Exegese der Bibelstelle 25,19-28. Die Geburt Jakobs und Esaus


Hausarbeit, 2012

21 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Übersetzungen und Textkritik
2.1 Übersetzungsvergleich
2.2 Auswertung des Übersetzungsvergleichs

3. Literarkritik
3.1 Kontextkritik
3.2 Kohärenzkritik

4. Formkritik
4.1 Aufbau der Erzählung
4.2 Bestimmung der Gattung und Form

5. Traditionskritik

6. Überlieferungsgeschichte

7. Redaktionsgeschichte

8. Theologische Reflexion

9. Literaturverzeichnis
9.1 Bibelübersetzungen
9.2 Hilfsmittel
9.3 Sekundärliteratur

1. Einführung

Wie der Name schon sagt, sind die Erzählungen und Texte des Alten Testaments „alt“. Uwe Becker schätzt in seinem Buch „Exegese des Alten Testaments“ das Alter der alttestamentlichen Texte auf 2800 bis 2000 Jahre.1 Eine enorme Zeitspanne! Jedoch kann man die Entstehung dieser Texte nicht als linear und geradlinig beschreiben. Stattdessen unterliegt das Sammeln aller Texte und die Zusammenschließung aller im Alten Testament, einer langen und komplizierten Geschichte, in der die unterschiedlichsten Menschen ihre eigene Nuance hinterlassen haben. Mit den Worten Beckers: „Von Stilreinheit und Stileinheit keine Spur.“2 Die Folge ist unübersehbar. Vielen Menschen fällt es schwer, die alte Sprache und unbekannte Begriffe zu verstehen. Auch die Schauplätze und kulturellen Begebenheiten sind völlig andere und nicht mehr Teil der aktuellen Lebenswelt. Der Leser muss sich somit die Mühe machen einen Bibeltext genauer zu lesen, ihn sozusagen zu studieren, um nicht nur die Oberfläche zu betrachten, sondern in sein Innerstes einzudringen. Als Schlüssel zur Erschließung der Bedeutung und Zusammenhänge von biblischen Texten gilt seit langem die historisch- kritische Methode. Mit ihrer Hilfe werde ich versuchen die Perikope „in unsere Sprach- und Denkwelt [zu] übersetzen, sie für uns [zu] erschließen.“3 In dieser Arbeit wird die Geschichte von der Geburt Esaus und Jakobs aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 25, Vers 19- 28 näher untersucht. In meiner Vorgehensweise werde ich mich hauptsächlich nach den Methodentipps Uwe Beckers richten.

2. Übersetzungen und Textkritik

In der Textkritik wird der Versuch unternommen, „durch Handschriftenvergleiche den vermutlich ältesten Wortlaut des Textes (früher auch als „Urtext“ bezeichnet) zu rekonstruieren.“4 Dazu wird der Text auf unabsichtliche Fehler beim Abschreiben oder absichtlich vorgenommene Änderungen untersucht und versucht diese rückgängig zu machen.5 Die Textkritik befasst sich jedoch nicht mit Übersetzungstexten in modernen Sprachen, sondern beschäftigt sich „sowohl mit den »kanonischen« (hebräisch- aramäisch) als auch mit den »deuterokanonischen« (griechischen) Schriften.“6 Da ich leider weder Hebräisch- noch Griechischkenntnisse vorweisen kann, muss ich mich auf bereits ins Deutsche übersetzte Textausgaben beziehen, die ich im Folgenden miteinander vergleichen werde. Dazu wähle ich drei, mir sehr geläufige, Bibelausgaben aus. Zum einen die Zürcherbibel (ZB) aus dem Jahr 2007 und zum anderen die 1984 erschienene Lutherbibel (LB) sowie die Gute Nachricht Bibel (GN) aus dem Jahr 1997.

2.1 Übersetzungsvergleich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Auswertung des Übersetzungsvergleichs

In dem Vergleich der drei Übersetzungen der Perikope Gen 25,19-28 habe ich zur Verdeutlichung der gefundenen Unterschiede mit farblicher und kursiver Schrift gearbeitet. Die kursive Schrift kennzeichnet Textstellen, die zwar andere Worte verwenden, jedoch in ihrer Bedeutung gleich bleiben. Wörter in Passagen, die in den anderen unterschiedlich waren, und deren Bedeutung sich veränderte, wurden grün markiert. Textpassagen, die nicht in allen drei Übersetzungen vorhanden waren, sondern lediglich in ein oder zwei, wurden mit rot dargestellt.

