Aktuell prüft die Regierung in NRW, ob das Latinum als Voraussetzung für diverse Studiengänge an den Universitäten des Landes abgeschafft werden sollte. Auslöser dafür ist eine Online-Petition des Bochumer Asta, welche derzeitig mehr als 9000 Unterstützer vorweisen kann. Doch warum muss die Bedeutung des Lateins, der Sprache der antiken Redner, Geschichtsschreiber, Dichter und Philosophen, auf deren Wissen unsere Kultur aufbaut, überhaupt begründet werden, wenn dies hingegen für die modernen Fremdsprachen nicht von der Gesellschaft gefordert wird?
Wenn dies diskutiert werden soll, stellt sich folgende Frage: Non scholae sed vitae discimus? Geht das Lateinlernen über das reine Auswendiglernen von Vokabeln und Grammatik in der Schule hinaus oder kann und darf es genau darauf reduziert werden? All denjenigen, die behaupten, dass Latein eine tote Sprache sei und deshalb keine Relevanz für das heutige Leben habe, sei die Lektüre dieser Thesis ans Herz gelegt. Lektüre? – Ein gebräuchliches Wort in der deutschen Standardsprache, das auf das lateinische Wort für lesen, nämlich legere zurückgeht. An dieser Stelle könnten ganze Listen von Entlehnungen aufgeführt werden, wovon jedoch im Hinblick auf den begrenzten Umfang dieser Arbeit abzusehen ist.
Diesen Kritikern soll die Bedeutung der lateinischen Sprache für die Gegenwart, welche in dieser Arbeit erörtert wird, entgegengesetzt werden. Als Grundlage dafür dient das Bildungskonzept des Humanismus, da dieser der Antike eine große Bedeutung zuschrieb. Dieses wird an dem Brief „de studiis et litteris liber“, welcher von Eugenio Garin verfasst worden ist, exemplifiziert, an dem die Begründung für die Auseinandersetzung mit der Antike, und somit mit der lateinischen Sprache, herausgearbeitet wird. Zur Verknüpfung der Thematik mit der Gegenwart wird der Kernlehrplan Latein NRW untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Humanismus
2.1 Eine Definition
2.2 Das Bildungskonzept
3. De studiis et litteris liber
3.1 Leonardo Bruni Aretino
3.2 Analyse des Briefs de studiis et litteris liber
4. Der Kernlehrplan Latein NRW
5. Vergleich der Texte
6. Fabula Phaedri
6.1 Leben und Werk des Phaedrus
6.2 Die Fabel
6.3 Übersetzung der Fabel cicada et noctua
6.4 Analyse der Fabel cicada et noctua
7. Die Bedeutung der lateinischen Sprache für die Gegenwart
8. Schlussbemerkung
10. Anhang
10.1 Graphik
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der lateinischen Sprache in der Gegenwart, indem sie das humanistische Bildungskonzept (exemplifiziert an Leonardo Brunis "De studiis et litteris liber") und den aktuellen Kernlehrplan Latein NRW vergleichend analysiert sowie die Fabel "Cicada et noctua" von Phaedrus als praktisches Exempel heranzieht.
- Die Rolle des Humanismus für das Verständnis von Bildung und Antike.
- Die Korrelation zwischen humanistischen Idealen und heutigen fachdidaktischen Anforderungen.
- Die Analyse der Fabel als Instrument zur Vermittlung moralischer und lebensweltlicher Kompetenzen.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der ökonomisch geprägten Wahrnehmung des Lateinunterrichts.
- Die Relevanz klassischer Sprachen für die Ausbildung mündiger Individuen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Analyse des Briefs de studiis et litteris liber
An dieser Stelle wird der Brief, den Bruni vermutlich zwischen 1422 und 1429 an Donna Baptista di Malatesta, die Tochter von Federicos da Montefeltre und die Gattin von Galeazzo Malatesta, des Herrn von Pesaro, verfasst hat, analysiert. Zu dieser Zeit hatte sich Bruni durch seine Arbeit als anerkannter Schriftsteller und Politiker bereits in der Gesellschaft etabliert. Es handelt sich bei diesem Brief um eine Abhandlung über das wissenschaftliche Studium, wobei besonders auf eruditio als Synthese von scientia rerum und peritia litterarum eingegangen wird.
