In dieser Arbeit wird die Geschichte von der Geburt Esaus und Jakobs aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 25, Vers 19- 28 näher untersucht. In meiner Vorgehensweise werde ich mich hauptsächlich nach den Methodentipps Uwe Beckers richten.
Wie der Name schon sagt, sind die Erzählungen und Texte des Alten Testaments „alt“. Uwe Becker schätzt in seinem Buch „Exegese des Alten Testaments“ das Alter der alttestamentlichen Texte auf 2800 bis 2000 Jahre. Eine enorme Zeitspanne! Jedoch kann man die Entstehung dieser Texte nicht als linear und geradlinig beschreiben.
Stattdessen unterliegt das Sammeln aller Texte und die Zusammenschließung aller im Alten Testament, einer langen und komplizierten Geschichte, in der die unterschiedlichsten Menschen ihre eigene Nuance hinterlassen haben. Mit den Worten Beckers: „Von Stilreinheit und Stileinheit keine Spur.“
Die Folge ist unübersehbar. Vielen Menschen fällt es schwer, die alte Sprache und unbekannte Begriffe zu verstehen. Auch die Schauplätze und kulturellen Begebenheiten sind völlig andere und nicht mehr Teil der aktuellen Lebenswelt. Der Leser muss sich somit die Mühe machen einenBibeltext genauer zu lesen, ihn sozusagen zu studieren, um nicht nur die Oberfläche zu betrachten, sondern in sein Innerstes einzudringen. Als Schlüssel zur Erschließung der Bedeutung und Zusammenhänge von biblischen Texten gilt seit langem die historischkritische Methode. Mit ihrer Hilfe werde ich versuchen die Perikope „in unsere Sprachund Denkwelt [zu] übersetzen, sie für uns [zu] erschließen.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Übersetzungen und Textkritik
2.1 Übersetzungsvergleich
2.2 Auswertung des Übersetzungsvergleichs
3. Literarkritik
3.1 Kontextkritik
3.2 Kohärenzkritik
4. Formkritik
4.1 Aufbau der Erzählung
4.2 Bestimmung der Gattung und Form
5. Traditionskritik
6. Überlieferungsgeschichte
7. Redaktionsgeschichte
8. Theologische Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die biblische Perikope von der Geburt Esaus und Jakobs (Gen 25,19-28) mittels historisch-kritischer Methoden detailliert zu untersuchen und auf ihre Entstehungsgeschichte sowie theologische Bedeutung hin zu analysieren.
- Vergleichende Textanalyse verschiedener moderner Bibelübersetzungen.
- Literarkritische Untersuchung des Textes hinsichtlich Kontext und innerer Kohärenz.
- Bestimmung von Gattung und Sitz im Leben der erzählten Familiensage.
- Traditionsgeschichtliche und redaktionsgeschichtliche Einordnung der Erzählung.
Auszug aus dem Buch
2.2 Auswertung des Übersetzungsvergleichs
In dem Vergleich der drei Übersetzungen der Perikope Gen 25,19-28 habe ich zur Verdeutlichung der gefundenen Unterschiede mit farblicher und kursiver Schrift gearbeitet. Die kursive Schrift kennzeichnet Textstellen, die zwar andere Worte verwenden, jedoch in ihrer Bedeutung gleich bleiben. Wörter in Passagen, die in den anderen unterschiedlich waren, und deren Bedeutung sich veränderte, wurden grün markiert. Textpassagen, die nicht in allen drei Übersetzungen vorhanden waren, sondern lediglich in ein oder zwei, wurden mit rot dargestellt.
Beginnen wir chronologisch mit V. 19 der Perikope. Inhaltlich wird in V. 19 die Abstammung von Abraham beschrieben. Er ist der Vater Isaaks. Sogar zwei mal wird man auf diesen Umstand in nur einem Vers hingewiesen. Unterschiedlich sind in diesem Fall die Einleitungsworte „Und dies ist die Geschichte“ (ZB), „Dies ist das Geschlecht“ (LB) und wiederum „Dies ist die Geschichte“ (GN). Doch welcher dieser Begriffe würde eine Ahnenfolge am besten beschreiben? Mit einer Geschichte assoziiere ich eine Darstellung von einem Geschehen. Da jedoch zunächst nur festgestellt wird, dass Abraham Isaak zeugte, erscheint mir der lutherische Begriff „Geschlecht“ in diesem Zusammenhang angemessener. Erst im späteren Verlauf wird eine „Geschichte“ aus der Perikope.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der altertümlichen Beschaffenheit der alttestamentlichen Texte und Einführung in die historisch-kritische Methode als Werkzeug der Exegese.
