Weiterentwicklung und Evaluation eines Stressbewältigungstrainings


Bachelorarbeit, 2016
57 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ZUSAMMENFASSUNG

ABSTRACT

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Humor
2.1.1 Wirkung auf Körper und Geist
2.1.2 Beziehung zu Stress und Coping
2.2 Stress
2.2.1 Stress und Stressreaktion
2.2.2 Stressoren
2.2.3 Stressbewältigung
2.3 Durchführung des Stressbewältigungstrainings
2.4 Stand der Forschung
2.5 Untersuchungshypothesen

3. Methoden
3.1 Stichprobe
3.2 Untersuchungsdesign
3.3 Operationalisierung
3.3.1 Stress-und Coping-Inventar (SCI)
3.3.2 Stressverarbeitungsfragebogen (SVF)
3.3.3 Trierer Inventar zu chronischem Stress- Screening- Skala (TICS SSCS)
3.4 Versuchsdurchführung/Untersuchungsablauf
3.5 Auswertungsmethoden

4 Ergebnisse
4.1 Deskriptive Statistiken
4.2 Inferenzstatistik

5. Diskussion
5.1 Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse
5.2 Inhaltliche Einordnung
5.3 Bewertung der Methode
5.4 Praxisbezug

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG
Anhang A
Anhang B
Anhang C
Anhang D
Anhang D-1
Anhang E
Anhang F
Anhang F-1
Anhang F-2
Anhang F-3

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ZUSAMMENFASSUNG

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der teilweisen Neukonzeption eines Stressbewältigungstests von Gerd Kaluza, dessen Weiterentwicklung mittels der Copingstrategie Humor und einer anschließenden Evaluation der Ergebnisse. 29 Personen nahmen an einem insgesamt 6-stündigen Training für Studierende der SRH Hochschule Heidelberg teil. Ziel war es, zum einen die subjektiv empfundene Beanspruchung zu reduzieren und zum anderen die Stressverarbeitung und die Copingstrategien dadurch zu verbessern. Zur Evaluation des Trainings wurden vor Beginn und am Ende der Intervention Subskalen des Stress- und Coping-Inventars (Satow, 2012), des Stressverarbeitungsfragebogens (Erdmann & Janke, 2008) und die TICS Screening-Skala SSCS (Schulz, Schlotz, & Becker, 2004) von den Teilnehmern ausgefüllt. Die Daten wurden mithilfe einer zweifaktoriellen Varianzanalyse (ANOVA) mit Messwiederholung analysiert. Mittels zweier Stichproben und Datenerhebung von 59 Studenten wurde ein signifikanter Unterschied der Mittelwerte der Experimental- und der Kontrollgruppe nach der Messung berechnet.

ABSTRACT

This work deals with the partial new concept of the stress coping training of Gerd Kaluza, its further development by applying humour as a coping strategy and the subsequent evaluation of the results. 29 persons participated at a 6-hours-training conceived for students of the SRH Hochschule Heidelberg. Thereupon the training was developed further. The aim was to reduce the subjective stress perception and to improve at the same time stress management and coping strategies. In order to evaluate the training the participants had to fill in subscales before and after the intervention. The subscales referred to the stress and coping inventory (Satow, 2012), to the stress management questionnaire (Erdmann & Janke, 2008) and to the TICS Screening Scale SSCS (Schulz, Schlotz, & Becker, 2004). The data were analysed with the help of a two-factorial analysis of variance (ANOVA) with repeated measures. By means of two random samples and data collected through a survey with 59 students, there was a significant difference of the mean values after measurement regarding the results of the experimental group and the control group.

1. Einleitung

Stress ist überall verbreitet und taucht in allen Lebensbereichen auf, also auch in Arbeit, intimen Beziehungen und der Bildung. Jeder fünfte Student bekommt heutzutage eine psychische Diagnose aufgrund von chronischem Stress, das zeigt der Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (Grobe & Steinmann, 2015). Mit steigender geistiger Arbeitsbelastung zunehmender Globalisierung, und dem daraus resultierenden Konkurrenzdruck verspüren die meisten Studenten, in der heutigen Zeit einen hohen Leistungsdruck in ihrem Studium (Middendorff, Poskowsky, & Isserstedt, 2012).

