Das neue Leistungsschutzrecht für Presseverleger. „Bayern schlägt Schalke“ als schutzwürdige Leistung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

38 Seiten, Note: 10,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung
I. Eingrenzung des Themas
II. Vorgehen

B. Generelle Notwendigkeit eines Leistungsschutzrechts
I. Vergleichbarkeit
II. Rechtliche Schutzmöglichkeiten
1. Vorgehen von Harvestern
a) Eigenes Urheberrecht
b) Derivatives Urheberrecht
c) Weitere Schutzmöglichkeiten
2. News-Aggregatoren
a) Deep-Links
b) Übernahme von Textzeilen
3. Zusammenfassung
III. Technische Schutzmöglichkeiten
1. Robot.txt und Meta-Tags
a) Unverbindlichkeit der Maßnahme
b) Nachteile
2. Weitere technische Möglichkeiten
3. Zwischenergebnis
IV. Zentrale Argumentationslage
V. Fazit

C. Gegenstand und Umfang des Leistungsschutzes
I. Presseerzeugnis
1. Redaktionell-technische Festlegung
2. Journalistischer Beiträge
3. In periodisch veröffentlichter Sammlung
4. Überwiegend verlagstypisch
VIII
II. Inhaber des Leistungsschutzrechts
III. Adressat des Leistungsschutzrechts
IV. Schutzgegenstand und Schutzumfang
1. Öffentlich zugänglich machen
2. Zu gewerblichen Zwecken
V. Ausnahme: Einzelne Wörter und kleinste Textausschnitte
1. Wortlaut
2. Historisch
a) Verweis auf „Metall auf Metall“-Entscheidung
b) Verweis auf „Vorschaubilder“-Entscheidung
3. Teleologisch
4. Systematisch
5. Zusammenfassung
VI. Vertretene Ansichten
1. Inhaltliche Beurteilung
2. Beurteilung nach Umfang
VII. Eigene Ansicht
1. Auseinandersetzung mit den Ansichten
2. Schlussfolgerung

D. Situation nach des Gesetzesänderung
I. Schutzmöglichkeiten der Presseverleger
II. Momentane Situation
III. Situation des Urhebers
IV. Mögliche Entwicklungen

E. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A. Einleitung

Qualitativ hochwertiger Journalismus ist für unsere heutige Gesellschaft unbestrittenerweise von großer Bedeutung. Das Internet hält unzählige tagesaktuelle Informationen bereit, die zu großen Teilen von den Presse- verlagen selbst kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Doch solch eine Berichterstattung hat ihren Preis. Daher sind Anbieter im digitalen Zeital- ter auf hohe Klickzahlen angewiesen, aus denen sich dann ihre Werbe- einnahmen errechnen.

Wie es aus den Bereichen der Film- und Musikbranche bekannt ist, bietet das Internet aber nicht nur die Möglichkeit, Inhalte von Berechtigten zu konsumieren, sondern auch diese unrechtmäßig zu vervielfältigen und öffentlich zugänglich zu machen. Aus diesem Grund haben sich erstmals 2009 verstärkt Presseverleger zusammen getan und ein eigenes Leis- tungsschutzrecht gefordert.1 Daraufhin entbrannte eine derartige Diskus- sion, dass das Thema 2009 Einzug in den Koalitionsvertrag fand.2 Der erste Gesetzesentwurf wurde am 13. Juni 2012 eingebracht,3 dicht ge- folgt von einer zweiten Änderung vom 27. Juli 2012 und einer dritten Überarbeitung vom 27. August.4 Mit der letzten Änderung vom 27. Feb- ruar 2013 wurden schließlich „einzelne Wörter und kleinste Textaus- schnitte“ vom Leistungsschutz ausgenommen, was letzten Endes die Fas- sung darstellte, die als §§ 87f-h UrhG am 01.08.2013 in Kraft trat.5 Den sehr weitgehenden Forderungen in einem eigenen Gesetzesentwurf der Presseverleger kommt das neue Gesetz aber nicht nach,6 sondern wurde insbesondere durch die letzte Entwurfsänderung auf einen nur kleinen Anwendungsbereich reduziert. Letztlich richtet sich das Gesetz gegen Suchmaschinenbetreiber oder Anbieter, die Inhalte auf ähnliche Weise aufbereiten. Betroffen sind hiervon vor allem News-Aggregatoren, die auf Suchanfrage Links zu tagespolitischen Themen mitsamt deren Über- schrift und kleinen Vorschautexten bereitstellen. Zu den drei größten gehören derzeit Google-News (90,5 %), Bing (3,2 %) und Yahoo (1,6 %).7 Doch seit dem „einzelne Wörter und kleinste Textausschnitte“ aus dem Schutzbereich ausgenommen sind, stellt sich die Frage, was hierun- ter zu verstehen ist. Denn damit steht und fällt letztlich die Reichweite des neuen Gesetzes und soll von daher in dieser Arbeit näher beleuchtet werden.

