Unsere modernen Gesellschaften sind durch Migration, Internationalisierung und einen offenen Arbeitsmarkt geprägt. Dies führt zu einer großen Durchmischung ihrer Mitglieder. In dieser globalisierten Welt wird es immer wichtiger in einer fremden Sprache zu kommunizieren. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit des Erlernens einer Fremdsprache. Neben diesem Globalisierungsprozess bildet sich unsere Gesellschaft immer mehr zu einer Wissensgesellschaft heraus. Wissen bildet zunehmend die Grundlage des sozialen und ökonomischen Zusammenlebens. Wissenserwerb kann aber erst dann stattfinden, wenn Kompetenzen erworben werden.
Diesem Umstand versucht der schulische Werdegang Rechnung zu tragen, in dem den SuS Kompetenzerwerb ermöglicht wird. Der Fremdsprachenunterricht ist auf den Erwerb unterschiedlicher Kompetenzen ausgerichtet. Nach Zydatiß reicht das aber nicht aus. Er geht noch weiter und stellt fest, dass die Schule eine Pflicht inne hat Schülerinnen und Schüler zu befähigen, „fachunterrichtliche Inhalte auch […] in einer Fremdsprache zu erwerben“ (Zydatiß 2007b:37). Fachinhalte in einer Fremdsprache zu erwerben, kann durch Bilingualen Sachfachunterricht ermöglicht werden. Hieraus wird deutlich, dass im Zusammenspiel der Globalisierungsprozesse und der Herausbildung einer Wissensgesellschaft der Bilinguale Sachfachunterricht eine Basisqualifikation bilde, welche zur Teilhabe an der Gesellschaft unabdingbar geworden sei.
In dieser Arbeit soll herausgearbeitet werden, wie SuS mittels Bilingualem Sachfachunterricht eine soziokulturelle Partizipationsfähigkeit und folglich eine Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden kann. Hierzu wird der Bilinguale Sachfachunterricht vor allem auf das Zielkonstrukt der fremdsprachlichen reflexiven Diskurskompetenz hin untersucht. Zu Beginn der vorliegenden Arbeit wird der Diskursbegriff genauer betrachtet, um diesen abschließend im Bilingualen Sachfachunterricht zu verorten. Des Weiteren wird das besondere Bildungspotential der fremdsprachlichen reflexiven Diskurskompetenz im Bilingualen Sachfachunterricht herausgearbeitet und dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. FREMDSPRACHLICHE REFLEXIVE DISKURSKOMPETENZ UNTER BILDUNGSTHEORETISCHEN ERWÄGUNGEN
III. DIE FREMDSPRACHLICHE DISKURSKOMPETENZ
3.1. Der Diskursbegriff
3.2. Der Diskursbegriff in der Fremdsprachendidaktik
3.3. Die Funktion des Diskurses im Bilingualen Sachfachunterricht
IV. ERLANGUNG VON BILDUNG DURCH REFLEXIVITÄT UND DISKURSFÄHIGKEIT IM BILINGUALEN SACHFACHUNTERRICHT
4.1. Die reflexive Dimension im Bilingualen Sachfachunterricht
4.2. Erlangung von Bildung durch Inszenierung von Reflexivität
V. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial des bilingualen Sachfachunterrichts, durch das Zielkonstrukt der „fremdsprachlichen reflexiven Diskurskompetenz“ zur soziokulturellen Partizipationsfähigkeit und damit zur Teilhabe an der Gesellschaft beizutragen.
- Bildungstheoretische Fundierung des bilingualen Sachfachunterrichts
- Diskursbegriffe im Kontext der Fremdsprachendidaktik
- Integration von fachlichem und fremdsprachlichem Lernen
- Rolle der Reflexivität und Bedeutungsaushandlung für Bildungsprozesse
- Inszenierung von Differenzerfahrungen zur Förderung von Selbst- und Weltverhältnissen
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Diskursbegriff
Eingangs soll die Mannigfaltigkeit des ‚Diskursbegriffs‘ betrachtet werden. Denn der Begriff ‚Diskurs‘ hat viele unterschiedliche Ausprägungen und wird mittlerweile in den verschiedensten Zusammenhängen verwendet (vgl. dazu Sara Mills, 2007:1). Aus diesem Grund muss der Diskursbegriff in einem ersten Schritt in Bezug auf die Didaktik beleuchtet werden. Hierzu werden der sozial-philosophische Diskursbegriff bei Foucault, sowie der kommunikationstheoretische Ansatz von Habermas herangezogen.
Mit der Habermas‘sche Gesellschaftsutopie habe die Kommunikative Kompetenz Einzug in die Pädagogik und die Didaktiken gehalten (vgl. Metzler Lexikon (2010):136). Betrachtet man den Diskursbegriff bei Habermas, dann kann man feststellen, dass nach seiner Ausführung ein Diskurs zu „der Begründung problematischer Geltungsansprüche von Meinungen und Normen“ diene (Habermas 197:117). Habermas habe die Kommunikative Kompetenz als Gesellschaftsutopie zur Schaffung von idealen Sprechsituationen definiert, in denen alle Mitglieder gleichwertig sind und offen, d.h. ohne eigene Machtinteressen zu vertreten, miteinander kommunizieren (vgl. Metzler Lexikon (2010):136). Ideale Kommunikation solle diesem Modell nach herrschaftsfrei verlaufen, ideologiefrei sein und sich ausschließlich am besseren Argument orientieren (a.a.O.:136). Dies macht deutlich, dass es um einen Diskursbegriff geht, bei dem es sich um einen Akt der Metakommunikation handele (vgl. Hallet 2008:84).
