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Denken in Stahlgewittern. Der Wandel des Krieges und der Wunsch zum Frieden in philosophischer Reflexion vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart

Title: Denken in Stahlgewittern. Der Wandel des Krieges und der Wunsch zum Frieden in philosophischer Reflexion vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart

Doctoral Thesis / Dissertation , 2016 , 265 Pages , Grade: cum laude

Autor:in: Dr. Diana Herzog (Author)

Philosophy - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Der zyklische Wandel des Kriegsbegriffs lässt sich durch die Betrachtung seiner Ausgestaltungsformen seit der Antike bis zur Gegenwart erkennen. Seine Begrifflichkeit entwickelt sich vom antiken bellum iustum zur Reinkarnation des „heiligen“ Krieges im modernen Terrorismus und den Formen seiner Bekämpfung. Hierbei durchläuft der Kriegsbegriff verschiedene Stadien der Hegung beziehungsweise Entgrenzung, wozu der Wechsel zwischen der nichtdiskriminierenden und der diskriminierenden Feindesbetrachtung zählt. Grundlegend für die Diagnose seines zyklischen Wandels sind dabei die jeweils gültigen Gesetzte und Rechte, also die Ausprägung des ius ad bellum als auch des ius in bello. Darüber hinaus wird seine Veränderung durch das sich ebenfalls verändernde Bild des Kämpfers illustriert. Hierbei gibt es eine Gegensatzaufweichung zwischen dem als vollständig regulär und damit auch legal bewerteten Soldaten und seinem Antonym des Terroristen. Diese Erweichung erfolgt durch die Existenz chamäleonhafter Kämpfertypen wie des Partisan, aber auch durch die sich verändernde Umstände (Niedergang der Staatlichkeit, Demokratisierung der Technik, Wandel der Ausgestaltung und Intensität des Krieges). Das Bild des Kämpfers zusammen mit der Intensität des Krieges und der Ausgestaltung des Völkerrechtes bilden dann auch den Bewertungsstand des Individualismus ab, der wie die Stabilität der souveränen Staatlichkeit, als immer noch als gültig gesetztes Ordnungskonstrukt der internationalen Sphäre, den Kriegsbegriff und damit das Vorgehen in der zwischenstaatlichen Ebene ausgestalten soll.
Carl Schmitt - Ernst Jünger - Herfried Münkler - Thomas Hobbes - Grotius - Embser - Kant - Clausewitz - Landsturm Edikt - Bürgerkrieg - Neue Kriege - Zweiter Weltkrieg - Erster Weltkrieg - Terrorismus - diskriminierender Kriegsbegriff - bellum iustum - gerechter Krieg - Heiliger Krieg

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

Kriegsphilosophische Ausgangslage

Bellum iustum

Grotius` „De jure belli ac pacis“

Westfälischer Frieden

Hobbes` Staatskonzeption und sein Menschenbild

Embsers „Abgötterei des ewigen Friedens“

Kant „Zum ewigen Frieden“

Clausewitz` Kriegskonzeption

Landsturm-Edikt von 1813 (Deutsche Befreiungskriege)

Genfer Konvention

Haager Landkriegsordnung

II Weltkrieg

Der Ersten Weltkrieg als Beginn der großen Katastrophe

Deutsche Reden zum Krieg

Bewertung der kriegsaffirmativen Reden

Kulturgeschichtliche Basis für die intellektuelle „Beredsamkeit“

Gemeinsame historische Denkfiguren der kriegsaffirmativen Werke als Verständnis-schlüssel

Die „neue Lyrik“ als Gegenentwurf zu deutschen kriegsaffirmativen Reden

Das Erlebnis des Krieges und die Abkehr vom Individualismus

Das Erlebnis des Krieges als heroische Daseinserweiterung bei Ernst Jünger

Das Heroische im Wandel

Das Ende des Krieges und seine Konsequenzen

Kulturelle Folgen

Völkerrechtliche Konsequenzen

Der Wandel des Kriegsbegriffs

Fazit

III Bürgerkrieg

Der Zeitraum zwischen den Weltkriegen als Zeit des Bürgerkrieges

Die Feinde der Weimarer Republik

Bedrohung der Republik durch die Konservative Revolution

Das Primat des Etatismus gegen die Wendung zum diskriminierenden Kriegsbegriff bei Carl Schmitt

