Einfluss der Anglizismen auf die heutige Sprache. Wie "deutsch" ist unsere Sprache?


Hausarbeit, 2016
19 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Gliederung

1) Einleitung

2) Der Sprachwandel: Seine Ursprünge und Folgen
2.1) Der natürliche Sprachwandel
2.2) Wortschatz- und Bedeutungswandel

3) Entlehnung im Allgemeinen
3.1) Der Entlehnungsvorgang

4) Entlehnungstheoretische Aspekte: Die Lehnbeziehungen
4.1) Lehnbeziehung nach Jablonski
4.2) Lehnbeziehung nach Fink
4.3) Lehnbeziehung nach Carstensen

5) Besondere Entlehnungen: Die Anglizismen
5.1) Drei Typen von Anglizismen nach Yang

6) Die Entlehnung im Laufe der Zeit
6.1) Einflüsse des Italienischen, Französischen und des Lateinischen
6.2) Praxis: Historische Quelle – Ein Gesetzestext im Jahre 1871
6.3) Einflüsse des Englischen im Laufe der Zeit

7) Die Einflussnahme von Anglizismen im heutigen Alltag

8) Fazit

9) Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Das Beherrschen einer Sprache ist für ein funktionierendes Leben in jeglichen Bereichen unverzichtbar. Egal ob beim Aufbauen einer Freundhaft, Bestellen einer Mahlzeit in einem Restaurant oder Bewerben um einen Job: Wer sich nicht verständigen kann ist selten erfolgreich, Wenliang Yang sagt der Sprache in seinem Werk „Anglizismen im Deutschen“ den „Dienst des Denkens und der Kommunikation“[1] und damit hat er vollkommen Recht, wie an oberen Beispielen deutlich wird.

Unsere deutsche Sprache ist unwahrscheinlich vielfältig: Es mangelt weder an Möglichkeiten des Satzbaus, Synonymen oder Zeitformen. Vor allem aber unser Wortschatz ist von großer Bedeutung, denn natürlich ist es von Vorteil, wenn man über eine vielfältige Ausdrucksweise verfügt. Allerdings verändert sich unsere Sprache ständig: Eine Rechtschreibreform wird eingeführt, alte Redewendungen werden nicht mehr genutzt oder neue Wörter kommen hinzu. Genau um letzteres soll es in meiner Hausarbeit gehen. Das Übernehmen von fremdsprachlichen Wörtern schon immer gängig, da andere Sprachen seit langer Zeit einen Einfluss auf das deutsche hegen. Vor allem aber die Anglizismen, also die übernommenen englischen Begriffe, hegen heutzutage einen großen Einfluss auf die deutsche Sprache. Nicht nur in den Medien treten Begriffe wie Crowdfunding auf, sondern auch jeder einzelne benutzt sie: Wir mailen, wir toasten, wir bestellen ein Steak oder nutzen unseren Laptop. Teilweise sind Anglizismen schon so fest in unserem Wortschatz verankert, dass es uns gar nicht mehr auffällt, dass diese Wörter fremdsprachlichen Ursprungs sind. Angesichts dieser Situation sollen die Anglizismen ebenfalls einen hohen Stellenwert in meiner Hausarbeit haben.

Diese schriftliche Leistung möchte ich gerne in zwei Teile spalten: Zunächst einmal werde ich den Sprachwandel, welchen ich oben bereits angedeutet hatte, thematisieren. Daraufhin möchte ich gerne die grundlegenden Informationen zu der Übernahme von fremdsprachlichen Wörtern, was auch Entlehnung genannt wird, festhalten. Hierunter fallen viele theoretische Modelle, aber auch Begriffserklärungen und verschiedene Erläuterungen von Prozessen. Im zweiten Teil der Hausarbeit möchte ich das Thema der Entlehnung gerne spezialisieren, sodass der Fokus auf den angesprochenen Anglizismen liegen wird. Zunächst muss der Begriff geklärt und der Vorgang der Übernahme von Anglizismen verstanden werden. Anschließend werde ich mich mit dem Ursprung der Anglizismen und den fremdsprachlichen Einwirkungen in der Geschichte auf das Deutsche befassen. Dieses Thema und der heutige Einfluss der Anglizismen sollen vor allem Schwerpunkte des zweiten Teiles sein. Letztendlich werde ich noch ein abschließendes Fazit ziehen und gleichzeitig klären, ob der zunehmende fremdsprachliche Einfluss eigentlich eine Gefahr für die deutsche Sprache darstellt.

