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Ist die Zerstörung einer Skiloipe strafbar? Oder: Warum Wittgensteins Verständnis von Sprache im juristischen Diskurs an Grenzen stößt

Title: Ist die Zerstörung einer Skiloipe strafbar? 
Oder: Warum Wittgensteins Verständnis von Sprache im juristischen Diskurs an Grenzen stößt

Essay , 2016 , 14 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Götz-Ulrich Luttenberger (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Die Arbeit befasst sich aus philosophischer Sicht mit der Frage, inwieweit das Sprachverständnis Wittgensteins im juristischen Diskurs von Nutzen sein kann. Dazu stellt der Autor die Sprachphilosophie Ludwig Wittgensteins in dessen "Tractatus Logico-Philosophicus" und "Philosophischen Untersuchungen" dar und zeigt exemplarisch an einem tatsächlich vom Bayerischen Obersten Landesgericht mit Urteil von 1979 entschiedenen Fall, dass jedenfalls bei der Lösung strafrechtlicher Probleme die Sprachphilosophie Wittgensteins an Grenzen stößt. Die amüsant zu lesende Arbeit untersucht Fragen an der Nahtstelle von Philosophie und Rechtswissenschaft.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Wittgensteins Sprachverständnis im Tractatus

3 Hilft das Sprachverständnis des Tractatus bei der Frage, ob eine Skiloipe eine Sache ist?

4 Wittgensteins Sprachverständnis in den Philosophischen Untersuchungen

5 Hilft das Sprachverständnis der Philosophischen Untersuchungen bei der Frage, ob eine Skiloipe eine Sache ist?

6 Resumé

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob Wittgensteins sprachphilosophische Ansätze aus dem "Tractatus" und den "Philosophischen Untersuchungen" dazu beitragen können, das juristische Problem der Auslegung des Sachbegriffs anhand des Falls der Zerstörung einer Skiloipe zu lösen.

  • Wittgensteins Abbildtheorie im Tractatus und deren Grenzen bei der juristischen Subsumtion
  • Die Philosophie der Sprachspiele in den Philosophischen Untersuchungen
  • Die juristische Methodenlehre zur Auslegung von Rechtsnormen
  • Der Konflikt zwischen sprachphilosophischer Präzision und juristischem Entscheidungszwang

Auszug aus dem Buch

2 Wittgensteins Sprachverständnis im Tractatus

Unter Hinweis auf die Hieroglyphen bildet nach Wittgenstein ein Satz diejenigen Tatsachen ab, die er beschreibt (Abbildtheorie) (TLP 4.016). Dabei repräsentieren die ,Namen‘ der Sprache die Gegenstände der realen Welt, während die ,Sprachzeichen‘ die Relationen dieser Gegenstände zueinander repräsentieren (TLP 4.0312). Der Zusammenhang zwischen dem Satz und der außersprachlichen Wirklichkeit lässt sich klar sagen (Vorwort zum TLP, Seite 9), deshalb soll die Sprache ein exaktes Ebenbild der Wirklichkeit sein.

Noch deutlicher spricht das Russel in seiner Einleitung zum Tractatus aus:

„The first requisite of an ideal language would be that there should be one name for every simple, and never the same name for two different simples."5

Die Beziehungen der Gegenstände untereinander sind in der Wittgensteinschen Terminologie „Sachverhalte“ (TLP 2.01). Zudem ist die logische Form des Satzes, also seine innere Struktur, und die der Sachverhalte die gleiche6 und damit Grundlage der Abbildtheorie. Diese Isomorphie nennt Wittgenstein „Projektion“ (TLP 3.11): Die Sätze und die durch sie bezeichnete Wirklichkeit haben Gemeinsamkeiten, die in derselben logischen Form bestehen7.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Problemstellung: Einführung in den Fall der Zerstörung einer Skiloipe durch einen Reiter und die damit verbundene juristische Schwierigkeit, diese unter den Sachbegriff des § 303 StGB zu fassen.

2 Wittgensteins Sprachverständnis im Tractatus: Erläuterung der Abbildtheorie, bei der Sätze als exakte Ebenbilder der Wirklichkeit fungieren und Gegenstände sowie deren Relationen abbilden.

