Anforderungen an Just-in-time Produktion unter Anwendung von Global Sourcing


Bachelorarbeit, 2016
53 Seiten
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Forschungsfrage
1.3 Stand der Forschung
1.4 Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definitionen und Begriffserklärungen
2.1.1 Definition „Just-In-Time“
2.1.2 Definition “Logistik”
2.1.3 Definition „Global Sourcing“
2.2 Global Sourcing im Kontext der Forschungsfrage
2.3 Just-In-Time
2.3.1 Just-In-Time im Kontext des Toyota-Produktionssystems
2.3.2 Werkzeuge des Just-In-Time
2.3.3 Bedingungen einer erfolgreichen Just-In-Time Produktion
2.4 Innovationen im Bereich der Logistik
2.4.1 Informations- und Kommunikationssysteme
2.4.2 Logistik in der Industrie 4
2.4.3 Künstliche Intelligenz und autonome Logistiksysteme
2.4.4 Zusammenfassung des Kapitels

3 Analyse
3.1 Hierarchie der Anforderungen an die Logistik
3.1.1 Anforderungen 1. Grades
3.1.2 Anforderungen 2. Grades
3.2 Lösung der Forschungsfrage
3.3 Diskussion

4 Schlussbetrachtung
4.1 Zukunftsausblick
4.2 Offene Fragen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Just-In-Time Organisationsprinzip

Abbildung 2: Grundaufbau von RFID Systemen

Abbildung 3: Materialflusssystem aus einzelnen FlexFörderer-Modulen

Abbildung 4: Darstellung „CargoCap“ Konzept

Abbildung 5: „CargoCap“ mit einem Fassungsvolumen von zwei Europaletten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Wirtschaftswelt hat in den letzten Jahren bedeutende Veränderungen erlebt, deren Antrieb, zum größten Teil, durch drei wesentliche Faktoren erzeugt wurde. Diese Faktoren sind: die neuen Entwicklungen im Bereich der Maschinen- und Softwaretechnik1, die Veränderung der Kundenanforderungen und die Globalisierung der Gesellschaft und Wirtschaft2. Die Folgen der Veränderungen, haben der Industriewelt neue Möglichkeiten eröffnet und sie gleichzeitig vor neue Herausforderungen gestellt.

Zusammenschlüsse, wie zum Beispiel die Europäische Union (EU), haben die Länder- grenzen durchlässiger werden lassen, weshalb internationale Handlungshemmnisse deutlich abgebaut worden sind. Die Folge dessen war, dass die einst voneinander ge- trennten Teilmärkte zu einem globalen Markt verschmolzen sind.3 Immer mehr Unter- nehmen verfolgen heute eine globale Beschaffungsstrategie, weil sich für sie dadurch zahlreiche Vorteile ergeben.4 Vorteile einer globalen Beschaffungsstrategie sind bspw. die Technologieakquisition, die Sortiment Diversifikation oder der Zugang zu preis- günstigen Bezugsquellen.5 Auf der Gegenseite stehen Nachteile, wie bspw. unvorher- sehbare exogene Einflussgrößen bei internationaler Beschaffung (Politik, Wechselkurse, Wirtschaftsentwicklung des Landes), ein höherer Betreuungs- und Qualitätsmanage- mentaufwand, schwere Planbarkeit der Lieferungen (exogene Einflussgrößen) oder Kommunikationsprobleme, aufgrund kultureller Unterschiede zwischen den Parteien.6

Die technische Revolution hat bewirkt, dass zunehmend davon ausgegangen werden kann, dass mittlerweile jeder Verbraucher sich selbst im Internet über Produkte und Lieferanten, sowie die Bewertungen dieser, informiert und einen Großteil seiner Pro- dukte Online bezieht.7 Infolgedessen steigern sich die Kundenanforderungen, aufgrund der hohen Auswahl verschiedener Produkte und Lieferanten, die das Internet bereit- stellt.

