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Übersetzung und Blindheit. Walter Benjamins Theorie der Übersetzung

Titel: Übersetzung und Blindheit. Walter Benjamins  Theorie der Übersetzung

Hausarbeit , 2011 , 18 Seiten , Note: 1

Autor:in: Adrian Giacomelli (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Auf den folgenden Seiten soll eine Gegenüberstellung zwischen Benjamin und Benjamin stattfinden, zwischen Benjamin als Theoretiker der Übersetzung und Benjamin als Übersetzer. Es stellt sich die Frage, wie sich Theorie und Übersetzung Benjamins zueinander verhalten.

"Mir schien, daß dieser Text von Benjamin über »Die Aufgabe des Übersetzers« ein Text ist, der sehr bekannt ist, sowohl in dem Sinn, daß er weit verbreitet ist, als auch in dem Sinn, daß man in unserer Profession nur dann etwas gilt, wenn man etwas zu diesem Text gesagt hat." Paul DeMan

In demselben Aufsatz schreibt de Man: «Übersetzen kann man nur ein Original». Eine gewagte These, gewagt aber in dem Sinn, dass sie wie dahergesagt erscheint. Denn, de Man war das sicherlich bewusst, übersetzen lässt sich schlechterdings alles, also auch eine Übersetzung. Ist jedes Original denn auch ein Originaltext? Bereits einen beliebigen Text als Original zu bezeichnen, mithin als ursprünglich, als vom Ursprung aufgegriffen, führt nicht bloß an der Grundhypothese jeder Intertextualitätstheorie, der auch de Man, wenn er sich auch scheuen mag, das Wort Intertextualität zu verwenden, verschuldet ist, scharf vorbei, sondern mitten in die ausgetrockneten Savannen des Positivismus, dessen einziges Ziel bekanntlich ist, die Augen vor allem und vor allem vor demjenigen zu verschließen, dem er sich widmet. Es heißt nichts anderes, als das Alphabet auf zwei Buchstaben zu reduzieren.

Die Schwierigkeiten, die das Thema Übersetzung mit sich bringt, sind vielleicht am deutlichsten daran zu erkennen, dass es immer wieder dazu reizt, diese Angelegenheit auf solche Sätze zu reduzieren, in der von vornherein zum Scheitern verurteilten Hoffnung, Licht in etwas bringen, was allzu konfus scheint. Die Schwierigkeiten, diese Diskussion zu führen, sind aber keineswegs unverständlich. Sie wohnen in der Natur der Sache. Sie wohnen in der Tatsache, dass es Übersetzer gibt; und ein Übersetzer kann seine Aufgabe nur verrichten, indem er vom Original ausgeht, indem er am Original als Original festhält. Gleichwohl weiß er, dass seine Aufgabe zum Scheitern verurteilt ist. Wenn de Man obigen Satz formuliert hat, dann spricht er aus der Perspektive des Übersetzers, der die Abgründigkeit seines Tuns vergessen muss: «Der Übersetzer muß aufgeben angesichts der Aufgabe, das wiederzufinden, was im Original gegeben ist» .

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I. Die Aufgabe des Übersetzers

a. Die Figur des Übersetzers

b. Das Verhältnis zwischen Original und Übersetzung

II. Übersetzung und Blindheit

a. Les Aveugles

b. Die Blinden

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe und paradoxe Verhältnis zwischen der Übersetzungstheorie Walter Benjamins und seiner eigenen übersetzerischen Praxis. Im Zentrum steht die kritische Analyse, inwiefern der Übersetzer als Mittler fungiert und wie das Konzept der "reinen Sprache" durch den Akt des Übersetzens sowie die Metaphorik der Blindheit in Baudelaires Gedicht "Les Aveugles" verhandelt wird.

  • Die Figur des Übersetzers im Spannungsfeld von Theorie und Praxis
  • Das Verhältnis zwischen Originaltext und Übersetzung
  • Die Analyse der Blindheit in Baudelaires "Les Aveugles"
  • Die Rolle der Sprache als Instrument und Ziel der Übersetzung
  • Kritische Reflexion der "reinen Sprache" bei Benjamin

Auszug aus dem Buch

Die Figur des Übersetzers

Dem Titel zufolge ist Benjamins Aufsatz Die Aufgabe des Übersetzers, in dem seine Theorie der Übersetzung festgehalten ist, nicht zunächst ein Aufsatz über die Übersetzung, sondern vor allem ihrem Verrichter gewidmet. Der Übersetzer – als Übersetzer ist er also jemand, der über-setzt, sich über ... hinaus setzt. Dieses über, als Anzeiger einer Bewegung, ist zu fassen und zu verorten unmöglich. Der Übersetzer ist dem Wort nach jemand, der sich durch eine permanente Verschiebung seiner Situation und seines Setzens auszeichnet, durch eine Unverortbarkeit ferner, die dazu führt, dass das -setzen in Übersetzen nicht sesshaft werden kann; über- und -setzen stehen in einem widersprüchlichen Verhältnis zueinander; worauf das -setzen abzielt ist, wird durchs über- vereitelt.