3 Hilft das Sprachverständnis des Tractatus bei der Frage, ob eine Skiloipe eine Sache ist?: Analyse der Anwendbarkeit der Abbildtheorie auf den juristischen Fall, wobei sich zeigt, dass sie bei der Lösung des Auslegungsproblems keine praktische Hilfestellung bietet.

4 Wittgensteins Sprachverständnis in den Philosophischen Untersuchungen: Darstellung des Paradigmenwechsels zur Alltagssprache und zum Konzept der Sprachspiele, in denen Regeln durch Gebrauch und soziale Lebensformen definiert werden.

5 Hilft das Sprachverständnis der Philosophischen Untersuchungen bei der Frage, ob eine Skiloipe eine Sache ist?: Untersuchung der Sprachspieltheorie im juristischen Kontext, wobei die soziale Interaktion und die richterliche Entscheidungsgewalt als zentrale Elemente hervortreten, die jedoch keine sprachphilosophische Lösung erzwingen.

6 Resumé: Fazit, dass Wittgensteins Sprachtheorien zwar juristische Probleme anschaulich beschreiben können, in der strafrechtlichen Praxis bei der Entscheidungsfindung jedoch hinter der klassischen juristischen Methodenlehre zurückbleiben.

Schlüsselwörter

Ludwig Wittgenstein, Tractatus Logico-Philosophicus, Philosophische Untersuchungen, Sprachspiel, Abbildtheorie, Strafrecht, Sachbegriff, Skiloipe, juristische Auslegung, Nullum crimen sine lege, Analogieverbot, Familienähnlichkeit, Rechtsnorm, Sprachphilosophie, Subsumtion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob die sprachphilosophischen Theorien von Ludwig Wittgenstein eine Hilfe bei der Lösung komplexer juristischer Auslegungsfragen darstellen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen Wittgensteins frühe Abbildtheorie, seine spätere Sprachspieltheorie sowie die klassischen juristischen Auslegungsmethoden.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist zu prüfen, ob Wittgensteins Theorien eine präzisere oder hilfreichere Methode zur Lösung des Falls "Skiloipe als Sache" bieten als die etablierte juristische Methodenlehre.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine rechtsphilosophische Analyse, die juristische Fallbeispiele mit sprachphilosophischen Konzepten in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden nacheinander der Tractatus und die Philosophischen Untersuchungen auf ihre Tauglichkeit im juristischen Kontext der Normauslegung geprüft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Sprachspiel, Abbildtheorie, Sachbegriff, juristische Methodenlehre und Familienähnlichkeit.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Richters in der Sprachspieltheorie?

Der Richter agiert als autonomer Entscheider innerhalb des Sprachspiels, wobei er zwar auf soziale Gepflogenheiten und Präzedenzfälle achtet, die Entscheidung aber letztlich nach seinem eigenen Gebrauch trifft.

Warum scheitert Wittgensteins Ansatz laut dem Autor in der strafrechtlichen Praxis?

Wittgensteins Theorien sind deskriptiv und helfen bei der Problembeschreibung, bieten jedoch keine normativen Anleitungen, die für ein rechtskräftiges Urteil notwendig sind.

Wie wurde der Fall "Skiloipe" juristisch entschieden?

Das Bayerische Oberste Landesgericht entschied, dass eine Skiloipe keine Sache im Sinne des Strafgesetzbuches darstellt, da die Verformung des Schnees kein individuelles Dasein begründet.

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Details

Title
Ist die Zerstörung einer Skiloipe strafbar? Oder: Warum Wittgensteins Verständnis von Sprache im juristischen Diskurs an Grenzen stößt
College
University of Bamberg  (Pholosophie)
Course
Seminar
Grade
1,0
Author
Götz-Ulrich Luttenberger (Author)
Publication Year
2016
Pages
14
Catalog Number
V345438
ISBN (eBook)
9783668354807
ISBN (Book)
9783668354814
Language
German
Tags
Ludwig Wittgenstein Sprachphilosophie Rechtswissenschaften Tractatus Logico-Philosophicus Philosophische Untersuchungen Sachbeschädigung Skiloipe Loipe Langlaufloipe
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Götz-Ulrich Luttenberger (Author), 2016, Ist die Zerstörung einer Skiloipe strafbar? Oder: Warum Wittgensteins Verständnis von Sprache im juristischen Diskurs an Grenzen stößt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345438
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