Welche Bedeutung Humor als Copingstrategie einnehmen kann, wird deutlich, wenn man das Ausmaß des Stressleidens bei StudentInnen näher betrachtet. So titelte die Zeitung Die Welt am 9.7.2014 eindrucksvoll „Studenten am Rande des Nervenzusammenbruchs“. Dieser Artikel beschreibt, wie sehr StudentInnen unter dem Stress in ihrem Studium leiden und Folgen von Stress, wie Burnout, Depression oder Angststörung zu einem alltäglichen Phänomen geworden sind (Meuter, 2015). Eine Studie des Instituts für Hochschulforschung, befragte 7989 Studenten an Universitäten und Hochschulen hinsichtlich ihres Empfinden der Steigerung ihres Leistungsdrucks in den letzten Jahren (siehe Abbildung 1). Mit einer größten Anteil von 42,6 % bewerteten die Studenten Ihren Leistungsdruck stärker als in den Jahren zuvor. Nur 4,3 % der Studenten finden das es keine Zunahme der Leistungsanforderungen gab (HIS, 2012).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wahrnehmung der Studenten hinsichtlich einer Zunahme des Leistungsdrucksin Anlehnung an HIS (2012)

Auch internationale Studien brachten hervor, dass es fehlende Bewältigungsstrategien sind, die Studierende dazu auffordert Beratungsstellen aufzusuchen um entsprechende Hilfe zu erhalten (Park & Adler, 2003). Bei den ganzen Meldungen drängt sich die Frage auf, wie man sich als StudentIn vor Stress und seinen Folgen schützen kann. Die Antwort kann sehr einfach sein, lachen! Viele wissenschaftliche Untersuchungen berichten davon, dass sich Lachen positiv auf Körper und Psyche auswirken kann (Leisch C. , 2007). Lachen in Verbindung mit anderen Stressbewältigungsstrategien soll die perfekte Waffe gegen Stress sein. Anhand von StudentInnen soll untersucht werden, ob die Verwendung von Humor als eine weitere Copingstrategie hilfreich ist, auf verschiedenen Skalen maßgeblich gegen Stress zu wirken. Zudem soll ein Ausblick ermöglicht werden, ob beispielsweise Seminare zur Förderung des Lachens und des Humors sowie Präventionsmaßnahmen zu Beginn des Studiums für StudentInnen eine mögliche Erweiterung zu anderen Stressbewältigungsstrategien darstellen.

2. Theoretischer Hintergrund

Um ein tieferes Verständnis für den Untersuchungszweck dieser Studie zu schaffen, werden die Konstrukte Humor und Stress in ihrer Charakteristik im Folgenden erklärt. Dieses umfasst die typischen Merkmale, eine nähere Definition der Begrifflichkeiten, dessen Auswirkungen, eine Beschreibung zum Stand der Forschung und die daraus abgeleiteten Hypothesen.

2.1 Humor

Zu Beginn dieser Forschungsarbeit soll zunächst eine Begriffsbestimmung zu dem Konstrukt Humor gegeben werden. Das psychologische Lexikon Dorsch definiert Humor als einen Sammelbegriff für alles Komische, der sowohl Produktion, als auch Rezeption dieser Komik beinhaltet (Häcker & Stapf, 2009). Hinter diesem Sammelbegriff von Humor steckt ein komplexes Konstrukt, welches verschiedene wichtige Funktionen auf emotionaler, sozialer und auch kognitiver Ebene erfüllt und zudem genetisch in uns Menschen verankert zu sein scheint (Martin, 2007).

Aus psychologischer Sicht besteht Humor aus vier verschiedenen Prozessen, dem sogenannten Social Context, dem Cognitive Perceptual Process, der Emotional Response und der Vocal Behavioural Expression of Laughter (Martin, 2007). Der Bereich des Social Context beschreibt Humor als ein soziales Phänomen (Martin, 2007). Meist lachen wir Menschen in sozialen Situationen, wobei hierzu auch Situationen zählen, bei denen die Person augenscheinlich allein ist, zum Beispiel beim lesen eines lustigen Comics (Martin, 2007). Solche Situationen werden dennoch als sozial bezeichnet, weil die Person in diesem Fall über eine fiktive Geschichte mit anderen Menschen oder über geschriebene Charaktere lacht (Martin, 2007). In diesem sozialen Kontext kann Humor die Gruppenzusammengehörigkeit beeinflussen, indem er den Gruppenzusammenhalt fördert und Außenseiter einer Gruppe durch Witze klar abgrenzt und definiert (Berger, 1998).