Beginnen wir chronologisch mit V. 19 der Perikope. Inhaltlich wird in V. 19 die Abstammung von Abraham beschrieben. Er ist der Vater Isaaks. Sogar zwei mal wird man auf diesen Umstand in nur einem Vers hingewiesen. Unterschiedlich sind in diesem Fall die Einleitungsworte „Und dies ist die Geschichte“ (ZB), „Dies ist das Geschlecht“ (LB) und wiederum „Dies ist die Geschichte“ (GN). Doch welcher dieser Begriffe würde eine Ahnenfolge am besten beschreiben? Mit einer Geschichte assoziiere ich eine Darstellung von einem Geschehen. Da jedoch zunächst nur festgestellt wird, dass Abraham Isaak zeugte, erscheint mir der lutherische Begriff „Geschlecht“ in diesem Zusammenhang angemessener. Erst im späteren Verlauf wird eine „Geschichte“ aus der Perikope.

In V. 20 unterscheiden sich die Verben „zur Frau nehmen“ (ZB und LB) gegenüber dem Verb „heiraten“ (GN). Eine Erklärung könnte hier die Anpassung des Wortes an den heutigen Sprachstil sein. Heiraten ist in diesem Fall das gängigere Verb für die Durchführung einer Hochzeit. Ob „jemand einen Menschen zur Frau nehmen will“ wird meist nur noch im Heiratsantrag und bei der kirchlichen Einwilligung in die Ehe gefragt. Die GN passt sich somit dem heutigen Sprachgebrauch an.

Eine weitere Differenz sind die Beschreibungen Betuels, des Vaters Rebekkas. Während die ZB das Herkunftsgebiet Betuels „Paddan-Aram“ nennt, so schreiben die LB und GN stattdessen allgemein „Mesopotamien“. Ein Grund könnten hier die vielfachen Übersetzungsmöglichkeiten des hebräischen oder griechischen Wortes sein. Zudem verwendet die GN die Beschreibung „Aramäer“ nicht ein Mal, während in der ZB und LB diese Aussage sogar wiederholt wird, indem auch der Bruder Rebekkas als Aramäer bezeichnet wird. Ein vermutlicher Grund wäre, dass dies dazu dient, den Leser der GN nicht zu verwirren.

In V. 21 finden sich zahlreiche Unterschiede in den Übersetzungen. Betrachten wir zunächst das Verb „betete“, welches von „beten“ abstammt (ZB und GN) und das Verb „bat“, das von „bitten“ hergeleitet wird. Ob ich zu jemandem bete oder jemanden um etwas bitte sind eigentlich grundverschiedene Dinge. In diesem Fall jedoch bedeutet beides, trotz unterschiedlichem Wort, das Gleiche. Dies liegt daran, dass in dem Gebet Isaaks an Gott auch eine Bitte enthalten ist. Alle drei Übersetzungen enthalten somit eine Fürbitte. Eine Bitte Isaaks für die Fruchtbarkeit seiner Frau.

Ein sehr markanter Unterschied ist zudem die Satzumstellung in der GN. Erst wird davon berichtet, dass Rebekka keine Kinder bekommt, um die Fürbitte Isaaks an Gott daran anzuschließen. Der Leser weiß somit sofort, warum Isaak bei Gott für seine Frau bittet. Es findet sich jedoch noch ein weiterer Unterschied in diesem Satz. Während die ZB und LB von einer klaren „Unfruchtbarkeit“ Rebekkas schreiben, d.h. sie kann biologisch keine Kinder empfangen, da spricht die GN davon, dass Rebekka „keine Kinder bekam“. Es ist hier nicht die Rede davon, dass sie es nicht kann. Nur dass sie keine bekommen hat. Ob aus freiem Willen oder biologischer Unfähigkeit wird erst einmal nicht deutlich, weshalb ich die theologisch tiefgreifende Bedeutung einer Unfruchtbarkeit, wie man sie häufig im Alten Testament findet, in der GN missachtet finde. Auch im letzten Satz verändert die GN den Inhalt. Statt nur von einer Schwangerschaft Rebekkas zu berichten, wird sogleich erzählt, dass sie Zwillinge erwartet. Dieser Änderung stehe ich sehr zwiegespalten gegenüber. Einerseits büßt der Spannungsbogen mit diesem Vorgriff ein wenig ein, andererseits wird damit jedoch vorweg gegriffen, weshalb in V. 22 von „Kindern“ und nicht von „einem Kind“ die Rede ist. Dies macht logischerweise nur Sinn, wenn es sich um mindestens zwei Kinder in Rebekkas Leib handelt.