I. Eingrenzung des Themas

Der Fokus dieser Arbeit soll auf der Bedeutung des neuen Gesetzes lie- gen und damit auf dessen Auswirkungen auf die Praxis von News- Aggregatoren. Um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, be- schränken sich die Ausführungen auf urheberrechtliche Aspekte. Interna- tionale, insbesondere europäische Bezüge entfallen in Anbetracht dessen, dass ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger in dieser konkreten Form in anderen Rechtsordnungen nicht besteht.8 Angesichts der deutli- chen Marktmacht Googles soll es nicht verwundern, wenn an vielen Stel- len hierauf der Fokus liegt.

II. Vorgehen

Zunächst wird geprüft, inwieweit Schutzmöglichkeiten vor Einführung des Gesetzes für Presseverleger gegenüber bestanden haben, um so feststellen zu können, bei welchen Eingriffsmöglichkeiten Verleger als schutzbedürftig anzusehen sind. Um den Vergleich mit der Situation seit August 2013 ziehen zu können, werden die Tatbestandsvoraussetzungen des § 87f UrhG näher betrachtet, wobei die Formulierung „einzelne Wörter und kleinste Textausschnitte“ einer genaueren Untersuchung und Auslegung unterzogen wird. Auf diese Weise soll ein Vergleich zur aktuellen Situation der Verleger aufgestellt werden.

B. Generelle Notwendigkeit eines Leistungsschutzrechts

Damit eine Beurteilung der Situation von Presseverlegern angemessen erfolgen kann, wird zunächst die Schutzbedürftigkeit überprüft, die vor Einführung des Gesetzes bestand.

I. Vergleichbarkeit

Ein zentrales Argument der Befürworter des Leistungsschutzrechts für Presseverleger war, dass bereits andere ein solches Recht innehatten.9 Fraglich ist, ob dies eine ausreichende Begründung ist. Das wäre unter Umständen zu bejahen, wenn man davon ausgehen kann, dass Pressever- leger ähnliche Leistungen zu vollbringen haben, wie etwa Leistungs- schutzrechtsinhaber in der Musik- und Filmindustrie.10 Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass in der Film- und Musikindustrie Leis- tungsschutzrechte bestehen, um illegales Kopieren einzudämmen, in der Verlagsbranche sind Inhalte jedoch meist frei verfügbar.11 Daher haftet den anderen Werkmittlern ein erheblich höheres Risiko an, das nicht gleichermaßen in der Verlagsbranche gegeben ist. Dies gilt umso mehr, wenn man bedenkt, dass Presseerzeugnisse in ihrem Verkaufswert weit hinter dem Wert von Tonträgern oder Filmen zurückstehen.12

Hinzu kommt, dass es für Presseerzeugnisse wesenstypisch ist, dass ein Interesse an ihnen über wenige Wochen nicht hinausgeht, während an Filmen oder Tonträgern monate-, wenn nicht jahrelang zu verdienen ist. Daraus ergibt sich, dass die Art und Weise der Verwertung mit der Verwertung anderer Werkmittler nicht zu vergleichen ist.13 Daher muss man zu dem Schluss kommen, dass Presseverleger nicht ohne weiteres vergleichbar sind mit anderen Werkmittlern.

II. Rechtliche Schutzmöglichkeiten

Unterschieden werden soll im Folgenden zwischen den Handlungen die Presseprodukte als Ganzes rechtlich missbrauchen und dem relevanteren Vorgehen von News-Aggregatoren.