Der zweite genannte Prozess bei der Verwendung von Humor ist der Cognitive Perceputal Process. Damit Humor entstehen kann, muss die Person Informationen entweder direkt aus ihrer Umwelt oder aus ihrer Erinnerung aufnehmen bzw. abrufen und verarbeiten. Dabei kann es sich um Gelesenes, Gehörtes, Gesagtes oder auch Getanes handeln. Mit diesen Informationen wird auf kreative Weise gespielt und es können so Wörter, Ideen oder auch Handlungen entstehen, die von der Umwelt als komisch empfunden werden. Meist sind diese ungewöhnlich, unerwartet und überraschend (Martin, 2007). Entscheidend ist auch, dass der Stimulus der Person, zumindest in diesem Moment, nicht so wichtig erscheint, was erlaubt, die aufgenommenen oder auch abgerufenen Informationen in einen spielerischen und witzigen Bezug zu setzen (Martin, 2007).

Um die Entstehung von Humor noch besser zu verstehen, ist der Begriff „Bisociation“ von Arthur Koestler (1964) zu nennen, der beschreibt, dass Humor entsteht, wenn zum Beispiel Situationen oder Gedanken, die vollkommen unabhängig voneinander sind und auch nicht miteinander koppelbar zu sein scheinen, verbunden werden. Um diesen Begriff genauer verstehen zu können, ein Beispiel zur Erläuterung: Zwei Kannibalen essen einen Clown. Sagt der eine zum anderen, „Schmeckt das witzig für dich?“ (Martin, 2007). Bei Humor werden Ideen oder Aktivitäten so beeinflusst und manipuliert, dass sie gleichzeitig zum Beispiel real oder nicht real, bedeutsam und unbedeutsam oder gefährlich und sicher erscheinen können. Dieser kognitive Prozess, bei dem zwei Gegensätze des gleichen Objekts gleichzeitig im Gedächtnis präsent sind, wird „Synergy“ genannt (Martin, 2007).

Ein weiterer wichtiger Prozess bezüglich Humor ist der emotionale Prozess (Martin, 2007). Humor löst eine emotionale Reaktion aus, die sogenannte Emotional Response, die, wie in mehreren Studien belegt wurde, einen Anstieg der positiven Stimmung und Affekte beinhaltet (Svebak, Martin, & Holmen, 2004). Humor kann hierbei Emotionen auslösen, die zum Beispiel als Heiterkeit, Fröhlichkeit oder auch eine Art Hochgefühl beschrieben werden kann, das des Weiteren auch mit Gefühlen von Unbesiegbarkeit einhergehen kann (Martin, 2007).

Zuletzt zu nennen ist, dass das Lachen oder Lächeln, als Vocal Behavioral Expression of Laughter, dieser emotionalen Reaktion Ausdruck verleiht (Martin, 2007). Das Lachen oder auch Lächeln ist ein sozialer Ausdruck, der wichtig für die Kommunikation ist. Diese wirken als ein Signal, das den Umgang miteinander bestimmt und zum Beispiel dem Gegenüber zu verstehen gibt, dass die Person, aber auch die Nachricht oder Situation, freundlich gesinnt bzw. gemeint ist (Martin, 2007). Besonders bei fremden Personen hilft das Lachen oder Lächeln, die zu Beginn vorherrschende Distanz bei der Kommunikation zu verringern (Broszinsky-Schwabe, 2011).

2.1.1 Wirkung auf Körper und Geist

Nach dieser kurzen Definition und Vorstellung des Begriffs Humor werden nun dessen körperliche und psychische Wirkung auf den Menschen betrachtet. So konnte in bisherigen Untersuchungen festgestellt werden, dass der Vorgang des Lachens zu einem sehr schnellen Anstieg der Herzfrequenzrate, der Atmungsfrequenz und der Tiefe des Atmens führt, sowie zu einem erhöhten Sauerstoffverbrauch (Bennett & Lengacher, 2008). Diesem körperlichen Erregungszustand folgt eine Phase der Muskelentspannung sowie eine Verringerung der Herzfrequenzrate, der Atmungsfrequenz und des Blutdruckes, wodurch dem Lachen eine entspannende Wirkung zukommt (Strean, 2009). Diese Funktionen des Lachens wirken zusätzlich ähnlich wie ein Kardiotraining auf den Körper (Fry, 1994).

