Schule unterm Hakenkreuz. Unterrichtsinhalte in der Zeit des Nationalsozialismus


Hausarbeit, 2013

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die allgemeinen Erziehungsziele im Nationalsozialismus

3. Die schulische Erziehung im Nationalsozialismus zwischen 1933 und
3.1 Nationalsozialistische Erziehung am Beispiel des Faches Heimatkunde
3.1.1 Vererbungslehre und Rassenkunde im Heimatkunde-Unterricht
3.2 Veränderter Stellenwert des Faches Sport im Nationalsozialismus
3.3 Einführung neuer Unterrichtsfächer

4. Fazit und Ausblick

1. Einleitung

„ Wir wollen in unserer Schule keine theoretischen, sondern politische Menschen bilden, wir wollen Tatmenschen. [...] Geschichte nationalsozialistisch gesehen; Märchen nationalsozialistisch verstanden, Erkunde nationalsozialistisch betrieben; Lebenskunde nationalsozialistisch gedacht usw. [...] So gilt sowohl für die Auslese wie für die Vermittlung völkischer Bildung der Grundsatz der Politisierung: es gilt unserer deutschen Jugend eine Bildung zu geben, die sie im höchsten Grad einsatzwillig macht. [...]“[1]

(Franz Huber, Mitglied des NSLB, 1944)

Ideologievermittlung, Wehrerziehung und Führerkult – Schulalltag in einer deutschen Volksschule in den Jahren nach der Machtergreifung Adolf Hitlers im Januar 1933.

Während für viele Deutsche eine vermeintliche Zeit der Zuversicht und Aufbruchstimmung anbrach und die Führungsmacht ihre Expansionspolitik versuchte durchzusetzen, fand auch im Bereich des Schulwesens eine Umkrempelung bisheriger Strukturen und Methoden statt. Entsprechend dem Zitat Franz Josef Hubers, Mitglied des Nationalsozialistischen Lehrerbundes, hatte die Schule fortan die Aufgabe, die Jugend in einem nationalsozialistischem Geiste zu erziehen, abzielend auf die Heranzüchtung einer willenlosen und opferbereiten Gefolgschaft.

Im Rahmen meiner Arbeit möchte ich daher auf die Auswirkungen und innerschulische Umsetzung der Erziehungsziele eingehen und habe mir die Fragen gestellt, welche Wissensinhalte die Schulen im Dritten Reich vermittelten? Welche Veränderung gab es gegenüber den Lehrinhalten vor 1933, zur Zeit der Weimarer Republik? Wurden sogar komplett neue Fächer eingeführt?

Aufgrund des Umfangreichtums dieses Themas habe ich mich auf die Jahre 1933 bis 1937, den direkten Zeitraum nach der Machtergreifung beschränkt. Des weiteren beziehen sich meine Untersuchungen ausschließlich auf die Volksschule, mit den integrierten unteren vier Jahrgängen der Grundschule; schließlich verließen im Dritten Reich etwa 90% der Schüler und Schülerinnen die Schule mit einem Volksschulabschluss oder zumindest einem Abgangszeugnis der Volksschule[2].

Obgleich die Mehrheit diesen Schultyp besuchten, wurde der Volksschule in der Geschichtsforschung, gegenüber den anderen Schularten, bislang wenig Beachtung geschenkt. Ein Großteil der Aufschriften und Zeitzeugenberichte stammen aus der Feder von ehemaligen Schülern des Gymnasiums, weshalb sich die Quellenlage, im Bereich des Volksschulwesens weitaus schwieriger darstellt.

In meiner Arbeit möchte ich zunächst auf die allgemeinen Erziehungsziele des Nationalsozialismus eingehen, manifestiert durch Adolf Hitler und dessen politische Sympathisanten, sowie Unterschiede zum Erziehungsverständnis der Weimarer Zeit nennen. Anschließend möchte ich auf die gelehrten Unterrichtsinhalte und die damit implizierte Ideologievermittlung, am Beispiel des Faches Heimatkunde, genauer eingehen. Einen besonderen Augenmerk werfe ich hierbei auf die Themengebiete „Rassenkunde“ und „Vererbungslehre“ im Heimatkundeunterricht. Im Anschluss daran möchte ich auf einen weiteren wichtigen Aspekt im Fächerkanon des Nationalsozialismus, dem Sportunterricht, eingehen und dessen veränderten Stellenwert, im Vergleich zur Schulerziehung vor 1933, erläutern. Abschließend werde ich auf die Frage eingehen, inwiefern die Nationalsozialisten das bisher bestehende Fächerrepertoire umgestalteten und in einem abrundendem Fazit einen Ausblick liefern, indem ich mich auf die Suche nach Spuren des Nationalsozialismus im heutigen Schulsystem begebe.