2) Der Sprachwandel: Seine Ursprünge und Folgen

Durch äußere und innere Einflüsse verändert sich unsere Sprache ständig. Neue Begriffe und Ausdrücke werden in den Wortschatz aufgenommen, während andere durch seltenen Gebrauch verschwinden. Dieser Vorgang wird in den Sprachwissenschaften auch als Sprachwandel bezeichnet und soll Thema dieses Abschnittes sein. Ich möchte hier gerne seinen Vorgang, seine Gründe, aber auch seine Auswirkungen besprechen. Um ihn zunächst einmal nachvollziehen zu können, nutze ich nun ein theoretisches Modell nach COSERIU (1990/1991: 54B).

Voraussetzung für den Beginn dieses Prozesses ist zunächst einmal das Verwenden von eigenen sprachlichen Bestandteilen durch ein Individuum im Redeakt.

Als Beispiel: Der gängige Begriff „googlen“ beschreibt das Benutzen des Internetbrowsers „Google“. Bezieht man den oben genannten theoretischen Vorgang auf dieses Beispiel, so muss ein Individuum die eigene Innovation „googlen“ gebildet und in einer Kommunikationssituation angewandt haben.

Damit allerdings eine Übernahme des eigenen sprachlichen Bestandteiles in den allgemeinen Sprachgebrauch stattfindet, sind drei weitere Schritte notwendig, die ich nun im folgenden aufführen möchte: In der Phase der Adaption nehme Mitmenschen die Innovation auf und verbreiten diese, indem der Begriff/Ausdruck auch in ihrem Wortschatz übergeht.

Während der darauffolgenden Selektion entscheidet sich, ob sich die Innovation durchsetzen kann. Nutzen immer mehr Menschen die Innovation? Konkurriert sie mit einem bereits vorhandenen Synonym? Solche und ähnliche Fragen stellen sich, wenn man abwägen möchte, wie und ob sich der Begriff oder Ausdruck verbreitet.

Verläuft die letzte Phase – die Mutation – optimal, dann entscheiden sich immer mehr Menschen dazu, den Begriff/Ausdruck in ihren Wortschatz aufzunehmen und dadurch ein möglicherweise existierendes Bedeutungssynonym zu ersetzen.

Um das oben genannte Beispiel noch mal aufzugreifen, kann man aufführen, dass sich der Begriff „googlen“ durchsetzt und beispielsweise den Ausdruck „mithilfe des Webbrowsers suchen“ immer verdrängt.

Durchläuft die sprachliche Eigenkreation jeden dieser von COSERIU aufgeführten Schritte, gelingt im Idealfall die Integration dergleichen[2].

Wie bereits erwähnt, sind auch die Gesichtspunkte des Sprachwandels ein Thema in diesem Absatz. Im Folgenden möchte ich auf die inneren und außersprachlichen Faktoren eingehen, welche diesen Wandel beeinflussen. Beide sind vor allem relevant für das Angebot und die Auswahl der Variablen.

Die äußeren Faktoren steuern das Angebot der Variablen, also welche Vokabeln am ehesten den Nutzen der Wortintegration erfüllen. Im Wesentlichen sind nur stilistisch-ästhetische und kulturell-geschichtliche Gründe für diese Gesichtspunkte relevant.

Bei Ersterem kann es beispielsweise um das Wort Geburtenkontrolle handeln. Es stammt von dem englischen Ausdruck birth control ab und beschreibt das Verwenden von Verhütungsmethoden. Es handelt sich hierbei um einen Euphemismus, der die eigentliche Bedeutung verhüllt.

Bei den kulturell-geschichtlichen Gründen können z.B. internationale Handelsbeziehungen eine Rolle spielen, da währenddessen Begriffe und Ausdrücke überliefert werden.

Weitermachen möchte ich nun mit einer Erklärung der inneren Faktoren. Hier sind hauptsächlich sprachökonomische Gründe sowie Präferenzprinzipien von Bedeutung und letztendlich findet beeinflussen sie die Selektion der Variablen.

Sprachökonische Gründe zielen meist darauf ab, das Kommunikationsziel durch möglichst wenig Aufwand, aber ohne Gefährdung desgleichen zu erreichen. Kürzere Wörter werden also in den Sprachgebrauch aufgenommen, da sie praktischer sind.[3]

Präferenzprinzipien beschreiben hingegen das Auswählen einer Vokabel nach Ähnlichkeit zur Heimatsprache. Diese kann sowohl in der Gestalt als auch in der Bedeutung vorhanden sein. Ist ein Ausdruck der Heimatsprache ähnlich, so ist die Integration wahrscheinlicher, da es selbstverständlich wesentlich einfacher ist, den Begriff zu verwenden und sich an ihn zu erinnern.