Zudem gibt es Überlegungen, ob Lachen das Risiko einer bronchialen Infektion verringert (Fry, 1994). Jedoch trägt nicht nur der Akt des Lachens alleine zu unserer Gesundheit bei, sondern auch die bereits erwähnten emotionalen und kognitiven Prozesse (Martin, 2007). Nach einer Studie von Moran (1996) konnte das Ansehen einer Komödie die Gefühle der Angst nach dem Film signifikant reduzieren. Selbst im Bereich der Depression zeigte sich, dass Humor einen Einfluss darauf nimmt und die Stärke der Ausprägung verringern konnte (Martin, 2007).

2.1.2 Beziehung zu Stress und Coping

Wenn man die bisher genannten Forschungsergebnisse zusammenfassend betrachtet, so zeigt Humor eine positive Wirkung im Bereich der Stimmung, der Angst, der Ausprägung einer Depression, aber auch der körperlichen Anspannung und Gesundheit, die alle als Folgen von Stress negativ auftreten können (Kaluza, 2014). Es scheint deshalb nicht verwunderlich zu sein, dass Humor gegen die Auswirkungen von Stress einsetzbar ist (Martin, 2007). Aber warum? Nach dem Stressmodel von Lazarus (1984) spielen die kognitive Wahrnehmung und Bewertung der Situation sowie der Bewältigungsmöglichkeiten und -fähigkeiten eine wichtige Rolle, ob Stress entsteht oder nicht (Kaluza, 2014).

In diesem Bereich der Wahrnehmung und Bewertung kann Humor als Copingstrategie eingesetzt werden und dabei helfen, das Erlebte neu zu bewerten und aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten (Martin, 2007). Die Anwendung von Humor verleiht, wie bereits genannt, den Personen durch das Erkennen von Unstimmigkeiten oder auch Gegensätzen in Situationen, zum Beispiel die Möglichkeit, diese in einem neuen Licht erscheinen zu lassen und dadurch gefährlich wirkende Momente oder auch Situationen zu verändern (Martin, 2007). Dies bedeutet, dass Humor dazu führt, dass die Situation der Person weniger stressvoll erscheint und auch wieder ein höheres Gefühl der Kontrolle und Bewältigung geschaffen wird (Kuiper, Martin, & Olinger, 1993). Zusätzlich fungiert Humor als Distanzierungsfunktion, die beispielsweise besonders in sozialen Berufen, wie bei PsychologInnen, SozialarbeiterInnen, MedizinerInnen, PolizistInnen oder Pflegekräften, als Schutz vor stressreichen und traumatischen Ereignissen angewendet wird (Frittum, 2009).

Wenn man Humor als Copingstrategie betrachtet, sollte hierbei auch auf das Zusammenspiel mit anderen Strategien gegen Stress eingegangen werden. Eine häufig genannte Copingstrategie ist das positive Denken, das eng mit dem Begriff des funktionalen Optimismus einhergeht (Kaluza, 2014). Dieses wird ähnlich wie bei Humor angewendet, um Situationen oder Probleme aus einem anderen positiveren Blickwinkel zu betrachten, womit auch hier eine sogenannte kognitive Umstrukturierung stattfindet (Baierl, 2014). In Bezug auf die positive Sichtweise konnte festgestellt werden, dass diese das Gefühl der Bewältigungsfähigkeit von Anforderungen erhöht, womit Stress reduziert werden kann (Kaluza, 2014).

