Der zyklische Wandel des Kriegsbegriffs lässt sich durch die Betrachtung seiner Ausgestaltungsformen seit der Antike bis zur Gegenwart erkennen. Seine Begrifflichkeit entwickelt sich vom antiken bellum iustum zur Reinkarnation des „heiligen“ Krieges im modernen Terrorismus und den Formen seiner Bekämpfung. Hierbei durchläuft der Kriegsbegriff verschiedene Stadien der Hegung beziehungsweise Entgrenzung, wozu der Wechsel zwischen der nichtdiskriminierenden und der diskriminierenden Feindesbetrachtung zählt. Grundlegend für die Diagnose seines zyklischen Wandels sind dabei die jeweils gültigen Gesetzte und Rechte, also die Ausprägung des ius ad bellum als auch des ius in bello. Darüber hinaus wird seine Veränderung durch das sich ebenfalls verändernde Bild des Kämpfers illustriert. Hierbei gibt es eine Gegensatzaufweichung zwischen dem als vollständig regulär und damit auch legal bewerteten Soldaten und seinem Antonym des Terroristen. Diese Erweichung erfolgt durch die Existenz chamäleonhafter Kämpfertypen wie des Partisan, aber auch durch die sich verändernde Umstände (Niedergang der Staatlichkeit, Demokratisierung der Technik, Wandel der Ausgestaltung und Intensität des Krieges). Das Bild des Kämpfers zusammen mit der Intensität des Krieges und der Ausgestaltung des Völkerrechtes bilden dann auch den Bewertungsstand des Individualismus ab, der wie die Stabilität der souveränen Staatlichkeit, als immer noch als gültig gesetztes Ordnungskonstrukt der internationalen Sphäre, den Kriegsbegriff und damit das Vorgehen in der zwischenstaatlichen Ebene ausgestalten soll.
Carl Schmitt - Ernst Jünger - Herfried Münkler - Thomas Hobbes - Grotius - Embser - Kant - Clausewitz - Landsturm Edikt - Bürgerkrieg - Neue Kriege - Zweiter Weltkrieg - Erster Weltkrieg - Terrorismus - diskriminierender Kriegsbegriff - bellum iustum - gerechter Krieg - Heiliger Krieg
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
Kriegsphilosophische Ausgangslage
Bellum iustum
Grotius` „De jure belli ac pacis“
Westfälischer Frieden
Hobbes` Staatskonzeption und sein Menschenbild
Embsers „Abgötterei des ewigen Friedens“
Kant „Zum ewigen Frieden“
Clausewitz` Kriegskonzeption
Landsturm-Edikt von 1813 (Deutsche Befreiungskriege)
Genfer Konvention
Haager Landkriegsordnung
II Weltkrieg
Der Ersten Weltkrieg als Beginn der großen Katastrophe
Deutsche Reden zum Krieg
Bewertung der kriegsaffirmativen Reden
Kulturgeschichtliche Basis für die intellektuelle „Beredsamkeit“
Gemeinsame historische Denkfiguren der kriegsaffirmativen Werke als Verständnis-schlüssel
Die „neue Lyrik“ als Gegenentwurf zu deutschen kriegsaffirmativen Reden
Das Erlebnis des Krieges und die Abkehr vom Individualismus
Das Erlebnis des Krieges als heroische Daseinserweiterung bei Ernst Jünger
Das Heroische im Wandel
Das Ende des Krieges und seine Konsequenzen
Kulturelle Folgen
Völkerrechtliche Konsequenzen
Der Wandel des Kriegsbegriffs
Fazit
III Bürgerkrieg
Der Zeitraum zwischen den Weltkriegen als Zeit des Bürgerkrieges
Die Feinde der Weimarer Republik
Bedrohung der Republik durch die Konservative Revolution
Das Primat des Etatismus gegen die Wendung zum diskriminierenden Kriegsbegriff bei Carl Schmitt
Die organische Konstruktion eines neuen Menschentypus bei Ernst Jünger
Die linken Gegner der Republik und die fortwährende Revolution gegen den „Imperialismus“
Die Rolle des Staates und der Niedergang der Kriegshegung
Fazit
IV Weltbürgerkrieg
Der Totalitarismus als Weg zum Zweiten Weltkrieg und die Entstehung des Weltbürgerkrieges
Der Totalitarismus als Bedrohung der Menschheit
Hitlers Krieg als Naturgesetz
Carl Schmitts konkretes Ordnungsdenken
Die innere Emigration Ernst Jüngers
Der aufkommende Weltbürgerkrieg des Kommunismus
Die Ideologie als Katalysator der Veränderung
Fazit
V Neue Kriege als Fortsetzung der Religion mit anderen Mitteln
Die Abkehr vom klassischen Kriegsbegriff durch die neuen Kriege
Der veränderte Kriegsbegriff
Carl Schmitts Partisan als Grundlage des sich verändernden Kriegsbegriffs
Ernst Jüngers Theorie des Widerstands
Das philosophische Problem des Terrorismus
Exkurs zu den neusten Konzepten des internationalen Terrorismus
Fazit
VI Resümee der Arbeit
Zielsetzung & Themen der Dissertation
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des Kriegsbegriffs und dessen philosophische Begründungen sowie Konsequenzen, beginnend beim Ersten Weltkrieg bis hin zur Phase des internationalen Terrorismus, wobei auch die Veränderungen in der Betrachtung des Soldaten und des Heroischen analysiert werden.