Beinahe jeder Kunden stellt heute individuelle Ansprüche an sein gewünschtes Produkt und gleichzeitig auch hohe Ansprüche an Service, wie zum Beispiel Retoure Abwick- lung und Lieferzeiten. Für Unternehmen verschärfen sich demnach die Kundenanforderungen in verschiedenen Aspekten und der Konkurrenzdruck steigt.8

Derartige globale und dynamische Marktbedingungen üben vor allem auf Industrieun- ternehmen einen starken Einfluss aus. Um auf dem globalen Markt langfristig Konkur- renzfähig zu bleiben, müssen sie ihre Wertschöpfungsstrategien den Marktbedingungen anpassen.9 Weiterhin müssen Unternehmen alle Prozesse entlang ihrer Wertschöpfungs- kette durchlaufend auditieren und optimieren.10 Dabei ist das übergeordnete Ziel, jeder Form einer Optimierung entlang der Wertschöpfungskette, die Vermeidung von Ver- schwendungen jeder Art.11 Ein wichtiger Schritt, in dieser Angelegenheit, war die zu- nehmende Verbreitung flexibler und schlanker Produktionssysteme.12

Die Formen industrieller Warenproduktion haben seit der Etablierung des Fordismus, in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, erhebliche Erweiterungen und Optimierungen erlebt. Ein bedeutender Meilenstein, in der fortlaufenden Weiterentwicklung industriel- ler Produktionssysteme, war die Einführung und Verbreitung schlanker Produktionssys- teme und damit auch der Just-In-Time Produktion (kurz: JIT, zu Deutsch: bedarfssyn- chrone Produktion).13 Als eines von zwei bestimmenden Eckpfeilern des Toyota Pro- duktion Systems (TPS) war, unter anderem, gerade die Umsetzung des JIT sehr ent- scheidend für den nachhaltigen Erfolg, den die Firma „Toyota“ in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg bis heute verbuchen konnte.14 Die Firma „Toyota“ bewies damit das Potential hinter TPS und JIT, was dazu führte, dass auch zunehmend westliche Indust- riefirmen ihre Produktionssysteme veränderten, um in Zeiten turbulenter Marktbedin- gungen wettbewerbsfähig zu bleiben. Vorteile einer JIT Produktion sind bspw. kürzere Durchlaufzeiten, geringere Kapitalbindung, weniger Risiken, Vermeidung von Über- produktion und die Einsparung von Bestandskosten.15

Nachteile einer JIT Produktion sind bspw. ein deutlich höherer Logistik-, Planungs-, Kommunikations- und Steuerungsaufwand, niedrigere Prozesssicherheiten, hohe Aus- fallwahrscheinlichkeiten, eine hohe Abhängigkeit von Lieferanten sowie die generelle Anfälligkeit des Produktionssystems für exogene Einflussgrößen (Verzögerun- gen/Verspätungen, Staus, Unfälle, Unwetter, Streiks etc.).16

Viele Industrieunternehmen sind auf JIT Konzepte bzw. ähnliche schlanke Produktions- systeme umgestiegen, was einen bedeutenden und wichtigen Schritt in der Industriewelt ausmacht.17 Die kontinuierliche Suche und Eliminierung von Verschwendungen jeder Art ist daraufhin zu einem neuen Paradigma der Industriewelt geworden.18 Heute versu- chen Industrieunternehmen, in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess, alle Pro- zesse und Arbeitsgänge durchgehend zu optimieren, um die Effizienz und Produktivität ihrer Wertschöpfungskette zu maximieren.19 Diese Richtung, die die Industriewelt mit der Einführung schlanker Produktionssysteme eingeschlagen hat, scheint auch in Anbe- tracht von Fragen bezüglich der Umwelt und der Nachhaltigkeit sehr sinnvoll zu sein, da überflüssige Überproduktionen und damit auch unnötige Verschwendung fossiler Rohstoffe vermieden werden. Schlanke Produktionssysteme und eine globale Beschaf- fungsstrategie kommen stehen jedoch in einem Konflikt zu einander, da durch globale Beschaffungsstrategien zusätzliche Unsicherheiten für die gesamte Prozesskette einer JIT produzierenden Firma ergeben.20 Dieser Konflikt bildet den Gegenstand dieser Ar- beit und soll im Folgenden näher behandelt werden.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Ein schlankes Produktionssystem und eine globale Beschaffungsstrategie stehen im Konflikt zueinander.21 Krüger (2003) greift das Thema in seiner Dissertation, mit dem Titel „Das Just-In-Time Konzept für globale Logistikprozesse“, auf und zählt die wesentlichen Probleme auf, die sich bei einer JIT Produktion und gleichzeitig globaler Beschaffungsstrategie ergeben.

