Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen "schulaversives Verhalten". Nach allgemeinen Ausführungen zu dieser Thematik wird der Schwerpunkt auf "schulinstitutionelle Faktoren" gelegt. Zudem wird auch eine mögliche Schulaversion bei Lehrkräften thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten und Definitionen
3. Forschungsstand
4. Erhebungen zu schulaversivem Verhalten nach Schulform, Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund
5. Schulaversives Verhalten: Drei grundlegende Faktoren
5.1 Individuelle Faktoren
5.2 Soziale / familiäre Faktoren
5.3 Schulinstitutionelle Faktoren
6. Die Institution Schule und ihre Strukturen als Ursache oder Verstärker von schulaversivem Verhalten
7. EXKURS: Schulaversion bei Lehrkräften
8. Präventive und interventive Maßnahmen bei schulaversivem Verhalten
9. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht schulaversives Verhalten als komplexes Phänomen und analysiert kritisch, inwieweit die Institution Schule selbst als Auslöser oder Verstärker für die Aversion von Schülern fungiert.
- Multikausale Ursachenanalyse (individuelle, soziale und schulinstitutionelle Faktoren)
- Bedeutung der schulinstitutionellen Strukturen und Lehrer-Schüler-Beziehungen
- Vergleich des Forschungsstandes im deutschsprachigen Raum und angelsächsischen Sprachraum
- Präventive und interventive Ansätze zur Eindämmung von schulaversivem Verhalten
- Exkurs: Schulaversion als bisher tabuisiertes Phänomen bei Lehrkräften
Auszug aus dem Buch
5.3 Schulinstitutionelle Faktoren
Mögliche Gründe bzw. eine Mitverantwortung für die Entwicklung von schulaversivem Verhalten, welches durch die Institution Schule verursacht oder zumindest gefördert werden kann, wurden lange Zeit nicht thematisiert oder entsprechende Beiträge waren eindeutig in der Mindermeinung. Wer die staatliche Institution Schule kritisiert (samt seiner Beamten), der kritisiert den Staat – in Deutschland lange Zeit ein Tabu-Thema. Jedoch haben in den letzten zehn Jahren Studien in Deutschland zugenommen, die sich mit der Schulumwelt als Einflussfaktor von schulaversivem Verhalten (besonders bezogen auf Schulschwänzen) beschäftigen. Das Tabu-Thema wird langsam gebrochen; die Relevanz hat sich aus mindestens zwei Gründen ergeben: Einerseits haben die PISA-Studien (ab 2000) zunehmend eine breiten Kritik an der Institution Schule zugelassen und andererseits geht ein praktisches Problem mit dem Schulschwänzen einher: Durch Studien konnte nachgewiesen werden, dass das Schulschwänzen mit einer Reihe von Delikten einhergeht, z.B. vermehrte Ladendiebstähle oder Gewalttaten (vgl. Wilmers et al. 2002, Baier 2012: 37). Auch wenn nun aus diesen Gründen eine höhere Relevanz besteht, bleibt dieser Bereich ein „sensibles“ Thema und die Erkenntnisse der Studien scheinen bisher für die Praxis nur zögerlich aufgenommen zu werden. Jedoch ist bereits ein deutlicher Fortschritt wahrzunehmen, vor 26 Jahren kam Susanne Müller (1990) in ihrer über 400-seitigen Dissertation über das „Schulschwänzen“ zur Erkenntnis, dass Literatur, die sich auch mit schulinstitutionellen Ursachen beschäftigt, deutlich in der Minderzahl ist (vgl. Müller 1990: 56).
Ricking, Schulze und Wittrock (2009) verweisen darauf, dass „schulische Faktoren“ in nicht unerheblichem Maße zu „desintegrativen Verhaltensmustern“ führen können, und deshalb Schulstrukturen verstärkt Gegenstand der Forschung und Diskussion werden, auch im deutschsprachigen Raum (vgl. Ricking et al. 2009: 32).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das international bekannte Phänomen des schulaversiven Verhaltens ein und begründet die Notwendigkeit, neben individuellen und sozialen auch schulinstitutionelle Faktoren stärker zu erforschen.
2. Begrifflichkeiten und Definitionen: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen gängigen Begriffe wie Schulabsentismus, Schulverweigerung oder Schulphobie und definiert schulaversives Verhalten als einen weit gefassten Oberbegriff.