- Kriegsphilosophische Grundlagen und der Übergang vom nichtdiskriminierenden zum diskriminierenden Kriegsbegriff.
- Die Rolle der Intellektuellen im Ersten Weltkrieg und die Konstruktion von Mythen.
- Der Einfluss von Totalitarismus und Ideologien auf die Kriegsführung in der Zwischenkriegszeit.
- Die Transformation des Krieges und des Feindbildes unter Bedingungen der Globalisierung und modernen Technik.
- Die philosophische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des internationalen Terrorismus als neue Form der Kriegsführung.
Auszug aus dem Buch
Kriegsphilosophische Ausgangslage
Für die Betrachtung des Wandels des Krieges, beginnend mit dem Ersten Weltkrieg, ist es notwendig kurz auf die zuvor gängige Kriegs-, Friedens- und Rechtspraxis einzugehen. Hierfür sollen einerseits unter anderem die Theorien von Hugo Grotius, Thomas Hobbes, Immanuel Kant und Carl von Clausewitz beleuchtet werden, die die philosophische Grundlage bilden. Hierzu werden dann auch die wichtigsten juristischen Abkommen, also der Westfälischen Frieden, die erste Genfer Konvention und die Haager Landkriegsordnung, dargestellt. Diese Theorien und Abkommen sind für das Verständnis des Wandels von hoher Bedeutung, da sie für lange Zeit die Basis vom Kriegs- und Völkerrecht darstellten und für einen Friedensschluss die Grundlage bereiteten. An ihnen lassen sich auch die neuen Bedrohungen und damit einhergehenden Probleme beleuchten, die auf die Anwendung alter Konzepte auf eine sich verändernde Umwelt zurückzuführen sind. Dies meint den Wandel vom diskriminierenden Kriegsbegriff hin zum nichtdiskriminierenden, durch eine allgemeine Kriegshegung, und später erneut zum diskriminierenden durch eine zu erzielende, generelle Vermeidung des Krieges.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Grundstein, indem sie die historische Entwicklung kriegsphilosophischer Ansätze von der Antike bis in die moderne Ära analysiert.
II Weltkrieg: Dieses Kapitel behandelt den Ersten Weltkrieg als Epochenzäsur, geprägt durch die Massenmobilisierung und die Rolle der Intellektuellen bei der Begründung des Krieges.
III Bürgerkrieg: Hier wird die Zeit der Weimarer Republik als Phase des latenten Bürgerkriegs und der intellektuellen Angriffe auf die demokratische Grundordnung untersucht.
IV Weltbürgerkrieg: Der Abschnitt analysiert den Aufstieg des Totalitarismus und die globale Ideologisierung von Konflikten, die den Weg in den Zweiten Weltkrieg ebneten.
V Neue Kriege als Fortsetzung der Religion mit anderen Mitteln: Dieses Kapitel betrachtet die Transformation moderner asymmetrischer Konflikte und die Rolle religiös motivierter Terrorstrategien.
VI Resümee der Arbeit: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse über den zyklischen Wandel des Kriegsbegriffs zusammen.
Schlüsselwörter
Kriegsbegriff, bellum iustum, ius ad bellum, Totalitarismus, Nationalsozialismus, Bolschewismus, Partisan, Terrorismus, Souveränität, Weimarer Republik, Ernst Jünger, Carl Schmitt, Kriegshegung, Feindbild, Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Dissertation grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel des Kriegsbegriffs von einer nichtdiskriminierenden, staatlich gebundenen Form hin zu einer diskriminierenden und totalen Form, wie sie in modernen Kriegen und im Terrorismus anzutreffen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Philosophie des gerechten Krieges (bellum iustum), der Rolle von Ideologien bei der Mobilisierung von Massen sowie der rechtlichen Einhegung des Krieges im Wandel der Zeiten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage befasst sich damit, wie sich der Kriegsbegriff durch politische, philosophische und technologische Veränderungen von 1914 bis zur Gegenwart verändert hat und welche Konsequenzen dies für die internationale Stabilität hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Analyse, die historische Ereignisse mit philosophischen Theorien von Denkern wie Hobbes, Kant, Clausewitz, Schmitt und Jünger verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Phasen: den Ersten Weltkrieg, die Zwischenkriegszeit (Bürgerkriegsphase), den Weltbürgerkrieg (Nationalsozialismus/Kommunismus) und die Ära der neuen, asymmetrischen Kriege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kriegsbegriff, Souveränität, Totalitarismus, bellum iustum, Partisan und Terrorismus.
Welche Rolle spielt die „Konservative Revolution“ in dieser Untersuchung?
Die Konservative Revolution wird als geistige Strömung analysiert, die die demokratischen Werte der Weimarer Republik delegitimierte und somit den Boden für totalitäre Ansätze ebnete.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Ernst Jünger und Carl Schmitt?
Jünger und Schmitt dienen als zentrale Fallbeispiele für das Denken der Zwischenkriegszeit, deren Theorien über den "Arbeiter" beziehungsweise den "Partisanen" maßgeblich zur theoretischen Unterfütterung totalitärer und absolutistischer Kriegsauffassungen beitrugen.
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- Dr. Diana Herzog (Author), 2016, Denken in Stahlgewittern. Der Wandel des Krieges und der Wunsch zum Frieden in philosophischer Reflexion vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343472