Unsere Zeit ist geprägt von schnellen technologischen Entwicklungen. Zu den größten Errungenschaften auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie in den letzten Jahren zählt zweifellos das Internet. Seine Nutzung macht es möglich, räumliche und zeitliche Grenzen zu überwinden. Das Internet trägt nicht unwesentlich dazu bei, dass sich unsere Gesellschaft wandelt.
Der elektronische Handel (eCommerce) ist eine der neuen Möglichkeiten, die dieses Medium hervor gebracht hat. Der Begriff eCommerce hat in den vergangenen Jahren eine emotionale Diskussion in Wissenschaft und Praxis ausgelöst. eCommerce wurde gleichgesetzt mit einer technischen Revolution, die Marktgesetzte völlig neu definiert. Bisher übliche Unternehmensprozesse (z.B. Beschaffung und Distribution) werden technologisch unterstützt und führen so zu neuen Marktkonstellationen. eCommerce schafft Möglichkeiten, Märkte transparenter zu machen, Transaktionskosten zu senken, den Informationsfluss in der Wertschöpfungskette zu beschleunigen und vor allem Kundenwünsche individueller zu bedienen. Das Internet hat die Art und Weise, wie Unternehmen Kunden informieren, gewinnen und dauerhaft binden können, radikal verändert. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung kauft jeder zweite Erwachsene in Deutschland Produkte via Internet ein. Doch wie gelangen die bestellten Produkte zu dem Kunden?
Der entscheidende Erfolgsfaktor für eCommerce-Unternehmen ist die Logistik. Ohne den effizienten, physischen Transport der online-bestellten Waren landet die virtuelle Welt der Internet-Shops auf dem Boden der reellen Tatsachen. eCommerce hat einen gravierenden Einfluss auf die Veränderungen der traditionellen logistischen Abläufen. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen des eCommerce auf die Logistik. Dabei werden vor allem die Chancen und Risiken logistischer Prozesse dargestellt. Praktische Beispiele sollen die Bedeutung des eCommerce für die Logistik unterstreichen. Zum Einstieg in dieses Thema wird zunächst auf die Entwicklung der Logistik und ihren heutigen Stand eingegangen. Danach werden die Begriffe eBusiness, eCommerce und eLogistik abgegrenzt, um im weiteren ein Grundverständnis für diese Thematik zu haben. Im Hauptteil werden zunächst die Chancen der Logistik im eCommerce anhand der Schwerpunkte eProcurement und eDistribution dargestellt. Anschließend werden einige Risiken erläutert, die sich aus den Anwendungen im eCommerce ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Die Entwicklung der Logistik
2.1 Entwicklungsstufen der Logistik
2.2 Entwicklungsstand der Logistik
3 Der neue Trend eBusiness
3.1 Begriffsabgrenzung eBusiness, eCommerce und eLogistik
3.1.1 Bedeutung für die Logistik
3.1.2 Ausprägungen von eCommerce
3.1.3 Business-to-Business (B2B)
3.1.4 Business-to-Consumer (B2C)
4 Chancen der Logistik im eCommerce
4.1 eProcurement
4.1.1 C-Artikelmanagement
4.1.2 Die Frankfurter Flughafen AG als Netzpionier
4.1.3 Portale und Logistikmarktplätze
4.2 eDistribution
4.2.1 eFulfillment
4.2.2 Telematiksysteme und Möglichkeiten der Sendungsverfolgung
4.2.3 e-basierte Distributionskonzepte
5 Risiken und Probleme der Logistik im eCommerce
5.1 Mangelhaftes eFulfillment
5.2 Letzte-Meile-Zustellung
5.2.1 Großbriefkästen
5.2.2 Pick-Up-Points
5.2.3 Tower 24
5.3 Risiken durch eProcurement
5.4 Nichtnutzung von Frachtbörsen
5.5 Makrologistische Aspekte des eCommerce
5.6 Rechtliche Risiken
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des elektronischen Handels (eCommerce) auf die moderne Unternehmenslogistik. Das zentrale Ziel ist es, die spezifischen Chancen und Risiken logistischer Prozesse im Kontext digitaler Geschäftsmodelle zu identifizieren, kritisch zu bewerten und Lösungsansätze für logistische Herausforderungen aufzuzeigen.
- Entwicklung und aktueller Stand der Logistik im Zuge technologischer Innovationen.
- Analyse des eProcurement und der Effizienzsteigerung durch C-Artikelmanagement.
- Untersuchung von eDistribution, eFulfillment und modernen Telematiksystemen.
- Evaluation der Problematik der "letzten Meile" und neuer Zustellkonzepte wie dem Tower 24.
- Betrachtung makrologistischer Effekte und rechtlicher Rahmenbedingungen des eCommerce.
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Die Frankfurter Flughafen AG als Netzpionier
Im Jahr 1991 wählte die Frankfurter Flughafen AG (FAG) den europäischen Logistikkonzern ABX zum Partner für eine Neuausrichtung im C-Artikelmanagement. Eine Analyse des alten Verfahrens der Beschaffung von C-Artikel zeigte erschreckende Ergebnisse. Von den insgesamt 36.000 Bestellvorgängen der FAG trug die große Mehrzahl von über 30.000 (C-Artikel) gerade 30 Millionen DM am gesamten Einkaufsvolumina von 300 Millionen DM pro Jahr bei. Jedoch verursachte diese große Menge an Bestellprozessen irrsinnige Kosten. Heute bestellen die Mitarbeiter der FAG sämtliche Schreib- und Büromaterialien per Mausklick vom Bildschirm aus. Somit konnte die FAG die Prozesskosten um erstaunliche 87 Prozent senken und damit ein jährliches Einsparvolumen von 4,4 Millionen DM erreichen.