2.1) Der natürliche Sprachwandel

Zu Beginn dieses Abschnittes habe ich erwähnt, dass der Sprachwandel in verschiedene Arten differenzierbar ist, was ich nun gerne aufgreifen möchte. Es existieren wie gesagt unterschiedliche Arten, wie der natürliche, der künstliche und der Sprachwandel als Phänomen der dritten Art. Auf den Ersteren möchte ich in diesem Abschnitt näher eingehen, da er am häufigsten aufritt.[4]

Für den natürlichen Sprachwandel gilt das universale Sprachgesetz nach Lüdkte (1988), dass ich nun zur Erläuterung seines Vorgangs nutzen möchte. Prinzipiell deckt sich der Ablauf mit dem allgemeinen theoretischen Modell nach COSERIU, aber ich möchte in meiner Hausarbeit verschiedene Modelle und Theorien zu den einzelnen Themen vorstellen.

Das universale Sprachgesetz erklärt den Prozess des natürlichen Sprachwandels. Die expressive Mündlichkeit bildet hierbei den Ursprung und ist mit der bereits erwähnten Kreation von eigenen sprachlichen Innovationen vergleichbar. Darauf folgt eine lexikalische Angleichung, die der Phase der Adaption entspricht, worauf eine Verschmelzung der Innovation mit dem allgemeinen Wortschatz stattfindet. Als Konsequenz tritt eine lautliche Schrumpfung auf, die der Mutation ähnelt. Zunächst entsteht also ein neuer Begriff oder ein neuer Ausdruck in mündlicher Form. Er verbreitet sich, wenn eine breite Masse ihn übernimmt und eventuell an die individuelle Ausdrucksweise anpasst. Im Idealfall verschmilzt diese Innovation mit dem allgemeinen Sprachgebrauch und setzt sich gegen andere Synonyme durch. Dieser Ablauf entspricht dem universalen Sprachgesetz und formt somit den Verlauf des natürlichen Sprachwandels.[5]

2.2) Wortschatz- und Bedeutungswandel

Nachdem ich nun die allgemeinen Umstände und den Prozess des Sprachwandels erläutert hab, möchte ich mich nun gerne mit seinen Auswirkungen auseinander setzen: Dem Wortschatz - und dem Bedeutungswandel.

Das erstere Resultat beschreibt den stetigen Wandel des Wortschatzes. Er findet durch Wortbildungen und Entlehnungen sowie durch einen Bedeutungswandel statt. Ein Beispiel für Wortbildungen sind die Neologismen, also die Neuschöpfung von Wörtern, aber auch die Kombination zweier Wörter oder die Kürzung eines Begriffs. Andere Gründe für den Wandel können außer Gebrauch gekommene Ausrücke oder Begriff und deren Wiederbelebung sein.

Der Bedeutungswandel ist ein Faktor des Wortschatzwandels und damit auch eine Konsequenz des Sprachwandels zugleich. Er unterscheidet sich in Quantität und Qualität. Ersteres bezeichnet die Bedeutungserweiterung und die B edeutungsverengung eines Begriffs, die auftreten kann, wenn das Wort eine Sache besonders präzise beschreiben soll.

Der qualitative Bedeutungswandel unterteilt sich wiederum in drei Arten: Bei der Bedeutungsübertragung erlangt die Vokabel eine andere oder ähnliche Bedeutung.

Bedeutungsverbesserungen und –verschlechterungen werten den Begriff hingegen. Dabei besteht eine Abhängigkeit zwischen der objektiv-sachliche Ansicht und der subjektiv-assoziative Ansicht. Selbstverständlich existieren viele weitere Auswirkungen des Sprachwandels, aber lediglich die beiden genannten Konsequenzen sollen in dieser Hausarbeit eine Rolle spielen, da ich sie später noch einmal aufgreifen werde.[6]

3) Entlehnung im Allgemeinen

Wie bereits erwähnt verändert sich unser Wortschatz ständig. Hierbei werden teils eigene sprachliche Innovationen in den Sprachgebrauch aufgenommen oder Begriffe verschwinden aufgrund von geringer Nutzung. Sehr häufig aber werden auch Begriffe und Ausdrücke aus fremden Sprachen übernommen und integriert. Diesen Vorgang des Übernehmens von Wörtern oder Einheiten aus einer fremden Sprache und des Eingliederns derselben in die eigene Heimatsprache wird auch als Entlehnung bezeichnet.