2. Übersetzungen und Textkritik: Methodische Gegenüberstellung und Analyse von drei verschiedenen Bibelübersetzungen (ZB, LB, GN) hinsichtlich ihrer Wortwahl und exegetischen Nuancen.
3. Literarkritik: Untersuchung der Einbettung der Perikope in den Makro- und Mikrokontext sowie Analyse der inneren Stimmigkeit und Geschlossenheit des Textes.
4. Formkritik: Gliederung der Erzählung und Bestimmung der literarischen Gattung als Familiensage unter Anwendung wissenschaftlicher Kriterien.
5. Traditionskritik: Identifikation inhaltlicher Vorprägungen und zentraler Themen wie Unfruchtbarkeit, Erstgeburtsrecht und Segen im Kontext der Vätergeschichte.
6. Überlieferungsgeschichte: Hypothetische Herleitung der mündlichen Vorgeschichte und Datierung der schriftlichen Fixierung sowie Ätiologie der Personennamen.
7. Redaktionsgeschichte: Analyse der verschiedenen Phasen der Verschriftlichung und der redaktionellen Ergänzungen zur Verbindung des Erzählkranzes.
8. Theologische Reflexion: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über Gottes Rolle als Herr über die Fruchtbarkeit und die eigene Auseinandersetzung mit der exegetischen Arbeit.
Schlüsselwörter
Genesis, Exegese, Historisch-kritische Methode, Isaak, Rebekka, Jakob, Esau, Textkritik, Literarkritik, Familiensage, Traditionskritik, Redaktionsgeschichte, Erstgeburtsrecht, Segen, Bibelübersetzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit widmet sich der exegetischen Untersuchung der biblischen Geschichte von der Geburt der Zwillinge Jakob und Esau (Genesis 25,19-28).
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Themen der Unfruchtbarkeit, des Erstgeburtsrechts, des Segens und der familiären Konfliktlinien innerhalb der Vätergeschichten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die methodische Aufarbeitung des Textes, um dessen Entstehung, seine formale Struktur und seine theologische Intention besser zu verstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Autorin verwendet einen historisch-kritischen Ansatz, unterteilt in Übersetzungsvergleich, Literarkritik, Formkritik, Traditionskritik und Redaktionsgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der verschiedenen Übersetzungstypen, die Kontextualisierung des Textes, die Bestimmung als Familiensage sowie die Untersuchung redaktioneller Eingriffe.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Exegese, historisch-kritische Methode, Jakob-Esau-Geschichten, Segen Gottes und die literarische Analyse von Bibeltexten.
Wie unterscheidet sich die "Gute Nachricht Bibel" in dieser Untersuchung von anderen Übersetzungen?
Die Untersuchung zeigt, dass die "Gute Nachricht Bibel" einen funktional-äquivalenten Übersetzungstyp verfolgt, der moderner und umgangssprachlicher ist, während andere Bibeln stärker an formaler Texttreue orientiert sind.
Welche Bedeutung misst die Arbeit der Behaarung von Esau bei?
Die Arbeit analysiert die Behaarung nicht nur als Merkmal für ein "wildes" Aussehen, sondern erkennt darin eine Funktion für den späteren Spannungsaufbau bei der Erlistung des Erstgeburtssegens.
Warum wird der Begriff "Geschlecht" in der Lutherbibel im Kontext von Vers 19 bevorzugt?
Da der Text zu Beginn lediglich die Abstammung beschreibt, wird der Begriff "Geschlecht" als passender für eine Ahnenfolge angesehen als der Begriff "Geschichte".
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Abhängigkeit von Gottes Gnade?
Die Autorin reflektiert, dass die Erkenntnis der Abhängigkeit von Gottes Gnade einerseits beängstigend wirkt, aber durch den Glauben an die Erhörung von Gebeten gleichzeitig als erfrischend empfunden wird.
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- Anonym (Autor), 2012, Exegese der Bibelstelle 25,19-28. Die Geburt Jakobs und Esaus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339784