiavenna“ und analysiert kritisch den Wandel der Forschungsmeinungen von der älteren zur neueren Geschichtsschreibung hinsichtlich der Historizität, der Motive und der Bedeutung dieses Ereignisses für den Sturz Heinrichs des Löwen.
- Quellenkritische Analyse mittelalterlicher Chroniken
- Gegenüberstellung älterer und neuerer Forschungsparadigmen
- Rekonstruktion der Ereignisse und deren historischer Kontext
- Diskussion über die Funktion von Geschichtskonstruktionen und Propaganda
- Untersuchung der Bedeutung von Goslar und der Macht der Fürsten
Auszug aus dem Buch
Die Chronik Ottos von St. Blasien
Die Chronik von St. Blasien gilt als eine Weiterführung der Chronik Ottos von Freising, sowie Rahewins Gesta Friderici, die seine Quelle bis 1160 bildet. Er schrieb sein Werk frühestens um 1209/10, in dem die Reichsgeschichte von 1146 bis 1209 behandelt wird. Die Identifizierung des Chronisten, der im frühen 13. Jahrhundert als Mönch im Kloster in St. Blasien im Schwarzwald lebte, mit dem Abt Otto I. ist jedoch nicht nachzuweisen. Sein Bericht zum Fußfall von Chiavenna beruht auf mündlichen Informationen, die er von alemannischen Teilnehmern an den Italienzügen erhalten haben soll. Die Staufer genießen bei ihm großes Ansehen. Seine Einstellung Barbarossa gegenüber ist loyal, ohne dabei panegyrisch zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Relevanz des Fußfalls von Chiavenna sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Die Quellen: Vorstellung der verschiedenen mittelalterlichen Chroniken, die über den Vorfall berichten, einschließlich einer ersten quellenkritischen Einordnung.
3. Zusammenfassung der Quellen: Resümierende Darstellung der Berichte und der wesentlichen Unterschiede in den historischen Schilderungen.
4. Vergleiche der Quellen: Synoptischer Vergleich der Quellen hinsichtlich Ort, Zeit, Ablauf und der Bedeutung der Forderungen.
5. Alte Forschung: Analyse der älteren Debatten zur Historizität des Ereignisses und zu den persönlichen Motiven Barbarossas.
6. Neue Forschung: Diskussion des Paradigmenwechsels in der Forschung, die das Ereignis stärker als nachträgliche Konstruktion und politische Propaganda begreift.
7. Die Beurteilung der „Chronica Slavorum“ Arnolds von Lübeck: Spezifische Untersuchung der neuen Forschungsergebnisse zum Bericht Arnolds von Lübeck und seiner Intention.
8. Die alte und neue Forschung im Vergleich: Zusammenfassende Gegenüberstellung der Erkenntnisse und der methodischen Entwicklung in der Historik.
9. Schluss: Fazit der Arbeit mit der Erkenntnis, dass das Ereignis vor allem als Konstrukt zur Legitimation des Sturzes Heinrichs des Löwen zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Fußfall von Chiavenna, Friedrich Barbarossa, Heinrich der Löwe, Quellenkritik, Staufer, Welfen, Geschichtsschreibung, Mittelalter, Goslar, Legitimationsstrategie, Propaganda, Historizität, Reichsgeschichte, Macht der Fürsten, Mittelalterliche Chroniken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Ereignis des „Fußfalls von Chiavenna“, bei dem Kaiser Friedrich Barbarossa angeblich vor Heinrich dem Löwen um militärische Hilfe flehte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Quellenkritik, der Vergleich zwischen älterer und neuerer Forschung sowie die Frage, ob das Ereignis historisch authentisch ist oder als spätere politische Konstruktion fungiert.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Beurteilung dieses kontroversen Ereignisses in der Geschichtswissenschaft gewandelt hat und welche Funktion die Berichte für die Legitimierung des Sturzes Heinrichs des Löwen hatten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der quellenkritischen Analyse und der kontrastierenden Literaturanalyse, um unterschiedliche Forschungspositionen gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der relevanten Quellentexte, deren Vergleich, die Analyse der alten Forschung und die kritische Auseinandersetzung mit modernen, wissenschaftlichen Interpretationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fußfall von Chiavenna, Quellenkritik, Barbarossa, Heinrich der Löwe und Legitimationsstrategie charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Stadt Goslar in den Berichten?
Die Forderung Heinrichs des Löwen, Goslar als Lehen zu erhalten, wird in der neueren Forschung als legitime Kompensationsleistung bewertet, während sie in älteren Schriften oft als Erpressung gewertet wurde.
Warum wird die Historizität des Ereignisses heute anders bewertet als früher?
Während früher oft über die faktische Wahrheit des Treffens gestritten wurde, betrachtet die moderne Forschung das Ereignis als „Erinnerungskonstrukt“, das dazu diente, den politischen Sturz Heinrichs des Löwen im Nachhinein zu legitimieren.
- Quote paper
- Jacqueline Barth (Author), 2014, Betrachtungen zum Fußfall von Chiavenna in den Quellen und der alten und neuen Forschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339586