1. Vorgehen von Harvestern

Die Praxis sogenannter Harvester beläuft sich im Wesentlichen darauf, bei anderen Presseverlegern geschützte Werke ohne Lizenz zu entneh- men und etwa auf der eigenen Seite einzustellen.14 Da es sich hierbei um derart offensichtliche Urheberrechtsverletzungen handelt,15 die regelmä- ßig als Verletzung von § 16 bzw. § 19a UrhG einzustufen sind,16 sollen diesbezüglich die Schutzmöglichkeiten nur kurz umrissen werden.

a) Eigenes Urheberrecht

Wenn der Verleger eine kreative, verlegerische Leistung vollbracht hat, etwa im redaktionellen Bereich, könnte ihm ein eigenes Urheberrecht zur Seite stehen. Doch in der Praxis werden solche kreative Aufgaben meist an eine Vielzahl von Mitarbeitern delegiert, insbesondere bei großen Verlagen, sodass eine ausreichend kreative Leistung des Verlegers nur selten anzunehmen sein wird.17

b) Derivatives Urheberrecht

Verlagstypisch ist es jedoch, dass Verleger sich mittelbar auf die Rechte der Werkschöpfer berufen.

Eigene Urheberrechte an einem Presseprodukt können eine Vielzahl von Leuten haben. Zum einen wird in der Arbeit der Autoren regelmäßig die Schaffung eines Sprachwerks im Sinne von § 2 I Nr. 1, II UrhG zu sehen sein, denn über Tagesgeschehnisse zu berichten ist in den unterschied- lichsten individuellen Spielweisen möglich,18 weswegen eine ausrei- chende Schöpfungshöhe regelmäßig zu bejahen ist. Ausnahmen sind in Einzelfällen sicherlich in knappen, rein aus Informationen bestehenden Kurznachrichten zu sehen, die jeder persönlichen Note entbehren.19

Entweder als Lichtbildwerk im Sinne von § 2 I Nr. 5 UrhG oder jedenfalls als Lichtbild im Sinne von § 72 I UrhG sind Fotos in jedem Falle geschützt.20 Aber auch den Verantwortlichen für Illustrationen, Grafiken oder ähnlichem können eigene Urheberrechte zustehen.21

Geschützt durch das Urheberrecht wird aber nicht nur der einzelne Teil eines Presseproduktes sondern auch die Festlegung im Gesamten, sofern es sich um ein Sammelwerk oder Datenbankwerk handelt. Sammelwerk im Sinne von § 4 I in Verbindung mit § 2 UrhG meint die Sammlung von Beiträgen oder Elementen, die durch ihre Anordnung eine ausreichende geistige Schöpfung erlangen.22 Damit gemeint ist unter anderem die Sortierung nach Inhalt, Relevanz oder die optische Gesamt- anordnung, die auch regelmäßig die ausreichende Schöpfungshöhe er- reicht.23 Ein Datenbankwerk setzt gemäß § 4 II 1 UrhG über das Beste- hen eines Sammelbankwerks hinaus die systematische Anordnung der Elemente voraus, die durch elektronische oder sonstige Mittel einzeln auffindbar sein müssen.24 Eine methodische Anordnung wird regelmäßig gegeben sein.

Verleger sind auf den Erwerb der Nutzungsrechte der beschriebenen Ur- heber angewiesen. Dies geschieht bei Angestellten vor allem durch indi- vidualrechtliche Übereinkommen oder Manteltarifverträge.25 Hierbei wird dem Verleger ein ausschließliches Nutzungsrecht zugesprochen, welches in der Regel gemäß § 10 III UrhG auch gesetzlich vermutet wird.26 Was etwa bei angestellten Journalisten unproblematisch ist, kann sich bei freien Journalisten als schwierig erweisen.27 Bestenfalls wurden individualrechtliche Regelungen zwischen den Verlegern und Autoren getroffen.28 Ist dies nicht der Fall, so kommt es in der Regel gemäß § 38 III 1 UrhG zum Erwerb eines einfachen Nutzungsrechts an den Beiträ- gen, die ihm für eine Zeitung überlassen worden sind.29 Dabei ist der Begriff der Zeitung umstritten, jedoch werden die Presseprodukte, die nicht unter diesen Begriff fallen, unter § 38 I UrhG einzuordnen sein.30 Mithilfe eines einfachen Nutzungsrechts kann der Verlag aber nur An- sprüche des jeweiligen Urhebers im Rahmen der gewillkürten Prozess- standschaft geltend machen.31 Häufig werden auch sogenannte Buy-Out- Verträge geschlossen, in denen alle Nutzungsrechte gegen Vergütung übertragen werden.32 Kritisch an dieser Stelle wäre ein Ausschließlich- keitsrecht des Verlegers von daher, dass dem Urheber bei der Verwer- tung seines Werkes die Hände gebunden sind.33 Dem könnte die Einfüh- rung des § 87g II UrhG Abhilfe schaffen, wonach das Recht nicht zum Nachteil des Presseverlegers geltend gemacht werden darf. Wie sich dies tatsächlich auswirkt, wird die Rechtsprechung zeigen müssen Es bleibt festzustellen, dass Verleger einige Möglichkeiten haben, die Rechte der eigentlichen Urheber wahrzunehmen, wenn auch nicht gänzlich ohne Schwierigkeiten.