2. Die allgemeinen Erziehungsziele im Nationalsozialismus

Als oberstes Erziehungsziel verstanden die Nationalsozialisten, die Schüler auf den bevorstehenden Krieg vorzubereiten und ihnen ihre Rassenideologie einzutrichtern. Dementsprechenden hatte das Heer, Parteigliederungen aber auch alle Schularten, inbegriffen die Volksschule mit ihren unteren vier Schulstufen, die Aufgabe, „die deutsche Jugend zur Volksgemeinschaft und zu vollem Einsatz für Führer und Nation zu erziehen“[3]. Durch diese Zielvorgabe, gerät der eigentliche Gedanke der Schule in den Hintergrund, im Vordergrund steht die Erziehung der Schüler zu einem ideologietreuen, nationalsozialistischen Mensch.[4]

Diesen Erziehungsgedanke manifestierte Hitler bereits in seinem politisch-ideologischen Werk „Mein Kampf“. In diesem schreibt er, dass der oberste Gedanke der Bildung und Erziehung das „[einbrennen] [von] Rassesinn und [...] Rassegefühl [...] in Herz und Gehirn der [...] Jugend [sei]“[5]. Dies bedeutete eine Umkehrung der bisher vorherrschenden Erziehungsziele und einen Bruch mit dem bis dato gültigen Schulverständnis der Weimarer Republik. Hitler spitzt seine Formulierungen weiter zu und nennt nicht die Wissensvermittlung, als oberste Aufgabe der Schulerziehung, sondern das „Heranzüchten kerngesunder Körper“[6]. An zweiter Stelle stehe die Entwicklung geistiger Fähigkeiten, worunter Hitler die „Förderung der Willens- und Entschlußkraft“[7], sowie die „Erziehung zur Verantwortungsfreudigkeit“[8] versteht. Erst an letzter Stelle nennt Hitler die wissenschaftliche schulische Bildung als Aufgabe der Erziehungsarbeit. So formuliert er weiter, seien „Treue, Opferwilligkeit [und] Verschwiegenheit [...] Tugenden, die ein großes Volk nötig braucht“[9]. Die Vermittlung solcher Werte in Form von schulischer Ausbildung seien dringender, als die Inhalte der vorherrschenden Lehrpläne. Führende Repräsentanten des Nationalsozialismus unterstrichen in verschiedenen Varianten und Ausführungen Hitlers Gedankengut, wie etwa Alfred Rosenberg, NSDAP – Politiker und führender Ideologe. Er untermauerte die Aussage Hitlers und proklamierte 1934, dass „die allererste Aufgabe der Erziehung [...], nicht die technische Wissensvermittlung, sondern Charakterbildung [...] [sei]“[10]. Ebenso lies Reichsinnenminister Wilhelm Frick im Jahre 1933 verlauten, dass das zentrale Erziehungsziel schulischer Einrichtungen, „die Unterordnung des Schülers unter das ,Volksganze‘ und die Wehrertüchtigung [sei]“[11].[12]

Zusammenfassend zeigt die Umverteilung der Erziehungsziele eine klare Wende im Bezug zu den Bildungsrichtlinien der 20er Jahre. Während der Erziehungsauftrag bis 1933 noch unter dem Leitbild der Reformpädagogik stand und die „Pädagogik vom Kinde aus“ praktiziert wurde, steht nun eine „Pädagogik vom Volke aus“ im Vordergrund, welche dienstliche Hingabe zu Führer, Nation und Volk, sowie die eine für die Gesellschaft nützliche Ausstattung an Qualifikationen, fordert.[13]

