Auslöser, Prävention und Umgang mit Unterrichtsstörungen

Orientierungspraktikumsbericht


Praktikumsbericht / -arbeit, 2016

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung:

2. Meine Erwartungen an das Praktikum

3. Gesamtschule:

4. Der erste Tag des Schulpraktikums

5. Unterrichtsstörungen
5.1. Definitionen von Unterrichtsstörungen
5.2. Was verursacht Unterrichtsstörungen?
5.3. Prävention von Unterrichtsstörungen
5.4. Wie sollte sich ein Lehrer bei Unterrichtsstörungen gegenüber den Schülern verhalten?
5.5. Meine Unterrichtsstunden
5.5.1 Chemie :
5.5.2 Spanisch:
5.6. Fazit zum Thema Unterrichtsstörungen:

6. Reflexion des Praktikums und Ausblick

7. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung:

Schon seit dem ersten Semester werde ich von meinen Freunden gefragt, warum ich Chemie und Spanisch auf Lehramt studiere.

Spanisch und Chemie waren schon in der Schule meine Lieblingsfächer. Deswegen habe ich mich auch in meiner Freizeit damit sehr gerne beschäftigt.

Chemie ist eine sehr faszinierende Naturwissenschaft, denn es gibt sehr viele schöne Experimente, die die Schüler beeindrucken können. Selbst die Flammenfärbungen der Metalle fand ich im Chemieunterricht sehr interessant.

In den Sommerferien bin ich mit meinen Eltern oft nach Spanien geflogen und in der 9. Klasse durfte ich Spanisch als 3. Fremdsprache in der Schule wählen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich angefangen, mich mit der spanischen Kultur und Geschichte auseinanderzusetzen. Auch den Klang der spanischen Sprache finde ich toll. Viele spanische Lieder sind für mich etwas ganz Besonderes.

Meine Klassenkameraden und Freunde haben mich oft gebeten, ihnen in Mathe und Chemie Nachhilfe zu geben und es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, besonders, wenn ich gesehen habe, dass sie meine Erklärungen verstanden haben. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, Lehrerin zu werden. Ich arbeite gerne mit anderen Menschen zusammen.

Mein Ziel ist es, den Schülern den Unterrichtsstoff so beizubringen, dass die Mehrheit der Schüler die im Unterricht behandelten Themen versteht. Wenn die Schüler Fragen haben sollten, werde ich versuchen diese Fragen so gut wie möglich zu beantworten.

2. Meine Erwartungen an das Praktikum

Vor dem Praktikum sollte man sich darüber Gedanken machen, was man überhaupt vom Praktikum erwartet.

Ich hoffe, dass ich im Unterricht nicht nur hinten sitzen werde, sondern auch die Lehrerrolle im Spanisch- und Chemieunterricht übernehmen darf und von den Lehrern unterstützt werde, sollte ich Hilfe benötigen. Es ist mir auch sehr wichtig, dass mir die Lehrer nach der Stunde sagen, wo meine Schwächen und Stärken liegen. Desweiteren sind mir Ratschläge, wie ich mich verbessern kann, sehr wichtig, da mir bewusst ist, da ich noch viel lernen muss.

Von den Schülern erwarte ich den nötigen Respekt und Aufmerksamkeit. Selbstverständlich können die Schüler immer auf mich zukommen und mir Fragen stellen.

In meinem Bericht werde ich zunächst einen kurzen Überblick über die Gesamtschule geben. Daraufhin werde ich meinen ersten Tag des Schulpraktikums vorstellen.

3. Gesamtschule:

Die Gesamtschule wurde 1986 in Wuppertal gegründet. Es ist eine Ganztagsschule, die neben dem normalen Schulbetrieb auch Freizeitangebote anbietet. Die Schule bietet alle erreichbaren Schulabschlüsse an. Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit sind für die Schule wichtige Stichworte. In den Klassen 5 und 6 gibt es Neigungsfachklassen in den Bereichen Orchester, Sport, Naturwissenschaften und Musik. Die Schule sorgt für ein gutes Lern- und Arbeitsklima. Es gibt z.B. Anti-Mobbing-Vereinbarungen.