c) Weitere Schutzmöglichkeiten

Dem Presseverleger kann zudem auch ein Datenbankherstellerrecht aus § 87a UrhG zustehen.34 Weiterhin besteht gegen widerrechtliche Kopien die Möglichkeit, auf das Widerrufsrecht zurückzugreifen, was jedoch nur selten der Fall ist und von rechtlich nicht vollumfänglich geklärt ist.35

2. News-Aggregatoren

Ein weiterer Bereich ist das Vorgehen der News-Aggregatoren, die soft- warebasiert hunderte Quellen von Nachrichtenanbietern auswerten, im eigenen Cache aufnehmen und indexieren.36 Das geschieht durch soge- nannte Crawler, Softwareprogramme, die im Internet je nach Bedarf ver- schiedenste Dateiformate ausfindig machen können.37 Die so gewonnen Daten werden dann im eigenen Cache des Suchanbieters gespeichert und indexiert, das heißt auf verschiedenste Informationen hin untersucht, et- wa auf die Häufigkeit der enthaltenen Worte, um so später die Relevanz bei der Suchanfrage berechnen zu können.38 Dies geschieht in der Form, dass die Überschrift des jeweiligen Artikels einen Deeplink darstellt, der direkt auf die jeweilige Seite mit dem Artikel führt.39 Zusätzlich werden des Öfteren einzelne Wörter oder die ersten Textzeilen des Artikels an- gezeigt, sogenannte Snippets. Im Folgenden soll betrachtet werden, in- wieweit Verlage ohne eigenes Leistungsschutzrecht gegen dieses Vorge- hen geschützt waren.

a) Deep-Links

Die Überschrift stellt zugleich einen als Deeplink ausgestalteten Hyper- link dar. Dieser leitet den Nutzer auf die Originalseite weiter, auf der man den Artikel findet, es erfolgt also keine Übermittlung des Artikels.40 Der Frage, ob es sich dabei um ein öffentliches Zugänglichmachen im Sinne von § 19a UrhG oder eine Verletzung des Datenbankhersteller- rechts gemäß § 87b UrhG handeln könnte, hat sich bereits der BGH ge- stellt und in seiner „Paperboy-Entscheidung“ wie folgt geklärt.41 Nach zutreffender Ansicht handelt es sich lediglich um eine Verweisung auf das Original, ohne dieses jedoch unrechtmäßig zu vervielfältigen oder öffentlich zugänglich zu machen.42 Dies gilt auch für den Nutzer, der sich das Originalwerk auf der dafür bestimmten Seite anschaut, die je- dermann frei zugänglich ist. Das Setzen von Hyperlinks ist vielmehr es- sentiell für die Nutzung des Internets in all seiner Informationsfülle und liegt damit im Allgemeininteresse.43 Werden jedoch Schutzvorkehrungen getroffen, um den freien Zugang zu unterbinden, ist ein Umgehen dersel- ben als öffentliches Zugänglichmachen anzusehen.44 Daher ist in der Re- gel bei der Benutzung von Deeplinks kein rechtlicher Schutz für die Presseverleger möglich.

b) Übernahme von Textzeilen

Die Übernahme von Textzeilen könnte zunächst eine Urheberrechtsver- letzung darstellen, was der Fall wäre, wenn es sich um eine Vervielfälti- gung im Sinne von § 16 UrhG oder eine Bearbeitung im Sinne von § 23 UrhG handelt.