Die entlehnten Wörter können sich beispielsweise in Integrationsgrad und ihrem Ursprung unterscheide. Zunächst einmal möchte ich die für die Hausarbeit relevanten Differenzierungen benennen und definieren:

Als Fremdwort wird ein entlehnter Begriff bezeichnet, der direkt und ohne jegliche assimilierenden Veränderungen übernommen wird, wie z.B. Jeans oder Laptop.

Das Lehnwort hingegen erfährt bedeutungsverändernde und/oder gestaltverändernde Angleichungsprozesse. Es wird ’eingedeutscht’ um seine Verwendung zu erleichtern. Das deutsche Wort feuern stammt von dem englischen Begriff to fire und wurde offensichtlich angeglichen. Mithilfe des deutschen Sprachmaterial ist es so weit angeglichen worden, dass es lediglich an den Ursprungsbegriff angelehnt ist.

Weiterhin existieren sogenannte Mischkomposita, die aus einer entlehnten und einer heimatsprachlichen Komponente bestehen. Bei diesen Hybridbildungen handelt es sich zum Beispiel um Begriffe wie Milch-Shake.

Allerdings werden zum Teil auch ganze Ausdrücke entlehnt. Sprachliche Einheiten wie do-it-yourself finden sich ebenfalls im deutschen Sprachgebrauch[7].

Noch erwähnenswert ist, dass Änderungen nicht nur die Schreibweise sondern auch die Bedeutung des entlehnten Wortes betreffen können.

In besonderen Fällen kann es sich bei Letzterem auch um eine Doppelentlehnung[8] handeln. Hierbei werden Begriffe oder Ausdrücke im Laufe der Zeit mehrmals entlehnt und erhalten dadurch mehrere Bedeutungen.

Es ist also festzuhalten, dass Entlehnungen nicht nur die direkte Übernahme eines sprachlichen Bestandteiles bezeichnen, sondern auch indirekter Übernahmen, welche in ihrer Gestalt und ihrer Bedeutung verändert wurden.

Prinzipiell sind Entlehnungen von den Faktoren abhängig, die auch den Sprachwandel beeinflussen. Sprachverwandtschaft und leichte Merkbarkeit wirken sich vor allem positiv auf die Attraktivität eines fremdsprachlichen Bestandteiles aus[9].

3.1) Der Entlehnungsvorgang

Im Folgenden möchte ich nun ein weiteres theoretisches Vorgangsmodell vorstellen, welches explizit den Entlehnungsvorgang mit seinen Besonderheiten beschreibt.

Damit die Übernahme eines fremdsprachlichen Begriffs überhaupt möglich ist, wird vorausgesetzt, dass Kontakt zu einer fremden Sprache entsteht, was auch als bilinguale Situation bezeichnet wird.[10]

Moeller-Schina äußert sich zu diesem anfänglichen Prozess folgendermaßen:

[...]


[1] Yang, Wenliang: Anglizismen im Deutschen

[2] vgl. Kupper, Sabine: Anglizismen in deutschen Werbeanzeige, S.10

[3] vgl. Schütte, Dagmar: Das schöne Fremde, S.25-26

[4] vgl. Kupper, Sabine: Anglizismen in deutschen Werbeanzeigen, S.13

[5] vgl. Kupper, Sabine: Anglizismen in deutschen Werbeanzeigen, S.11

[6] vgl. Kupper, Sabine: Anglizismen in deutschen Werbeanzeigen, S.14-17

[7] vgl. Schütte, Dagmar: Das schöne Fremde, S.35; vgl. Wenliang, Yang: Anglizismen in Deutschland, S.11,15

[8] vgl. Schütte; Dagmar: Das schöne Fremde, S.27

[9] vgl. Schütte, Dagmar: Das schöne Fremde, S.29

[10] vgl. Kupper, Sabine: Anglizismen in deutschen Werbeanzeigen, S.22

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Einfluss der Anglizismen auf die heutige Sprache. Wie "deutsch" ist unsere Sprache?
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,8
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V345049
ISBN (eBook)
9783668348530
ISBN (Buch)
9783668348547
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anglizismen, Sprachwandel, Linguistik, Entlehnungen, Sprachkontakt
Arbeit zitieren
Celine Maus (Autor), 2016, Einfluss der Anglizismen auf die heutige Sprache. Wie "deutsch" ist unsere Sprache?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345049

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