Arisierung der Wirtschaft. Verdrängung der Juden aus dem Privatbankenwesen


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arisierung der Wirtschaft
2.1. Begriffsdefinition
2.2. Judenverfolgung nach der Machtübernahme
2.3. Ausschaltung aus Verbänden und Unternehmen
2.4. Ausgrenzung der jüdischen Wirtschaftseliten

3. Arisierung der Privatbanken
3.1. Anzahl der jüdischen Privatbanken
3.2. Veränderungen im Bankbetrieb
3.3. Juristische Angriffe und Devisenstrafverfahren
3.4. Zwangsarisierung der Banken

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Verbrechen des Nationalsozialistischen Systems in Deutschland reichten von Diffamierung und Verfolgung über Deportation und systematischer Ermordung bis zur Verschleppung von Menschen und Zwangsarbeit. Der Vollzug dieser Verbrechen, die ideologisch-rassistisch geprägt waren, ist bis heute eine beispielslose Erfahrung für Europa gewesen.1

In dieser Hausarbeit soll untersucht werden, wie das politische Ziel der Regierung die Arisierung der deutschen Wirtschaft abgelaufen ist und welche Mittel dazu genutzt wurden, die jüdischen Unternehmer aus ihren Unternehmen zu verdrängen. Dabei möchte ich auch klären, inwieweit der Begriff einer Schonzeit für die Jahre nach der Machtergreifung bis zum Jahre 1938 zutrifft oder ob es sich bei genauer Betrachtung nur um eine imaginäre Schonzeit handelt.

Dazu werde ich im ersten Teil der Arbeit den Begriff Arisierung definieren und danach die ersten Maßnahmen der Regierung betrachten nachdem sie die Macht übernommen hatte. Des Weiteren werde ich die Ausschaltung der jüdischen Bürger in den Verbänden und mittleren Unternehmen untersuchen und anschließend anhand der größten deutschen Aktiengesellschaft versuchen, erste Erkenntnisse über die Maßnahmen und Mittel der Arisierung zu gewinnen. Diese Erkenntnisse werde ich im zweiten Teil der Hausarbeit im Privatbankensektor vertiefen und hier deutlich aufzeigen, welchen Schikanen sich die jüdischen Unternehmen aussetzen mussten. Dazu werde ich zuerst die Anzahl und Verteilung der Privatbanken analysieren und auch das Verhältnis von nichtjüdischen und jüdischen Banken in diesem Sektor klären sowie die Einschränkungen und Eingriffe, die im geschäftlichen Betrieb der Banken vorgenommen wurden. Außerdem werde ich die Zwangsarisierung der jüdischen Privatbanken betrachten. Am Ende dieser Arbeit fasse ich meine Ergebnisse zusammen und kläre, ob der Begriff Schonzeit für den Zeitraum bis 1938 zutrifft oder ob es sich damit um eine Illusion handelt.

2. Arisierung der Wirtschaft

2.1. Begriffsdefinition

Der Begriff Arisierung hat seine Wurzeln im Antisemitismus, der bereits vor den 30er Jahren des 20.Jahrhunderts unter der Bevölkerung verbreitet war. Schon in den 20er Jahren kam mit der Arisierung die Forderung auf, die Juden aus dem Wirtschaftsleben auszugrenzen und eine arische Wirtschaftsordnung zu etablieren. Eine offizielle Definition des Begriffes Arisierung gab es allerdings auch in den 30er Jahren nicht, weil der Begriff sich auf verschiedene sozial und ökonomische Teilbereiche der Gesellschaft erstreckte.2

Aus ökonomischer Sicht beinhaltet die Arisierung die Entfernung der Juden aus dem wirtschaftlichen und öffentlichen Leben der Gesellschaft. Dabei stand die Enteignung des Besitzes der Juden im Vordergrund. Dieser musste an Nichtjuden verkauft werden. Zudem durften die Juden einige Berufe nicht mehr ausüben oder es war ihnen nur noch eingeschränkt möglich, diese zu tätigen. Außerdem kam in den späteren Jahren auch der direkte staatliche Zugriff durch Gesetze auf das jüdische Vermögen hinzu. Zwischen 1933 und 1937 erfolgte die Arisierung noch in schleichender Form, da sie noch keine Gesetzesgrundlage besaß.3

Die schleichende Verdrängung erfolgte in dem Zeitraum vor allem auf dem Land und in den kleinen Städten. Besonders kleine und mittelgroße Unternehmen waren von Boykotten und inszenierten Volkszorn betroffen und wurden in die Insolvenz getrieben oder zum Verkauf ihres Unternehmens unter dem Marktwert gezwungen. Die größeren jüdischen Unternehmen in der Industriebranche und im Bankenwesen wurden dagegen weitgehend in Ruhe gelassen, da die Nationalsozialisten sie benötigten, um die Wirtschaft auf den Krieg vorzubereiten. Außerdem sollte das Bild Deutschland im Ausland vor Kriegsbeginn nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden.4