Die organische Konstruktion eines neuen Menschentypus bei Ernst Jünger

Die linken Gegner der Republik und die fortwährende Revolution gegen den „Imperialismus“

Die Rolle des Staates und der Niedergang der Kriegshegung

Fazit

IV Weltbürgerkrieg

Der Totalitarismus als Weg zum Zweiten Weltkrieg und die Entstehung des Weltbürgerkrieges

Der Totalitarismus als Bedrohung der Menschheit

Hitlers Krieg als Naturgesetz

Carl Schmitts konkretes Ordnungsdenken

Die innere Emigration Ernst Jüngers

Der aufkommende Weltbürgerkrieg des Kommunismus

Die Ideologie als Katalysator der Veränderung

Fazit

V Neue Kriege als Fortsetzung der Religion mit anderen Mitteln

Die Abkehr vom klassischen Kriegsbegriff durch die neuen Kriege

Der veränderte Kriegsbegriff

Carl Schmitts Partisan als Grundlage des sich verändernden Kriegsbegriffs

Ernst Jüngers Theorie des Widerstands

Das philosophische Problem des Terrorismus

Exkurs zu den neusten Konzepten des internationalen Terrorismus

Fazit

VI Resümee der Arbeit

Zielsetzung & Themen der Dissertation

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des Kriegsbegriffs und dessen philosophische Begründungen sowie Konsequenzen, beginnend beim Ersten Weltkrieg bis hin zur Phase des internationalen Terrorismus, wobei auch die Veränderungen in der Betrachtung des Soldaten und des Heroischen analysiert werden.

  • Kriegsphilosophische Grundlagen und der Übergang vom nichtdiskriminierenden zum diskriminierenden Kriegsbegriff.
  • Die Rolle der Intellektuellen im Ersten Weltkrieg und die Konstruktion von Mythen.
  • Der Einfluss von Totalitarismus und Ideologien auf die Kriegsführung in der Zwischenkriegszeit.
  • Die Transformation des Krieges und des Feindbildes unter Bedingungen der Globalisierung und modernen Technik.
  • Die philosophische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des internationalen Terrorismus als neue Form der Kriegsführung.

Auszug aus dem Buch

Kriegsphilosophische Ausgangslage

Für die Betrachtung des Wandels des Krieges, beginnend mit dem Ersten Weltkrieg, ist es notwendig kurz auf die zuvor gängige Kriegs-, Friedens- und Rechtspraxis einzugehen. Hierfür sollen einerseits unter anderem die Theorien von Hugo Grotius, Thomas Hobbes, Immanuel Kant und Carl von Clausewitz beleuchtet werden, die die philosophische Grundlage bilden. Hierzu werden dann auch die wichtigsten juristischen Abkommen, also der Westfälischen Frieden, die erste Genfer Konvention und die Haager Landkriegsordnung, dargestellt. Diese Theorien und Abkommen sind für das Verständnis des Wandels von hoher Bedeutung, da sie für lange Zeit die Basis vom Kriegs- und Völkerrecht darstellten und für einen Friedensschluss die Grundlage bereiteten. An ihnen lassen sich auch die neuen Bedrohungen und damit einhergehenden Probleme beleuchten, die auf die Anwendung alter Konzepte auf eine sich verändernde Umwelt zurückzuführen sind. Dies meint den Wandel vom diskriminierenden Kriegsbegriff hin zum nichtdiskriminierenden, durch eine allgemeine Kriegshegung, und später erneut zum diskriminierenden durch eine zu erzielende, generelle Vermeidung des Krieges.