Es gibt auf der Schule Inklusions- und Flüchtlingsklassen. Es wird viel Wert darauf gelegt, dass jeder Schüler unterstützt und gefördert wird. Alle Klassen haben zwei Klassenlehrer und jeweils zwei Klassen werden zu einem Team zusammengefasst. Dies erleichtert die pädagogische Arbeit, damit die Lehrer besser auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen können.

In der Schule gibt es eine Mensa, in der frisch gekocht wird. Die Schule hat auch regelmäßig Kontakt mit Partnerschulen in Polen, Israel und Spanien und ermöglicht den Schülern den Schüleraustausch.

4. Der erste Tag des Schulpraktikums

Wie verabredet, wartete ich mit den anderen Praktikanten am 05.09 auf Frau K. vor dem Sekretariat. Zuerst sollten wir sie in das Lehrerzimmer begleiten und haben uns über Stundenpläne und andere organisatorische Sachen unterhalten. Danach hatten wir die Wahl, ob wir nach Hause gehen oder uns einige Unterrichtsstunden ansehen. Ich habe mich dazu entschieden, mir eine Naturwissenschaftsstunde der 5. Klasse und eine Chemiestunde in der 10. Klasse anzusehen. In der Chemiestunde durfte ich den Schülern erklären, wie man einen Bunsenbrenner verwendet. Anschließend durften die Schüler den Brenner selbst verwenden. Ich bin mit der Lehrerin rumgegangen und habe überprüft, ob die Schüler den Brenner richtig verwenden. Dabei habe ich auch versucht auf mein Thema „Unterrichtsstörungen“ zu achten. Besonders beim Experimentieren im Chemieunterricht muss man die Schüler im Auge behalten. Einige Schüler haben angefangen mit Streichhölzern zu spielen. Deswegen war ich gezwungen, ihnen die Streichhölzer wegzunehmen und sie über die Gefahren, im Umgang mit Feuer, zu ermahnen.

Nach dieser Stunde bin ich nach Hause gefahren und habe einen Stundenplan für die 4 Wochen erstellt. Im Großen und Ganzen war ich mit dem ersten Praktikumstag zufrieden. Alle Lehrer und Schüler waren sehr freundlich und hilfsbereit.

5. Unterrichtsstörungen

Begründung zur Wahl des Themas „Unterrichtsstörungen“

Ich habe das Thema gewählt, da ich sowohl in meiner Schulzeit als auch in der Uni gemerkt habe, dass viele Lehrkräfte nicht immer wissen, wie sie am besten mit Unterrichtsstörungen umgehen sollen. Da mich dieses Thema schon seit der Schulzeit interessiert, werde ich Gründe für Unterrichtsstörungen und Möglichkeiten zur Verminderung der Unterrichtsstörungen erforschen.

5.1. Definitionen von Unterrichtsstörungen

Viele Lehrer und Schüler beschweren sich oft, dass es im Unterricht Störungen aus vielen verschiedenen Gründen gab/ gibt.

Zum besseren Verständnis sollten „Unterrichtsstörungen“ definieret werden.

Lohmann (2003) entwickelte eine mögliche Definition für Unterrichtsstörungen:

„Unterrichtsstörungen sind Ereignisse, die den Lehr-Lernprozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen.“ 1

Noelting (2007) nennt in seinem Buch „Störungen in der Schulklasse“ zwei Typen von Unterrichtsstörungen: aktive Unterrichtsstörungen und passive Unterrichtsstörungen. 2

Mit aktiven Unterrichtsstörungen ist gemeint, dass die Schüler Privatgespräche führen, ohne Meldung in den Raum brüllen, im Raum herumlaufen oder so viel Lärm machen, dass kein Unterricht möglich ist.

Zu passiven Unterrichtsstörungen kommt es, wenn die Schüler im Unterricht nicht mitarbeiten wollen, ihre Hausaufgaben nicht erledigen und wichtige Materialien zu Hause vergessen.