Demnach entstehen bei einer globalen Beschaffungsstrategie, zu den bereits gegebenen Unsicherheiten einer JIT Produktion, zusätzliche Unsicherheiten aufgrund der großen raum-zeitlichen Entfernungen sowie weitere Schwierigkeiten aufgrund kultureller Un- terschiede der kooperierenden Unternehmen.22 Wenn ein Unternehmen JIT produziert und dazu eine globale Beschaffungsstrategie verfolgt, addieren sich folglich die Fehler- potentiale beider Maßnahmen, was sich zusätzlich negativ auf die Planbarkeit der Pro- zesse auswirkt. Unternehmen, die JIT produzieren, können demnach schwer eine globa- le Beschaffungsstrategie verfolgen, weil ihre Prozesse zu unsicher werden, was erhebli- che Kosten mit sich bringt.23 Die Kostenvorteile, die sich bei einer JIT Produktion infol- ge der des Bestandsabbaus ergeben, werden durch die zusätzlichen Transportkosten und Kosten aufgrund von Prozessunsicherheiten wegsummiert.24 Diese neu entstehende An- sammlung von Fehlerpotentialen ist nicht nur durch geeignete logistische Maßnahmen zu kompensieren, sondern stellt darüber hinaus auch Anforderungen an einwandfrei funktionierende Infrastrukturen sowie Kommunikations- und Steuerungssysteme.25

Nach Krüger (2003) besitzt ein Unternehmen, welches eine globale Beschaffungsstrategie verfolgt, folglich eine globale Wertschöpfungskette.26 Vor diesem Hintergrund führte er an, dass ein Unternehmen dann auch eine „Globale Supply Chain Management“ einführen muss, deren Aufgabe es ist, die Bedingungen für eine JIT Produktion unter Anwendung einer globalen Beschaffungsstrategie zu erfüllen.27 Er benennt die nötigen Anforderungen und liefert Lösungsvorschläge für die gegebenen Probleme. Seine Lösungsvorschläge richten sich an alle beteiligten Parteien.

Aufgrund der Tatsache, dass dieser Konflikt heute, das heißt dreizehn Jahre nach Krü- gers Dissertation im Jahre 2003, immer noch besteht, soll das Thema im Rahmen dieser Arbeit, mit besonderem Fokus auf das Logistikfeld, nochmal aufgegriffen werden. Dazu soll untersucht werden, welche logistischen Voraussetzungen gegeben sein müssten, damit der Konflikt zwischen JIT und dem Global Sourcing beseitigt werden kann.

Zudem ist es wichtig, das gegebene Problem in Anbetracht des heutigen Stands der Technik zu analysieren, da sich die Technik in den letzten dreizehn Jahren stark weiter- entwickelt hat, woraus sich neue Lösungswege für das gegebene Problem ergeben.

1.2 Forschungsfrage

Die konkrete Ausformulierung der Forschungsfrage und der angestrebten Ziele der Ar- beit, stellt den wichtigsten Gegenstand einer Bachelorthesis dar. Aus diesem Grund ist es im ersten Schritt wichtig, die Ausgangssituation und Problematik vollständig zu ver- stehen und daraus eine konkrete Fragestellung und die daraus resultierenden Zielset- zungen für die Arbeit auszuformulieren. Eine konkrete Forschungsfrage hilft dabei die Komplexität einer Arbeit zu reduzieren und sich auf die wichtigsten Informationen zu fokussieren. Es empfiehlt sich deshalb bei der Formulierung der Forschungsfrage schrittweise vorzugehen und derartige Faktoren zu beachten. Die sieben Einzelschritte sind im Folgenden aufgeführt.