Wie bereits erklärt wurde, greift Humor auf einem ähnlich kognitiven Ansatz der Stressbewältigung und konnte in Therapien mit psychisch Erkrankten diesen positiven Perspektivenwechsel erleichtern (Sultanoff, 2013) und den Betroffenen eine positivere und hedonistische Sichtweise auf die Probleme ermöglichen (Gelkopf, 2011). Zusätzlich zu dem positiven Denken ist noch die Copingstrategie soziale Unterstützung und ihre Verbindung zu Humor zu nennen. In bisherigen Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass Personen, die in ein soziales Netz eingebunden sind, gesünder sind, als diejenigen, die nicht auf solche Netze zurückgreifen können (Schütz & Hoge, 2007). Personen mit einem ausgeprägten sozialen Netz haben die Möglichkeit, ihre Sorgen mitzuteilen sowie mehr Liebe und Wertschätzung von ihren Mitmenschen zu erfahren, wodurch es zu einer positiven emotionalen Verbesserung kommt und Stress reduziert werden kann (Schütz & Hoge, 2007). Die Arten der sozialen Unterstützung können dabei unterschiedliche Formen annehmen, wie zum Beispiel die emotionale Unterstützung durch Trostspenden oder die materielle Unterstützung, mittels Geld (Kaluza, 2014). Die Quelle der Unterstützung ist dabei sehr verschieden, besonders häufig kommt diese von Beziehungspartnern, Eltern, Kindern, engen Freunden, Bekannten und auch Nachbarn oder Arbeitskollegen (Kaluza, 2014). Humor kann auch in diesem Punkt dazu beitragen, dass sowohl Beziehungen als auch der Umgang mit den Menschen erleichtert, gefestigt und gefördert wird, womit ein größeres soziales Netzwerk entstehen kann (Martin, 2007). In Partnerschaften wurde zum Beispiel festgestellt, dass Humor hilfreich war, um mit Streitthemen und Problemen in der Beziehung leichter umzugehen, Emotionen besser zu regulieren und Stress zu verringern, wodurch auch hiermit die oben bereits genannte Quelle der sozialen Unterstützung gefestigt wurde (Kaluza, 2014)

2.2 Stress

Bis heute lässt sich eine Definition von Stress nicht einheitlich generalisieren (Schwarzer, 2004). Der Biochemiker und Mediziner Hans Seyle prägte diesen Begriff jedoch, indem er Stress als „unspezifische Antwort des Körpers auf eine Anforderung“ definierte (Schuler & Birbaumer, 2004). Es gilt zwei verschiedene Formen von Stress zu unterscheiden. Eustress bezeichnet die positive Form von Stress, welcher beispielsweise bei der Vorfreude auf eine Achterbahnfahrt oder während einer besonderen Reise auftritt. Bei belastenden Situationen tritt die zweite, negative Form von Stress auf. Diese wird als Distress bezeichnet. Er entsteht beispielsweise bei einer Scheidung oder dem Tod eines Angehörigen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird lediglich von Distress gesprochen, wenn der Betroffene sich unter Druck gesetzt fühlt. Hinzuzufügen ist, dass Stress individuell und subjektiv empfunden wird und sich so auch dementsprechend individuell ausprägt (VTON, 2014).

Das Phänomen Stress setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Dem Stressor, dem subjektiven Erleben und Bewältigungsversuchen und der Stressreaktion (siehe Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die Ebenen des Stressgeschehens nach Lazarus (1984)

Situative Anforderungsbedingungen mit der Konsequenz der Auslösung einer Stressreaktion werden Stressoren genannt (Schandry, 2011). Diese werden in physikalische, Leistungs- und soziale und körperliche Stressoren unterteilt. Sie teilen alle die Gemeinsamkeit, dass sie die Intaktheit des Organismus bedrohen.

Ob eine Stresssituation zu bewältigen ist, hängt von subjektiven Prozessen der Wahrnehmung und Bewertung ab. Das transaktionale Modell von Lazarus (1984) teilt die Beurteilung einer Stresssituation in die primäre Bewertung und daraufhin in die sekundäre Bewertung ein. Primär, ob die Situation neutral, gefährlich oder ungefährlich ist. Sekundär, ob die eigenen Kompetenzen in ausreichenden Ressourcen oder in einem Mangel derselben eingeschätzt werden. Gibt es sowohl eine gefährliche Situation als auch mangelnde Ressourcen, wird eine Stressreaktion ausgelöst und nach Bewältigungsverfahren gesucht (Schandry, 2011).

Das Gehirn schüttet einen Botenstoff (CRH) aus, der wiederum die Ausschüttung des Hormons ACTH in die Hypophyse aktiviert. Dieser Botenstoff aktiviert daraufhin eine Adrenalinausschüttung an der Nebenniere. Durch dessen schnellen Abbau im Körper dient Adrenalin lediglich als Hormon für akute Stressreaktionen. Diese ziehen Auswirkungen wie den Anstieg des Blutdrucks, der Herzfrequenz und der Gerinnungsfähigkeit des Bluts mit sich. Bei länger andauernden Stressreaktionen bildet sich das Stresshormon Cortisol, welches sich langsamer abbaut und somit den Körper in Alarmbereitschaft hält. Eine Daueraktivierung durch Stress im Körper kann zu verheerenden Folgen führen. Burnout kann eine dieser Folgen sein (Schandry, 2011).