Mittlerweile umfasst der Online-Produktkatalog der FAG über 100.000 C-Artikel. Bei diesem Konzept profitieren auch die Lieferanten der FAG. Wird ein Bestellvorgang via Internet ausgelöst erhält der Lieferant eine Gutschrift auf seinem Konto. Es muss also keine Rechnung mehr an die FAG geschrieben werden. Damit gehören Verzögerungen bei der Bezahlung und Mahnungen der Vergangenheit an. Diese Kostenvorteile auf der Lieferantenseite können durch günstigere Preise an die FAG weitergegeben werden.
In allen Preisen der Waren, die über das Internet bestellt werden ist bereits der Anteil der Frachtkosten enthalten. Die FAG arbeitet also nur mit einem Preis. Der Lieferant braucht sich nicht mehr um die Logistik zu kümmern. Den Transport der Artikel vom Lieferant zur Warenannahme auf dem Flughafen übernimmt ein Logistikdienstleister – das noch junge Unternehmen C@Content. Jedoch ist der Transport nicht die einzige Leistung, die C@Content übernimmt. Es übernimmt die Aufgaben Gut- und Lastschriften, es stellt den Produktkatalog in das Internet, es sucht interessante Lieferanten für das eCommerce-Geschäft aus und bringt die Partner zusammen und offeriert seinen Kunden Finanzierungsmöglichkeiten durch die Beteiligung der Commerzbank.
Dieses Beispiel zeigt, dass es nicht ausreicht, wenn Logistiker nur sekundäre Dienstleistungen anbieten, sondern sie müssen neue Geschäftideen entwickeln und andere Geschäftsfelder für sich entdecken. Übrigens wurde dieses Projekt der FAG und ABX 1998 mit dem Jahrespreis des Bundesverbandes für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) ausgezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Der Abschnitt erläutert die Bedeutung des Internets für den wirtschaftlichen Wandel und definiert die zentrale Rolle der Logistik als Erfolgsfaktor für den eCommerce.
2 Die Entwicklung der Logistik: Hier wird der historische Wandel der Logistik von einer rein physischen Funktion hin zu einem ganzheitlichen, prozessorientierten Managementkonzept dargestellt.
3 Der neue Trend eBusiness: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Abgrenzung der Begriffe eBusiness, eCommerce und eLogistik und beleuchtet deren Relevanz für die moderne Logistik.
4 Chancen der Logistik im eCommerce: Der Hauptteil analysiert, wie moderne IT-Lösungen im Bereich eProcurement und eDistribution zur Effizienzsteigerung und Prozessoptimierung beitragen.
5 Risiken und Probleme der Logistik im eCommerce: Hier werden kritische Aspekte wie mangelhaftes eFulfillment, die Herausforderungen der "letzten Meile" sowie rechtliche Risiken und Probleme bei der Einführung neuer Systeme erörtert.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, die den hohen Stellenwert von Qualität und Effizienz im eCommerce unterstreicht und einen Ausblick auf die weitere Entwicklung gibt.
Schlüsselwörter
eCommerce, Logistik, eProcurement, eDistribution, eFulfillment, Supply Chain Management, letzte Meile, C-Artikelmanagement, Telematik, Sendungsverfolgung, ECR, VMI, Prozessoptimierung, Internet, Geschäftsprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den tiefgreifenden Auswirkungen des eCommerce auf die traditionellen logistischen Abläufe in Unternehmen und untersucht dabei sowohl die entstehenden Chancen als auch die Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das eProcurement (elektronische Beschaffung), die eDistribution (elektronischer Vertrieb), das eFulfillment, logistische Telematiksysteme sowie Strategien zur Bewältigung der Zustellung auf der letzten Meile.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Logistikprozesse durch digitale Technologien optimiert werden können und welche Risiken dabei zu berücksichtigen sind, um im Wettbewerb des eCommerce bestehen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Literaturanalyse, die durch die Darstellung von Fallbeispielen aus der Wirtschaftspraxis (z.B. Frankfurter Flughafen AG, Amazon) ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die praktischen Anwendungsbereiche von eCommerce in der Logistik, unterteilt in Chancen durch Automatisierung sowie Risiken, die bei der praktischen Implementierung auftreten können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind eBusiness, Logistik, Supply Chain Management, eProcurement, C-Artikelmanagement, letzte Meile, Telematik und Prozessoptimierung.
Warum ist das C-Artikelmanagement für Unternehmen so bedeutsam?
C-Artikel zeichnen sich durch hohe Bestellhäufigkeit bei geringem Wert aus. Durch die Nutzung des Internets können hier Prozesskosten massiv gesenkt werden, was die Effizienz der gesamten Beschaffung signifikant steigert.
Welche Probleme bestehen bei der "letzten Meile"?
Das Hauptproblem liegt in den hohen Zustellkosten bei gleichzeitig geringem Warenwert der Bestellung, erschwert durch die zunehmende Schwierigkeit, Privatkunden während der normalen Arbeitszeit zu Hause anzutreffen.
- Quote paper
- Christian May (Author), 2004, Chancen und Risiken für die Logistik im Zusammenhang mit dem eCommerce, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34634