1. Ausgangssituation

Kundenanforderungen steigen und verlangen flexible Produktionssysteme. Viele Unter- nehmen müssen heute auf Just-In-Time Konzepte umsteigen, um den zunehmenden Marktanforderungen gerecht zu werden. Einer Globalisierung der Wirtschaft folgt auch eine Globalisierung von Logistikprozessen. Unternehmen verfolgen zunehmend globale Beschaffungsstrategien, weshalb sich neue Herausforderungen in der Just-In-Time Pro- duktion ergeben.

2. Problematik

Konflikt von Just-In-Time Produktion unter Anwendung von Global Sourcing.

3. Ursache

Die Just-In-Time Produktion ist sehr störanfällig für exogene Einflussgrößen (unerwar- teten äußere Einflüsse), da keine Puffermengen vorhanden sind, die eine Lieferverzöge- rung kompensieren können. Fällt eine Lieferung aus, muss die Produktion schlimmsten- falls gestoppt werden, was sehr kostspielige Folgeschäden mit sich bringt, da die Ver- zögerungen sich unter Umständen, lawinenartig, über die gesamte Wertschöpfungskette verbreiten können.28

4. Ausformulierung der Fragestellung

Welche Anforderungen stellt eine Just-In-Time Produktion, unter Anwendung von Glo- bal Sourcing, an die Logistik? Die Frage impliziert: Es wird eine Antwort gesucht, die alle Anforderungen an die Logistik benennt, die, wenn sie erfüllt sind, eine sichere Just- In-Time Produktion unter Anwendung von Global Sourcing, zumindest aus Seiten die Logistik, gewährleistet wäre. Daraus ergibt sich die Frage: Durch welchen Parameter wird ein sicherer Prozess beschrieben? Einfachheitshalber soll angenommen werden, es wäre der Faktor „Prozesssicherheit“. Für diese Arbeit soll gelten, dass eine hohe Pro-

zesssicherheit angibt, dass ein Prozess sicher ist, was bedeutet, dass er mit einer sehr hohen relativen Häufigkeit (Anzahl erfolgreicher Prozesse dividiert durch Anzahl aller Prozesse) abläuft. Auf Basis dieser Interpretation wurde die Fragestellung konkretisiert.

5. Konkretisierung der Fragestellung

Welche Voraussetzungen müssen durch die Logistik erfüllt sein, damit eine hohe Pro- zesssicherheit bei Just-In-Time Produktion, unter Anwendung von Global Sourcing, gewährleistet ist? Da der Begriff „hoch“ zu unkonkret ist, soll für diese Arbeit ein uner- reichbarer Idealzustand von 100 Prozent Prozesssicherheit als Maßstab verwendet wer- den. Dieser Idealzustand kann niemals erreicht werden, aber die Annährung an diesen Zustand, bis die Differenz vernachlässigbar klein ist, stellt die Lösung für die gegebene Problematik dar.

6. Ausformulierung der Fragestellung

„Welche Anforderungen müssen durch die Logistik erfüllt sein, damit eine 100 prozentige Prozesssicherheit, bei Just-In-Time Produktion, unter Anwendung von Global Sourcing, gewährleistet ist?“

7. Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es demnach die Anforderungen an die Logistik, mithilfe der Erar- beitung der notwendigen theoretischen Grundlagen, zu lokalisieren und sie konkret zu benennen. Zusätzlich müssen die Anforderungen in ihrer Umsetzbarkeit bewertet wer- den. Die Bewertung der Umsetzbarkeit der Anforderungen, dient der kritischen Ausei- nandersetzung der erarbeiteten Anforderungen. Die erarbeiteten Anforderungen müssen erfüllbar sein, sonst sind sie für die Lösung der Forschungsfrage irrelevant.

Darüber hinaus, soll eine Hierarchie der Anforderungen aufgestellt werden, auf dessen Grundlage die Anforderungen in ihrer Bedeutung priorisiert werden können. In diesem Zusammenhang soll der Begriff „Anforderung ersten und zweiten Grades“ verwendet werden, um, unter allen Anforderungen, die wichtigste zu identifizieren.

