Der Human Development Report der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2010 bescheinigt dem Sultanat Oman, von jenen 135 Staaten, die eine Entwicklung verzeichnen konnten, der Staat mit der stärksten Entwicklung bzw. der größten Verbesserung im Human Development Index zu sein. Der Bericht weist dabei darauf hin, dass Oman seine Gewinne aus dem Energiesektor besonders ins Gesundheits- und Bildungssystem investiert hat.
Die Vereinten Nationen setzen bei ihrem Bericht im Jahr 1970 an – für Oman ist dieses Jahr eines der bedeutendsten seiner Geschichte, da damals der Sultan Qābūs b. Saʿīd die Macht ergriff. Der Putsch gegen seinen Vaters Saʿīd b. Taimūr fand in einer Zeit, in der gewaltsame oder auch, wie z.B. im Falle Omans, gewaltlose politische Umstürze, eine gewisse Hochkonjunktur im arabischen Raum hatten, statt. Im Gegensatz zu anderen politischen Umstürzen in der arabischen Welt in jener Zeit, wie der Machtübernahme der Baath-Partei in Syrien (1966) bzw. Irak (1979) oder der Machtergreifung des libyschen Militärs um Muammar al-Gaddafi (1969), sollte sich der Regierungswechsel in Oman – zumindest in den meisten Punkten – als eine Erfolgsgeschichte erweisen.
Ein Vergleich zwischen den verschiedenen Werdegängen Omans und z.B. Syriens und Libyens wäre mit Sicherheit sehr interessant, würde aber den Rahmen dieser Masterarbeit sprengen, sodass der Autor sich ausschließlich auf Oman beschränkt. Konkreter befasst sich die Arbeit mit einem Punkt, der im Human Development Report sehr hervorgehoben wurde: dem Bildungssystem bzw. Schulwesen Omans.
Dem Autor wurde bei einem kurzen Aufenthalt in Oman im Jahr 2011, das auch in Oman eine Protestbewegung erlebte, die allerdings zu keiner Zeit so durch Gewalt von staatlichen Organen geprägt war, wie in den meisten anderen arabischen Ländern, von mehreren omanischen Gesprächspartnern ein Umstand erklärt, der in jeder Publikation zum omanischen Bildungssystem erwähnt wird: Das Bildungssystem im Oman war bis zur Machtergreifung Sultan Qābūs b. Saʿīds 1970 faktisch inexistent.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Oman und seine Gesellschaft
2.1 Geographische Lage und soziale Fragen
2.2 Zum politischen System: das Sultanat Oman und der Sultan Qābūs b. Saʿīd
3. Die Anfänge des omanischen Bildungssystems
3.1 Zur Schulbildung in der Zeit vor der Machtergreifung Qābūs b.Saʿīds
3.2 Zur Lage der Schulbildung Anfang der 1970er Jahre
3.2.1 Organisation der Schulen
3.2.2 Entwicklung der Schüler- und Lehrerzahlen
3.2.3 Weitere Bildungseinrichtungen
3.3 Zur Entwicklung der Schulbildung in den 1980er Jahren
3.4 Zur Entwicklung der Schulbildung in den 1990er Jahren
4. Die weitere Entwicklung der Schulbildung ab 2000
4.1 Reformen im Schulsystem
4.1.1 Die Neuorganisation des omanischen Bildungssystems
4.1.2 Verbesserung von Qualitätsstandards im Bildungswesen
4.2 Aufbau privater Bildungseinrichtungen
4.3 Ausbau des noch jungen Hochschulwesens
4.3.1 Staatliche Hochschulen
4.3.2 Private Hochschulen
5. Vergleich zweier UNESCO-Berichte zu Oman: 1972 und 2011
5.1 Anzahl und Lage der Schulen und Schüler
5.1.1 Der Bericht von 1972
5.1.2 Der Bericht von 2011
5.2 Kurrikula
5.2.1 Der Bericht von 1972
5.2.2 Der Bericht von 2011
5.3 Zum Niveau der Lehrenden
5.3.1 Der Bericht von 1972
5.3.2 Der Bericht von 2011
5.4 Erreichte und noch zu verwirklichende Ziele
5.4.1 Der Bericht von 1972
5.4.2 Der Bericht von 2011
6. Zum Zusammenspiel zwischen Bildung und Wirtschaft in Oman
6.1 Zur Wirtschaft in Oman
6.2 Anforderungen des Arbeitsmarktes an Absolventen
6.3 Übersetzung
7. Herausforderungen und Schwierigkeiten für das omanische Bildungssystem
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit untersucht die Transformation des omanischen Bildungssystems seit der Machtergreifung von Sultan Qābūs b. Saʿīd im Jahr 1970. Das primäre Ziel ist es, die Maßnahmen zu analysieren, die den nahezu von Null erfolgten Aufbau eines modernen Schul- und Hochschulwesens ermöglichten, sowie die aktuellen Herausforderungen und zukünftigen Reformbedarfe im Kontext der wirtschaftlichen Diversifizierung darzulegen.