Es ist dieses Wort, Aufgabe, das im Titel von Benjamins Aufsatz auf die Tücke der Übersetzertätigkeit aufmerksam macht. Das Wort Aufgabe selbst muss übersetzt zu werden. Da Aufgabe zwei Lesarten birgt, zwingt es zu einer Paraphrasierung und einer Explikation: Bewegungen, die schon ins Regime des Übersetzens hineinreichen, die allesamt versuchen «›Dasselbe‹ wiederholt zu sagen».

Zusammenfassung der Kapitel

Vorwort: Einführung in die Problematik der Benjamins-Rezeption und Ankündigung der Gegenüberstellung von Benjamin als Theoretiker und als Übersetzer.

I. Die Aufgabe des Übersetzers: Untersuchung der Rolle des Übersetzers als "Verrichter" einer paradoxen Aufgabe, die ein ständiges "Übersetzen" und "Hinaussetzen" über die Grenzen der Sprachen erfordert.

a. Die Figur des Übersetzers: Analyse des Titels und der begrifflichen Doppeldeutigkeit von "Aufgabe" sowie die Erörterung der Akausalität des Übersetzers.

b. Das Verhältnis zwischen Original und Übersetzung: Erörterung der wechselseitigen Abhängigkeit und Fremdheit von Original und Übersetzung unter Rückgriff auf Benjamins Sprachtheorie.

II. Übersetzung und Blindheit: Verknüpfung der übersetzungstheoretischen Überlegungen mit der Analyse von Baudelaires Gedicht "Les Aveugles".

a. Les Aveugles: Detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse des Gedichts im Hinblick auf die Thematisierung von Sehen und Blindheit.

b. Die Blinden: Kritische Reflexion von Benjamins Übersetzungspraxis anhand des Gedichts und die Frage nach der "Wörtlichkeit" und dem "Original".

Schlüsselwörter

Walter Benjamin, Übersetzungstheorie, Baudelaire, Les Aveugles, Blinden, Original, reine Sprache, Intertextualität, Sprachphilosophie, Paradoxie, Übersetzungspraxis, Wörtlichkeit, Umdichtung, Metaphorik, Sehen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das theoretische und praktische Werk des Philosophen und Übersetzers Walter Benjamin im Hinblick auf die Paradoxien des Übersetzungsvorgangs.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Sprachtheorie, die Rolle des Übersetzers, das Verhältnis von Original und Übersetzung sowie die literarische Analyse von Baudelaires Gedicht "Les Aveugles".

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Diskrepanz und das Zusammenspiel zwischen Benjamins theoretischen Forderungen an die Übersetzung und seiner konkreten übersetzerischen Arbeit kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philologische und dekonstruktivistische Herangehensweise, um Benjamins Texte und Übersetzungen sowie das Gedicht Baudelaires exegesisch zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird Benjamins Aufsatz "Die Aufgabe des Übersetzers" interpretiert und anschließend auf eine konkrete Fallstudie – die Übersetzung von Baudelaires "Les Aveugles" – angewendet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind "Übersetzung", "reine Sprache", "Original", "Blindheit" und "Paradoxie".

Wie interpretiert der Autor den Begriff "Aufgabe" bei Benjamin?

Der Autor versteht "Aufgabe" als doppeldeutig: sowohl als "task" (zu erfüllendes Werk) als auch als ein "Aufgeben" der eigenen Position des Übersetzers im Sinne der Entzerrung und Tilgung des Mittlers.

Welche Rolle spielt das Sehen im Kontext der Blindheit?

Sehen und Blindheit werden als notwendige Paradoxie verstanden: Der Übersetzer muss blind für das vordergründige Thema sein, um durch die "durchscheinende" Übersetzung dem Wesen der "reinen Sprache" näherzukommen.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Übersetzung und Blindheit. Walter Benjamins Theorie der Übersetzung
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Note
1
Autor
Adrian Giacomelli (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V341618
ISBN (eBook)
9783668314641
ISBN (Buch)
9783668314658
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walter Benjamin Übersetzungstheorie Baudelaire Paul Deman Jacques Derrida Dekonstruktion Gedichtanalyse Intertextualität
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Adrian Giacomelli (Autor:in), 2011, Übersetzung und Blindheit. Walter Benjamins Theorie der Übersetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341618
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  18  Seiten
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