1.3 Stand der Forschung

Anders als zu den jeweiligen Themen „Just-In-Time“ und „Global Sourcing“, findet sich vergleichsweise wenig Literatur, die die gegebene Fragestellung thematisiert. Le- diglich Krüger (2003) behandelt diese Thematik in seiner Dissertation mit dem Titel: „Das Just-In-Time Konzept für globale Logistikprozesse“, in der er die Bezeichnung „Global Lean Supply Chain“ (zu Deutsch: globale schlanke Wertschöpfungskette) ver- wendet, um die Wertschöpfungskette eines Unternehmens zu bezeichnen, welches JIT produziert und gleichzeitig eine globale Beschaffungsstrategie verfolgt.29 Krüger (2003) bezeichnet die Logistik als den Kern einer globalen Wertschöpfungskette und liefert ein Konzept zur Implementierung einer globalen schlanken Wertschöpfungskette.30

Sein Konzept basiert auf vier tragenden Säulen. Die erste Säule umfasst die Strukturgestaltung, das heißt die Just-In-Time gerechte Konfiguration der globalen schlanken Wertschöpfungskette (Global Lean Supply Chain).31 Diese beinhaltet unter anderem die Wahl der Lieferanten und Materialien und die JIT gerechte Konfiguration des Logistiknetzwerks und weiterer JIT basierter Logistikaktivitäten. Die zweite Säule umfasst das materialflussbezogene Prozessmanagement, das heißt die Ausgestaltung logistischer Prozesse, Ressourcen und Lenkungsregel.32 Die Dritte Säule umfasst das logistische Informationsmanagement, die Schaffung von Transparenz durch den Einsatz internetbasierter Informationssysteme.33 Die vierte Säule umfasst das Beziehungsmanagement im Hinblick auf die Zusammenarbeit verschiedener Kulturen.34

In anderen Ausarbeitungen, die das Thema JIT behandeln, werden exogene Einflüsse, Ausfallraten/-wahrscheinlichkeiten sowie der hohe Planungs-, Koordinations- und Steu- erungsaufwand als Schwachstellen einer Just-In-Time Produktion genannt, jedoch nicht sonderlich mit einer globalen Beschaffungsstrategie in Verbindung gebracht.35 Die gän- gigen Lösungsansätze, zur Sicherung der Prozesse, sind meistens umfangreiche Imple- mentierungsstrategien36 sowie Mengenpuffer37, um Ausfälle und Verspätungen kompen- sieren zu können. Die meisten Strategien, Handbücher und Empfehlungen fokussieren jedoch eine einwandfreie Implementierung eines JIT Konzeptes im eigenen Unterneh- men, was unter anderem umfangreiche Analysen der Taktzeiten38, die Strukturierung aller Prozesse, Standardisierung der Prozesse, die Synchronisation bzw. Taktung der verschiedenen Prozesse, die Implementierung geeigneter Software- und EDV-Systeme39 sowie die Einbindung aller Mitarbeiter umfasst.40

Die Literatur zum Thema Global Sourcing beschäftigt sich größtenteils mit den bekann- ten Vorteilen sowie Nachteilen einer globalen Beschaffungsstrategie. Die Nachteile werden jedoch nicht speziell auf eine bedarfssynchrone Produktionsstrategie bezogen, sondern in den Bereichen: Qualität der Produkte41, die Lieferantenauswahl42, das Quali- tätsmanagement und die Betreuung43, die interkulturellen Kommunikationsprobleme44, politischen/wirtschaftlichen Entwicklungen sowie der Mitarbeiterqualifikation45, gese- hen.

Im Vergleich zu der Zeit in der Krüger (2003) dieses Thema behandelte, stehen der Lo- gistik heute ganz neue Möglichkeiten zur Verfügung. Es sind zum größten Teil neue Errungenschaften im Bereich der Informationssysteme, die die Wirtschaftswelt voraus- sichtlich stark beeinflussen und die Zeit der Vierten Industriellen Revolution (Industrie 4.0) maßgeblich prägen werden.46

Diese Errungenschaften werden auf verschiedenen Ebenen der Logistik, sowohl in der Entwicklung neuer Transportsysteme als auch neuer intelligenter, eigenständig agieren- der und selbstoptimierender Softwaresysteme.47 Die Logistik steht demnach vor dem Durchbruch einer neuen Ära, die Ära der autonomen Logistiksysteme (autonom = selbstständig, eigenständig, unabhängig). Dazu gehören, neben neuer Softwaresysteme, auch neue Transportmittel, Fahr- und Flugzeuge und intralogistische Systeme bzw. La- gersysteme.48 Aus diesem Grund macht es Sinn, das Problem noch einmal aufzugreifen und mit dem Blick auf den heutigen Stand der Technik neu zu betrachten.