- Historische Entwicklung des omanischen Schulsystems seit 1970
- Vergleichende Analyse von UNESCO-Lageberichten (1972 und 2011)
- Strukturwandel und Qualitätsmanagement im Bildungswesen
- Wechselwirkungen zwischen Bildungssektor und nationaler Wirtschaftsentwicklung
- Anforderungen an Absolventen auf einem sich wandelnden Arbeitsmarkt
Auszug aus dem Buch
3.1 Zur Schulbildung in der Zeit vor der Machtergreifung Qābūs b.Saʿīds
Vor der Machtergreifung Sultan Qābūs b. Saʿīds von einem omanischen Bildungs„system“ zu sprechen, wirkt unangebracht angesichts der Probleme, vor denen das neue Staatsoberhaupt und seine Berater 1970 standen. Kaum ein Omaner hatte überhaupt formelle Bildung erhalten, da Sultan Saʿīd b. Taimūr offenbar fürchtete, dass er keine gebildete Bevölkerung regieren könne. Die Privilegierten, die eine nennenswerte Bildung erfahren hatten, waren fast alle im Ausland tätig, da es dem völlig verarmten und rückständigen Oman an einfachster Infrastruktur wie Industrie, modernen Häfen, Straßen, Stromversorgung oder Schulen gänzlich oder weitestgehend fehlte. Strom gab es bspw. nur im Raum Salalah, der damaligen Hauptstadt und in Teilen der nach dem Machtwechsel zur Hauptstadt erhobenen Hafenstadt Maskat.
Die Vereinten Nationen sprachen 1972 davon, dass Schulbildung im Oman erst im Schuljahr 1970/71 ein dynamisches und sich entwickelndes Konzept bekam. Zuvor war es fast völlig statisch, da das Staatsschulsystem es seit Jahren aus nur drei Koranschulen (1. bis 6. Klasse) für ca. 900 Jungen und das nicht-staatliche Schulsystem aus Koranschulen oft primitivster Natur bestand: Ein Lehrer, dessen Qualifikation oft zweifelhaft war, versammelte Schüler in Moscheen, Privathäusern oder unter Bäumen (da diese besonders in Dörfern ein markanter und schattenspendender Versammlungsplatz sind) und lehrte sie Lesen und Schreiben, Grundrechenarten und natürlich Grundzüge der islamischen Religion. Außerdem gab es noch eine amerikanische Missionsschule mit ca. 50 Schülern (darunter auch Mädchen), drei wenig bedeutende Schulen der urdusprachigen Hyderabadi-Muslime aus Indien und eine kleine, von der staatlichen Erdölfördergesellschaft unterhaltene technische Handelsschule.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den bemerkenswerten Aufstieg Omans im Human Development Index seit 1970 und führt in die Fragestellung zur Entwicklung des Bildungssystems ein.
2. Oman und seine Gesellschaft: Dieses Kapitel bietet einen landeskundlichen Überblick, der die geographischen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen des Sultanats beleuchtet.
3. Die Anfänge des omanischen Bildungssystems: Hier wird der schwierige Aufbau des Schulwesens von der vor-modernen Zeit bis in die 1990er Jahre chronologisch dargestellt.