2.2.1 Stress und Stressreaktion

Darüber hinaus kann der Stress auch in seiner spezifischen Dauer differenziert werden. Als akuter Stress werden vorübergehende Erregungszustände bezeichnet, die ein klares Anfangs- und Endmuster aufweisen. Im Gegensatz hierzu steht der chronische Stress, der durch einen dauerhaften Erregungszustand charakterisiert ist, in welchem innere und äußere Ressourcen als nicht ausreichend wahrgenommen werden, um die Anforderungen bewältigen zu können (Zimbardo & Gerrig, 2004).

2.2.2 Stressoren

Als Stressor wird auf der ersten Ebene der von außen kommende Druck bezeichnet, der in Form von stressauslösenden Reizen oder Ereignissen auftritt und vom Organismus eine Anpassung erfordert. Jedoch führen nur Anforderungen zu Stress, wenn Unsicherheit bezüglich des Bewältigungserfolges durch eigene Kompetenzen besteht (Kaluza, 2014). Mainka-Riedel (2013) differenziert zwischen physischem (z.B. Lärm), organisationsbedingtem (z.B. Hierarchie), sozialem (z.B. Isolation, Diskriminierung), emotionalem (z.B. Kränkung) und arbeitsbedingtem Stress (z.B. Zeit- und Leistungsdruck).

2.2.3 Stressbewältigung

Das sogenannte Gelassenheitsgebot beschreibt kurz und treffend das ideale Verhältnis zwischen langfristiger Bewältigung und kurzfristiger Erleichterung. Der Kieler Pädagoge Theodor Wilhelm hat unter dem Pseudonym Friedrich Oetinger diese Information aus einer englischen Fassung des deutsch-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr ins Deutsche übernommen: Gebe Gott mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann (= Veränderung der persönlichen Wahrnehmung), den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann (= langfristige Bewältigung der Stressoren) und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden (= Stressdiagnostik).

Mit Maßnahmen der kurzfristigen Erleichterung kann man Auswirkungen bereits aufgetretener Stressreaktionen mildern und Stressspitzen kappen. Maßnahmen der kurzfristigen Erleichterung sind sinnvoll, wenn man die Ursache einer Belastung nicht verändern will oder kann, sich in einer akuten Stresssituation befindet und wieder einen kühlen Kopf gewinnen will. Auch sind solche Maßnahmen sinnvoll, wenn man bemerkt, dass die eigene Erregung zu hoch ist, man sie senken oder einen Aufschaukelungsprozess vermeiden möchte.

2.3 Durchführung des Stressbewältigungstrainings

An dieser Stelle soll die Rahmenstruktur des weiterentwickelten Stressbewältigungstrainings vorgestellt werden. Am Tag des Trainings wurden die Teilnehmer durch mich begrüßt und es wurde der Ablauf für die kommenden Stunden vorgestellt. Dieser wurde sowohl am Flipchart als auch über den Beamer gezeigt. Im Zuge dessen wurden außerdem organisatorische Dinge, wann Pausen gemacht werden und die Gruppenregeln, kommuniziert. Ziel war es, den Teilnehmern so einen guten Überblick zu geben, damit sie für sich selbst Zusammenhänge und eine klare Struktur erkennen konnten. Auch wurde auf die Datenerhebung vor und nach dem Training aufmerksam gemacht. Jeder Teilnehmer musste vor Beginn und sofort im Anschluss an das Training den Fragebogen ausfüllen und ganz am Ende des Trainings seinen Code auf einem Blatt Papier, welches durch den Raum gereicht wurde, notieren. Ziel dieses Codes war es, die Anonymität der Teilnehmer zu gewährleisten, aber trotz allem bei der Evaluation des Fragebogens die Gruppen unterscheiden zu können. Es zeigte sich ein reibungsloser Ablauf des Trainings durch gute Vorbereitung (siehe Anhang A).

Nach Abschluss des organisatorischen Teils folgte der Einstieg in das Training. Im Wesentlichen wurden dabei Strategien zu einer funktionalen Stressbewältigung vermittelt, welche schon durch Gerd Kaluzas Stressbewältigungsmanual empfohlen wurden und zu einer weiteren Bewältigungsstrategie, die an Humor anknüpft. Ziel des Trainings war es, die gewählten Module des Gesundheitsförderungsmanual mit dem Modul „Humor“ zu erweitern, aber auch,die Mitwirkenden aktiv in die Sitzungen mit einzubeziehen, da das Trainingskonzept die Teilnehmer selbst als die wichtigsten Experten für ihre Situation sieht. Da der genaue Ablauf des Trainings den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wird er nur grob betitelt (siehe Anhang B).