1.4 Aufbau der Arbeit

Aufgrund der Komplexität, der drei wichtigen Themen, die in dieser Arbeit fokussiert werden sollen, ist es wichtig aus Gründen der Komplexitätsreduzierung irrelevante Themen frühzeitig zu erkennen und auszusortieren. Die theoretischen Grundlagen dienen dazu, die gegebene Problematik bewerten zu können und die wichtigen Informationen, für die Analyse und Schlussbetrachtung, zu erarbeiten.

In Kapitel 2.1 erfolgt die Definition und Begriffserklärung der Begriffe „Just-In-Time“, „Global Sourcing“ und „Logistik“. Da die Arbeit im Wesentlichen diese drei Themen fokussiert, sollen diese genauer beschrieben werden. Darüber hinaus können, im Sinne der Komplexitätsreduzierung, erste irrelevante Themen aussortiert und relevante The- men erkannt werden.

In Kapitel 2.2 werden die wesentlichen Grundlagen des Global Sourcing erörtert und welche Rolle das Global Sourcing in der gegebenen Fragestellung einnimmt. Um den Fokus der Arbeit nicht zu verlieren, werden beim Thema Global Sourcing irrelevante Themen vernachlässigt.

In Kapitel 2.3 werden die Grundlagen von JIT vorgestellt. Da das JIT Konzept ein Teil- prinzip des TPS ist, ist in diesem Kapitel auch auf JIT im Kontext des TPS eingegangen worden. Es ist wichtig JIT im Kontext des TPS zu verstehen, um mögliche versteckte Anforderungen zu erkennen. Über die Kritik an JIT Konzepten, können die wichtigsten Voraussetzungen bzw. Bedingungen für ein funktionierendes JIT Konzept abgeleitet werden.

In Kapitel 2.4 sind Innovationen der Logistik zusammengetragen worden, die verdeutlichen sollen, was mit dem heutigen Stand der Technik alles möglich ist. Um die gestellten Anforderungen in ihrer Umsetzbarkeit bewerten zu können. Es konnten nicht alle Neuheiten aufgeführt werden, diese die vorgestellt werden sind jedoch sehr repräsentativ für den heutigen Stand der Technik im Bereich der Logistik.

Abschließend folgen die Analyse der Ergebnisse und die Schlussbetrachtung. In der Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel zusammenge- fasst und daraus Schlussfolgerungen gezogen, die dabei helfen die relevanten Fragen der Arbeit zu beantworten. Darüber hinaus wird die Anforderung 1. Grades definiert. Die Anforderung 1. Grades ist die höchste Anforderung, das höchste Gebot der Logis- tik. Wenn die Anforderung 1. Grades erfüllt ist, befindet sich die Logistik im Idealzu- stand. In der Schlussbetrachtung wird ein Blick in die Zukunft geworfen und Offene Fragen vorgestellt, die sich aus der Lösung der Forschungsfrage ergeben.

2. Theoretische Grundlagen

In den nachfolgenden Kapiteln werden die wesentlichen theoretischen Grundlagen be- handelt, die zum Verständnis der Forschungsfrage sowie des Argumentationsaufbaus zur Lösung der Forschungsfrage notwendig sind. Dabei wurde bei der Erarbeitung der theoretischen Grundlagen streng darauf geachtet nur Grundlagen zu nennen, die in der gegebenen Fragestellung von Relevanz sind. Dazu gehören die Definition der wichtigen Begriffe „Global Sourcing“, „Just-In-Time“ und „Logistik“, sowie die wesentlichen Grundlagen der genannten Themengebiete. Aufgrund der Tatsache, dass alle genannten Themengebieten ein Übermaß an Informationen beinhalten, wurde besonders Wert da- rauf gelegt, die Aspekte vorzustellen, die primär zur Lösung der Fragestellung beitra- gen. Informationen wie Vorteile von Just-In-Time wurden bewusst vernachlässigt, weil diese zur Lösung der Forschungsfrage nicht beitragen. Dagegen sind Informationen wie Kritik an Just-In-Time für die Lösung der Forschungsfrage von großer Relevanz, weil sie Probleme aufzeigen, aus denen logistikbedingte Probleme erkannt werden können. Die Zusammenführung der Innovationen aus dem Logistikbereich sowie die Klärung der genauen Aufgaben und Ziele der Logistik soll dabei helfen die erarbeiteten Anfor- derungen in ihrer Umsetzbarkeit zu bewerten49.