Kommen wir zur nächsten Auffälligkeit der Übersetzungen. Der Satz „wozu lebe ich noch?“ der ZB in V. 22 steht den Fragen „Warum bin ich schwanger geworden?“ (LB und GN) divergent gegenüber. Damit drückt die ZB, die Angst und den Schmerz der werdenden Mutter, sehr intensiv und radikal aus. Während die Frage in der LB und GN eher als eine „Verzweiflungsfrage“ erscheint, so betrifft die Frage der ZB den direkten Existenzgrund Rebekkas, was zwar die Spannung in die Höhe treibt, jedoch die Schwangerschaft fälschlicherweise als etwas Negatives und Schlechtes erscheinen lässt. In V. 23 findet man zwei weitere Differenzen. Während in der ZB und LB davon gesprochen wird, dass sich „zwei Nationen“ bzw. „zweierlei Volk“ aus Rebekkas Schosse scheiden werden und damit assoziiert wird, dass der Kampf der Kinder schon im Mutterleib begonnen hat, da nicht eine Einheit ihren Leib verlassen wird, sondern zwei getrennte Kinder, so schreibt die GN, dass sie (die Kinder) sich „in“ Rebekkas Schoss beginnen zu streiten. Also scheinbar erst, wenn sie auf der Welt sind. Dies widerspricht V. 22 in dem steht: „ Als die Kinder im Mutterleib heftig gegeneinander stießen […]“ und so anzeigt, dass der Kampf schon begonnen hat. Dass dieser Anschein erweckt wird, halte ich jedoch für ein unglückliches Versehen der GN.

Doch auch im letzten Satz des Verses findet man Unstimmigkeiten. LB und GN beziehen sich eindeutig auf die Kinder an sich, wenn sie sagen „und der Ältere wird dem Jüngeren dienen“ und „der Erstgeborene wird dem Zweiten dienen“. Die ZB hingegen greift schon weiter voraus und bezieht sich nicht auf die Kinder, sondern auf die kommenden Nationen in der Zukunft, die durch die Kinder entstehen werden: „[...] und die ältere [Nation] wird der jüngeren [Nation] dienen.“

In V. 24 findet sich besonders ein signifikanter Unterschied. Während ZB und LB eine noch nicht vollendete Geburt beschreiben, indem die Kinder immer noch „in ihrem [Rebekkas] Leibe“ waren, so ist in der GN die Geburt schon geschehen, was der Satzteil „zur Welt“ offenbart.

In V. 25 beschreiben zwar alle Bibelausgaben das kleine Baby Esau als haarig und rötlich, jedoch benutzt die LB darüber hinaus das Attribut „rau“. Eine merkwürdige Vorstellung für sonst so zarte Babys. Eine Erklärungsmöglichkeit wäre in diesem Fall, dass die LB den Unterschied zu Jakob noch radikaler hervorheben und Esau ein möglichst wildes Erscheinungsbild verleihen möchte.

In V. 26 fällt mir besonders ein kleines Wort in der GN auf. In der ZB und LB heißt es „ und man nannte ihn Jakob“/ „ und sie nannten ihn Jakob“. Keinerlei Erklärung, weshalb Jakob diesen Namen erhalten hat. In der GN hingegen steht der Satz „ darum nannten sie ihn Jakob.“ Das „darum“ muss somit auf den Satz davor anspielen: „Danach kam sein Bruder heraus, der hielt Esau an der Ferse fest; […]“, weil Jakob Esau an der Ferse festhielt, erhielt er seinen Namen. Es wird somit an dieser Stelle assoziiert, dass der Name Jakob eine Bedeutung haben muss, die mit diesem Vorgang in Verbindung steht. In V. 27 verändert die GN das Adjektiv „gesittet“ zu „häuslich und ruhig“, um scheinbar, das nicht mehr sehr geläufige Wörtchen „gesittet“, für den heutigen Leser verständlicher zu machen. An dieser Stelle hätte ich eher Adjektive wie „manierlich“, „anständig“ oder „beherrscht“ gewählt.

Der letzte signifikante Unterschied in dieser Perikope findet sich in V. 28. Während ZB und LB klar differenzieren zwischen der Liebe des Vaters für den Sohn Esau und der Liebe der Mutter zu Jakob, wird diese Aussage in der GN abgeschwächt, indem nur von einer „Vorliebe“ beider Elternteile gesprochen wird.