Es wird im Allgemeinen von den Lehrern bestimmt, welche Verhaltensweisen der Schüler als störend eingestuft werden. Es gibt vier besonders auffällige Kategorien störenden Schülerverhaltens.3 (vgl. EDER/FARTACEK/MAYR 1987, S. 14)

1. Verbales Störverhalten (schwatzen, Beleidigungen, Zwischenrufe)
2. Mangelnder Lerneifer (geistige Abwesenheit, Desinteresse, Unaufmerksamkeit)
3. Motorische Unruhe (zappeln, kippeln, herumlaufen)
4. Aggressives Verhalten (Wutausbrüche, Angriffe auf Personen, Sachbeschädigungen)

Es ist aber zu betonen, dass nicht jede Störung, die ein Lehrer wahrnimmt, wirklich eine Unterrichtsstörung ist. Es ist normal, dass Schüler während einer Gruppenarbeit miteinander reden und es etwas lauter wird. Auch wird es kaum eine Stunde geben, wo Sitznachbarn nicht miteinander leise reden, besonders, wenn sich der Lehrer umdreht.

5.2. Was verursacht Unterrichtsstörungen?

Es ist schwer eine allgemeine Aussage zu formulieren, was Unterrichtsstörungen verursacht, da jeder Schüler ein Individuum ist. Manche Schüler sind an dem Unterrichtsfach nicht interessiert, manche wollen dem Sitznachbarn unbedingt etwas erzählen, manche Schüler spielen mit dem Handy, manche Schüler haben familiäre Probleme und passen deswegen im Unterricht nicht so gut auf.

„Aufgrund der unterschiedlichen Probleme kann es zu Unterrichtsstörungen kommen, da die Schüler ein Verlangen nach Beachtung und Zuwendung haben. Damit lenken sie auch von eigenen Schwächen im Unterrichtsfach ab.“ 3

Eine weitere mögliche Ursache ist, dass sich die Schüler zu überfordert fühlen und deswegen am Unterricht keinen Spaß haben. Das konnte ich auch in 2 von mir übernommenen Stunden beobachten, da die Schüler aus der EF (Einführungsphase) aus verschiedenen Schulen zusammengewürfelt worden sind. Für die Schüler war das Thema „Alkane und ihre Isomere“ sehr schwer. Anstatt mich um Hilfe zu bitten, haben die Schüler angefangen mit dem Sitznachbar zu reden oder mit dem Handy zu spielen.

Bevor ich ins Praktikum gegangen bin, habe ich mich informiert, wie man Unterrichtsstörungen vermeiden kann und wie man mit diesen umgehen sollte.

Ich habe mir auch Gedanken darüber gemacht, wie ich die Schüler im Praktikum beobachten werde. Da man nicht die ganze Klasse im Überblick haben kann, habe ich nur einige Tischreihen beobachtet und mir notiert, wie die Schüler gestört haben. Ich habe mir notiert, wenn die Schüler geschwatzt haben, unaufmerksam waren, ohne zu fragen rumgelaufen sind oder sich aggressiv verhalten haben. Auch habe ich mir notiert, wie die Lehrer auf die Störungen reagiert haben.

5.3. Prävention von Unterrichtsstörungen

Nach Noelting (2006) gibt es vier wichtige Bereiche der Prävention von Unterrichtsstörungen.4

Zuerst sollte der Lehrer Regeln formulieren und gut organisiert sein.

Ein Lehrer sollte in der Lage sein, den Schülern erklären zu können, wo der behandelte Stoff angewendet werden kann. Eine Antwort wie „das brauchst du für den Test/ Klausur“ ist sehr unprofessionell.

Außerdem soll durch Wahl interessanter Inhalte und Methodenvielfalt das Interesse der Schüler geweckt werden.

Wartezeiten im Unterricht sollten vermieden und der Unterricht im besten Fall durch Störungen nicht unterbrochen werden. Damit ist auch gemeint, dass der Lehrer nicht unnötig viel Zeit investiert, um Schüler zu ermahnen, sondern den Schülern sagt: „Schreibt/ Lest weiter!“

Es sollten auch Präsenz -und Stoppsignale vorhanden sein. Das heißt, dass der Lehrer den Schülern bei Störungen verbale und nonverbale Signale senden soll. Bei der ersten Störung sollte der Lehrer zum Beispiel in die Richtung gehen, wo sich die Schüler unterhalten, damit sich die Schüler beruhigen.