2.1 Definitionen und Begriffserklärungen

Mithilfe der Definition und Begriffserklärungen können bereits erste wichtige Informa- tionen, die zur Lösung der Forschungsfrage beitragen, erarbeitet werden. Zudem herrscht nicht immer Einigkeit bezüglich Definitionen bzw. Interpretationen von global verwendeten Begriffen, weshalb im Folgenden die wichtigen Begriffe, für diese Arbeit, eine einheitliche Bedeutung bekommen sollen. Darüber hinaus ist es eine Grundvoraus- setzung, dass für die Verständlichkeit der Arbeit ein einheitliches Begriffsverständnis gewährleistet ist.

2.1.1 Definition „Just-In-Time“

Einfache Erklärungen des JIT Begriffes (zu Deutsch: bedarfssynchrone Produktion) beschränken sich auf die Aussage: „(…) die richtige Menge eines bestimmten Produktes dann zu produzieren, wenn es benötigt wird.“50 Hirano (2009) kritisierte diese Begriffserklärung und erklärte die vereinfachte Bedeutung: „(…) vollständigen Eliminierung allmöglicher Verschwendungen (…)“51 für geeigneter.

Die ursprüngliche Bedeutung nach Ohno (2009) besagt: „() in einem Fließverfahren die Teile, die zur Montage benötigt werden, zur rechten Zeit und nur in der benötigten Menge am Fließband ankommen.“52 Vergleicht man diese Bedeutung mit der von Hira- no (2009) kritisieren Begriffserklärung, so fällt auf, dass die kritisierte Erklärung die Produktion in den Vordergrund stellt, wogegen bei Ohno (2009) Ort, Zeit und Menge im Vordergrund der Bedeutung stehen. Deshalb ist es wichtig das Just-In-Time Konzept als übergeordneten Begriff anzusehen, der ein komplexes Konzept beschreibt, dem die Just-In-Time Produktion und Just-In-Time Belieferung unterzuordnen sind.

Göpfert et. al. (2014) definieren den Logistikbegriff wie folgt53:

„Organisationsprinzip, das die bedarfsgesteuerte Implementierung unternehmens- interner und -übergreifender Güteraustauschprozesse zum Ziel hat. Die Just-in- time-Produktion und -Zulieferung zielt über durchgängige Material- und Informa- tionsflüsse entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf eine hohe Markt- und Kundenorientierung unter gleichzeitiger Bestandsreduzierung in der Wertschöp- fungskette. Als konstitutive Bausteine des Just-in-time-Konzeptes werden in der Regel die integrierte Informationsverarbeitung (Einführung des Holprinzips, IT- basierte Kommunikation in Produktion und Beschaffung, Kombination mehrerer Planungs- und Steuerungsmethoden), die Fertigungssegmentierung (Schaffung produkt- und technologieorientierter Produktionseinheiten, Gruppenorganisation, Flussoptimierung) und die produktionssynchrone Beschaffung angesehen. Die Realisation von Just-in-time-Konzepten führt zur Reduzierung des Umlaufvermö- gens und verändert somit die vertikale und horizontale Bilanzstruktur.“

Die vorangegangene Definition liefert eine ganzheitliche Erklärung für den JIT Begriff, aus der sich die wichtigen Inhalte von JIT ableiten lassen. Diese sind folgend Stichpunktartig aufgeführt.