Betrachtet man nun alle herangezogenen Übersetzungen, erkennt man, dass eine ganze Anzahl gravierender Unterschiede festzustellen sind. Weshalb dies so ist, hat sicherlich mehrere Gründe. Zum Beispiel mehrere Wortbedeutungen eines hebräischen oder griechischen Wortes (z.B. in V. 20) oder die Anpassung an den heutigen Sprachstil. Inwieweit die Übersetzung dem heutigen Sprachgebrauch angepasst wird, hängt jedoch eng mit dem Übersetzungstyp der jeweiligen Bibel zusammen. So gilt die GN als funktional-äquivalenter Übersetzungstyp. Sie ist somit eher leserbezogen und wirkungstreu. Passt die Sprache unseren heutigen Begebenheiten somit an. Die ZB und LB hingegen gelten als eine sogenannte Revision, ein Mittelweg, zwischen einer extrem formal-äquivalenten Übersetzung, wie der Interlinearübersetzung der Urfassung, und der GN. Trotzdem sind auch diese beiden Übersetzungstypen formal-äquivalent und somit texttreu. Für die weitere Arbeit an der Perikope Gen 25,19-28 werde ich die ZB verwenden, da sie mir am geläufigsten ist und die GN durch ihre Tendenz zur Umgangssprache für die exegetische Arbeit nicht angemessen geeignet.

3. Literarkritik

Die Bücher im Alten Testament verdanken ihre „gegenwärtige Gestalt einer teilweise äußerst komplizierten Entstehungsgeschichte.“7 Darum ist es die Aufgabe der Literarkritik „nach der Einheitlichkeit des vorliegenden Textes [zu fragen].“8 Sie will aufgrund dieser Entstehungsgeschichte klären, „ob die Perikope in einem Zug entstanden ist, ob sie überarbeitet wurde oder in mehreren Stufen (auch: „Schichten“) angewachsen ist.“9

Auch Klaus Berg beschäftigt sich in seinem Methodenbuch „Ein Weg wie Feuer. Wege historischer Bibelauslegung“ mit der Literarkritik. Er unterscheidet sich jedoch gegenüber den anderen Methodenbüchern, indem er die Literarkritik in zwei Bereiche einteilt. Zum einen die Kontextkritik und zum anderen die Kohärenzkritik.10 Diesem Verfahren möchte ich mich in dieser Arbeit anschließen.

3.1 Kontextkritik

In der Kontextkritik werden Abgrenzungen des Textes gegenüber seinem Mikro- und Makrokontext beobachtet und dargestellt.11

Gen 25,19-28 steht in seinem Makrokontext in dem Konzept der Vätergeschichten, die sich über Gen 12 bis Gen 50 erstrecken. Gegliedert ist dieser Komplex von Familien- Erzählungen in drei Grundformen: Erstens Eltern - Kinder (Kap. 12-25 Abraham- Geschichte), zweitens Brüder - Brüder (Kap. 25-36 Die Jakob-Esau-Geschichten) und drittens die Großfamilie (Kap. 27-50 Die Josepherzählung).12 Planvoll eingefügt sind in diesen Erzählungen in Kap. 28, 32 und 35 ursprünglich eigenständige Erzählungen von Gottesbegegnungen und Heiligtumserzählungen.13 Kap. 26 und Kap. 34 stehen zwar im Kreis der Jakob-Esau-Geschichten, gehören jedoch laut Claus Westermann nicht dazu, da Kap. 26 Isaaktradition ist und Kap. 34 eine Episode aus der Richterzeit.14

Unmittelbar vor dem Beginn unserer Perikope befindet sich in Gen 25,12-18 eine Genealogie Ismaels. Diese ist eingeschoben zwischen dem Ende des Erzählkranzes der Abraham-Geschichte in Gen 25,11 und dem Beginn unserer Texteinheit. Gen 25,19-28, besitzt demnach die kontextuelle Funktion einer Einleitung, d.h. sie stellt den Übergang zum nächsten Erzählkranz dar: Die Komposition der Jakob-Esau-Geschichten.

