Die sinnbildliche Erscheinung göttlicher Präsenz auf der Iberischen Halbinsel ist in dem Gnadenbild der Virgen del Pilar manifestiert. Auf einer Säule soll die Heilige Jungfrau dem Apostel Jakobus dem Älteren erschienen sein. Dieses Patrozinium bestimmt das Deckenbildprogramm der an der legendären Stelle erbauten Catedral-Basílica de Nuestra Señora del Pilar in Zaragoza.
Mit der Darstellung des visionären Erlebnisses wurde nicht zuletzt Francisco José de Goya y Lucientes aus der naheliegenden Stadt Fuendetodos in Aragón beauftragt – herausragend sind hierbei Die Gloria, auch als Die Anbetung des Namens Gottes betitelt, aus dem Jahre 1772 und Maria, Königin der Märtyrer aus dem Jahre 1781. Der programmatischen Darstellung der himmlischen Bezirke entsprechend, sind die Bilder an die etwa vierzig Meter hohen Decken der größten Barockkirche Spaniens freskiert, so dass der von unten hinauf schauende Betrachter die Pole der christlichen Weltordnung anschaulich wahrnehmen kann.
Das Wechselspiel der Gegensätze zwischen oben und unten, zwischen Himmlischem und Irdischem soll im Weiteren im Hinblick auf gestalterische Bildmuster im architektonischen Raum erörtert werden. Der strukturanalytische Zugriff auf Goyas frühe Deckenbilder bewährt sich im Vergleich mit der italienischen Tradition der Deckenmalerei der Frühen Neuzeit und ihrer „spanischen“ Transformation.
Inhaltsverzeichnis
1. Goya und die Tradition des religiösen Deckenbildes
2. Zur räumlichen Ordnung der Basílica del Pilar
3. Die gestalterische Betrachtung der Deckenfresken
3.1 Gloria
3.2 Regina Martyrum
4. Die Darstellung des göttlichen Himmels im architektonischen Raum
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sakralen Deckenfresken von Francisco de Goya in der Basílica del Pilar in Zaragoza im Kontext ihrer architektonischen Einbettung und der barocken Tradition religiöser Deckenmalerei. Das zentrale Forschungsinteresse gilt dabei der Frage, wie Goya das Verhältnis von Bildraum und architektonischer Realität gestaltet, um eine spezifische Wahrnehmung des göttlichen Himmels zu erzeugen.
- Die kunsthistorische Einordnung von Goyas frühen Deckenbildern in die spanische Tradition.
- Die Analyse der räumlichen Ordnung und Architektur der Basílica del Pilar.
- Die Untersuchung der formalen Komposition und Lichtführung in den Fresken Gloria und Regina Martyrum.
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff des Illusionismus im Vergleich zu italienischen Vorbildern.
Auszug aus dem Buch
Die gestalterische Betrachtung der Deckenfresken
Die an der vitruvianischen Lehre von der Säulenordnung orientierte Baukunst wird rhythmisiert durch Pfeiler, Säulen und Pilaster. An den Decken konstruieren doppelte Gurtbögen und einfache geometrische Felder die Raumgrenzen, die als gerahmte Schauflächen ausgeprägt sind. Auf diese Weise verbindet sich das Tektonische mit dem Bildmäßigen.
Nur die östliche Hälfte der Kirchendecke ist vollkommen mit Deckenbildern geschmückt. Die Bemalung erfolgte in ihrer chronologischen Entstehung um die Kapelle als zentrales Thema herum (Abb. 8). Dementsprechend wurde zuerst die große ovale Kuppel über der heiligen Stätte geschmückt, dann die umliegenden Mittelschifffelder und zuletzt die angrenzenden Seitenschifffelder. Als verbindendes Element dient allen Deckenbildern eine umfangreiche Bildbegrenzung mit polimentvergoldeten Ornamenten und plastischen Ausformungen von Mörtel auf den verputzten Gewölben. Für die Wirkung der Deckenbilder auf der Gewölbefläche ist die Stuckdekoration von großer Bedeutung, da sie nicht nur die Bildfläche rahmt, sondern diese in einen architektonischen Zusammenhang einordnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Goya und die Tradition des religiösen Deckenbildes: Dieses Kapitel führt in die historische Verankerung von Goyas Aufträgen ein und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen traditioneller religiöser Malerei und dem aufkommenden modernen Freiheitsbegriff um 1800.
2. Zur räumlichen Ordnung der Basílica del Pilar: Hier wird der architektonische Rahmen der Basilika analysiert, wobei besonders die symmetrische Grundrissgestaltung und die Bedeutung der Heiligen Kapelle für die Orientierung im Kirchenraum hervorgehoben werden.
3. Die gestalterische Betrachtung der Deckenfresken: Dieser Hauptteil widmet sich der formalen Analyse der Deckenbilder, wobei durch die Unterkapitel 3.1 und 3.2 die spezifischen Kompositionsprinzipien von Gloria und Regina Martyrum detailliert erörtert werden.
4. Die Darstellung des göttlichen Himmels im architektonischen Raum: Das abschließende Kapitel resümiert die Wechselwirkung zwischen Malerei und Architektur und bewertet Goyas Beitrag zur Gestaltung eines sakralen Raums abseits rein illusionistischer Konzepte.
Schlüsselwörter
Francisco de Goya, Basílica del Pilar, Deckenmalerei, Sakralkunst, Gloria, Regina Martyrum, Stuckdekoration, Architektur, Bildraum, Illusionismus, Barock, Lichtgestaltung, Spanien, Kirchenbau, Ikonografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der frühen religiösen Deckenfresken von Francisco de Goya in der Basílica del Pilar in Zaragoza.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die architektonische Einbettung der Wandmalereien, die gestalterische Funktion der Stuckrahmen und das Verhältnis von Bildraum zu architektonischem Raum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Goyas Malweise die visuelle Wahrnehmung des Betrachters lenkt und wie er sich dabei von traditionellen, rein illusionistischen Barockkonzepten unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine strukturanalytische und kunsthistorische Methode angewandt, die sowohl die formale Bildkomposition als auch den historischen und architektonischen Kontext berücksichtigt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Fresken Gloria und Regina Martyrum einer detaillierten Analyse unterzogen, insbesondere im Hinblick auf Farbgebung, Lichtführung und Betrachterperspektive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Goya, Basílica del Pilar, Deckenmalerei, Illusionismus, Bildraum und Architektur bestimmt.
Wie unterscheidet sich Goyas Kuppelgestaltung von den Werken seiner Zeitgenossen?
Goya verzichtet weitgehend auf eine rein illusionistische Tiefenwirkung zugunsten einer stärkeren Betonung der Bildfläche, die durch architektonische Elemente wie das Kranzgesims gerahmt wird.
Welche Rolle spielt die Stuckdekoration für die Wirkung der Bilder?
Die Stuckdekoration dient als verbindendes Element, das die Fresken in den architektonischen Kontext integriert und eine „Schwellenzone“ zwischen Betrachter- und Bildraum schafft.
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- Matthias Besch (Autor), 2015, Goya und die Darstellung des göttlichen Himmels in der Catedral-Basílica de Nuestra Señora del Pilar in Zaragoza, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339813