Die Arisierung erstreckte sich also von Beginn an nicht nur auf die Vertreibung aus der Wirtschaft und Enteignung des jüdischen Vermögens, sondern beinhaltete auch die gezielte

Verteilung des geraubten Vermögen und Besitzes zugunsten der deutschen Unternehmer und zur Konsolidierung des deutschen Staates. Dieser Prozess erweiterte sich im Laufe der Zeit auch auf die Ausbeutung der Ausgeschlossenen durch Zwangsarbeit in deutschen Unternehmen und selbst vor der Verwertung der Überreste wie zum Beispiel Goldzähne von gestorbenen Inhaftierten in den Konzentrationslagern wurde nicht zurück geschreckt.5

2.2. Judenverfolgung nach der Machtübernahme

Die Ausgrenzung der Juden aus der deutschen Wirtschaft startete bereits kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Die erste Phase war geprägt durch Boykotte des jüdischen Einzelhandels. Dabei diente der Boykott vom 1.April 1933 als öffentliche Legimitierung und Duldung der Ausgrenzung und Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung. Die Ausschreitungen richteten sich in erster Linie gegen die Einzelhandelsgeschäfte und die Ausschaltung der Juden aus den freien Berufen, den Schulen und dem Gerichtswesen. Die Nationalsozialistischen Aktionsausschüsse ließen Plakate und Aufkleber an den jüdischen Geschäften anbringen, die die Bürger vom Betreten des Geschäfts abhalten sollten wie zum Beispiel „Achtung, Jude! Betreten verboten!“. Resultat war, dass viele jüdische Geschäfte an diesem Tag gar nicht erst öffneten.6 In Preußen und Mitteldeutschland wurden währenddessen ein Großteil der jüdischen Richter und Gerichtsdiener sowie Lehrer aus ihrem Amt gedrängt und durch deutsche im Nachhinein ersetzt. Der Reichskommissar für das preußische Justizministerium ordnete beispielsweise an, dass allen jüdischen Bürgern der Zutritt zum Gerichtsgebäude bereits verwehrt werden sollte. Vor dem Amtsgericht in Schöneberg gipfelt der Boykott im Verbrennen der schwarz- rot- goldenen Fahne des Gerichtes, währenddessen das Horst-Wessel-Lied von den anwesenden Personen gesungen wurde.7

Ausgenommen wurden von diesem Boykott jüdische Banken, da der Zahlungsverkehr nicht beeinträchtigt werden sollte. Zudem funktionierte der Boykott gerade in Großstädten wie Hamburg nur bedingt. Hier ließ sich anhand des Kundenstroms erkennen, dass die Kunden gerade in jüdischen Geschäften einkauften, weil sie die jüdischen Unternehmer unterstützen wollten. Dementsprechend wurde der Boykott parteiintern als Fehlschlag deklariert, da dieser nicht die gewünschten Reaktionen bei der deutschen Bevölkerung hervor rief.8 Die Ausschreitungen gegen die jüdischen Unternehmer wurden bis zum Sommer durch die SA fortgeführt, allerdings war das Ausmaß der Schikanen weit geringer einzuschätzen. Bis 1935 kam es noch zu vereinzelten kleineren Aktionen der Nationalsozialisten.9 Es wurde mehr mit schleichender antijüdischer Propaganda gearbeitet, weil die Regierung in Folge der Boykotte gewillt war, Rücksicht auf die Reaktionen des Auslands zu nehmen und sich vorerst auf die wirtschaftliche Lage des Landes zu konzentrieren.

2.3. Ausschaltung aus Verbänden und Unternehmen

Die gesetzlichen Grundlagen für die Ausschaltung der Juden aus der Wirtschaft erstreckten sich zwischen 1933 und 1938 nur auf einige Teilbereiche wie das Schächtungsverbot oder der Ausgliederung von jüdischen Beamten aus den Finanzämtern.10 Allerdings vollzog sich in den Verbänden und Unternehmen zeitgleich bereits eine allmähliche Arisierung der Betriebe und Aufsichtsräte. So mussten bereits im April in den Verbänden des deutschen Einzelhandels alle jüdischen Mitglieder ihren Posten räumen. Die Nationalsozialisten besetzten diese Posten neu und sicherten sich in den Vorständen eine 51% Mehrheit, um die Kontrolle über die Geschäftsführung zu erlangen. Kurz darauf wurde dafür ein nationalsozialistischer kommissarischer Leiter in allen Verbänden, Handels- und Werkskammern sowie Betrieben und Vereinen eingesetzt. Dieser Kommissar sollte das Ausschließen der Juden aus den Vorstandsgremien überwachen und vorantreiben.11