Für ersteres müssten bereits die ersten Zeilen eine ausreichende Schöp- fungshöhe aufweisen.45 Das lässt sich aber nicht pauschal beantworten, sondern muss von Fall zu Fall betrachtet werden. So hat der Europäische Gerichtshof in seiner „Infopaq-Entscheidung“46 bereits einem Satz mit elf Wörtern die erforderliche Schöpfungshöhe zugesprochen. Freilich bedeutet dies nicht, dass kürzere, schutzwürdige Sätze undenkbar wären. Bei Betrachtung dessen, was Snippets an Informationen aufführen, fällt auf, dass es sich größtenteils um tagesaktuelle Aspekte handelt, etwa um betroffene Personen, Handlungen und Orte, was in der Kürze im Regel- fall nicht für die erforderliche Schöpfungshöhe spricht.47 Deswegen wird auch eine Vervielfältigung im Sinne von § 16 UrhG zu verneinen sein. Durch die gekürzte Darstellung des Artikels könnte eine Bearbeitung im Sinne von § 23 UrhG anzunehmen sein. Grundsätzlich kann eine Bear- beitung auch durch Kürzungen des Originals entstehen.48 Das gilt inso- fern, wie sich aus der vorgenommenen Kürzung gerade die nötige Eigen- tümlichkeit hervortut, was bei tagesaktuellen Informationen aber nicht der Fall ist.49 Damit scheidet auch eine Bearbeitung aus. Bezüglich der Snippets greift daher grundsätzlich kein Urheberrecht im engeren Sinne.

3. Zusammenfassung

Im Ergebnis sind Presseverleger vor Einführung des neuen Leistungsschutzrechts gegenüber Content-Klaus und Rip-Offs einigermaßen gut geschützt gewesen.

Bezüglich des Vorgehens der News-Aggregatoren bleibt festzuhalten, dass Verleger hiergegen keinerlei Möglichkeiten hatten, sich zu wehren.

III. Technische Schutzmöglichkeiten

Insbesondere von den Gegnern des Leistungsschutzrechts wird angeführt, dass es auch technische Lösungen gegen das Vorgehen der Suchmaschi- nenbetreiber gibt. So führt Google an, dass Verlage die Möglichkeiten haben, mithilfe einer sogenannten robots.txt-Datei oder sogenannten Meta-Tags selbst zu bestimmen, was die Crawler der News-Aggregator erfassen dürfen und was nicht.50

1. Robot.txt und Meta-Tags

Indem man eine robot.txt-Datei, die verschiedenste Anweisungen erhalten kann, in das Stammverzeichnis der jeweiligen Webseite ablegt, übermittelt diese Datei den Crawlern, ob die Webseite überhaupt oder nur in bestimmter Weise berücksichtigt werden darf.51

Dasselbe Ergebnis erzielt man, indem im Quelltext der jeweiligen Web- seite ein Meta-Tag verwendet wird,52 beispielsweise durch die Angabe „nosnippet“, wodurch dem Crawler mitgeteilt wird, dass dem entspre- chenden Link keine Beschreibung des Artikels beigefügt werden soll.53

a) Unverbindlichkeit der Maßnahme

Beide Maßnahmen sind allerdings nur dann effektiv, wenn die Crawler der Aggregatoren ihnen auch Folge leisten, denn grundsätzlich sind deren Informationen unverbindlich.54 Das heißt, die Suchmaschinenanbieter können selbst entscheiden, ob sie sich daran halten oder nicht. Im sogenannten „Robot Exclusion-Protokoll“ (REP) haben sich 2008 Google, Yahoo und Microsoft dazu bereiterklärt, deren Maßnahmen zu beachten.55 Problematisch ist allerdings, dass viele, vor allem kleinere Anbieter, sich hieran nicht halten.56

[...]


1 Peifer, GRUR-Prax 2013, 149.

2 Paal / Hennemann, ZRP 2010, 40 (41).

3 Referentenentwurf vom 13.06.2012, abrufbar unter: http://www.irights.info/userfiles/ RefE%20LSR.pdf (letzter Aufruf aller Quellen im Internet am 19.12.2013).