Zu Beginn des Briefes beschreibt Bruni seine Intention, nämlich dass er Baptista zu ihrem vortrefflichen ingenium beglückwünschen und sie dazu anregen möchte, dieses noch weiter zu entfalten. Gleichsam des Stils antiker Autoren wie z.B. Cicero, verwendet er mit seinem Lob eine captatio benevolentae, um die Sympathie der Adressatin zu erlangen und dadurch seine Ideen eingängiger propagieren zu können. Grundsätzlich war eine solche Widmung eines Textes an Personen aus dem Fürstentum, wie hier an Baptista, zur Zeit des Humanismus üblich, da diese als „Prorektoren der neuen Studien“ fungierten. Durch ihre Zustimmung war es den Autoren möglich, noch größere Anerkennung in der Gesellschaft zu gewinnen. Die Besonderheit dieser Widmung liegt darin, dass sie an eine Frau gerichtet wurde. Anhand dieses Briefes möchte Bruni Vätern aufzeigen, dass es wichtig ist, dass auch ihre Töchter Bildung erfahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die aktuelle Debatte um das Latinum und stellt die grundlegende Frage nach dem Wert der lateinischen Sprache für die heutige Zeit.
2. Der Humanismus: Das Kapitel definiert den Humanismus als Bildungsbewegung und beschreibt dessen zentrales, auf die Antike ausgerichtetes Bildungskonzept.
3. De studiis et litteris liber: Hier werden das Leben von Leonardo Bruni und sein bedeutender Brief als Leitfaden für ein humanistisch geprägtes wissenschaftliches Studium analysiert.
4. Der Kernlehrplan Latein NRW: Das Kapitel untersucht die Zielsetzungen und Strukturvorgaben des aktuellen Lehrplans für den Lateinunterricht in NRW.
5. Vergleich der Texte: Die Arbeit vergleicht die historische Abhandlung Brunis mit den modernen Lehrplänen und stellt Parallelen sowie Unterschiede im Bildungsverständnis fest.
6. Fabula Phaedri: Dieser Abschnitt widmet sich Phaedrus als Fabeldichter und analysiert exemplarisch die Fabel "Cicada et noctua" hinsichtlich Struktur, Inhalt und moralischer Aussage.
7. Die Bedeutung der lateinischen Sprache für die Gegenwart: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt, um die Relevanz von Latein im Kontext einer ökonomisch orientierten Gesellschaft zu diskutieren.
8. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass Latein als Sprache der kulturellen Basis unverzichtbar bleibt und kritisiert eine rein ökonomisch getriebene Bildungspolitik.
10. Anhang: Enthält eine graphische Darstellung der Kompetenzbereiche des Kernlehrplans.
Schlüsselwörter
Humanismus, Latein, Bildung, Kernlehrplan, Phaedrus, Cicada et noctua, Antike, Didaktik, Eruditio, Literatur, Philologie, Gesellschaftskritik, Kompetenz, Sprachbildung, Meritokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit diskutiert die Bedeutung der lateinischen Sprache und Kultur für die moderne Gesellschaft und den heutigen Schulunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind das humanistische Bildungskonzept, die moderne Fachdidaktik Latein und die Analyse antiker Texte als moralische Wegweiser.
Welches primäre Ziel verfolgt die Thesis?
Das Ziel ist es, auf Basis historischer und aktueller Texte zu begründen, warum das Erlernen von Latein über das reine Vokabellernen hinaus für die persönliche und gesellschaftliche Bildung essenziell ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine vergleichende Analyse zwischen einer humanistischen Programmschrift und dem modernen Kernlehrplan Latein NRW durchgeführt, ergänzt durch eine textanalytische Untersuchung einer Fabel des Phaedrus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Humanismus, die Analyse von Leonardo Brunis Werk, die Untersuchung des Kernlehrplans und die Interpretation der Fabel "Cicada et noctua".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Humanismus, Sprachbildung, Didaktik, antike Literatur, Bildungskonzept und gesellschaftliche Relevanz.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Bildung zwischen Humanismus und heutiger Wirtschaft?
Während der Humanismus die ganzheitliche Bildung ("eruditio") und die sittliche Reife betont, fokussiert das moderne Bildungssystem primär auf messbare Ergebnisse und ökonomische Verwertbarkeit.
Welche Rolle spielt die Fabel in dieser Arbeit?
Die Fabel dient als konkretes Exempel, um zu zeigen, dass antike Inhalte durch ihre indirekte Kritik und Moral auch heute noch auf aktuelle gesellschaftliche Verhältnisse übertragbar sind.
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- Anonym (Autor), 2014, Bedeutung der lateinischen Sprache für die Gegenwart. Diskussion anhand ausgewählter Texte, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341102