Aber auch viele jüdische Unternehmen, die vom Boykott hart getroffen wurden, mussten schließen und ihren Betrieb an einen Nichtjuden verkaufen. Zumeist zahlten die Käufer nur einen Bruchteil dessen, was das Geschäft wirklich wert war. Des Weiteren kam es durch die eigens gegründete Nationalsozialistische Betriebszellen- Organisation (NSBO) zu Massenentlassungen von jüdischen Arbeitnehmern in Mittel- und Großbetrieben. Begründet wurden die Entlassungen mit dem Gesetz über Betriebsvertretungen und über wirtschaftliche Vereinigungen, welches die Entlassung von Arbeitnehmern vorsah, wenn der Angestellte eine feindliche Gesinnung gegenüber dem Staat hegte. Das Gesetz traf in dem Sinne zwar nicht auf die jüdischen Arbeiter zu, wurde aber einfach erweitert ausgelegt Das Gleiche wurde auch mit dem Beamtengesetz getan, indem Juden, die in Banken unter staatlicher Kontrolle arbeiteten, entlassen wurden wie zum Beispiel bei der Dresdner Bank oder der Reichskreditbank.12 Es wird geschätzt, dass bereits Mitte des Jahres 1935 25% der jüdischen Betriebe geschlossen oder arisiert worden sind beziehungsweise nun von deutschen Unternehmern geführt wurden. Der Druck auf die jüdischen Unternehmer wurde infolgedessen immer größer. So wurde die Familie Kempinski genötigt ihren Hotelbetrieb zu verkaufen, indem man ihre Hausbank arisierte und dem Betrieb keine Kredite mehr einräumte. Dadurch traten Zahlungsschwierigkeiten bei den Lieferanten auf und die wirtschaftliche Lage verschärfte sich zunehmend durch die Boykotte. Die Familie musste zwangsweise verkaufen. Doch der Verkaufspreis entsprach nicht annähernd dem eigentlichen Wert, da die Schulden von 350000 Reichsmark im Vordergrund standen und die ausstehenden Einnahmen sowie der Grundstückspreis nicht mit einbezogen wurden. Sobald das Unternehmen in deutscher Hand war, flossen auch wieder die Kredite der Dresdner Bank, da die Bank den wahren Wert des Hotelunternehmens genau wusste.13

2.4. Ausgrenzung der jüdischen Wirtschaftseliten

Auch unter den 300 größten Aktiengesellschaften, die die Wirtschaftseliten Deutschlands repräsentierten, kam es zu einer schleichenden Arisierung. Auffallend ist dabei, dass es bis 1938 keine gesetzliche Grundlage über den Ausschluss von Juden in den Privatbetrieben der Industriekonzerne gab. Selbst das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums hatte keine direkten Auswirkungen auf die Großkonzerne an sich. Allerdings erweiterte es den Personenkreis jener, die auf Grund ihrer Abstammung mit Ausgrenzung zu rechnen hatten.

[...]


1 Knigge, Volkhard/ Lüttgenau, Rikola-Gunnar/Wagner, Jens-Christian: Einleitung. In: Knigge, Volkhard/ Lüttgenau, Rikola-Gunnar/Wagner, Jens-Christian (Hg.): Zwangsarbeit. Die Deutschen, Die Zwangsarbeit und der Krieg. Weimar 2010 ,6.

2 Bajohr, Frank: „Arisierung“ als gesellschaftlicher Prozeß. Verhalten, Strategien und Handlungsspielräume jüdischer Eigentümer und „arischer“ Erwerber. In: Fritz Bauer Institut (Hg.): „Arisierung“ im Nationalsozialismus. Frankfurt/ New York 2000, 15.

3 Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden. Wunder der Wirtschaft. Erbe der Deutschen. Hamburg/ Wien 2001, 12.

4 Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden, 12.

5 Wojak, Irmtrud/ Hayes, Peter: Einleitung. In: Fritz Bauer Institut (Hg.): „Arisierung“ im Nationalsozialismus. Frankfurt/ New York 2000, 7.

6 Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden, 28.

7 Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden, 30.

8 Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden, 32.

9 Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden, 37.

10 Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden, 38.

11 Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden, 35.

12 Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden, 40.

13 Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden, 48.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Arisierung der Wirtschaft. Verdrängung der Juden aus dem Privatbankenwesen
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Historisches institut)
Veranstaltung
Staat und Gesellschaft in der Geschichte
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V343870
ISBN (eBook)
9783668339415
ISBN (Buch)
9783668339422
Dateigröße
661 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drittes Reich, Hitler, Nationalsozialismus, Arisierung, Wirtschaft, Privatbankenwesen, Juden, Verfolgung, Prognome
Arbeit zitieren
Georg Kahl (Autor), 2014, Arisierung der Wirtschaft. Verdrängung der Juden aus dem Privatbankenwesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343870

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