Zusammenfassung der Kapitel

I Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Grundstein, indem sie die historische Entwicklung kriegsphilosophischer Ansätze von der Antike bis in die moderne Ära analysiert.

II Weltkrieg: Dieses Kapitel behandelt den Ersten Weltkrieg als Epochenzäsur, geprägt durch die Massenmobilisierung und die Rolle der Intellektuellen bei der Begründung des Krieges.

III Bürgerkrieg: Hier wird die Zeit der Weimarer Republik als Phase des latenten Bürgerkriegs und der intellektuellen Angriffe auf die demokratische Grundordnung untersucht.

IV Weltbürgerkrieg: Der Abschnitt analysiert den Aufstieg des Totalitarismus und die globale Ideologisierung von Konflikten, die den Weg in den Zweiten Weltkrieg ebneten.

V Neue Kriege als Fortsetzung der Religion mit anderen Mitteln: Dieses Kapitel betrachtet die Transformation moderner asymmetrischer Konflikte und die Rolle religiös motivierter Terrorstrategien.

VI Resümee der Arbeit: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse über den zyklischen Wandel des Kriegsbegriffs zusammen.

Schlüsselwörter

Kriegsbegriff, bellum iustum, ius ad bellum, Totalitarismus, Nationalsozialismus, Bolschewismus, Partisan, Terrorismus, Souveränität, Weimarer Republik, Ernst Jünger, Carl Schmitt, Kriegshegung, Feindbild, Ideologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Dissertation grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Wandel des Kriegsbegriffs von einer nichtdiskriminierenden, staatlich gebundenen Form hin zu einer diskriminierenden und totalen Form, wie sie in modernen Kriegen und im Terrorismus anzutreffen ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Philosophie des gerechten Krieges (bellum iustum), der Rolle von Ideologien bei der Mobilisierung von Massen sowie der rechtlichen Einhegung des Krieges im Wandel der Zeiten.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage befasst sich damit, wie sich der Kriegsbegriff durch politische, philosophische und technologische Veränderungen von 1914 bis zur Gegenwart verändert hat und welche Konsequenzen dies für die internationale Stabilität hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Analyse, die historische Ereignisse mit philosophischen Theorien von Denkern wie Hobbes, Kant, Clausewitz, Schmitt und Jünger verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Phasen: den Ersten Weltkrieg, die Zwischenkriegszeit (Bürgerkriegsphase), den Weltbürgerkrieg (Nationalsozialismus/Kommunismus) und die Ära der neuen, asymmetrischen Kriege.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Kriegsbegriff, Souveränität, Totalitarismus, bellum iustum, Partisan und Terrorismus.

Welche Rolle spielt die „Konservative Revolution“ in dieser Untersuchung?

Die Konservative Revolution wird als geistige Strömung analysiert, die die demokratischen Werte der Weimarer Republik delegitimierte und somit den Boden für totalitäre Ansätze ebnete.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Ernst Jünger und Carl Schmitt?

Jünger und Schmitt dienen als zentrale Fallbeispiele für das Denken der Zwischenkriegszeit, deren Theorien über den "Arbeiter" beziehungsweise den "Partisanen" maßgeblich zur theoretischen Unterfütterung totalitärer und absolutistischer Kriegsauffassungen beitrugen.

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Details

Title
Denken in Stahlgewittern. Der Wandel des Krieges und der Wunsch zum Frieden in philosophischer Reflexion vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart
College
Humboldt-University of Berlin  (Philosophische Fakultät 1)
Grade
cum laude
Author
Dr. Diana Herzog (Author)
Publication Year
2016
Pages
265
Catalog Number
V343472
ISBN (eBook)
9783668336902
ISBN (Book)
9783668336919
Language
German
Tags
denken stahlgewittern wandel krieges wunsch frieden reflexion ersten weltkrieg gegenwart carl schmitt enst jünger herfried münkler partisan terrorist
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Diana Herzog (Author), 2016, Denken in Stahlgewittern. Der Wandel des Krieges und der Wunsch zum Frieden in philosophischer Reflexion vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343472
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