Betrachtet man aber dahingegen die Ausführungen Foucaults zum Diskursbegriff, kann festgehalten werden, dass Diskurse nicht zusammenhangslos existieren. Foucault begreift ‚Diskurs‘ als „das System des Auftauchens der Gegenstände, der Erscheinung und Distribution der Äußerungsweisen, der Platzierung und Dispersion der Begriffe, der Entfaltung der strategischen Wahlen“ (Foucault 1973: 115). Außerdem spielen auch die „hergestellten Beziehungen, die eine diskursive Praxis charakterisieren“ eine große Rolle (Foucault 1981:73). Fairclough schließt sich dieser Auffassung an und stellt fest, dass „Diskurse [...] nicht in einem Vakuum existieren, sondern in ständigem Konflikt mit anderen Diskursen und anderen sozialen Praktiken [stehen], die sie über Fragen von Wahrheit und Autorität auf dem Laufenden halten“ (vgl. Sara Mills 2007: 20).
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Die Einleitung begründet die Relevanz des bilingualen Sachfachunterrichts als Basisqualifikation für die Wissensgesellschaft und stellt das Forschungsziel der Arbeit vor.
II. FREMDSPRACHLICHE REFLEXIVE DISKURSKOMPETENZ UNTER BILDUNGSTHEORETISCHEN ERWÄGUNGEN: Dieses Kapitel verortet das Zielkonstrukt bildungstheoretisch und diskutiert den Mehrwert gegenüber klassischem Fremdsprachenunterricht.
III. DIE FREMDSPRACHLICHE DISKURSKOMPETENZ: Hier werden theoretische Diskursbegriffe (Habermas, Foucault) analysiert, didaktisch übertragen und auf ihre Rolle im bilingualen Unterricht hin geprüft.
IV. ERLANGUNG VON BILDUNG DURCH REFLEXIVITÄT UND DISKURSFÄHIGKEIT IM BILINGUALEN SACHFACHUNTERRICHT: Der Abschnitt erläutert die Bedeutung von Reflexivität und Differenzerfahrungen für Transformations- und Bildungsprozesse der Lernenden.
V. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass ein reflektierter, handlungsorientierter Unterricht notwendig ist, um durch Diskursfähigkeit eine echte gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Bilingualer Sachfachunterricht, Fremdsprachliche reflexive Diskurskompetenz, Bedeutungsaushandlung, Bildungspotenzial, Differenzerfahrungen, Diskursfähigkeit, Interkulturalität, Partizipationsfähigkeit, Sprachreflexion, Kompetenzerwerb, Wissensgesellschaft, Handlungsfähigkeit, Soziale Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwiefern die „fremdsprachliche reflexive Diskurskompetenz“ als sinnvolles Zielkonstrukt für den bilingualen Sachfachunterricht dienen kann, um Schülerinnen und Schülern gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der bilinguale Sachfachunterricht, die didaktische Einordnung von Diskursbegriffen, die Bedeutung der Reflexivität für den Bildungsprozess sowie das Konzept der Bedeutungsaushandlung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, wie durch den bilingualen Sachfachunterricht soziokulturelle Partizipationsfähigkeit entwickelt werden kann, indem das Konstrukt der reflexiven Diskurskompetenz als Basis für identitätsstiftende Bildungsprozesse dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit einschlägiger Forschungsliteratur (u.a. Bonnet, Breidbach, Hallet, Zydatiß) sowie einer Analyse bildungstheoretischer und didaktischer Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Diskursbegriffs, die Untersuchung der Funktion von Diskursen im bilingualen Kontext sowie die Analyse, wie Reflexivität und Differenzerfahrungen Bildungsprozesse transformativ beeinflussen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere die fremdsprachliche reflexive Diskurskompetenz, Bedeutungsaushandlung, Differenzerfahrungen, Partizipation und die reflexive Dimension des Kompetenzerwerbs.
Wie unterscheidet sich der bilinguale Unterricht vom herkömmlichen Fremdsprachenunterricht?
Laut der Arbeit liegt der wesentliche Unterschied in der „doppelten Fremdsprachlichkeit“ und der spezifischen Fachlichkeit, die über die reine Sprachverwendung hinausgeht und durch die Auseinandersetzung mit komplexen Diskursen Bildung anstößt.
Warum ist Reflexivität im bilingualen Sachfachunterricht nicht automatisch gegeben?
Die Autorin verdeutlicht, dass Reflexivität kein Selbstläufer ist, sondern durch die gezielte Inszenierung von Lerninhalten und bewusste Differenzerfahrungen durch die Lehrkraft aktiv gestaltet werden muss.
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- Fee Roenspiess (Autor), 2015, Fremdsprachliche reflexive Diskurskompetenz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346774