4 Graef, in: BeckOK UrhR, § 87f, Rn. 3.

5 BT-Drs. 17/12534, abrufbar unter: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/125/ 1712534.pdf.

6 Schwarz, GRUR Prax 2010, 283.

7 Marktanteile, Stand November 2013, abrufbar unter: http://www.seo- united.de/suchmaschinen.html.

8 Wiebusch, Leistungsschutzrecht für Presseverleger, S. 3.

9 Pfeifer, KSzW 2010, 263 (266).

10 Wandkte, in: Wandkte/Bullinger, Urheberrecht, Einl., Rn. 11.

11 Wiebusch, Leistungsschutzrecht für Presseverleger, S. 65.

12 Schippan, ZUM 2013, 358.

13 Stieper, ZUM 2013, 10 (11).

14 Hegemann / Heine, AfP 2009, 201 (204).

15 K ü hne, CR 2013, 169.

16 Wiebusch, Leistungsschutzrecht für Presseverleger, S. 30.

17 Wallraf, ZUM 2010, 492 (494).

18 Wieduwilt, K&R 2010, 555 (557).

19 Schmid-Petersen, AfP 2011, 119 (121).

20 Hegemann / Heine, AfP 2009, 201 (202).

21 Dies., AfP 2009, 201 (202).

22 Schack, Urheberrecht, Rn. 289.

23 Wiebusch, Leistungsschutzrecht für Presseverleger, S. 23.

24 Kotthoff, in: Dreyer/Kotthoff/Meckel, UrhR, § 4, Rn. 11.

25 Hegemann / Heine, AfP 2009, 201 (203).

26 Stieper, ZUM 2013, 10 (11).

27 Wiebusch, Leistungsschutzrecht für Presseverleger, S. 26 f.

28 Nordemann - Schiffel, in: Loewenheim, § 67, Rn. 33.

29 Wiebusch, Leistungsschutzrecht für Presseverleger, S. 27.

30 Hegemann / Heine, AfP 2009, 201 (203).

31 Stieper, ZUM 2013, 10 (11).

32 Wiebusch, Leistungsschutzrecht für Presseverleger, S. 27.

33 Ohly, WRP 2012, 41 (44).

34 Stieper, ZUM 2013, 10 (11).

35 Wiebusch, Leistungsschutzrecht für Presseverleger, S. 43.

36 Sieber, in: Hoeren/Sieber, Multimedia-Recht, Teil 1, Rn. 99 ff.

37 Ders., in: Hoeren/Sieber, Multimedia-Recht, Teil 1, Rn. 100.

38 Ders., in: Hoeren/Sieber, Multimedia-Recht, Teil 1, Rn. 104 f.

39 Wiebusch, Leistungsschutzrecht für Presseverleger, S. 45.

40 Nolte, ZUM 2003, 540 (542).

41 BGH MMR 2003, 719.

42 Dreyer, in: Dreyer/Kotthoff/Meckel, UrhR, I UrhG, § 19a, Rn. 11.

43 Frey, MMR 2010, 291 (292).

44 Dreier, in: Dreier/Schulze, UrhG, § 19a, Rn. 6a.

45 Kazemi, CR 2007, 94 (100).

46 EuGH NJW 2010, 753.

47 BGH MMR 2003, 719 (721).

48 Loewenheim, in: Schricker/Loewenheim, § 23, Rn. 10.

49 BGH GRUR 2011, 134.

50 Google Webmastertools, robot.txt, abrufbar unter: https://support.google.com/webmasters/answer/156449?hl=de&ref_topic=1724262.

51 H ö ppner, K&R 2013, 73 (77).

52 Eberwein, Wettbewerbsrechtliche Aspekte, S. 137.

53 Kahl, MMR 2013, 349 (352); Google Webmastertools, Snippets und Vorschauen entfernen, abrufbar unter: https://support.google.com/webmasters/answer/35304?hl=de.

54 H ö ppner, K&R 2013, 73 (77).

55 Google Blog, Verbesserung REP, abrufbar unter: http://googlewebmastercentral- de.blogspot.de/2008/06/verbesserungen-des-robots-exclusion.html.

56 H ö ppner, K&R 2013, 73 (77).

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Das neue Leistungsschutzrecht für Presseverleger. „Bayern schlägt Schalke“ als schutzwürdige Leistung?
Note
10,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
38
Katalognummer
V346664
ISBN (eBook)
9783668361478
ISBN (Buch)
9783668361485
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leistungsschutzrecht, presseverleger, bayern, schalke, leistung
Arbeit zitieren
Finn Schmidt (Autor), 2013, Das neue Leistungsschutzrecht für Presseverleger. „Bayern schlägt Schalke“ als schutzwürdige Leistung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346664

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