Dies bedeutet zugleich, dass Lehrmittel und Lehrverfahren, sich nicht mehr nach der kindlichen, individuellen Persönlichkeit zu richten hatten, sondern danach, dass „[...] ein mit gründlichen Kenntnissen und Fertigkeiten ausgerüstetes Volk“[14] entsteht. Dabei stand nicht, getreu des Weimarer Schulverständnis, die Autonomie und Individualität im Vordergrund, sondern die Unterordnung jedes Einzelnen in das Gesamtgefüge. Konform mit dem nationalsozialistischen Grundsatz „Ich bin nichts – mein Volk ist alles“, proklamiert das bayrischen Kultusministerium im Jahre 1933 die Revision Weimarer Erziehungsgrundsätze als „Verlegung des Erziehungsziels von der Bildung der Einzelpersönlichkeit zur Formung des Volksdeutschen“[15].[16]

In Folge dieser Umkehr der schulischen Richtlinien und Zielsetzungen blieb eine Gesamtreform des deutschen Unterrichtswesens unvermeidbar.

3. Die schulische Erziehung im Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1937

In den ersten Jahren nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verfügten diese über noch keinen ausgereiften Plan, bezüglich dem inhaltlichen Umbau der Schulen.

Aufgrund einer noch unkoordinierten Bildungspolitik kam es zu einer verworrenen Vielzahl von Erlassen und Richtlinien, die inhaltlich, regional und zeitlich stark variierten. Somit stütze sich die Umgestaltung des Bildungswesens bis 1937 vordergründlich auf improvisierte und übereilte Verfügungen der Kultusverwaltungen der einzelnen Länder. Erst in den Jahren 1937 bis 1939 fanden reichseinheitliche Richtlinien Einzug in die Bildungspolitik des Nationalsozialismus.[17]

Dennoch ist eine eindeutige Tendenz in den unzähligen Ländergesetzen erkennbar. An vorderster Stelle sollten die Vermittlung ideologischer Denkweisen und nationalsozialistischer Tugenden den Lehrinhalt bestimmen. Folglich wird der

[...]


[1] Nyssen, Elke: Schule im Nationalsozialismus, Heidelberg 1979, S.31

[2] Vgl. Franck, Norbert; Asmus, Gesine: Heil Hitler, Herr Lehrer – Volksschule 1933-1945, Hamburg 1983, S.7

[3] Reichsministerblatt: Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung 1947, S.200, zitiert nach: Götz, Margarete: Die Grundschule in der Zeit des Nationalsozialismus, Bad Heilbrunn/Obb. 1997, S.198

[4] Vgl. Götz: Die Grundschule in der Zeit des Nationalsozialismus, S.198

[5] Hitler, Adolf: Mein Kampf, Bd. I und II, 12. Auflage. 1943, S.475 f., zitiert nach: Nyssen, Elke: Schule im Nationalsozialismus, Heidelberg 1979, S.29

[6] Hitler: Mein Kampf, S. 452, zitiert nach: Nyssen: Schule im NS, S.29

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Hitler: Mein Kampf, S.461 f., zitiert nach: Nyssen: Schule im NS, S.29

[10] Rosenberg, Alfred: Der Mythus des XX. Jahrhunderts, München 1934, 39.-40. Aufl., S.624, zitiert nach: Nyssen: Schule im NS, S.30

[11] Frick, Wilhelm: Kampfziel der deutschen Schule, Langensalza 1933, S.6 f., zitiert nach: Nyssen: Schule im NS, S.83

[12] Vgl. Nyssen: Schule im NS, S.29 f, S.83

[13] Vgl.: Götz: Die Grundschule, S.199

[14] Wallbrecht, A.: Heimatkunde als Leitfach im Unterricht der Grundschule. In: Die Neue Deutsche Schule 12, 1938, S.149, zitiert nach: Götz: Die Grundschule, S.199

[15] Staatsarchiv Oldenburg 134/1207, zitiert nach: Götz: Die Grundschule, S.42

[16] Vgl.: Götz: Die Grundschule, S. 199, S.42

[17] Vgl. Franck, Norbert; Asmus, Gesine: Heil Hitler, Herr Lehrer – Volksschule 1933-1945, Hamburg 1983, S.100, sowie: Götz: Die Grundschule, S.52

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Schule unterm Hakenkreuz. Unterrichtsinhalte in der Zeit des Nationalsozialismus
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V342302
ISBN (eBook)
9783668320161
ISBN (Buch)
9783668320178
Dateigröße
706 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schule, hakenkreuz, unterrichtsinhalte, zeit, nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Janet Schua (Autor), 2013, Schule unterm Hakenkreuz. Unterrichtsinhalte in der Zeit des Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342302

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