3. Forschungsstand: Hier wird die historische Entwicklung der Forschung von einer kriminologischen Betrachtung Anfang des 20. Jahrhunderts hin zu einem multifaktoriellen Ansatz dargestellt.
4. Erhebungen zu schulaversivem Verhalten nach Schulform, Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund: Das Kapitel liefert statistische Daten, die einen Zusammenhang zwischen Schulform, Alter und dem Risiko für schulaversives Verhalten aufzeigen.
5. Schulaversives Verhalten: Drei grundlegende Faktoren: Es erfolgt eine Differenzierung in individuelle, soziale bzw. familiäre und schulinstitutionelle Ursachen, wobei deren komplexes Zusammenspiel betont wird.
6. Die Institution Schule und ihre Strukturen als Ursache oder Verstärker von schulaversivem Verhalten: Dieses Kapitel analysiert insbesondere die Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung, des Schulklimas und der Hierarchien für die Motivation der Schüler.
7. EXKURS: Schulaversion bei Lehrkräften: Ein kritischer Blick auf das bisher wenig erforschte Thema, inwieweit auch Lehrkräfte eine Aversion gegen ihren Arbeitsplatz entwickeln können.
8. Präventive und interventive Maßnahmen bei schulaversivem Verhalten: Das Kapitel stellt die Notwendigkeit dar, durch frühzeitige Intervention und Kooperation mit externen Institutionen dem Schulabbruch entgegenzuwirken.
9. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine interdisziplinäre Forschung, um bestehende Tabus zu brechen und konstruktive Lösungen zu entwickeln.
Schlüsselwörter
Schulaversives Verhalten, Schulabsentismus, Schulverweigerung, Institution Schule, Schulabbruch, schulinstitutionelle Faktoren, Lehrer-Schüler-Beziehung, multifaktorieller Ansatz, Prävention, Schulschwänzen, Schulklima, Bildungspolitik, Dropout, Sozialisation, Bildungsforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des schulaversiven Verhaltens, beleuchtet dessen vielfältige Ursachen und untersucht insbesondere kritisch, welchen Einfluss die Institution Schule selbst auf die Entstehung dieses Verhaltens hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Analyse von individuellen, sozialen und schulinstitutionellen Ursachen sowie der Vergleich zwischen nationalem und internationalem Forschungsstand, ergänzt durch präventive Lösungsansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen fundierten Einblick in die Problematik zu geben und dabei besonders die schulinstitutionellen Ursachen näher zu beleuchten, die lange Zeit in der Forschung vernachlässigt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit dem aktuellen Forschungsstand, der Auswertung bestehender Literatur sowie der Analyse nationaler und internationaler Studien zu diesem Phänomen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Begriffsdefinitionen geklärt, der historische Forschungsstand dargelegt, statistische Erhebungen nach verschiedenen Merkmalen analysiert und die drei Hauptfaktoren (individuell, sozial, schulisch) intensiv erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schulaversives Verhalten, Schulabsentismus, Schulinstitutionelle Faktoren, Prävention und Schulabbruch.
Warum wird im Dokument explizit auf die Institution Schule als „Verstärker“ eingegangen?
Der Autor argumentiert, dass lange Zeit nur der Schüler oder das Elternhaus für Schulaversion verantwortlich gemacht wurden; es ist jedoch notwendig zu untersuchen, wie negative Schulkulturen oder Lehrerverhalten diese Prozesse mit auslösen können.
Was besagt der Exkurs zum Thema Schulaversion bei Lehrkräften?
Der Exkurs weist darauf hin, dass auch Lehrkräfte eine Distanzierung zum Beruf entwickeln können, was ein bisher in der Wissenschaft kaum beachtetes Tabuthema darstellt, das jedoch Auswirkungen auf die Schüler haben kann.
Warum ist das Projekt „TAKE OFF-Jugendwerkstatt“ ein zentrales Fallbeispiel?
Es dient als Beispiel für eine direkte, intervenierende Maßnahme in Deutschland, die verdeutlicht, wie komplex die Problemlagen der betroffenen Schüler sind und wie schwierig es ist, diese wirksam zu adressieren.
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- Alexander Fichtner (Author), 2016, Schulaversives Verhalten als komplexes Phänomen. Strukturen der Institution Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346550