Wie der Titel der vorliegenden Arbeit, „Das apperzeptive Sehinteresse und seine Polysemie im Italienischen und Deutschen – konkretisiert am Beispiel von it. comtemplare“, bereits suggeriert, soll im Zuge der Beschäftigung mit den italienischen verba videndi herausgestellt werden, wie die Semantik selbiger jeweils kontextabhängig aufzufassen ist und inwieweit sie bei bestimmter Verben sich überlagern, bzw. divergieren kann.
Daher werden die einzelnen Konnotationen erarbeitet und dargelegt und schließlich sprachvergleichend zwischen dem Italienischen und der deutschen Sprache analysiert und interpretiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Polysemie der Verben des Sehens im Italienischen
3. it. contemplare
3.1. Etymologie und Semantik
3.2. Übersetzbarkeit von ital. contemplare in die deutsche Zielsprache
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die apperzeptive Polysemie der italienischen Verben des Sehinteresses – insbesondere guardare, osservare und contemplare – und analysiert die daraus resultierenden Herausforderungen bei ihrer Übersetzung ins Deutsche. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, inwieweit diese Verben unterschiedliche Grade der Bewusstseinsspannung sowie meditative Komponenten implizieren und wie Übersetzer diese komplexen Konzepte in der deutschen Zielsprache adäquat abbilden können.
- Semantische Analyse der italienischen "verba videndi"
- Unterscheidung zwischen perzeptiver und apperzeptiver Wahrnehmung
- Untersuchung der speziellen Polysemie von "contemplare"
- Sprachvergleichende Analyse von Übersetzungen literarischer Werke (Dante, Leopardi)
- Evaluation der Grenzen der Übersetzbarkeit komplexer Wahrnehmungskonzepte
Auszug aus dem Buch
3.2. Übersetzbarkeit von ital. contemplare in die deutsche Zielsprache
Da es sich, wie bereits ausgeführt, bei dem italienischen Wahrnehmungsverb contemplare um ein polysemes Verb handelt, das unterschiedliche Dimensionen der Apperzeption bedienen kann, sieht sich ein Übersetzer, der das Konzept dieser unterschiedlichen Aktionsarten gelungen wiedergeben, bzw. übertragen möchte, vor einer großen Schwierigkeit. Deshalb ist es äußerst interessant von Fall zu Fall zu untersuchen, ob der Übersetzer den Schwerpunkt auf die visuelle Betrachtung (also das schlichte Sehereignis mit den Augen) oder aber auf den meditativen, geistigen Wahrnehmungsaspekt legt, und zu evaluieren, ob der Übersetzungsvorschlag dem Sinn des Wortes contemplare in dem Kontext gerecht wird oder überhaupt gerecht werden kann.
Bereits Krefeld stellt heraus, dass „betrachten“ im Deutschen als gängigste Übersetzungsvariante vorherrscht. Dennoch gibt es auch Beispiele, in denen „betrachten“ aufgrund von Zwängen, die dem Kontext geschuldet sind, unmöglich den intendierten Funktionszusammenhang hinreichend beschreiben kann.
Diese Problematik wird nun anhand von konkreten Textstellen aus der Divina Commedia Dante Alighieris, die den Rang der Weltliteratur genießt, und zweier Werke des herausragenden Literaten Giacomo Leopardi aus dem 19. Jahrhundert erarbeitet. Für die vier Auszüge aus dem Meisterwerk Dantes liegen dieser Arbeit zudem unterschiedliche Übersetzungen verschiedener Dante-Forscher zugrunde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der apperzeptiven Verben des Sehinteresses ein und erläutert die Relevanz der Polysemie von "contemplare" anhand von Textkorpora.
2. Polysemie der Verben des Sehens im Italienischen: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen der perzeptiven und apperzeptiven Wahrnehmung und differenziert die "Bewusstseinsspannung" der Verben guardare, osservare und contemplare.
3. it. contemplare: Der Hauptteil analysiert detailliert die Etymologie, die semantische Tiefe des Begriffs sowie die Problematik seiner Übersetzung in literarischen Kontexten.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine vollkommene, äquivalente Übersetzung von "contemplare" aufgrund der meditativen Komponente in der deutschen Sprache kaum möglich ist.
Schlüsselwörter
Apperzeption, Polysemie, Sehinteresse, contemplare, guardare, osservare, Wahrnehmung, Übersetzbarkeit, Semantik, Dante Alighieri, Giacomo Leopardi, Bewusstseinsspannung, Sprachvergleich, Literaturübersetzung, Divina Commedia
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der semantischen Analyse italienischer Wahrnehmungsverben, insbesondere der Verben des Sehinteresses, und deren Übertragbarkeit ins Deutsche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Polysemie, die Apperzeption, die Unterscheidung zwischen visuellem Schauen und meditativem Betrachten sowie die Übersetzungstheorie.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie die verschiedenen Nuancen von Wahrnehmungsverben im Italienischen kontextabhängig zu verstehen sind und warum besonders das Verb "contemplare" eine Herausforderung für Übersetzer darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine synchrone Betrachtung der Verben vorgenommen und ein eigens erstelltes Textkorpus aus der klassischen Literatur zur Illustration der Übersetzungsproblematik analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die etymologischen und semantischen Hintergründe von "contemplare" beleuchtet und anhand konkreter Textbeispiele von Dante und Leopardi verschiedene Übersetzungsvarianten kritisch verglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Apperzeption, Polysemie, Sehinteresse, Übersetzungsproblematik und Bewusstseinsspannung.
Warum ist "contemplare" für Übersetzer so schwierig?
Das Verb vereint sowohl eine visuelle als auch eine meditative Komponente, für die es im Deutschen keine einzelne, alle Nuancen abdeckende Entsprechung gibt.
Welche Rolle spielt Dante Alighieri in dieser Untersuchung?
Dante dient als "Urvater" der italienischen Sprache, dessen Werke reich an Textstellen mit "contemplare" sind, was eine exzellente Grundlage für den Vergleich verschiedener Übersetzungsansätze bietet.
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- André Markmann (Autor), 2012, Polysemie von Wahrnehmungsverben im Italienischen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345496