Nach Terhart (2002) sollen Lehrer „einen erheblichen quantitativen Wissensvorsprung…“haben, „weil sie langfristig angelegte, verständnisvolle und fachwissenschaftlich vertretbare Lernzugänge anbahnen müssen.“ 5

Ich habe zum Beispiel eine Naturwissenschaftsstunde in einer 5. Klasse in der 5. Stunde beobachtet, wo wenige Unterrichtsstörungen auftraten. Damit sich die Schüler beruhigen und sich auf den Unterricht einstellen, hoben beide Lehrer ihren Arm nach oben und die Schüler sollten sich hinstellen und auch einen Arm nach oben halten. Die Lehrerin hat gewartet bis jeder Schüler den Arm hochgehoben hat und erst dann begann sie mit dem Unterricht. Zuerst erzählte sie was die Schüler in dieser Unterrichtsstunde erwartet. Danach gab sie in der Klasse einen Kuscheltier-Pinguin herum und fragte die Schüler, ob der Pinguin lebendig ist oder nicht. Die Schüler sollten dann aufzählen, woran sie erkannt haben, dass dieses Kuscheltier kein Lebewesen ist und haben sich gemeldet und gewartet bis sie drangenommen wurden. Mithilfe des Kuscheltiers wurde das Interesse der Schüler geweckt und die gesamte Klasse wurde in die Diskussion mit einbezogen. Jeder Schüler durfte seine Meinung äußern. Das ist ein Beispiel für eine Unterrichtsstunde ohne Unterrichtsstörungen.

Auch fand ich die Gestaltung einer Spanischstunde einer 11. Klasse sehr interessant. Die Lehrerin hat laut und selbstsicher gesprochen, vor allem bei der Besprechung von Zeitformen hat sie die Laute laut und lustig betont, damit sich die Schüler die Formen besser merken können. Die Akzente hat sie besonders groß auf die Verben gezeichnet. Die Schüler sollten die Konjugationen der Verben im Chor wiederholen. In dieser Stunde gab es keine Unterrichtsstörungen und die Schüler hatten in der Stunde viel Spaß. Ich finde, dass dies eine gute Möglichkeit ist, Schüler zu motivieren. Am Ende des Praktikums habe ich mit ihr über ihre Unterrichtsmethodik gesprochen. Sie hat mehrmals betont, dass Lehrer während der Unterrichtsstunde wie Schauspieler auf der Bühne sind und die Schüler Lehrer immer sehr gut beobachten. Die Schüler haben nur Respekt vor Lehrern, die mit den Schülern zusammen Regeln aufstellen. Wenn sich die Schüler nicht an die Regeln halten, müssen sie ausnahmslos, wie vereinbart bestraft werden, sonst nehmen sie die Lehrerin nicht mehr ernst.

[...]


[1] Lohmann, Gert (2003): „Mit Schülern klar kommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten“ , Verlag: Cornelson Scriptor, S.12

[2] Nolting, Hans-Peter (2007): „Störungen in der Schulklasse. Ein Leitfaden zur Vorbeugung und Konfliktlösung“, Beltz Verlag, S.12

[3] Fartacek, W., Eder, F. Mayr, J. (1987). „Schwierigkeiten von Lehrerstudenten und Lehrern im Umgang mit Schülern. Erziehung und Unterricht“, 137 (Heft 1), S.12-24.

[4] Nolting, Hans-Peter (2006) : „Prävention von Unterrichtsstörungen. Unauffällige Einflussnahmenkönnen viel bewirken“, in: Zeitschrift PÄDAGOGIK, S. 10-13

[5] Terhart, E (2002): „Grundannahmen: Leitbild für den Lehrerberuf“,S.49

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Auslöser, Prävention und Umgang mit Unterrichtsstörungen
Untertitel
Orientierungspraktikumsbericht
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Orientierungspraktikum auf Gesamtschule/Gymansisum
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V344814
ISBN (eBook)
9783668349780
ISBN (Buch)
9783668349797
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auslöser, prävention, umgang, unterrichtsstörungen, orientierungspraktikumsbericht
Arbeit zitieren
Regina Tseytlina (Autor), 2016, Auslöser, Prävention und Umgang mit Unterrichtsstörungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344814

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