4. Die weitere Entwicklung der Schulbildung ab 2000: Dieser Abschnitt fokussiert sich auf jüngste Reformen, die Neuorganisation des Systems und den Ausbau von Hochschulen.
5. Vergleich zweier UNESCO-Berichte zu Oman: 1972 und 2011: Ein systematischer Abgleich der beiden Berichte zeigt die quantitativen und qualitativen Fortschritte über vier Jahrzehnte auf.
6. Zum Zusammenspiel zwischen Bildung und Wirtschaft in Oman: Das Kapitel verknüpft Bildungsaspekte mit wirtschaftlichen Realitäten und Anforderungen des Arbeitsmarktes, inklusive einer Übersetzung eines relevanten Fachaufsatzes.
7. Herausforderungen und Schwierigkeiten für das omanische Bildungssystem: Zusammenfassende Betrachtung der bestehenden Probleme bei der Lehrerqualifikation, Lehrplangestaltung und der Transparenz im Bildungssektor.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die zukünftigen Aussichten des omanischen Bildungs- und Wirtschaftssystems.
Schlüsselwörter
Oman, Bildungssystem, Schulwesen, Sultan Qābūs b. Saʿīd, UNESCO, Schulentwicklung, Lehrerqualifikation, Bildungsreform, Arbeitsmarkt, Hochschulbildung, Humankapital, Bildungsqualität, Wirtschaftsdiversifizierung, Lehrplan, Alphabetisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die radikale Transformation des omanischen Bildungssystems nach 1970, ausgehend von einem faktisch inexistenten Zustand hin zu einem modernen, staatlich finanzierten System.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen sind der Aufbau der schulischen Infrastruktur, der Aufbau des tertiären Bildungssektors, die Rolle der Lehrerqualifizierung und die Verzahnung von Bildungsangeboten mit den Anforderungen der omanischen Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit klärt, mit welchen Maßnahmen der Aufbau des Schulwesens gelang, was in vier Jahrzehnten erreicht wurde und welchen aktuellen Herausforderungen sich das Bildungswesen in Bezug auf Qualität und Wettbewerbsfähigkeit stellen muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine komparative Analyse von internationalen Berichten (UNESCO, Weltbank) sowie auf die Auswertung von Fachliteratur und offiziellen omanischen Dokumenten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Darstellung der Bildungsentwicklung, einen detaillierten Vergleich der UNESCO-Berichte von 1972 und 2011 sowie eine Analyse der Interdependenz zwischen Bildung und Wirtschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen: Oman, Bildungsreform, Lehrerqualität, Humankapital, UNESCO, Schulbildung und wirtschaftliche Diversifizierung.
Wie hat sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis seit den 1970er Jahren entwickelt?
Es hat sich signifikant verbessert: Während in den frühen 70er Jahren ein Verhältnis von 35:1 herrschte, liegt es heute im nationalen Schnitt bei etwa 12,5:1, was den internationalen Standards entspricht.
Welche Rolle spielen private Bildungseinrichtungen in Oman?
Sie werden als notwendige Ergänzung zum staatlichen System angesehen, unterliegen jedoch strenger staatlicher Aufsicht. Obwohl ihre Gebühren viele Omaner abschrecken, werden sie aufgrund spezifischer Bildungsangebote und internationaler Kooperationen zunehmend wichtiger.
Warum ist die Qualität der Absolventen für das Sultanat so kritisch?
Oman möchte seine Abhängigkeit von ausländischen Fachkräften reduzieren und die eigene Bevölkerung befähigen, in einer globalisierten, wissenschaftsbasierten Wirtschaft wettbewerbsfähig zu sein.
Wie wird die Rolle der Medien und Transparenz im Bildungssektor bewertet?
Die Arbeit kritisiert einen Mangel an Transparenz und eine teilweise oberflächliche Berichterstattung, die notwendige gesellschaftliche Diskurse über Qualitätsdefizite im Bildungswesen behindert.
- Citation du texte
- Göran Janson (Auteur), 2016, Schulen in Oman. Zur Entwicklung des modernen Bildungssystems unter Sultan Qābūs b. Sa'īd seit 1970, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346707