- Organisationsprinzip
- Bedarfsgesteuerte Güteraustauschprozesse
- Markt- und Kundenorientierung
- Material- und Informationsflüsse
- Bestandsreduzierung

[...]


[1] Vgl. Stölzle/Lieb[2012], S. 1 ff.

[2] Vgl. Krüger[2003], S. 1 f.

[3] Vgl. Krüger[2003], S. 1.

[4] Vgl. Faust/Yang[2013], S. 2 f.

[5] Vgl. Krüger[2003], S. 1 f.

[6] Vgl. Krüger[2003], S. 1 f., Faust/Yang[2013], S. 3 f.

[7] Vgl. Fost[2014], S. 2.

[8] Vgl. Fost[2014], S. 3.

[9] Vgl. Krüger[2003], S. 1 ff., Merkel et. al.[2008], S. 9

[10] Vgl. Erlach[2010], S. 2 f.

[11] Vgl. Takeda[2012], S. 3 f.

[12] Vgl. Balsliemke[2015], S. 3 f.

[13] Vgl. Takeda[2012], S. 3 f.

[14] Vgl. Ohno[2013], S. 124 f.

[15] Vgl. Ohno[2013], S. 124 f.

[16] Vgl. Krüger[2003], S. 3 f.

[17] Vgl. Krüger[2003], S. 4 f.

[18] Vgl. Takeda[2012], S. 6.

[19] Vgl. Takeda[2012], S. 6 f., Balsliemke[2015], S. 2 f.

[20] Vgl. Krüger[2003], S. 47 ff.

[21] Vgl. Krüger[2003], S. 47 ff.

[22] Vgl. Krüger[2003], S. 48 f.

[23] Vgl. Krüger[2003], S. 2 f.

[24] Vgl. Krüger[2003], S. 3.

[25] Vgl. Krüger[2003], S. 47 f.

[26] Vgl. Krüger[2003], S. 47 f.

[27] Vgl. Krüger[2003], S. 58 f.

[28] Vgl. Krüger[2003], S. 2 ff.

[29] Vgl. Krüger[2003], S. 58 f.

[30] Vgl. Krüger[2003]

[31] Vgl. Krüger[2003], S. 64 ff.

[32] Vgl. Krüger[2003], S. 163 ff.

[33] Vgl. Krüger[2003], S. 216 ff.

[34] Vgl. Krüger[2003], S. 285 ff.

[35] Vgl. Takeda[2012]; S. 9; Hirano[2009], S. 7; Faust/Yang[2013], S. 3 ff.

[36] Vgl. Takeda[2012]

[37] Vgl. Krüger[2003]

[38] Vgl. Takeda[2012], S. 95 f.

[39] Vgl. Mercado/Solis[2013]

[40] Vgl. Hirano[2009]; Takeda[2012]

[41] Vgl. Faust/Yang[2013], S. 50 ff.

[42] Vgl. Merkel et. al.[2008], S. 49 ff.

[43] Vgl. Diederichs[2014], S. 80 f.

[44] Vgl. Faust & Yang[2013], S. 79 ff.; Hornela[2010], S. 3 f.

[45] Vgl. Weigel/Rücker[2015], S. 91.

[46] Vgl. Bauernhansl et. al[2014], S. 1 ff.

[47] Vgl. Lau[2010], S. 1 ff.

[48] Vgl. Levi et. al[2012]

[49] Gleichzeitig soll es dabei helfen zu untersuchen, ob alle an die Logistik gestellten Anforderungen auch dem Aufgabenbereich der Logistik zuzuordnen sind.

[50] Hirano[2009], S. 3

[51] Hirano[2009], S. 145

[52] Vgl. Tegel[2012], S. 17 nach Ohno[2009], S. 35

[53] Göpfert et. al.[2014], S. 71 f.

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Details

Titel
Anforderungen an Just-in-time Produktion unter Anwendung von Global Sourcing
Jahr
2016
Seiten
53
Katalognummer
V344745
ISBN (eBook)
9783668348233
ISBN (Buch)
9783668348240
Dateigröße
1324 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Just-In-Time, Global Sourcing, Anforderungen
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Anforderungen an Just-in-time Produktion unter Anwendung von Global Sourcing, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344745

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