Am Ende dieser 6 Stunden wurde das Training mit einer kleinen Feedbackrunde abgeschlossen. Zur Transfersicherung wurde darüber hinaus betont, dass eine Anwendung der im Training erworbenen Strategien im Alltag von zentraler Bedeutung ist. Dazu wurden am Ende des Stressbewältigungstrainings die neun Regeln des gesunden Schlafs von Gerd Kaluza ausgeteilt (siehe Anhang C).

2.4 Stand der Forschung

Des Weiteren sollen in dieser Arbeit nun diese Ergebnisse aus der Forschung hinsichtlich ihrer Wirkung auf Studenten näher betrachtet werden. Der Effekt des Humors als Copingstrategie gegen Stress konnte in einer Studie belegt werden, in der festgestellt wurde, dass Studenten die humororientiert handeln, die in verschiedenen Lebensbereichen mehr Humor als Mittel gegen Stress einsetzten, effektiver mit diesem umgingen und eine höhere Zufriedenheit in ihrer Arbeit erlebten (Booth-Butterfield, Booth-Butterfield, & Wanzer, 2007). In einer weiteren Studie wies man nach, dass StudentInnen, die Humor als Copingstrategie verwendeten, mehr Fähigkeiten im Bereich des Perspektivenwechsels und der Planungsfähigkeit in Stresssituationen zeigten (Kuiper, Martin, & Olinger, 1993). Interessant ist bei der Betrachtung der StudentInnen und ihrer Beziehung zu Humor, dass es Unterschiede je nach Studienfachrichtung hinsichtlich der Verwendung von Humor als Coping Strategie zu geben scheint (Wear, Aultman, Varley, & Zarconi, 2006).

Studien belegten, dass MedizinstudentInnen im Laufe ihrer Ausbildung vermehrt zynische und abwertende Formen von Humor entwickelten, die sich meist gegen Patienten richteten (Wear et al., 2006). MedizinstudentInnen sahen in der Verwendung von Humor eine Möglichkeit, mit Stress und Druck im Studium besser umzugehen und sich von den Betroffenen, in diesem Fall den PatientInnen, besser distanzieren zu können (Wear et al., 2006). Diese Erscheinung kann auf alle Studiengänge, die den Umgang mit Menschen erfordern, übertragen werden.

Es gibt auch Studien, die das Copingverhalten von Männern und Frauen untersucht. Zusammenfassend zeigt sich aber, dass die empirischen Befunde unklar sind. Es kann nämlich nicht eindeutig belegt werden, dass Frauen und Männer ein unterschiedliches Verhaltensrepertoire im Bereich der Copingstrategien besitzen. (Korabik & van Kampen, 1995; Porter & Stone, 1995).

2.5 Untersuchungshypothesen

Somit lautet die Fragestellung: Kann die Teilnahme an einem Stressbewältigungstraining zu einer signifikanten Verbesserung der subjektiven Beanspruchung und des Stresserlebens/der Copingstrategien führen? Hierbei lassen sich im Folgenden zwei Hypothesen bilden.

Die Messwerte der Experimentalgruppe und Kontrollgruppe sind identisch.

Die Messwerte der Experimentalgruppe und Kontrollgruppe sind nicht identisch.

Eine weitere Hypothese die gebildet werden kann lautet.

Die Messwerte der Prä- und Postmessung sind unterschiedlich.

Die Messwerte der Prä- und Postmessung sind identisch.

[...]

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Weiterentwicklung und Evaluation eines Stressbewältigungstrainings
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
57
Katalognummer
V341535
ISBN (eBook)
9783668313552
ISBN (Buch)
9783668313569
Dateigröße
1276 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stressbewältigung, Stress, Coping, Humor, Lachen, Stressbewältigungstraining, Training gegen Stress, Kaluza, Psychologie, Studierende, Anti-Stress
Arbeit zitieren
Tina Schlosser (Autor), 2016, Weiterentwicklung und Evaluation eines Stressbewältigungstrainings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341535

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