Es gibt kaum eine Stadt in Ostdeutschland, in der man bei einer Begehung keine leerstehenden Häuser aus der Gründerzeit oder Plattenbau-Siedlungen entdecken kann. Aber auch im Westen der Republik verdichten sich die Anzeichen, dass in einigen Gebieten eine Welle des Leerstands droht. Für die Politik stellt sich dabei die Frage, wie man sich dieser Entwicklung stellen und die Ziele von Herrn Ramsauer erreichen kann.
Im Jahr 2002 kam es zur Einführung des Stadtumbauprogramms Ost und wenig später zum Stadtumbauprogramm West. Doch sind diese Programme das geeignete Mittel? Diese Leitfrage soll im Rahmen dieser Arbeit behandelt werden. Dazu werden zuerst die Begriffe Schrumpfung und Wachstum, sowie deren Messbarkeit definiert und beleuchtet welche Auswirkung eine schrumpfende Stadt auf den Wohnungsmarkt hat. Zusätzlich wird kurz beleuchtet, wie sich die Situation in der Bundesrepublik Deutschland darstellt und welche Teile der Landes hauptsächlich betroffen sind. Anschließend sollen die Stadtumbauprogramme für Ost- und Westdeutschland vorgestellt werden, um die Werkzeuge der Bundesregierung, die in den Umbauprogrammen stecken, herauszuarbeiten. Dabei wird das Stadtumbauprogramm West nur kurz anhand der wesentlichen Merkmale erklärt, da der Stadtumbau Ost in diesem Fall wesentlich relevanter und funktioneller für das am Ende beschrieben Fallbeispiel aus der Stadt Wolfen ist. Die im Fallbeispiel untersuchte Stadt Wolfen liegt 40 Kilometer nördlich von Leipzig und kann wie kaum eine andere Stadt als Beispiel für schrumpfende Städte herhalten. Es wird dabei kurz auf die Geschichte der Stadt und danach auf den Einfluss des Städteumbauprogramms eingegangen, um die Wirkung dieses Werkzeugs zu verdeutlichen. Am Ende sollen die Teile noch einmal kurz zusammengefasst und daraus ein Fazit gezogen, sowie ein kleiner Ausblick auf die Zukunft gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Schrumpfung bzw. Wachstum
Indikatoren und deren Zirkularität
Schrumpfende Städte in der Bundesrepublik Deutschland
Folgen für den Wohnungsmarkt
Die Stadtumbauprogramme
Stadtumbau Ost
Stadtumbau West
Fallbeispiel: Die Stadt Wolfen (Wolfen-Nord)
Von der Planstadt zum Leerstand
Stadtumbau in Wolfen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Effektivität der deutschen Stadtumbauprogramme als Reaktion auf den städtebaulichen Leerstand. Dabei wird analysiert, inwieweit diese staatlichen Instrumente geeignet sind, die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen schrumpfender Städte zu bewältigen und den Wohnungsmarkt zu stabilisieren.
- Grundlagen der Stadt- und Bevölkerungsentwicklung
- Strukturelle Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland
- Wirtschaftliche Folgen des Wohnungsleerstands
- Mechanismen der Stadtumbauprogramme (Aufwertung & Rückbau)
- Praktische Anwendung und Grenzen am Fallbeispiel Wolfen
Auszug aus dem Buch
Von der Planstadt zum Leerstand
Die in Sachsen-Anhalt gelegene Stadt Wolfen war ab dem 19. Jahrhundert gekennzeichnet von Industrie. Nachdem Bergbau begann die Firma I.G. Farbindustrie AG mit der Produktion von fotochemischen Produkten in der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Regierung der DDR die Planung der Region und der Raum Wolfen-Bitterfeld wurde zu einem zentralen Chemiestandort des Landes (PETER 2006, S. 284). Die übernommene Produktion von Fotofilmen wurde weiter ausgebaut und so erlangte die Filmfabrik Wolfen das landesweite Monopol für derartige Güter. Durch die immer weiter wachsende Nachfrage nach Arbeitskräften wurde ab 1960 beschlossen, dass ein neuer Stadtteil mit vier Wohnkomplexen und 13.500 Wohneinheiten für ca. 30.000 Arbeiterfamilien, ausschließlich im Plattenbaustil, entstehen soll.
