Im Rahmen einer stetig zunehmenden Globalisierung streben Unternehmen ebenfalls ein fortlaufendes Wachstum an. Die Möglichkeiten eines rein organischen Wachstums, mittels der eigenständigen Entwicklung stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Aufgrund der ansteigenden Zahl von Wettbewerbern und der dazu führenden Sättigung der Märkte, bedarf es eines anderen Weges das eigene Unternehmen zu stärken. Eine Möglichkeit ergibt sich aus dem externen Unternehmenswachstum mittels Unternehmenszusammenschlüssen. Solche Mergers&Acquisitions (im Folgendem M&A) haben in der jüngsten Vergangenheit immer mehr an Bedeutung gewonnen. Das weltweite Volumen von M&A Transaktionen ist in den Jahren nach der Finanz- und Staatsschuldenkrise wieder angestiegen und verzeichnete 2015 ein Rekordjahr mit einem weltweiten Volumen von ca. 6,14 Billionen US-Dollar. M&A Transaktionen sind meist sehr komplexe Prozesse und beinhalten neben den positiven Aspekten, wie z. B. Gewinnsteigerungen, dem Zufluss von Know-how oder einem größeren Marktanteil, erhebliche Risikopotenziale. Um diese Risikopotentiale zu vermeiden oder zumindest zu verringern, werden sogenannte Due Diligence Prüfungen durchgeführt. Eine immer bedeutsamer werdende Form der Due Diligence ist die Compliance Due Diligence, welche mit steigender Häufigkeit bei M&A Transaktionen durchgeführt wird. Dieser Anstieg leitet sich von den zunehmenden Bedrohungsszenarien aus Compliance-Bereichen ab. Dabei richtet sich der Fokus der Untersuchungen auf Bereiche, welche für die Compliance von Bedeutung sind, um dadurch rechtswidriges Verhalten aufzudecken. Damit wird eine Präventionskultur etabliert, wobei die Verhinderung von Straftaten und Gesetzesverstößen höchste Priorität hat.
In dieser Arbeit werden die Risikopotenziale einer M&A Transaktion aus der Sicht der Compliance und ihre Folgen analysiert. Es wird untersucht wie diese Risiken insbesondere mit der Hilfe einer Compliance-Due Diligence identifiziert werden können, und welche Möglichkeiten es für die Reduzierung von Sanktionen nach Eintritt eines Verstoßes gibt.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Grundlagen
I. Compliance
II. Mergers&Acquisitions
III. Due Diligence
C. Die Compliance Due Diligence bei M&A Transaktionen
I. Anwendungsgrund der Compliance Due Diligence
II. Verfahrensablauf der Compliance Due Diligence
1. Die Vorbereitungsphase
a) Informationsgewinnung vor Verhandlungsbeginn
b) Checklisten
2. Die Durchführung der Due Diligence
a) Untersuchung des Compliance-Management-Systems
aa) Grundlegende Elemente eines Compliance-Management-Systems
bb) Unternehmenskultur
cc) Compliance-Organisation
dd) Compliance-Überwachung
b) Untersuchung früherer Compliance-Verstöße
c) Gesetzliche Hindernisse der Informationsgewinnung
III. Bestehende Risiken und deren Präventionsmöglichkeiten
1. Haftungsrisiken
a) Der Share Deal als Transaktionsform
b) Der Asset Deal als Transaktionsform
c) Zwischenergebnis
2. Korruptionsrisiken
a) Risiken und mögliche Folgen von Korruptionsfällen
b) Präventionsmaßnahmen
3. Kartellrechtliche Risiken
a) Risiken und mögliche Folgen von Kartellrechtsverstöße
b) Präventionsmaßnahmen
IV. Ergebnis der Due Diligence
D. Reduzierung der Sanktionen nach der Durchführung von M&A Transaktionen
I. Maßnahmen nach dem Eintritt von Korruptionsverstößen
II. Maßnahmen nach dem Eintritt von Kartellrechtsverstößen
E. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Risikopotenziale von M&A-Transaktionen aus Compliance-Sicht und untersucht, wie diese Risiken mittels einer Compliance Due Diligence identifiziert werden können und welche Strategien zur Sanktionsminderung nach einem möglichen Verstoß existieren.