Komposition deshalb, weil klar zu erkennen ist, dass die Geschichte in ihrem Verlauf nach dem Motiv Flucht und Rückkehr zusammengefügt wurde.15 Die Geschichte wird im Grunde in drei Akte eingeteilt: Gen 25-28 - Erlangung des Segens nach Geburt der Zwillinge und Flucht Jakobs, Gen 29-31 - Auswirkungen des Segens und Jakobs Aufenthalt bei Laban sowie Gen 32-36 - Erlangung des Segens, die Begegnung beider Brüder und die endliche Rückkehr.16

Betrachtet man die Beziehungen der Perikope innerhalb seines Mikrokontextes, so gibt es auch hier Auffälligkeiten. In V. 19 beginnt die Genealogie mit den Worten „Und dies ist die Geschichte Isaaks, des Sohns Abrahams“, womit sie Bezug nimmt zum Erzählkranz rund um Abraham. Es soll noch einmal verdeutlicht werden, vom wem Isaak abstammt. Auch die Erwähnung von Isaaks Hochzeit mit Rebekka wurde in der Genesis schon ein weiteres Mal erzählt. In Gen 24 schickt Abraham einen Diener in sein Herkunftsland, um eine Frau für seinen Sohn Isaak zu finden. Er findet Rebekka und so heiratet Isaak sie in Gen 24,67. Eine weitere Wiederholung in V. 20 ist die erneute Wiedergabe von Rebekkas Herkunft. Diese ist schon in der Genealogie Nachors (Gen 22, 20-24), des Bruders Abrahams, in Gen 22,23 erwähnt, indem geschrieben steht „Und Betuel zeugte Rebekka.“ Besonders das Motiv der Unfruchtbarkeit wird in der Bibel noch häufiger aufgegriffen. Unmittelbar vor Beginn der Vätergeschichten in Gen 11,30 wird von der Unfruchtbarkeit Sarais erzählt. In Gen 30,22-23 schließlich von Rachels Unfähigkeit Kinder zu gebären. Auch in diesen Fällen wird der Wunsch einer Schwangerschaft vom HERRN erhört und so gebiert Sarai den Isaak und Rachel den kleinen Josef. V. 22-24, sowie die Geschichte vom Linsengericht und dem damit zusammenhängenden Abtritt des Erstgeburtsrechts in V. 29-34 des Kapitels 25, dienen dem Verständnis des späteren Verlaufs der Jakob-Esau-Geschichte und dazu, das Verhältnis der beiden zueinander besser zu verstehen. Abschließend möchte ich noch auf die Behaarung Esaus in V. 25 eingehen. Die bisherige Funktion der Behaarung Esaus beschränkte sich auf die Herstellung eines möglichst „wilden“ Aussehens, um sich von Jakob zu unterscheiden. Schaut man jedoch in den weiteren Verlauf der Geschichte, genauer in Gen 27,11, so erkennt man, dass die Behaarung auch dazu dient, die Schwierigkeit Isaaks Erstgeburtssegen zu erlisten, deutlich zu erhöhen. Es bedeutet mehr Aufwand für Rebekka und Jakob Isaaks alte Augen mit einem Ziegenfell zu täuschen, als wenn beide Söhne gleich ausgesehen hätten. So wäre keine List notwendig gewesen und die Geschichte hätte an Spannung einbüßen müssen.

[...]


1 Vgl. Becker, Uwe, Exegese des Alten Testaments, S. 4. Dieses Buch dient mir in der Durchführung der folgenden Exegese als Grund- und Vorlage in inhaltlichen wie formalen Aspekten.

2 Becker, Uwe, Exegese des Alten Testaments, S. 1.

3 Ebd. S. 4.

4 Köhlmoos, Melanie, Altes Testament, S. 38.

5 Vgl. Becker, Uwe, Exegese des Alten Testaments, S. 17.

6 Becker, Uwe, Exegese des Alten Testaments, S. 17.

7 Becker, Uwe, Exegese des Alten Testaments, S. 41.

8 Köhlmoos, Melanie, Altes Testament, S. 39.

9 Ebd.

10 Vgl. Berg, Horst Klaus, Ein Wort wie Feuer, S. 49.

11 Ebd.

12 Vgl. Westermann, Claus, Erzählungen in den Schriften des Alten Testaments, S. 25.

13 Vgl. Westermann, Claus, Am Anfang 1. Mose, S. 262.

14 Ebd.

15 Vgl. Westermann, Claus, Am Anfang 1. Mose, S. 262.

16 Vgl. Westermann, Claus/ Ahuis, Ferdinand, Calwer Bibelkunde, S. 48.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Exegese der Bibelstelle 25,19-28. Die Geburt Jakobs und Esaus
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V339784
ISBN (eBook)
9783668296282
ISBN (Buch)
9783668296299
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, bibelstelle, geburt, jakobs, esaus
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Exegese der Bibelstelle 25,19-28. Die Geburt Jakobs und Esaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339784

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