Dieser Ausbau wurde bis 1989 weitergeführt und die Einwohnerzahl der Stadt Wolfen stieg auf bis zu 45.700 Einwohner an (PETER 2006, S. 285). Nach der Wende und dem in die ehemalige DDR einziehenden Strukturwandel begannen die Produktionszahlen und damit auch die Anzahl der Beschäftigungsverhältnisse rapide zu sinken. Mangels Perspektiven und den Verlockungen aus dem Westen und der Hauptstadt Berlin wanderten vor allem die jungen Fachkräfte ab und das Einsetzen der Leerstandspirale wurde im Stadtbild ersichtlich. Besonders im neugeschaffenen Stadtteil Wolfen-Nord wurden immer mehr Wohnungen verlassen und konnten nicht mehr vermietet werden. Die Leerstandsquote stieg von 4,1% im Jahr 1993 auf bis zu 35% im Jahr 2003 und über 4.000 der ca. 13.000 Wohneinheiten standen leer (RUPPRECHT 2004, S. 47). Die Einwohnerzahl der Stadt wurde mehr als halbiert und sank von 45.700 auf 26.000 im Jahr 2003.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der Bedeutung des Stadtumbaus für schrumpfende Kommunen und Definition der methodischen Herangehensweise.
Schrumpfung bzw. Wachstum: Erläuterung der Indikatoren zur Messung städtischer Entwicklungsprozesse und Darstellung des zirkulären Charakters von Schrumpfung.
Schrumpfende Städte in der Bundesrepublik Deutschland: Analyse der divergenten Ausgangslagen zwischen Ost- und Westdeutschland unter Berücksichtigung historischer und wirtschaftlicher Faktoren.
Folgen für den Wohnungsmarkt: Untersuchung der ökonomischen und infrastrukturellen Konsequenzen durch Leerstand sowie der resultierenden Abwärtsspirale.
Die Stadtumbauprogramme: Darstellung der Strategien und Förderstrukturen der Bundesregierung zur Bewältigung der Leerstandskrise in Ost und West.
Fallbeispiel: Die Stadt Wolfen (Wolfen-Nord): Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf ein konkretes Beispiel, inklusive historischem Rückblick und Analyse der städtebaulichen Umbaumaßnahmen.
Fazit: Kritische Würdigung der Wirksamkeit des Stadtumbaus und Ausblick auf zukünftige Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Stadtumbau, Schrumpfende Städte, Leerstand, Wohnungsmarkt, Plattenbau, Demographischer Wandel, Stadtentwicklung, Wolfen, Bundesrepublik Deutschland, Städtebauförderung, Strukturwandel, Bevölkerungsrückgang, Infrastruktur, Wohnungsunternehmen, Stadtplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik schrumpfender Städte in Deutschland und der Wirksamkeit staatlicher Stadtumbauprogramme zur Bewältigung von Wohnungsleerstand.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die demographischen und wirtschaftlichen Ursachen von Schrumpfung, die Folgen für den Wohnungsmarkt sowie die spezifischen Förderinstrumente der Bundesregierung für Ost- und Westdeutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob die Stadtumbauprogramme das geeignete Mittel darstellen, um den Verfall von Innenstädten und Wohnsiedlungen nachhaltig zu stoppen und die Lebensqualität zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Definition von Schrumpfungsprozessen mit einer deskriptiven Analyse der Stadtumbauprogramme und einer Fallstudie der Stadt Wolfen, um die theoretischen Aspekte zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Definitionen von Schrumpfung, die Unterschiede der Stadtentwicklung in Ost und West, die negativen Auswirkungen von Leerstand sowie die konkreten Maßnahmen der Stadtumbauprogramme wie Rückbau und Aufwertung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wesentliche Begriffe sind Stadtumbau, Schrumpfung, Leerstand, Demographischer Wandel und das Fallbeispiel Wolfen-Nord.
Warum ist das Beispiel Wolfen besonders relevant für die Analyse?
Wolfen dient als Paradebeispiel für eine ehemalige Planstadt, die nach der Wende einen massiven Strukturwandel und Bevölkerungsverlust erlebte, was die Herausforderungen des Stadtumbaus besonders deutlich macht.
Welches Paradoxon wird im Zusammenhang mit dem Wohnungsmarkt in Wolfen beschrieben?
Obwohl ein massiver Angebotsüberhang an Wohnungen existiert, mangelt es gleichzeitig an altengerechtem Wohnraum, was ältere Bürger vor große Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche stellt.
- Citation du texte
- Benjamin Kahle (Auteur), 2014, Schrumpfende Städte in Deutschland. Folgen für den Wohnungsmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344911