- Grundlagen von Compliance, M&A und Due Diligence
- Verfahrensablauf der Compliance Due Diligence bei Transaktionen
- Analyse spezifischer Haftungs-, Korruptions- und Kartellrechtsrisiken
- Möglichkeiten der Prävention und Sanktionsminderung nach einem Verstoß
- Integration der Compliance-Ergebnisse in den M&A-Prozess
Auszug aus dem Buch
Die Compliance Due Diligence bei M&A Transaktionen
Im Rahmen einer Compliance Due Diligence wird der Fokus der Chancen-Risiken-Analyse auf Compliance bezogene Themen erweitert. Es wird geprüft, ob in dem zu erwerbenden Unternehmen bereits Compliance Strukturen vorhanden sind und in wieweit diese an die bestehende Compliance Struktur des Käufers anzupassen sind. Sollten keine Compliance Strukturen vorhanden sein, ist der Aufwand einer Einführung zu berücksichtigen. Darüber hinaus lassen sich Schlüsse bzgl. der Risikokultur des Unternehmens ziehen.32 Die Prüfungsfelder erstrecken sich auf die Compliance-Organisation, die Unternehmenskultur, die Überwachungssysteme, sowie der Identifizierung wirtschaftskrimineller Handlungen.33 Damit schützt die Compliance Due Diligence das Unternehmen einerseits vor Haftung und ungewollten Risiken und andererseits liefert sie Erkenntnisse über die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Zielunternehmen und ihren Mitarbeitern.34
Bei dieser Form der Compliance Due Diligence muss es nicht zu einer konkreten Trennung der Untersuchung von den anderen Due Diligence Bereichen kommen. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, die Prüfung aufzuspalten und auf Bereiche wie z. B. der Financial, Kulturelle oder Legal Due Diligence zu verteilen. Aufgrund von Compliance relevanten Aspekten in den unterschiedlichen Bereichen eines Unternehmens ergibt sich eine Verknüpfung der einzelnen Unternehmensbereiche unter dem Dach einer Compliance Due Diligence.35
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Beschreibt die zunehmende Bedeutung von M&A-Transaktionen und die wachsende Notwendigkeit einer Compliance Due Diligence zur Risikoprävention.
B. Grundlagen: Erläutert die Begrifflichkeiten Compliance, Mergers & Acquisitions und Due Diligence als Basis für die weiteren Untersuchungen.
C. Die Compliance Due Diligence bei M&A Transaktionen: Analysiert den Anwendungsgrund, den Verfahrensablauf sowie spezifische Haftungs-, Korruptions- und Kartellrechtsrisiken inklusive Präventionsmaßnahmen.
D. Reduzierung der Sanktionen nach der Durchführung von M&A Transaktionen: Untersucht Strategien zur Sanktionsminderung bei nach dem Closing auftretenden Verstößen gegen Korruptions- oder Kartellrecht.
E. Schlussbetrachtung: Fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Rolle der Compliance Due Diligence als Element einer rechtssicheren Kaufentscheidung.
Schlüsselwörter
Compliance, Due Diligence, M&A Transaktionen, Risikoprävention, Compliance-Management-System, Haftungsrisiken, Korruption, Kartellrecht, Unternehmenskultur, Sanktionsminderung, Business Judgement Rule, Unternehmenskauf, Transaktionsrisiken, Compliance-Organisation, Whistleblowing-Systeme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Compliance-Risiken im Kontext von M&A-Transaktionen und wie diese durch eine gezielte Compliance Due Diligence geprüft und gemindert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen das Compliance-Management, die Durchführung von Due Diligence, spezifische Risikokategorien (Haftung, Korruption, Kartellrecht) sowie Strategien zur Sanktionsvermeidung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Risiken bei Unternehmenskäufen identifiziert werden können und welche Möglichkeiten zur Risikominimierung und Sanktionsreduzierung bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Analyse der bestehenden Literatur und gesetzlichen Rahmenbedingungen, um die Anwendungsmöglichkeiten der Compliance Due Diligence in der M&A-Praxis aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den Verfahrensablauf der Due Diligence, die Analyse der Risikofelder inklusive Präventionsmaßnahmen sowie Strategien für das Verhalten nach entdeckten Verstößen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Compliance, Due Diligence, M&A Transaktionen, Risikoprävention, Korruption, Kartellrecht, Haftungsrisiken.
Warum ist eine Compliance Due Diligence bei M&A-Prozessen überhaupt notwendig?
Da Compliance-Verstöße des Zielunternehmens nach dem Kauf auf den Erwerber übergehen können und zu erheblichen Bußgeldern, Haftungsfolgen oder Reputationsschäden führen können.
Welche Rolle spielt der UK Bribery Act im Kontext dieser Arbeit?
Der BBA wird als ein Beispiel für international gültige, scharfe Antikorruptionsbestimmungen genannt, deren Einhaltung weitreichende Konsequenzen hat und die Notwendigkeit präventiver Systeme unterstreicht.
Was versteht man unter dem Begriff „Deal Breaker“ in der Arbeit?
Ein Deal Breaker bezeichnet einen Sachverhalt, bei dessen Kenntnis ein potenzieller Käufer von den Vertragsverhandlungen für einen Unternehmenskauf zurücktreten könnte.
Was wird im Falle eines Kartellrechtsverstoßes als Konsequenz beschrieben?
Neben Bußgeldern und strafrechtlichen Folgen können Verträge mit Geschäftspartnern als nichtig eingestuft werden, was erhebliche wirtschaftliche Beeinträchtigungen mit sich bringt.
- Quote paper
- Sebastian Herrmann (Author), 2016, Die Compliance Due Diligence bei M&A Transaktionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343857